Zeitalter der KI-Agenten erfordert neue Backup-Strategien

Illustration Absmeier foto ki designer

Autonome KI-Agenten verschieben die Grenzen klassischer Datensicherung: Weil sie mit gültigen Identitäten und hohen Schreibrechten agieren, können Fehlentscheidungen in Sekunden geschäftskritische Daten treffen. HYCU reagiert mit Transparenz über Agenten und Berechtigungen, engeren Wiederherstellungspunkten sowie einem vom SaaS-Betrieb unabhängigen Datenzugriff.

Management Summary

  • Neue Risikologik: KI-Agenten benötigen keinen Angriff, sondern können mit legitimen Tokens und Berechtigungen fehlerhafte oder destruktive Aktionen ausführen.
  • Backup-Takt erhöhen: Tägliche Sicherungen reichen bei hochautomatisierten SaaS-Prozessen nicht mehr; Recovery-Punkte von bis zu 30 Minuten und On-Demand-Backups werden relevant.
  • Agenten sichtbar machen: aiR Graph verknüpft Anwendungen, KI-Systeme und nichtmenschliche Identitäten und analysiert deren OAuth-Rechte sowie erreichbare Daten.
  • DevOps ganzheitlich schützen: Die Azure-DevOps-Sicherung umfasst Boards, Repos, Pipelines, Test Plans und Artifacts inklusive Konfigurationen, Berechtigungen und Audit Logs.
  • Resilienz und Mehrwert: R-Serve hält gesicherte Inhalte bei Cloud-Ausfällen zugänglich; historische Backup-Daten können zudem für Sicherheitsanalysen und Klassifizierung genutzt werden.

 

Autonome KI-Agenten verändern das Risiko für Unternehmensdaten: Sie benötigen keinen Einbruch, sondern arbeiten mit gültigen Berechtigungen. HYCU erweitert deshalb klassische Datensicherung um Agenten-Transparenz, schnellere Recovery und unabhängigen Zugriff auf SaaS-Daten.

Die Grundidee von HYCU ist einfach: Unternehmen sollen Daten unabhängig davon sichern und wiederherstellen können, ob sie im eigenen Rechenzentrum, in der Public Cloud oder in Software-as-a-Service-Anwendungen (SaaS) liegen. Dafür entwickelte der Anbieter die R-Cloud-Plattform. Über einen integrierten Katalog lassen sich inzwischen 106 SaaS- und Cloud-Dienste anbinden – von Infrastruktur und Datenbanken über Collaboration und DevOps bis zum Identity and Access Management (IAM).

Beim Pressegespräch im Rahmen der 69. IT Press Tour in Ljubljana rückte das Unternehmen jedoch eine neue Risikoklasse ins Zentrum: autonome KI-Agenten. Anders als Ransomware müssen sie keine Sicherheitsbarriere überwinden. Sie agieren mit gültigen Tokens und Schreibrechten direkt in GitHub, Jira, Salesforce oder Microsoft 365. Fehlerhafte Prompts, Halluzinationen oder übermäßige Berechtigungen können dadurch in Sekunden Daten verändern oder löschen. In der Praxis hätte es schon Fälle gegeben, bei welchen ein Agent Produktionsdatenbank und Backups innerhalb von wenigen Sekunden komplett entfernte.

 

Agenten handeln legitim – und können trotzdem ganze Datenbestände in Sekunden zerstören.

 

Wenn »autorisiert« nicht mehr »richtig« bedeutet

Für die betroffene Plattform sehen solche Aktionen zunächst legitim aus: Der Agent ist authentifiziert und besitzt die erforderlichen Rechte. Er kann dabei Hunderte Aufrufe über Programmierschnittstellen (APIs) innerhalb weniger Sekunden ausführen. Klassische Zugriffskontrollen beantworten somit, wer etwas tun darf, aber nicht, ob eine konkrete Aktion tatsächlich beabsichtigt war.

Für HYCU Technik-Chef (CTO) Goran Garevski verändert das die Anforderungen an die Datensicherung. »Nicht alle SaaS-Anwendungen ermöglichen heute kontinuierliche Datensicherung«, erklärte er. Die Branche müsse sich deshalb in Richtung häufigerer und möglichst kontinuierlicher Erfassung von Änderungen entwickeln. Allerdings sei »die Industrie insgesamt noch nicht an diesem Punkt«.

 

aiR Graph macht die Agentenlandschaft sichtbar

Mit aiR Graph will der Anbieter zunächst Transparenz schaffen. Das Werkzeug soll Anwendungen, KI-Systeme und nichtmenschliche Identitäten miteinander in Beziehung setzen. Über Identitätsanbieter wie Microsoft Entra ID oder Okta kann es Anwendungen und Agenten erfassen, deren OAuth-Berechtigungen analysieren und anzeigen, welche Systeme oder Daten sie erreichen können.

Garevski sieht dabei auch die SaaS-Anbieter in der Pflicht: »Wir hoffen, dass dies die ursprünglichen SaaS-Anbieter dazu bringt, ihre Plattformen in diese Richtung weiterzuentwickeln.« Für häufigere Sicherungen und feinere Recovery-Punkte müssten auch die Plattformen entsprechende technische Schnittstellen bereitstellen.

 

Recovery muss mit dem Tempo der Agenten Schritt halten

Ein tägliches Backup reiche bei stark automatisierten Anwendungen künftig kaum noch aus. Für SaaS-Workloads nennt der Anbieter Wiederherstellungspunkte von bis zu 30 Minuten; vor kritischen Agentenaktionen lassen sich zusätzlich On-Demand-Backups auslösen.

Garevski verweist jedoch auf die Grenzen heutiger SaaS-Plattformen: Echtzeitnahe Sicherung sei nur möglich, wenn die jeweiligen Dienste Änderungen entsprechend bereitstellen. Die technische Entwicklung müsse deshalb nicht nur bei Backup-Anbietern, sondern im gesamten SaaS-Ökosystem stattfinden.

 

Azure DevOps: Schutz für den kompletten DevOps-Stack

Parallel erweitert das Unternehmen die eigentliche Backup-Abdeckung. Neu allgemein verfügbar ist die Datensicherung für Azure DevOps. Sie umfasst die fünf zentralen Dienste Boards, Repos, Pipelines, Test Plans und Artifacts. Gesichert werden nicht nur Git-Repositories, sondern auch Pull Requests, Wikis, Pipeline-Definitionen, Build- und Deployment-Informationen, Testfälle, Paket-Artefakte sowie Berechtigungen, Benutzergruppen, Service Connections und Audit Logs.

Damit werden neben GitHub, GitLab und Bitbucket nun auch Azure DevOps umfassend abgedeckt. Das gewinnt durch KI-gestützte Entwicklung zusätzlich an Bedeutung: Repositories enthalten längst nicht mehr nur Quellcode, sondern auch Infrastructure as Code (IaC), Continuous Integration/Continuous Delivery (CI/CD), Deployment-Konfigurationen, Runbooks, Software Development Kits (SDKs), KI-Prompts und Agentendefinitionen. Werden solche Daten gelöscht oder fälschlich verändert, kann dies unmittelbar die technische Betriebsgrundlage eines Unternehmens treffen.

 

R-Serve hält Daten trotz Cloud-Ausfall erreichbar

Mit R-Serve erweitert HYCU Backup und Recovery um einen Continuity-Ansatz. Ist eine SaaS-Anwendung oder deren Cloud-Infrastruktur nicht erreichbar, sollen Benutzer auf eine vorbereitete Kopie der gesicherten Inhalte zugreifen können.

»Der Zeitraum ist konfigurierbar – beispielsweise eine Woche oder 30 Tage«, so Garevski. Auch der Speicherort lasse sich festlegen. Über eine Identity-Provider-Schicht (IdP) werden Benutzer authentifiziert und erhalten nur Zugriff auf die Daten, die sie auch im Originalsystem sehen dürften. »Der Zugriff auf diese Daten erfolgt sofort – genau darin liegt der Nutzen von R-Serve.«

 

Backup-Daten werden zum Wissensspeicher

Sicherungen sollen zudem nicht mehr ausschließlich für Notfälle genutzt werden. Da Backups historische Zustände, Metadaten und Aktivitäten enthalten, sollen KI-Agenten diese Daten künftig analysieren können. So ließen sich etwa Veränderungen eines Benutzers über mehrere Systeme und längere Zeiträume nachvollziehen, ohne direkt auf Produktivsysteme zugreifen zu müssen.

Mögliche Einsatzfelder reichen von Threat Detection und Insider-Risk-Analysen bis zu Data Security Posture Management (DSPM) und Datenklassifizierung. Eigene Agenten und Prompts sollen regelmäßig historische Backup-Daten auswerten können.

 

Kostenloser Einstieg in die Agenten-Transparenz

aiR Graph soll als eigenständiges Visualisierungswerkzeug kostenlos angeboten werden. Kunden bezahlen weiterhin die benötigten Backup- und Recovery-Integrationen. Für zusätzliche Funktionen rund um AI Resilience, Cyber Intelligence und Datenklassifizierung ist ein Plattformaufschlag von 25 Prozent vorgesehen; eine Abrechnung nach Zahl oder Nutzung der Agenten soll es wohl nicht geben.

Damit ersetzt die KI-Strategie das bestehende Backup-Geschäft nicht, sondern baut darauf auf. Die R-Cloud wird zur Grundlage für Agenten-Transparenz, Analyse und Wiederherstellung. Künftig reicht es nicht mehr zu wissen, ob ein Zugriff erlaubt war. Unternehmen müssen erkennen können, welcher Agent was verändert hat – und den Zustand davor zuverlässig wiederherstellen können.

 

»Die Branche muss sich in Richtung häufigerer und möglichst kontinuierlicher Erfassung von Änderungen entwickeln. Allerdings ist die Industrie insgesamt noch nicht an diesem Punkt«.

Foto: Philippe Nicolas

 

FAQ: KI-Agenten und moderne Backup-Strategien

  1. Warum sind autonome KI-Agenten ein neues Datenrisiko?
    Sie handeln mit gültigen Identitäten und Berechtigungen. Dadurch können fehlerhafte Prompts, Halluzinationen oder zu weit gefasste Rechte Daten verändern oder löschen, ohne klassische Sicherheitsbarrieren zu überwinden.
  2. Weshalb reichen Zugriffskontrollen allein nicht aus?
    Zugriffskontrollen klären, wer eine Aktion ausführen darf. Sie erkennen jedoch nicht zuverlässig, ob die konkrete Aktion beabsichtigt, sinnvoll oder geschäftlich korrekt ist.
  3. Was leistet aiR Graph?
    aiR Graph macht Anwendungen, Agenten und nichtmenschliche Identitäten sichtbar, analysiert OAuth-Berechtigungen und zeigt, auf welche Systeme und Daten ein Agent zugreifen kann.
  4. Wie häufig sollten SaaS-Daten künftig gesichert werden?
    Bei stark automatisierten Workloads werden deutlich engere Intervalle nötig. HYCU nennt Wiederherstellungspunkte von bis zu 30 Minuten sowie zusätzliche On-Demand-Sicherungen vor kritischen Agentenaktionen.
  5. Warum ist kontinuierliche Sicherung bei SaaS schwierig?
    Backup-Anbieter sind auf Schnittstellen der jeweiligen SaaS-Plattform angewiesen. Echtzeitnahe Sicherung gelingt nur, wenn Änderungen ausreichend granular und zeitnah bereitgestellt werden.
  6. Welche Azure-DevOps-Inhalte werden geschützt?
    Die Sicherung deckt Boards, Repos, Pipelines, Test Plans und Artifacts ab – einschließlich Pull Requests, Wikis, Konfigurationen, Berechtigungen, Service Connections und Audit Logs.
  7. Welche Rolle spielt R-Serve bei Ausfällen?
    R-Serve ermöglicht autorisierten Benutzern den sofortigen Zugriff auf vorbereitete Kopien gesicherter Inhalte, wenn die SaaS-Anwendung oder die zugrunde liegende Cloud nicht verfügbar ist.
  8. Können Backups auch außerhalb der Wiederherstellung genutzt werden?
    Ja. Historische Zustände, Metadaten und Aktivitäten eignen sich für Threat Detection, Insider-Risk-Analysen, DSPM und Datenklassifizierung, ohne Produktivsysteme direkt zu belasten.
  9. Wie ist das Angebot kommerziell aufgebaut?
    aiR Graph soll als Visualisierungswerkzeug kostenlos verfügbar sein. Backup- und Recovery-Integrationen bleiben kostenpflichtig; für erweiterte AI-Resilience- und Analysefunktionen ist ein Plattformaufschlag vorgesehen.
  10. Was ist die zentrale Management-Konsequenz?
    Unternehmen müssen Governance, Agenten-Berechtigungen, Backup-Frequenz und Recovery gemeinsam steuern. Entscheidend ist nicht nur, ob ein Zugriff erlaubt war, sondern welcher Agent was verändert hat und wie schnell der vorherige Zustand wiederhergestellt werden kann.

 

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