Interne Organisation deutscher Banken zur Bekämpfung von Finanzkriminalität im internationalen Vergleich im Hintertreffen

Eine Umfrage unter Banken in zehn Ländern zeigt, dass neue Bedrohungen und Bußgelder die Bereitschaft zu erweiterten Maßnahmen im Kampf gegen Finanzkriminalität erhöhen.

 

Eine unabhängige Umfrage des Research-Unternehmens Ovum im Auftrag des globalen Analytiksoftware-Unternehmens FICO hat ergeben, dass die meisten Banken weltweit planen, ihre Systeme und Aktivitäten zur Bekämpfung von Betrugs- und Finanzkriminalität zusammenzuschließen. Dies ist eine Reaktion auf neue Bedrohungen und höhere strafrechtliche Geldbußen bei Nichteinhaltung von Vorschriften im Bereich der Finanzkriminalität [1].

Die Umfrage ergab, dass 71 Prozent der Banken in den untersuchten Regionen strategische Pläne für eine weiterführende Integration haben – entweder, um Funktionen vollständig zusammenzuführen, oder um Ressourcen zu teilen, wann immer Synergien vorhanden sind. Deutsche Banken sind hier mit 70 Prozent auf Augenhöhe mit den Instituten anderer Länder.

Seit der Finanzkrise belaufen sich die aufsichtsrechtlichen Bußgelder für die globale Bankenbranche nach Compliance-Verletzungen im Zusammenhang mit Geldwäsche oder Sanktionsmängeln auf bereits mehr als 28 Milliarden US-Dollar. Einzelne Bußgelder waren bis zu 8,9 Milliarden Dollar hoch. Dieser regulatorische Druck ist jedoch nur ein Treiber für die Banken bei der Bekämpfung der Finanzkriminalität. Je nach Region geht es den betreffenden Instituten vor allem um den Schutz ihrer Kunden und sich selbst. Auch hierzulande bilden die Auswirkungen von Finanzkriminalität und deren Bekämpfung auf das Kundenerlebnis die größten Bedenken.

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»Die Banken stellen sich eine grundlegende Frage: Ist der derzeitige Ansatz zur Bekämpfung von Finanzkriminalität nachhaltig oder sollten sie einen stärker integrierten Ansatz zwischen Betrug- und der Anti-Geldwäsche (AML)-Compliance anstreben? Die Konvergenz ist ein heißer Trend im Bereich Betrug und Einhaltung der Vorschriften für Finanzkriminalität«, sagt Matt Cox, zuständig für Betrugs-, Compliance- und Cybersicherheitslösungen bei FICO.

Diesbezüglich müssen sich deutsche Banken bei der Einhaltung von Vorschriften gegen Finanzkriminalität mit ähnlichen Schwachstellen auseinandersetzen wie jene in den neun anderen untersuchten Ländern:

 

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»Die Sicherstellung einer hohen Erkennungsrate stellt große operative Herausforderungen bei den nachfolgenden Aufgaben dar«, so Cox. »Vor allem in Europa und in Südafrika haben die Institute Schwierigkeiten, ein hohes Maß an False-Positives zu bewältigen.«

Der Konvergenzgrad deutscher Banken liegt insgesamt hinter den restlichen Nationen zurück. In den Bereichen Ermittlungssysteme, Unternehmensprozesse und Funktionsmanagement sind deutsche Banken intern schlechter integriert als ihre Pendants in den anderen befragten Ländern.

 

Die Mehrheit der Banken in allen Regionen hat strategische Konvergenzpläne, um Funktionen vollständig oder zumindest bei zu erwartenden Synergien zusammenzuschließen. Hier liegt Deutschland vergleichsweise im Durchschnitt, während britische Banken eine Vorreiterfunktion erfüllen: Fast die Hälfte der britischen Banken verfügt über einen strategischen Plan zur vollständigen Zusammenführung von Funktionen, verglichen mit 26 Prozent aller anderen Banken.

 

[1] Ovum befragte über 100 Privatkundenbanken zu ihren Prioritäten, Herausforderungen und Plänen in Hinblick auf Finanzkriminalität, um die Reife des Sektors bei deren Bekämpfung und die Ambitionen zur Integration zu bewerten. Die Befragten kamen aus Großbritannien, den USA, Kanada, Südafrika, den nordischen Ländern, Deutschland und Österreich.
Mehr Informationen finden Sie unter: https://www.fico.com/de/node/9981

 

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