Europa will die digitale Welt selbst gestalten

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Am Mittwoch, den 3.6.2026 veröffentlichte die EU-Kommission das Tech Sovereignty Package. Dazu erklärt Bitkom-Präsident Dr. Ralf Wintergerst:

 

»Digitale Souveränität entscheidet darüber, ob Europa die digitale Welt selbst gestalten kann – wirtschaftlich, politisch und gesellschaftlich. Das Tech Sovereignty Package der EU-Kommission setzt dafür wichtige Akzente. Wir begrüßen, dass die EU-Kommission nicht nur einzelne Technologien in den Blick nimmt, sondern die gesamte digitale Wertschöpfungskette von Halbleitern und Rechenzentren über Cloud- und KI-Infrastrukturen bis hin zu Open Source und besseren Investitionsbedingungen. Entscheidend ist nun, dass es nicht bei Ankündigungen bleibt. Europa braucht Tempo.

Im Zentrum steht der Cloud & AI Development Act. Europa braucht einen gemeinsamen, praxistauglichen Rahmen für souveräne Cloud- und KI-Angebote. Dieser Rahmen muss Klarheit schaffen, Fragmentierung verhindern und Innovation ermöglichen, nicht neue Hürden errichten. Souverän ist, wer eigene digitale Kompetenzen und Fähigkeiten besitzt und darüber hinaus frei wählen kann und nicht erpressbar ist. Unternehmen und öffentliche Verwaltungen brauchen deshalb echte Wahlmöglichkeiten: offene Standards, Interoperabilität, Multi-Cloud-Fähigkeit und wirksame technische Schutzmaßnahmen.

Auch der angekündigte Chips Act 2.0 geht in die richtige Richtung. Gut ist, dass Europa industrielle Skalierung, Anwenderindustrien und die gesamte Wertschöpfungskette stärker in den Blick nimmt. Entscheidend wird sein, dort gezielt zu investieren, wo Europa eigene Stärken ausbauen und international wettbewerbsfähig werden kann.

Mehr Förderung allein macht Europa aber noch nicht souverän. Genauso wichtig sind schnellere Verfahren, weniger Bürokratie und verlässliche Regeln. Die Unternehmen rufen nicht nach mehr Geld, sondern nach weniger Komplexität. Digitale Souveränität entsteht, wenn Europa eigene technologische Stärke aufbaut, internationale Partnerschaften klug nutzt und Innovation durch Regulierung flankiert und beschleunigt.«

 

 

Kontrolle statt Abschottung

Kommentar von Dr. Andreas Nauerz, CPO IONOS, zum EU-Technologiepaket: Kontrolle statt Abschottung

»Das Technologiesouveränitätspaket der EU-Kommission ist eine der ambitioniertesten digitalpolitischen Initiativen, die Europa je gestartet hat. Als jemand, der bei IONOS täglich KI- und Cloud-Produkte baut, kenne ich die Spannung, die im Kern dieses Pakets steckt: Wie baut man souveräne Infrastruktur in einer Welt, in der Schlüsselkomponenten – GPU-Chips, Foundation Models, Trainingsframeworks – von einer Handvoll nicht-europäischer Unternehmen dominiert werden?

Die Abhängigkeitsanalyse der Kommission selbst ist ernüchternd: Bei der Cloud-Technologie und der KI-Infrastruktur herrscht eine »kritische« beziehungsweise »hohe« Abhängigkeit, die öffentliche Nachfrage nach europäischen Alternativen ist »schwach«. Besonders besorgniserregendste ist diese letzte Erkenntnis. Denn es mangelt nicht am Angebot. Nextcloud läuft bereits heute auf der IONOS Cloud. EuroOffice startet diesen Sommer. Q.ANT in Stuttgart baut photonische KI-Chips mit einem Tausendstel des Energieverbrauchs konventioneller GPUs. Es gibt die guten europäischen Produkte – an was es mangelt, ist die Nachfrage der öffentlichen Hand.

Der Open-Source-First-Beschaffungsgrundsatz des CADA könnte das ändern. Kombiniert mit 38 Millionen Euro für OpenEuroLLM – wirklich offene Grundlagenmodelle in 24 EU-Sprachen –, 50 Millionen Euro für GenAI4EU und der 156-Millionen-Euro-Plattform SIMPL für föderierte Datenräume ist die Investitionslogik real. Doch ich möchte eine Annahme hinterfragen, die sich durch die gesamte Politikdebatte zieht: Dass Souveränität bedeutet, alles selbst zu bauen. Das tut sie nicht. Europa wird noch Jahre auf Nvidia-GPUs für KI-Training angewiesen sein. Unternehmen und Behörden werden GPT, Claude oder Gemini neben europäischen Modellen nutzen. Hier müssen wir uns ehrlich machen. Doch bedeutet dies keineswegs, dass die (digitale) Souveränität scheitert, vielmehr handelt es sich dabei um die Realität globaler Technologie-Lieferketten.«

 

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