So gelingt die Produktentwicklung mit einem MVP – Schnell, effizient und kundenorientiert

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Um erfolgreiche Anwendungen zu entwickeln, müssen Verantwortliche die Wünsche und Bedürfnisse potenzieller Nutzer kennen. Welche Funktionen sind für sie zwingend notwendig, und welche können auch erst später implementiert werden? Diesen Ansatz verfolgt die Arbeitsweise mit einem »Minimum Viable Product«.

Ein Produkt über Monate oder gar Jahre bis zur Marktreife entwickeln und es erst launchen, wenn es vermeintlich fertig und perfekt ist: Was vielleicht vor einigen Jahren im Bereich der Programmierung von Software oder Internetauftritten funktioniert hat, ist heute nicht mehr umsetzbar. Denn zum einen fällt mit dieser Methode erst im praktischen Einsatz auf, dass Funktionen des Produkts die Bedürfnisse der Anwender nicht optimal adressieren. Zum anderen besteht die Gefahr, dass dessen Fertigstellung so viel Zeit in Anspruch nimmt, dass es bei seiner Veröffentlichung bereits nicht mehr dem aktuellen Stand der Technik entspricht. Bei der Entwicklung mit dem »Minimum Viable Product« (MVP) liegt der Fokus hingegen auf einer schnellen Marktreife – ohne Abstriche bei der Qualität. Deshalb wird zunächst ein geringerer Umfang an Funktionen entwickelt, die allerdings einen direkt sichtbaren Mehrwert für die Nutzer haben.

Das Konzept des »minimal überlebensfähigen Produkts« ist Teil der Lean-Startup-Methode, deren Ziel es ist, die nach dem ersten Launch erhaltene Rückmeldung der Nutzer für die Weiterentwicklung des Produkts zu nutzen. Die Umsetzung dieses auch als »Build-Measure-Learn«-Methode bezeichneten Vorgehens ermöglicht agile Arbeitsweisen: Nachdem erste Funktionen implementiert wurden, wird durch Feedbackrunden umgehend geprüft, ob sie ihren Zweck erfüllen. Hieraus können Entwickler dann die nächsten Arbeitsschritte ableiten. Doch welche Regeln gilt es zu beachten, damit der Einsatz eines MVPs in der Website- oder Softwareprogrammierung zum Erfolg wird?

Regel 1: Kontinuierliche Produktentwicklung statt Projektarbeit. »Wenn Sie sich nicht für die erste Version Ihres Produkts schämen, haben Sie es zu spät auf den Markt gebracht.« Was Reid Hoffman, Gründer des Business-Netzwerks Linkedin, hier so überspitzt formuliert, hebt die typische Problematik bei der Arbeit mit einem MVP hervor – nämlich zu viele Funktionen zu perfekt umsetzen zu wollen. Stattdessen empfiehlt es sich, Möglichkeiten für Optimierungen zu lassen.

Da bei Projektbeginn bewusst keine abgeschlossene Übersicht mit den verfügbaren Funktionen definiert wird, können weder die Kunden noch das Entwicklerteam voraussagen, wie die finale Lösung gestaltet sein wird. Daher kann die Arbeitsweise mit einem MVP im schlechtesten Fall als Kostenfaktor mit schwer einschätzbarem finanziellen Ausmaß wahrgenommen werden. Tatsächlich können durch die iterative Vorgehensweise die Kosten für spezifische, zu implementierende Funktionen aber viel deutlicher gegenübergestellt werden, so dass das Produkt mit einem gut überblickbaren Budget weiterentwickelt werden kann. Außerdem lassen sich durch den frühen Praxiseinsatz Einnahmen schneller generieren und früher Erfolge feiern und aufzeigen. Dies erhöht auf Seiten der Auftraggeber das Vertrauen in die Entwickler sowie die Zufriedenheit der Mitarbeiter.

Regel 2: Vom Frontend aus denken. Durch nutzerfreundliche Angebote wie Netflix, Spotify oder Amazon hat sich die Erwartungshaltung von Verbrauchern an digitale Services grundlegend verändert. Optisch ansprechende Benutzeroberflächen, die intuitiv zu bedienen sind, werden heute als Standard angesehen. Dementsprechend erwarten Kunden sie von ihrer Versicherung oder Bank genauso, wie Mitarbeiter von unternehmensinternen Lösungen.

Darum empfiehlt es sich, bei der Entwicklung von beispielsweise Websites im ersten Schritt ausschließlich deren Nutzeroberfläche im Fokus zu haben. Dabei muss jedoch beachtet werden, dass beispielsweise ein neuer Online-Service keine Insellösung sein kann. Er muss in der Lage sein, auf bereits bestehende Systeme zuzugreifen und Daten zwischen User Interface und Backend zu übermitteln, um Arbeitsschritte automatisieren und vereinfachen zu können.

Regel 3: Verbindung zwischen neuem und altem System schaffen. Insbesondere für Betriebe mit historisch gewachsener IT-Infrastruktur kann die Entwicklung von ansprechenden Internetauftritten oder digitalen Diensten jedoch eine große Herausforderung sein. Denn an die dort bestehenden Legacy-Systeme und deren zumeist auf Sicherheit und Stabilität fokussierte Vorgaben muss sich ein neues Frontend anpassen, damit ein Austausch zwischen beiden Ebenen gelingt. Oftmals leidet die Nutzerfreundlichkeit darunter aber enorm. Es ist jedoch kaum möglich, das komplette Backend vorübergehend abzuschalten und es für eine bessere User Experience an der Schnittstelle umzubauen. Der Grund: Backends werden in der Regel über viele Jahre hinweg entwickelt und haben einen wichtigen Auftrag zu erfüllen. Ihre Aufgabe ist es, den reibungslosen Ablauf des täglichen Geschäfts sowie die Einhaltung gesetzlicher Bestimmungen zu garantieren.

Als Lösung eignet sich in einem solchen Fall ein Frontend-Layer wie couper.io. Er dient als eigenständige Entwicklungsebene einer neuen Nutzeroberfläche und bietet Schnittstellen, über die die Daten zwischen den beiden Plattformen übermittelt werden können. Durch diese Zweiteilung der IT bleiben die stabilen Systeme im Hintergrund unangetastet, während sich User Interfaces flexibel an jegliche Marktveränderungen anpassen lassen.

Praxisbeispiel Uelzener Versicherungen: Mit MVP meistgenutzte Services identifizieren. Wie ein erfolgreicher schrittweiser Umbau eines Internetauftritts gelingt, zeigt das Beispiel der Uelzener Versicherungen. Der Sevenval-Kunde, der seit fast 150 Jahren als Spezialversicherer für Tiere tätig ist, hat im ersten Schritt nur den Servicebereich auf seiner Website optimiert, statt den gesamten Internetauftritt zu relaunchen. Grundlage für die Optimierung waren konkrete neue Anforderungen, sowohl auf Seiten der Kunden als auch der Fachabteilungen – etwa die Möglichkeit, Leistungsfälle digital melden zu können. Solche Self-Service-Angebote, gepaart mit einem neuen Design, konnten bereits mit dem MVP eingesetzt werden, unabhängig von einem vollständigen Relaunch.

Mit dem Frontend-Layer couper.io wurde dafür – vom Backend getrennt – ein neues User Interface für den Servicebereich der Website gestaltet. Hier werden nun sämtliche Formulare für Kontaktanfragen sowie FAQs und der Downloadbereich gebündelt präsentiert, was zuvor auf Untermenüs verteilt war. Durch die Optimierung finden die Seitenbesucher nun schneller die gewünschten Dienstleistungen, zudem wird ihr Verhalten auf den Serviceseiten detaillierter analysiert. Die dadurch gewonnenen Erkenntnisse werden genutzt, um das Angebot beständig zu optimieren und den Besuchern die von ihnen gewünschten Dienste noch ansprechender präsentieren zu können.



Roland Guelle, CTO, Sevenval Technologies GmbH (l.) und
Jacek Chmiel, Global Chief of Consulting & Technology, IT Services Competence Platform

 

Illustration: © ilgazerelphotography/shutterstock.com

 


 

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