
Illustration Absmeier foto ki designer
Die Elektro- und Digitalindustrie will investieren, wird aber durch Bürokratie, hohe Kosten und langsame Verfahren ausgebremst. Die Ergebnisse des ZVEI-Entscheider-Panels zeigen: Ohne spürbare Entlastung bei Regulierung, Energiepreisen und Arbeitsmarktflexibilität droht Deutschland industrielle Dynamik zu verlieren – obwohl Unternehmen bereit sind, Verantwortung für technologische Souveränität und europäische Wertschöpfung zu übernehmen.
Management Summary
- Bürokratie bleibt Investitionsbremse Nummer eins: 85 Prozent der Branchenentscheider sehen überbordende Regulierung, Unsicherheit und lange Genehmigungen als zentrale Hemmnisse für Investitionen in Deutschland.
- Arbeitsmarkt und Kosten verschärfen den Standortnachteil: Starre Arbeitszeitregeln, restriktiver Kündigungsschutz sowie hohe Lohn-, Energie- und Abgabenlasten begrenzen die Handlungsfähigkeit der Unternehmen.
- Technologische Souveränität genießt breite Rückendeckung: 98 Prozent unterstützen mehr heimische Entwicklung und Produktion strategischer Schlüsseltechnologien wie Halbleiter und Batterien.
- Tempo entscheidet über industrielle Wertschöpfung: Wenn Innovationen zu langsam vom Labor in die Fabrik gelangen, verliert Europa im globalen Wettbewerb Anschluss – schnellere Genehmigungen und Förderentscheidungen werden zum Standortfaktor.
- Fairer Handel braucht wirksame Schutzmechanismen: Europa soll offen bleiben, muss aber schneller gegen Dumping, Subventionen und verzerrte Wettbewerbsbedingungen vorgehen, um industrielle Resilienz tatsächlich abzusichern.
Die massive Bürokratie und ein überregulierter, unflexibler Arbeitsmarkt hindern eine große Mehrheit der Unternehmen der Elektro- und Digitalindustrie daran, mehr am Standort Deutschland zu investieren. Das ist das Ergebnis des aktuellen ZVEI-Entscheider-Panels. 85 Prozent der befragten Branchen-Entscheiderinnen und -Entscheider gaben an, dass zu viel Bürokratie, regulatorische Unsicherheit und zu lange Genehmigungsdauern Investitionen im Weg stehen. Drei Viertel (75 %) der Befragten fühlen sich von Arbeitsmarktrestriktionen wie zu starren Arbeitszeiten oder einem zu restriktiven Kündigungsschutz ausgebremst. Hohe Standortkosten sind ein weiteres bedeutsames Thema: Jeweils mehr als die Hälfte gibt zu hohe Lohnkosten (57 %), die hohen Kosten für Strom und Energie (53 %) sowie die hohen Steuern und Abgaben (53 %) an.

ZVEI-Präsident Daniel Hager (c)
»Diese Umfragewerte sind ein Alarmsignal! Unsere Unternehmen wollen mehr investieren, sie können investieren, sie wollen das Land voranbringen – aber hausgemachte Standortbremsen fesseln die Dynamik unserer Branche«, sagt ZVEI-Präsident Daniel Hager.
»Wer mehr industrielle Stärke in Deutschland und Europa will, der muss uns machen lassen! Unser Appell an die Politik: Befreien Sie uns von Bürokratie, schaffen Sie schnellere Genehmigungen, sorgen Sie endlich für wettbewerbsfähige Strompreise und einen dynamischen Arbeitsmarkt, der Leistungsanreize setzt, statt sie zunichtezumachen.«
Fast alle Befragten (98 %) befürworten die verstärkte heimische Entwicklung und Produktion von Schlüsseltechnologien wie Halbleiter oder Batterien. Mehr als die Hälfte (51 %) unterstützt dieses Ziel auch dann, wenn damit wirtschaftliche Belastungen verbunden sind. Weitere 46 Prozent befürworten eine stärkere heimische und europäische Wertschöpfung, sofern die hiermit verbundenen Belastungen in einem überschaubaren Rahmen bleiben.
»Die Resilienz unseres Standorts ist für uns keine abstrakte Debatte. Wir wollen Deutschland und Europa souveräner und unabhängiger machen. Die Unternehmen der Elektro- und Digitalindustrie sind bereit, weiter Verantwortung für den Standort zu übernehmen. Aber sie erwarten zu Recht, dass die Politik die Leitplanken für diesen Einsatz auch richtig setzt«, kommentiert Hager.
Die Sicherung fairer Wettbewerbsbedingungen für Produktionsstandorte in Deutschland und Europa im internationalen Wettbewerb ist für die Unternehmen der Elektro- und Digitalindustrie zentral. Um mehr Fairness im weltweiten Wettbewerb zu schaffen, fordern 60 Prozent der Befragten von der EU-Handelspolitik schnellere Anti-Dumping- und Anti-Subventionsverfahren.
»Freier Handel darf nicht heißen, dass Europa naiv zusieht, wie andere Länder mit massiven Staatshilfen und künstlichen Preisvorteilen Fair Play vorsätzlich untergraben«, sagt Hager.
»Wenn andere Länder systematisch Wettbewerbsbedingungen verzerren, muss Europa systematisch dagegenhalten, und zwar schnell und unbürokratisch. Wir brauchen zudem eine Beweislastumkehr bei offensichtlichen Verzerrungen und Ausgleichszölle, die den unfairen Vorteil Dritter wirklich wettmachen. Europa muss mit gleichgesinnten Partnern Allianzen für offene und faire Märkte schmieden. Sonst können wir weiter viel über Resilienz reden, verlieren aber gleichzeitig die Produktion, die wir dafür unbedingt brauchen.«
Deutschland braucht jetzt mehr Tempo und niedrigere Kosten
Im Gespräch mit Berliner Journalistinnen und Journalisten hat ZVEI-Präsident Daniel Hager einen entschlossenen Kurswechsel gefordert: Deutschland müsse Kosten senken, Innovationen deutlich beschleunigen und seine Unternehmen wirksamer gegen unfairen Wettbewerb schützen.
Mehr als neun Milliarden Euro investieren die Unternehmen der Elektro- und Digitalindustrie jährlich allein in Deutschland. An der Branche führt nicht nur deshalb kein Weg vorbei. Und trotzdem erschweren unnötige Hürden die notwendigen Investitionen. Hohe Kosten, schleppende Genehmigungsverfahren und ausufernde Berichtspflichten behindern die Modernisierung des Standorts. Genau da sollte die Bundesregierung unmittelbar ansetzen, wenn es nach ZVEI-Präsident Daniel Hager geht.
Kosten müssen runter
Hohe Strompreise und steigende Arbeitskosten drücken auf die Investitionskraft der Unternehmen in Deutschland. Hager erinnerte im Pressegespräch deshalb an das Versprechen der Bundesregierung, die Stromsteuer für alle Verbraucherinnen und Verbraucher auf den europäischen Mindestsatz zu senken. Damit würde nicht nur die Wettbewerbsfähigkeit gestärkt, es würde auch die Elektrifizierung beschleunigen.
Handlungsbedarf besteht daneben bei der Altersvorsorge. Den Einstieg in die Kapitaldeckung bewertete Hager als wichtigen Schritt. Der ZVEI-Präsident betonte gleichzeitig, dass es wichtig sei, die Reform jetzt schnell umzusetzen. Es brauche einen »Dosenöffner«.
Zusätzlich bietet der Bürokratieabbau ein kostenfreies Konjunkturprogramm. Der Plan, nationale Berichtspflichten grundsätzlich aufzuheben, sei ein Schritt in die richtige Richtung. Hager forderte im Zuge dessen mehr Schnelligkeit und Mut von der Bundesregierung.
Innovationen nicht länger ausbremsen
Deutsche Entwicklungen müssten schneller »vom Labor in die Fabrik kommen«. Das zeige sich laut Hager sehr anschaulich in der Mikroelektronik: Bis zum Produktionsstart vergingen in Europa rund 34 Monate, in Taiwan dagegen nur etwa 19 Monate.
Europa verliert dieses zentrale Rennen, wenn es zu kleinteilig agiert. Hager machte deutlich: Schnellere Genehmigungen und Förderentscheidungen sind unerlässlich, um technologische Stärke in industrielle Wertschöpfung zu übersetzen.
Märkte wirksam schützen
Europa müsse selbstverständlich offen für den Welthandel bleiben. Dazu mahnte Hager jedoch an, dass dafür dringend Fairness wiederhergestellt werden muss: Unfairen Wettbewerb dürfen Deutschland und die EU nicht länger hinnehmen. Europäische Unternehmen träfen mit hohen Standards und Kosten auf Konkurrenten, die von massiven Subventionen und staatlicher Lenkung profitierten. Das verlange nach zielgerichteten, aber auch dosierten Maßnahmen, die nicht über das Ziel hinausschießen.
FAQ
- Warum investieren Unternehmen der Elektro- und Digitalindustrie nicht stärker in Deutschland?
Vor allem Bürokratie, regulatorische Unsicherheit, lange Genehmigungsdauern, hohe Standortkosten und ein unflexibler Arbeitsmarkt bremsen zusätzliche Investitionen. - Wie stark wird Bürokratie als Hemmnis wahrgenommen?
85 Prozent der befragten Entscheiderinnen und Entscheider nennen zu viel Bürokratie, Unsicherheit und lange Genehmigungen als besondere Investitionshemmnisse. - Welche Rolle spielt der Arbeitsmarkt?
Drei Viertel der Befragten sehen starre Arbeitszeitregeln und einen restriktiven Kündigungsschutz als Belastung für Investitions- und Wachstumsentscheidungen. - Welche Kostenfaktoren stehen besonders im Fokus?
Hohe Lohnkosten, Strom- und Energiekosten sowie Steuern und Abgaben werden jeweils von mehr als der Hälfte der Befragten als relevante Standortnachteile genannt. - Warum ist heimische Wertschöpfung bei Schlüsseltechnologien wichtig?
Sie soll Deutschland und Europa technologisch souveräner, resilienter und unabhängiger von internationalen Lieferketten machen. - Wie groß ist die Unterstützung für Schlüsseltechnologien?
98 Prozent der Befragten befürworten mehr heimische Entwicklung und Produktion bei Technologien wie Halbleitern und Batterien. - Was fordert der ZVEI von der Politik?
Gefordert werden weniger Bürokratie, schnellere Genehmigungen, wettbewerbsfähige Strompreise, mehr Arbeitsmarktflexibilität und verlässliche Rahmenbedingungen. - Warum ist Geschwindigkeit bei Innovationen entscheidend?
Wenn Produktionsstarts, Genehmigungen und Förderentscheidungen zu lange dauern, verlieren deutsche und europäische Unternehmen im globalen Wettbewerb Zeit und Marktchancen. - Welche Rolle spielt die EU-Handelspolitik?
Sie soll offene Märkte erhalten, zugleich aber schneller und wirksamer gegen Dumping, Subventionen und andere Wettbewerbsverzerrungen vorgehen. - Was ist die Kernbotschaft des Textes?
Deutschland hat investitionsbereite Unternehmen und technologische Stärke, muss aber Standortbremsen lösen, wenn industrielle Wertschöpfung, Resilienz und Wettbewerbsfähigkeit gesichert werden sollen.
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