Gerade erst haben sich Bundeskanzler Friedrich Merz und der französische Präsident Emmanuel Macron auf eine Aufweichung des Verbrennerverbots geeinigt. Sie wollen der Automobilindustrie damit mehr Zeit geben, sich auf die Produktion von E-Autos umzustellen. Ob sie die bekommen, erscheint aber zweifelhaft. Verbraucher wenden sich von Verbrennern ab, wie die aktuellsten Daten es Kraftfahrt-Bundesamtes zeigen. So belief sich der Anteil von rein batterieelektrischen Fahrzeugen (BEV) hierzulande im September bei den Pkw-Neuzulassungen auf rund 35 Prozent. Gleichzeitig kommen Benzin und Diesel zusammengenommen auf nur 26 Prozent. Treiber dieser Entwicklung sind unter anderem die Kraftstoffpreise, aber auch die technische Entwicklung. Waren E-Autos lange vergleichsweise teuer, kommen mittlerweile immer mehr günstige Modelle auf den Markt. Der könnte damit endgültig in Richtung BEV kippen. Optimistische Prognosen gehen davon aus, dass Ende der Dreißigerjahre in Deutschland jedes zweite Auto elektrisch unterwegs sein könnte.
Mathias Brandt
Ein BEV (Battery Electric Vehicle) ist ein rein batterieelektrisch angetriebenes Fahrzeug. Gegenüber Benzinern und Dieselfahrzeugen bietet es insbesondere folgende Vorteile:
- Hohe Energieeffizienz: Elektromotoren setzen einen größeren Anteil der eingesetzten Energie in Bewegung um als Verbrennungsmotoren.
- Keine lokalen Abgasemissionen: Beim Fahren entstehen am Fahrzeug weder CO₂ noch Stickoxide oder andere Auspuffemissionen. Reifen- und Straßenabrieb bleiben allerdings bestehen.
- Bessere Klimabilanz: Über den gesamten Lebenszyklus schneiden Elektroautos nach Angaben des Umweltbundesamtes bereits mit dem deutschen Strommix klimafreundlicher ab als vergleichbare Verbrenner. Mit einem höheren Anteil erneuerbarer Energien verbessert sich dieser Vorteil.
- Niedrigere Energiekosten möglich: Besonders beim Laden zu Hause oder mit eigenem Solarstrom können die Kosten pro Kilometer geringer ausfallen. Sie hängen jedoch vom Stromtarif, Verbrauch und Ladeort ab.
- Geringerer Wartungsaufwand: Ölwechsel, Zündkerzen, Kupplung, Auspuffanlage und zahlreiche bewegliche Motorteile entfallen. Eine ADAC-Erhebung von 2026 ergab bei mehreren verglichenen Marken niedrigere Inspektionskosten für Elektroautos.
- Energierückgewinnung: Beim Verzögern wandelt die Rekuperation Bewegungsenergie zurück in elektrische Energie und entlastet dabei die mechanischen Bremsen.
- Leiser und vibrationsärmer: Der Elektroantrieb arbeitet insbesondere bei niedrigen Geschwindigkeiten deutlich geräuschärmer und bietet eine gleichmäßige Leistungsentfaltung.
- Direktes Drehmoment: Die Antriebskraft steht unmittelbar zur Verfügung, wodurch BEV schnell und ohne Schaltunterbrechungen beschleunigen.
- Laden während Standzeiten: Das Fahrzeug kann zu Hause, am Arbeitsplatz oder an öffentlichen Ladepunkten geladen werden. Bei geeigneter Infrastruktur entfallen zusätzliche Tankstellenfahrten.
- Steuerliche und lokale Vorteile: Je nach geltender Regelung können Steuervergünstigungen sowie kommunale Park- oder Zufahrtsvorteile bestehen.
Einschränkung: Wie groß die finanziellen und praktischen Vorteile tatsächlich sind, hängt stark von Fahrzeugmodell, Strompreis, Fahrleistung, Reichweitenbedarf und verfügbarer Ladeinfrastruktur ab.
Quellen: Umweltbundesamt, ADAC, Bundesumweltministerium
BEV und Verbrenner im direkten Vergleich
|
Kriterium |
BEV – batterieelektrisches Fahrzeug |
Benziner/Diesel |
|
Antrieb |
Elektromotor mit Hochvoltbatterie |
Verbrennungsmotor mit Benzin oder Diesel |
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Energieeffizienz |
Deutlich höher; wenig Energie geht als Abwärme verloren |
Niedriger; ein großer Teil der Energie wird zu Abwärme |
|
Lokale Emissionen |
Keine Auspuffemissionen; Reifen-, Brems- und Straßenabrieb bleiben |
CO₂-, Stickoxid- und weitere Abgasemissionen; zusätzlich Reifen-, Brems- und Straßenabrieb |
|
Klimabilanz |
Über den Lebenszyklus in Deutschland im Regelfall günstiger; verbessert sich mit einem höheren Anteil erneuerbarer Energien |
Herstellung meist weniger emissionsintensiv, aber fortlaufende Emissionen durch Kraftstoffbereitstellung und Verbrennung |
|
Herstellung |
Batterieproduktion verursacht einen vergleichsweise hohen Energie- und Rohstoffbedarf |
Meist geringere Emissionen bei der Fahrzeugproduktion |
|
Energiekosten |
Bei günstigem Laden zu Hause oder am Arbeitsplatz häufig niedriger |
Abhängig von Kraftstoffpreis und Verbrauch; meist weniger stark vom Ladeort abhängig |
|
Gesamtkosten |
Stark von Kaufpreis, Wertverlust und Ladeprofil abhängig |
In vielen Modellvergleichen wegen niedrigerer Anschaffungskosten noch günstiger |
|
Wartung |
Weniger Verschleißteile; kein Ölwechsel, keine Zündkerzen, keine Kupplung und keine Abgasanlage |
Mehr mechanische Komponenten und regelmäßige Wartungsarbeiten |
|
Inspektionskosten |
Laut ADAC-Stichprobe 2026 bei den meisten untersuchten Marken mindestens ein Drittel niedriger |
In der ADAC-Stichprobe überwiegend höher |
|
Reichweite |
Modell-, temperatur- und geschwindigkeitsabhängig; im Winter und bei schneller Autobahnfahrt geringer |
Häufig größere Reichweite mit einer Tankfüllung |
|
Energieaufnahme |
Laden dauert je nach Fahrzeug, Batterie, Temperatur und Ladepunkt deutlich länger als Tanken |
Tanken dauert gewöhnlich nur wenige Minuten |
|
Infrastruktur |
Eigener Stellplatz mit Lademöglichkeit ist ein deutlicher praktischer Vorteil |
Dichtes Tankstellennetz und eingespielte Infrastruktur |
|
Langstrecke |
Gut möglich, erfordert aber je nach Fahrzeug und Strecke Ladeplanung |
Flexibler bei sehr langen und ungeplanten Fahrten |
|
Kurzstrecke und Stadt |
Sehr effizient, leise und ohne lokale Abgase; Rekuperation im Stop-and-go-Verkehr vorteilhaft |
Auf Kurzstrecken häufig ineffizienter; Motor und Abgasreinigung erreichen nicht immer schnell die optimale Betriebstemperatur |
|
Fahrverhalten |
Sofortiges Drehmoment, gleichmäßige Beschleunigung, keine Schaltunterbrechungen |
Motor- und getriebeabhängig; häufig verzögertere Leistungsentfaltung |
|
Geräusch und Vibrationen |
Bei niedrigen Geschwindigkeiten leiser und vibrationsärmer |
Motorgeräusche und Vibrationen sind stärker ausgeprägt |
|
Bremsverschleiß |
Rekuperation kann die mechanischen Bremsen entlasten |
Verzögerungsenergie wird überwiegend über die Bremsen abgebaut |
|
Gewicht |
Batterie führt häufig zu höherem Fahrzeuggewicht |
Vergleichbare Modelle sind häufig leichter |
|
Steuern und Vorteile |
Je nach Zulassungsdatum und geltender Regelung steuerlich begünstigt |
Reguläre Kfz-Steuer, unter anderem abhängig von Hubraum und CO₂-Ausstoß |
|
Alltagstauglichkeit |
Besonders attraktiv bei eigener Lademöglichkeit, planbaren Strecken und hohem Kurz- oder Mittelstreckenanteil |
Vorteilhaft ohne verlässlichen Ladezugang, bei häufigen Langstrecken oder hohem Zeitdruck |
Kurzfazit
Das BEV hat klare Vorteile bei Effizienz, lokalen Emissionen, Klimabilanz, Fahrkomfort und Wartungsaufwand. Besonders überzeugend ist es, wenn zu Hause oder am Arbeitsplatz günstig geladen werden kann.
Der Verbrenner bleibt bei schnellem Nachtanken, spontanen Langstrecken und fehlender Ladeinfrastruktur praktischer. Auch bei den Gesamtkosten ist das BEV nicht automatisch günstiger: Nach ADAC-Berechnungen entscheiden vor allem Kaufpreis, Wertverlust und Strompreis. Bei vergleichbaren Anschaffungspreisen und günstigem Laden verbessert sich die Kostenposition des BEV deutlich.
Faustregel:
- Eigene Wallbox, viele Alltagsfahrten, planbare Nutzung: Vorteil BEV
- Keine feste Lademöglichkeit, häufige sehr lange Fahrten: häufig Vorteil Verbrenner
- Kostenentscheidung: konkrete Modelle mit identischer Haltedauer und Jahresfahrleistung vergleichen
Quellen:
[1] https://www.umweltbundesamt.de/presse/pressemitteilungen/klimavorteil-fuer-e-autos-bestaetigt
[2] https://www.adac.de/rund-ums-fahrzeug/auto-kaufen-verkaufen/autokosten/inspektionskosten-e-auto-verbrenner/
[3] https://presse.adac.de/meldungen/adac-ev/technik/welcher-antrieb-faehrt-am-guenstigsten.html
[4] https://www.bundesumweltministerium.de/faqs/elektromobilitaet
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