Fehlende Work-Life-Balance bremst IT-Karrieren von Frauen aus

Illustration: Geralt Absmeier

Sechs von zehn Digitalunternehmen sehen schlechte Vereinbarkeit von Beruf und Familie als Grund für geringen Frauenanteil in Führungspositionen. Berg: »Flexibles Arbeiten ermöglichen und Kinderbetreuung weiter ausbauen«.

 

Die schwierige Vereinbarkeit von Beruf und Familie ist die größte Karrierebremse für Frauen in der Digitalbranche. Das ist das Ergebnis einer repräsentativen Befragung von mehr als 500 Unternehmen der IT- und Telekommunikationsbranche im Auftrag des Digitalverbands Bitkom. Sechs von zehn Personalverantwortlichen (62 Prozent) sehen die mangelnde Infrastruktur der Kinderbetreuung als Grund für den geringen Frauenanteil in Führungspositionen in der ITK-Branche. Jeweils etwa jeder Zweite (52 Prozent) nennt Hürden beim Wiedereinstieg, wie etwa fehlenden Kontakt während der Elternzeit, sowie ungünstige Arbeitszeiten und eine vorherrschende Präsenzkultur als entscheidende Faktoren. 46 Prozent sehen eine mangelnde Förderung von Mädchen in MINT-Fächern in der Schule, also Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik. 45 Prozent beklagen eine »gläserne Decke« in den Unternehmen, etwa die Bevorzugung männlicher Mitarbeiter gegenüber ebenso leistungsfähigen Kolleginnen. »Wirtschaft und Politik sind gefragt, eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie zu ermöglichen. Dazu zählen flexible Arbeitszeitmodelle wie etwa Jobsharing und der weitere Ausbau von Kinderbetreuungseinrichtungen«, sagt Bitkom-Präsident Achim Berg zur Karriereförderung von Frauen in der IT. »Es ist zudem wichtig, Kinder und Jugendliche in den Schulen für digitale Technologien zu begeistern und dabei keine Unterschiede zwischen den Geschlechtern zu machen. Die Erfahrung zeigt, dass selbst talentierte Mädchen ihr Interesse an technischen Themen verlieren, wenn sie darin nicht gezielt gefördert werden«, sagt Berg anlässlich des Girls‘ Day. Der bundesweite Berufsorientierungstag soll Mädchen motivieren, technische und naturwissenschaftliche Berufe zu ergreifen.

 

Neben einer mangelnden Vereinbarkeit von Beruf und Familie sehen die Personalverantwortlichen auch Probleme bei der Auswahl weiblicher Führungskräfte. 61 Prozent sagen, die Anzahl qualifizierter weiblicher Kandidaten sei zu gering. 47 Prozent führen eine schlechtere Selbstvermarktung von Frauen als Grund für den geringen Anteil weiblicher Führungskräfte in der Branche an. Jeder vierte Personalverantwortliche (25 Prozent) sieht die Gründe in einer geringen Attraktivität der Branche, jeder fünfte (22 Prozent) in traditionellen Rollenbildern und jeder achte (13 Prozent) in fehlenden Netzwerken für Frauen.

 

Hinweis zur Methodik: Grundlage der Angaben ist eine Umfrage, die Bitkom Research im Auftrag des Digitalverbands Bitkom durchgeführt hat. Dabei wurden Diversity-Verantwortliche, Frauen-/Gleichstellungsbeauftragte, HR-Manager beziehungsweise Geschäftsführer von 504 Unternehmen ab 10 Mitarbeitern in der IT- und Telekommunikationsbranche telefonisch befragt. Die Fragestellung lautete: »Welche Faktoren haben Ihrer Meinung nach dazu beigetragen, dass der Frauenanteil in Führungspositionen in der ITK-Branche relativ gering ist?« (Mehrfachnennungen möglich).

 


Was Frauen von Führungspositionen in der IT abhält

 

Noch immer gibt es zu wenige weibliche Führungskräfte in technischen Berufen. Zum Girlsday wollte der Digitalverband Bitkom daher wissen, was Frauen von Führungspositionen in Unternehmen der IT-Branche abhält. Dafür wurden Gleichstellungsbeauftragte, Personalmanager und Geschäftsführer von 504 IT-Unternehmen in Deutschland befragt.

Das Ergebnis: Die Mehrheit der Befragten sieht das Problem in der mangelnden Vereinbarkeit von Beruf und Familie. 62 Prozent der Befragten betrachten dies als den Hauptgrund, warum Frauen selten höhere Positionen in der ITK-Branche einnehmen, wie die Statista-Grafik zeigt. Fast ebenso viele (61 Prozent) bemängeln, dass es allgemein zu wenige geeignete Kandidatinnen in der IT gebe, weil noch immer zu wenige Frauen in dieser Branche arbeiten würden.

Auch die vielbeschworene »gläserne Decke« identifizieren viele der Befragten als einen Faktor, der Frauen von Führungspositionen fernhält (45 Prozent). Frauke Suhr

https://de.statista.com/infografik/17511/frauen-mangel-in-it-fuehrungspositionen/

 

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