Souverän und KI-fähig – wie der öffentliche Sektor seine Daten nutzbar macht, ohne die Kontrolle zu verlieren

Illustration Absmeier foto magnific

 

Mit dem Digital Austria Act 2.0 hat die Regierung im Sommer 2025 einen strategischen Rahmen geschaffen, der den Einsatz von KI in der Verwaltung in den Mittelpunkt rückt und die digitale Souveränität Österreichs stärken soll [1]. Kritische digitale Dienste sollen so künftig stärker auf europäischen Technologien und offenen Standards basieren, ergänzt um eine nationale Rahmenvereinbarung für Cloud-Dienste der Verwaltung. Der Anspruch ist hoch, die Umsetzung noch lückenhaft. So vermisste der Rechnungshof zuletzt bei vielen bereits eingesetzten KI-Anwendungen der Bundesverwaltung Risikoklassifikationen und KI-spezifische Standards [2].

Gleichzeitig wächst das Datenvolumen in Behörden jährlich um 20 bis 30 Prozent, getrieben von digitalen Verwaltungsleistungen, IoT und immer mehr Bürgerinteraktionen [3]. Mehr Daten bedeuten jedoch nicht automatisch mehr Wert, sondern zunächst vor allem mehr Verantwortung.

 

Vertrauenswürdige Daten sind der blinde Fleck der KI-Verwaltung

Wie hoch der Anspruch an die Datengrundlage inzwischen ist, zeigt der aktuelle »AI Trust Gap Report« von Denodo, der den öffentlichen Sektor gesondert auswertet [4]. 61 Prozent der befragten Organisationen tun sich schwer, überhaupt die richtigen, vertrauenswürdigen Daten zu identifizieren und für KI zu integrieren; 72 Prozent kämpfen mit einheitlichen Sicherheits- und Zugriffskonzepten über Systemgrenzen hinweg – der höchste Wert aller untersuchten Sektoren.

Der Grund liegt in der gewachsenen Datenlandschaft. KI-Initiativen im öffentlichen Sektor greifen laut Studie im Schnitt auf 479 Datenquellen zu, jede fünfte Organisation sogar auf über 1.000 – verteilt über Ressort- und Systemgrenzen, oft in Legacy-Systemen und aus rechtlichen Gründen häufig nicht zusammenführbar. Dieser blinde Fleck bleibt in vielen Digitalisierungsstrategien unadressiert.

 

Datenzugriff statt Datenreplikation

Hier setzt logisches Datenmanagement an, indem eine logische Datenschicht den Zugriff auf Daten von ihrem physischen Speicherort trennt. Statt sensible Register-, Gesundheits- oder Finanzdaten in neue Datenspeicher zu kopieren, verbindet sich eine solche Plattform sicher mit den Daten dort, wo sie liegen. Fachbereiche, Analyseanwendungen und KI-Systeme erhalten über eine zentrale, semantische Ebene konsistenten Zugriff, während die Daten kontrolliert am Ursprungsort verbleiben.

Feingranulare Zugriffskontrollen, Datenmaskierung in Echtzeit und durchgängige Audit-Logs wahren Datenschutz und Compliance, ohne an Agilität einzubüßen. Daten, die nicht bewegt werden dürfen, müssen so nicht bewegt werden, um nutzbar zu sein. Das beantwortet zugleich die Sorge vor einem gläsernen Staat und unkontrollierter Datenhaltung, die in Österreich die Debatte um die vollständige Registeranbindung begleitet.

Mit zunehmendem KI-Einsatz wird dieser kontrollierte Zugang zur Voraussetzung, denn KI-Anwendungen und erst recht Agentic AI brauchen aktuelle, vertrauenswürdige Daten. Zugleich verlangt der EU AI Act für Verwaltungsanwendungen Transparenz und Nachvollziehbarkeit [6], die nur erfüllt, wer die Herkunft seiner Informationen kennt. Eine logische Datenschicht mit klarer Data Lineage schafft dafür die Grundlage, ohne bestehende Systeme abzulösen.

 

Der Schritt zu souveräner KI

Digitale Souveränität und KI-Fähigkeit sind damit kein Gegensatz, und der öffentliche Sektor muss nicht zwischen Kontrolle und Innovation wählen. Entscheidend ist eine Datenarchitektur, die Daten dort belässt, wo sie sicher und regelkonform liegen, und sie zugleich vertrauenswürdig, in Echtzeit und intelligent nutzbar macht. In der Verwaltung sollten die Daten der Aufgabenerfüllung dienen, nicht umgekehrt.

 

Quellen
[1] Digital Austria Act 2.0, Bundesregierung der Republik Österreich. www.digitalaustria.gv.at/wissenswertes/news/news-56.html
[2] »Künstliche Intelligenz in der Bundesverwaltung«, Rechnungshof Österreich, Bund 2025/20, veröffentlicht am 20. Juni 2025. www.rechnungshof.gv.at/rh/home/news/Meldungen_2025/KI_in_der_Bundesverwaltung.html
[3] Denodo, eBook »Den öffentlichen Sektor stärken«, 2026. www.denodo.com/de/document/e-book/empowering-public-sector-missions-trusted-secure-and-intelligent-data-delivery
[4] »AI Trust Gap Report« für den öffentlichen Sektor, Denodo, 2026. pages.denodo.com/ai-trust-gap-report-ps.html
[5] Verordnung (EU) 2024/1689 (EU AI Act), insbesondere Art. 13 (Transparenz) und Art. 12 (Aufzeichnungspflichten) für Hochrisiko-KI-Systeme. eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/?uri=CELEX:32024R1689

 

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