
SASE galt als Antwort auf Cloud, hybrides Arbeiten und Zero Trust. Doch KI-Agenten vervielfachen den Datenverkehr, moderne Verschlüsselung schafft blinde Flecken – und Quantencomputer stellen heutige Schutzversprechen infrage. Die Sicherheitsarchitektur muss näher an Nutzer, Gerät und Anwendung rücken.
Management Summary
Kernaussage: Klassisches SASE verliert im KI‑ und Quantenzeitalter seine Wirksamkeit – Sicherheitsarchitekturen müssen näher an Nutzer, Gerät und Anwendung rücken, um Sichtbarkeit, Kontrolle und Zukunftsfähigkeit zu sichern.
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Sichtbarkeitsverlust klassischer SASE‑Architekturen: Moderne Verschlüsselung, Certificate Pinning und Mutual TLS reduzieren die Inspektionsfähigkeit auf ca. 30 % des realen Traffics – 70 % bleiben blind.
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KI-Agenten erzeugen exponentiellen Datenverkehr: Hunderte parallel aktive KI‑Prozesse sprengen Break‑and‑Inspect‑Modelle finanziell und technisch; Netzwerkarchitekturen für „Mitarbeiter‑Traffic“ sind nicht mehr ausreichend.
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Quantencomputing bedroht heutige Verschlüsselung: Abgefangener Traffic kann zukünftig entschlüsselt werden; Proxy‑basierte Inspektion verliert ihre langfristige Sicherheit und technische Machbarkeit.
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Fragmentierte Durchsetzung untergräbt Zero Trust: SWG, CASB und ZTNA werden oft getrennt betrieben; fehlender Kontext zu Nutzer, Gerät und Absicht verhindert wirksame Regelanwendung.
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Browser‑zentrische Durchsetzung als Zukunftsmodell: Islands Enterprise Browser verlagert Kontrolle an die letzte Meile, reduziert Proxy‑Abhängigkeit, erhöht Sichtbarkeit und beschleunigt Applikationszugriffe um Faktor 10.
Ein Vertriebsmitarbeiter kopiert sensible Kundendaten aus dem CRM-System in ein privates KI-Tool und lädt das Ergebnis anschließend herunter. Ein externer Berater greift von einem privaten Laptop auf das SaaS-Portfolio des Unternehmens zu. Solche Vorgänge beschreibt der Enterprise-Browser-Anbieter Island in eigenen Veröffentlichungen als Alltag und als Symptom eines tieferliegenden Problems. Die Sicherheitsarchitektur, die genau das kontrollieren sollte, wurde für eine andere Arbeitswelt gebaut.
Secure Access Service Edge, kurz SASE, ist eben jene Architektur, die als Antwort auf hybrides Arbeiten, Cloud Migration und Zero Trust galt. Doch nach Einschätzung von Island und dessen CEO Mike Fey reicht das inzwischen nicht mehr. Ihr Befund geht über einzelne Schwachstellen hinaus. Er besagt, dass das klassische Modell mit dem Aufkommen von KI-Agenten und Quantencomputern grundsätzlich an sein Ende kommt.
Was SASE lösen sollte.
SASE bündelt Netzwerk- und Sicherheitsfunktionen wie Zero Trust Network Access (ZTNA), Secure Web Gateway (SWG) und Cloud Access Security Broker (CASB) in einer cloudbasierten Architektur. Sie wird über weltweit verteilte Zugangspunkte ausgeliefert. Die Idee: Wenn Mitarbeitende von überall auf Cloud-Anwendungen zugreifen, muss auch die Sicherheitsdurchsetzung dorthin wandern. Für Unternehmen, die zuvor mit VPN-Wildwuchs und vielen Einzellösungen kämpften, war das laut Alon Biran, VP of Product and Architecture bei Island, ein echter architektonischer Umbruch. Mike Fey beschreibt es ähnlich: SASE habe Unternehmen erstmals eine kostengünstigere und beweglichere Alternative zur reinen Hardware-Infrastruktur gegeben.
Die wachsende Sichtbarkeitslücke.
Das Grundproblem liegt darin, dass klassisches SASE zunehmend blind wird. Traditionelle SASE-Umgebungen »sehen« heute nur noch etwa 30 Prozent des realen Datenverkehrs. Für die übrigen 70 Prozent sind sie jedoch blind, etwa weil moderne Verschlüsselung und Zertifikatsprüfung eine Inspektion verhindern. Certificate Pinning, Mutual TLS und anwendungsspezifische Verschlüsselungsverfahren zwingen Administratoren dazu, umfangreiche Bypass-Listen zu pflegen, was weitere blinde Flecken schafft. Fehlt die Sichtbarkeit, kann eine Sicherheitsabteilung ihre Regeln im Netzwerk nicht mehr durchsetzen, sagt Fey, und die Komplexität wandert stattdessen zum Endgerät.
Hinzu kommt, dass reine Inspektion des Datenverkehrs oft nicht ausreicht. Ob ein Download aus Salesforce normaler Alltag oder ein Datenabfluss ist, lässt sich ohne Kontext zu Nutzer, Gerät und Absicht kaum unterscheiden. Fremd-gemanagte Geräte und private Geräte verschärfen das Problem zusätzlich, weil IT-Teams sie nie verwaltet haben. Und weil viele Unternehmen SWG, CASB und ZTNA über getrennte Konsolen betreiben, bleibt die von SASE versprochene Vereinheitlichung in der Praxis oft hinter den Erwartungen. Die tatsächliche Durchsetzung der Regeln bleibt fragmentiert, ein Punkt, den Island unter Berufung auf das Zero-Trust-Rahmenwerk NIST SP 800 207 einordnet, das eine kontinuierliche Durchsetzung nah an Ressource und Nutzer verlangt.
KI-Agenten sprengen das alte Maß.
Ein Mitarbeitender kann künftig Hunderte ständig aktive Agenten koordinieren, die ununterbrochen kommunizieren und nie pausieren. Netzwerke, die für Verkehr in Mitarbeitergröße gebaut wurden, sind für Verkehr in KI-Größe schlicht nicht ausgelegt, und das klassische »Break-and-Inspect« (also das Aufbrechen und Prüfen) jeder Sitzung wird dabei finanziell nicht mehr tragbar.
Der Faktor Quantencomputer.
Ein zweiter, seltener diskutierter Bruchpunkt ist Quantencomputing. Verschlüsselter Datenverkehr, der heute abgefangen wird, lässt sich morgen mit einem Quantencomputer entschlüsseln, auch wenn er zum Zeitpunkt der Übertragung sicher schien. Klassisches Break-and-Inspect von Datenverkehr hat damit ein Verfallsdatum. Hinzu kommt, dass TLS-Verschlüsselung stärker wird und sich ebenfalls in Richtung Post-Quantum-Implementierungen bewegt, wodurch Proxy-basierte Break-and-Inspect-Ansätze schwieriger aufrechtzuerhalten (und in einigen Fällen unmöglich) werden. Auch Island verweist in eigenen Analysen darauf, dass erste post-quantenfeste Verschlüsselungsverfahren bereits in großen Browsern verankert sind, was die Inspektion durch entfernte Proxys zusätzlich erschwert.

Interaktives Sicherheits-Dashboard bietet einen zentralen Überblick über Risikobewertungen, Schutzmaßnahmen und Governance-Kennzahlen.
Islands Perspektive: Durchsetzung an der letzten Meile.
Das globale Netzwerk erweitert die Island Platform über den Browser hinaus. Es bringt einen ZTNA-Konnektor, einen Desktop-Agenten für Endpoint Data Loss Prevention, Cloud Security Access Broker, Secure Web Gateway, Digital Employee Experience und Data Protection zusammen. So gewinnt der browser-zentrische Ansatz an Sichtbarkeit, ohne die Nachteile eines Legacy-Proxy-first-Modells. Das Netzwerk läuft redundant über die Hyperscaler AWS, Azure und Google Cloud.
Der Island Enterprise Browser wendet Sicherheitsrichtlinien weiterhin direkt an. Kein Umweg über einen Proxy, kein Aufbrechen der Verschlüsselung. Für viele Unternehmen deckt das bis zu 90 % der Anwendungsfälle ab. Das Ergebnis: bis zu zehnmal schnellerer Applikationszugriff, kein SSL/TLS-Break-and-Inspect für Browser-Traffic, und alles in Minuten für Endanwender bereitgestellt.
Eine unvermeidbare Wendung.
Was sich hier abzeichnet, ist kein Trend, den Unternehmen aussitzen können. KI-Agenten und Quantencomputing wirken nicht additiv auf ein bestehendes Modell, sie verschieben dessen Grundlage. SASE wurde für eine Welt entworfen, in der Menschen in überschaubarer Zahl auf definierte Ressourcen zugreifen und in der verschlüsselter Verkehr als dauerhaft sicher galt. Beide Annahmen tragen nicht mehr. Wenn der Datenverkehr auf ein Vielfaches anschwillt, die Sichtbarkeit weiter schrumpft und die heutige Verschlüsselung ein Verfallsdatum bekommt, dann ist die Frage nicht mehr, ob sich die Architektur verändert, sondern wohin. Für Sicherheitsverantwortliche bedeutet das: Der Wandel lässt sich nicht mehr als optionales Upgrade behandeln, sondern als Ausgangspunkt jeder Strategie, die über die nächsten Jahre hinaus Bestand haben soll.
Liam Radetz,
Strategic Account Executive
bei island.io
Illustration: © Dusit Chomdao | Dreamstime.com
FAQ (10 Fragen & Antworten)
1. Warum gilt SASE im KI‑Zeitalter als unzureichend? Weil moderne Verschlüsselung und KI‑getriebener Traffic die Sichtbarkeit massiv reduzieren und klassische Inspektionsmechanismen technisch wie wirtschaftlich überfordern.
2. Was verursacht die „Sichtbarkeitslücke“ von bis zu 70 %? Certificate Pinning, Mutual TLS und anwendungsspezifische Verschlüsselung verhindern das Aufbrechen und Prüfen von Verbindungen – Administratoren müssen Bypass‑Listen pflegen, die weitere Blindspots erzeugen.
3. Wie verändern KI‑Agenten die Sicherheitsanforderungen? Sie erzeugen kontinuierlichen, hochvolumigen Datenverkehr und agieren autonom – klassische Break‑and‑Inspect‑Modelle skalieren dafür nicht mehr.
4. Welche Rolle spielt Quantencomputing für die Sicherheitsarchitektur? Quantencomputer können zukünftig abgefangene verschlüsselte Daten entschlüsseln; heutige Verschlüsselung hat damit ein »Verfallsdatum«.
5. Warum reicht reine Traffic‑Inspektion nicht mehr aus? Ohne Kontext zu Nutzer, Gerät und Absicht lässt sich legitimer Traffic nicht von Datenabfluss unterscheiden – besonders bei SaaS‑Downloads.
6. Wieso ist die Durchsetzung von Zero Trust oft fragmentiert? Viele Unternehmen betreiben SWG, CASB und ZTNA über getrennte Konsolen; dadurch fehlt die einheitliche Regelanwendung.
7. Was ist der Vorteil eines browser‑zentrischen Sicherheitsmodells? Sicherheitsrichtlinien werden direkt am Endpunkt durchgesetzt – ohne Proxy, ohne SSL/TLS‑Break‑and‑Inspect, mit deutlich höherer Sichtbarkeit.
8. Wie verbessert Islands Enterprise Browser die Performance? Durch Wegfall des Proxy‑Umwegs und direkte Durchsetzung am Browser wird der Applikationszugriff bis zu zehnmal schneller.
9. Welche Infrastruktur nutzt Island für globale Skalierung? Ein redundantes Netzwerk über AWS, Azure und Google Cloud, das Browser‑Sicherheit mit Endpoint‑DLP, SWG, CASB und ZTNA kombiniert.
10. Was bedeutet der Wandel für Sicherheitsverantwortliche? Er ist kein optionales Upgrade, sondern ein strategischer Neustart – Architekturen müssen für KI‑Traffic, Post‑Quantum‑Sicherheit und Endpunkt‑Kontext neu gedacht werden.
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