Digital Workspace: Chancen und Ängste rund um die Einführung von Robotic Process Automation

Illustration: Absmeier

Digitale Transformation bedeutet einerseits Effizienzsteigerung und Kostenminimierung, Kundenbindung, Wachstum sowie Wettbewerbsfähigkeit, andererseits fordert sie Modernisierung in den eigenen Reihen – sprich: die Ausstattung der Mitarbeiter mit neuen Technologien. Laut einer aktuellen Studie leben Unternehmen, die ihre Arbeitsplätze nicht mit zeitgemäßer Technik ausstatten, in Zeiten des Fachkräftemangels gefährlich, denn Angestellte wünschen sich heutzutage neben reibungslosen internen Prozessen eine moderne technische Unterstützung in den Arbeitsabläufen [1].

»Robotic Process Automation, kurz RPA, bildet eine Möglichkeit der Digitalisierung, um die Mitarbeiterzufriedenheit zu fördern«, erklärt Alexander Steiner, Chief Solution Architect der meta:proc GmbH. »Innovationen wie diese stoßen allerdings nicht selten auch auf Skepsis, denn Arbeitskräfte fürchten, selbst ersetzt zu werden.«

Mehrwert von Softwarelösungen

Rund um die Uhr arbeitet ein Software-Roboter seine Aufträge ab, dabei agiert er schnell und mit einer Fehleranfälligkeit von null. Technologien wie RPA lassen sich in nahezu jeder Branche einsetzen. »Repetitive Aufgaben, die sich für Mitarbeiter oftmals als ermüdend und zeitraubend erweisen, erledigt der Bot – sofern gewünscht – rund um die Uhr. Dabei arbeitet er selbst in extremen Lastsituationen immer mit konstanter Effizienz und Qualität«, so Steiner. Eine schrittweise Dokumentation ermöglicht dabei eine Überprüfung zu jedem beliebigen Zeitpunkt. Auch bei der Einhaltung von Compliance-Richtlinien zeigt sich die Automation als wertvoller Unterstützer, ebenso bei der Pflege von Stammdaten, bei der Durchführung der jährlichen Inventur oder bei der Erstellung von Angeboten und Rechnungen im Kundenservice.

Angst vor Jobverlust unbegründet

Neben dem großen Benefit rufen moderne Technologien in einigen Fällen jedoch auch Skepsis hervor: Mitarbeiter fürchten, dass Maschinen sie ersetzen. »In vielen Köpfen herrscht die Angst, dass RPA Arbeitsplätze übernimmt. Generell besteht häufig eine falsche Sichtweise auf das Thema«, weiß der Chief Solution Architect. »Es handelt sich hierbei um eine Technologie – nicht mehr und nicht weniger. Wie, für was und zu welchem Zweck ein Betrieb Automationen einsetzt, liegt nicht in der Hand der Entwickler oder gar der Software selbst, sondern in der Strategie des Unternehmens.« Allein im Jahr 2017 wurden mehr als zwei Milliarden Überstunden geleistet [2]. Hier gilt es zu hinterfragen: Arbeiten in einem bestimmten Bereich 100 Mitarbeiter mit einer Auslastung von bis zu 150 Prozent – worauf läuft es dann bei der Einführung von RPA hinaus? Auf 100 Arbeitskräfte mit 100-prozentiger Auslastung oder auf 67 Angestellte, die wieder zu 150 Prozent ausgelastet sind? Auf dem aktuellen Stand der Technik setzen Unternehmen Software-Roboter ein, um repetitive Abläufe zu optimieren und Arbeitskräfte zu entlasten. Außerdem steht in zahlreichen Betrieben zunächst die Modernisierung der Legacy-Systeme im Vordergrund, bevor an Digitalisierung von Prozessen mithilfe künstlicher Intelligenz überhaupt zu denken ist.

Frage der Ethik

Die Automatisierung von Geschäftsprozessen löst auch eine ethische Diskussion aus: Wie lässt es sich beispielsweise bewerten, wenn ein Unternehmen tatsächlich Mitarbeiter an Off- oder Nearshore-Standorten, Freelancer oder Serviceprovider durch RPA ersetzt, statt eigene Mitarbeiter dafür einzusetzen? Oder im schlimmsten Fall sogar seine Angestellte entlässt? Wie sieht es aus, wenn ein Betrieb sich durch Software-Automationen einen Wettbewerbsvorteil gegenüber Konkurrenten verschafft und dort in der Folge Stellen wegfallen? Was bedeutet es, wenn ein Unternehmen durch mitarbeiterfreundliche Aktionen – etwa Fitnessangebote, physiologische oder psychologische Betreuung – die Produktivität steigert, dadurch aber weniger Arbeitskräfte benötigt? Zu wenig Arbeit für zu viele Leute bedeutet in vielen Fällen einen Stellenabbau. »Wenn wir von repetitiven Tasks sprechen, ist es außerdem häufig so, dass nicht mehr Fachkräfte diese durchführen, sondern Mitarbeiter, die eben nicht ohne Weiteres eine Perspektive zum Entwickler haben oder sich zur Fachkraft weiterentwickeln können. Was passiert mit denen?«, gibt der Software-Experte zu bedenken.

Kein Ersatz

Die digitale Transformation gelingt nur mit einem durchdachten Change-Management-Konzept, Mitarbeiter sollten frühzeitig eingebunden und für die Digitalisierung geschult werden. RPA hilft, Maßnahmen wie Off- oder Nearshoring zu vermeiden oder zurückzubauen, ebenso kann die Technologie dabei unterstützen, dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken, beispielsweise im IT-Bereich. Digitalisierung bedeutet keinesfalls Ersetzung. »In der Transformation erweisen sich erfahrene Mitarbeiter als elementar, denn sie kennen die Geschäftsprozesse und wissen, worauf es ankommt«, bekräftigt Steiner. »Maschinen können Menschen nicht ersetzen, nur einige ihrer Tätigkeiten ausführen. Ebenso arbeitet ein Mensch nicht wie eine Maschine. Kreativität und Urteilsvermögen bilden zwei wichtige Faktoren zur effizienten Ausführung der täglichen Geschäftsprozesse.«

Weitere Informationen finden Sie unter www.metaproc.com.
[1] Unisys: The New Digital Divide (2018).
[2] https://www.linksfraktion.de/fileadmin/user_upload/PDF_Dokumente/2019/190318_KA_Ueberstunden.pdf (2019)

 

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