
Illustration Absmeier foto ki copilot
KI-Agenten ziehen in Unternehmen ein – oft schneller, als IT- und Security-Teams sie kontrollieren können. Im Gespräch mit manage it erklärt Sven Kniest, Vice President Central and Eastern Europe bei Okta, warum KI-Governance ohne kontinuierliche Identitätsprüfung ins Leere läuft und weshalb digitale Identitäten zur Voraussetzung für sichere Agentic Enterprises werden.
Die manage it traf sich im Juni anlässlich des Okta AI Identity Summits in Frankfurt am Main mit dem Vice President Central and Eastern Europe von Okta, Sven Kniest. Schnell wurde der Ansatz deutlich, den der SaaS- und Identity & Access Management-Anbieter verfolgt: Entscheidend für den Erfolg einer KI-Governance sei eine kontinuierliche Identitätsprüfung.
Herr Kniest, bitte erklären Sie unseren Lesern zunächst, wer Okta ist und was das Unternehmen anbietet.
Okta bietet eine der führenden und unabhängigen Plattformen für Identitätsmanagement und Identitätssicherheit an. Seit 18 Jahren sind wir am Markt und helfen Kunden aus allen Bereichen und jeglicher Größe bei ihren Herausforderungen. Die Gründungsidee lautete, jedem Unternehmen zu ermöglichen, jede Technologie sicher einzusetzen.
Mittlerweile umfasst Identitätsmanagement mehr als das klassische IAM-Verständnis, denn es gibt verschiedene Identitätsklassen wie Mitarbeiter, Partner, Dienstleister, Zulieferer, oder Konsumenten – und neuerdings eben KI-Agenten. Viele nutzen täglich unsere im Hintergrund laufende Technologie, denn wir bieten unsere Produkte auch als OEM an. Wo ein Login stattfindet, dort arbeiten zumeist unsere Lösungen.
Warum heißt die Veranstaltung AI Identity Summit?
In diesem Jahr haben wir bewusst die Künstliche Intelligenz einbezogen und deshalb das AI vor den Identity Summit gesetzt, um die Fusion von KI-Sicherheit und Identitätssicherheit zu verdeutlichen. Es geht nicht länger nur um Menschen, Service Accounts, APIs oder Maschinen. Diese neue Identitätsklasse muss geschützt werden und vor dieser Herausforderung stehen alle Unternehmen, die KI-Agenten einsetzen. Hinzu kommt, dass dieser Einsatz oftmals an den IT-Sicherheitsverantwortlichen vorbeiläuft, wodurch ein Berg an Schatten-KI heranwächst und zur Sicherheitslücke wird.
Wie sichern denn Unternehmen diese vielen neuen nicht-menschlichen Identitäten ab?
Im Kern geht es um die Grundlagen des IAM: eine verwaltete digitale Identität, die mit Zugriffsrechten ausgestattet wird, Verantwortlichkeiten und Abhängigkeiten besitzt, (kurzlebige) Tokens erhält und nur das notwendige des Netzwerks sieht. Wichtig ist, dass man ihr mit einem Kill-Switch jederzeit die Zugriffsrechte entziehen kann.
Am Anfang aber sollte eine Bestandsaufnahme durchgeführt werden, um die Frage zu beantworten, wie viele KI-Agenten bereits im Unternehmensnetzwerk unterwegs sind und wo sie sich befinden. Wir haben das in einem Leitfaden, den wir als Blaupause für das sichere KI-Agenten-Unternehmen bezeichnen, in drei essentiellen Fragen zusammengefasst: Wo sind meine KI-Agenten? Was dürfen sie tun? Womit können sie sich verbinden?
Welche Herausforderungen lösen deutsche Unternehmen mit Okta?
Folgendes Beispiel: Ein Werkstudent führt ein Projekt durch und erstellt dafür einen KI-Agenten der Zugriff auf das ERP-System bekommt. Wenn der KI-Agent nun von dem Werkstudenten nicht abgeschaltet wird, dann führt er seine Prozesse fort, wenn der Werkstudent längst das Unternehmen verlassen hat. Der KI-Agent arbeitet autonom weiter, fliegt aber unter dem Radar der IT-Entscheider. Solche verwaisten KI-Agenten unter Kontrolle zu bringen, sind Anwendungsfälle, die deutsche Unternehmen an uns herantragen. Andernfalls ist dieser KI-Agent eine Sicherheitslücke im Abwehrschirm und könnte von einem Hacker missbraucht werden. Wieviel Schaden er anrichtet, hängt dann davon ab, auf wie viele Systeme der KI-Agent zugreifen kann. Das nennen wir den Schadensradius (Blast Radius).
Wie wird es aus Ihrer Sicht weitergehen mit dem neuen Typus des Agentic Enterprise?
Vielleicht nicht in einem, aber in einigen Jahren wird sich die Frage nicht mehr stellen, welches Unternehmen ein Agentic Enterprise ist, weil alle es geworden sind. Schon jetzt beginnen Firmen mit dem Einsatz von KI-Agenten – und alle müssen die Herausforderung lösen, wie sie die KI-Agenten sicher betreiben.
Herr Kniest, wir danken Ihnen für das Gespräch!
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