Keine Sonderfälle mehr – Zunahme an erfolgreichen Cloud-Native- und Open-Source-Projekten

foto magnific

Warum vier europäische Konzerne mittels Cloud-Native- und Open-Source-Technologien ihre IT-Bereitstellung erheblich beschleunigt haben.

Ein Bahnunternehmen, eine Bank, ein Telekommunikationsunternehmen und ein Reifenhersteller haben in den vergangenen vier Monaten ihre Infrastrukturarchitekturen auf der Website der Cloud Native Computing Foundation (CNCF) veröffentlicht.

 

Sebastian Scheel, CEO und Co-Gründer von Kubermatic beschreibt und analysiert die jüngsten Bekanntgaben erfolgreicher Cloud-Native- und Open-Source Projekte:

 

»Alle vier Unternehmen haben fast die gleichen Entscheidungen getroffen. Sie haben sich für deklaratives Lebenszyklusmanagement, GitOps-Abstimmung und »Policy as Code« entschieden. Das französische Bahnunternehmen SNCF betreibt Cluster API, ArgoCD und Kyverno auf Talos Linux [1]. Swisscom nutzt KubeVirt, Kube-OVN, Kyverno, ArgoCD sowie KubeOne und KKP von Kubermatic [2]. Michelin hat sich nach der Abkehr von einem herstellerverwalteten Kubernetes-Angebot auf Cilium standardisiert [3]. Die Saxo Bank hat Kubernetes-Operatoren hinter ein Entwicklerportal integriert, um Identitäts-, Kafka- und Datenbank-Zugriffe abzustimmen [4].

 

Die SNCF verkürzte die Cluster-Bereitstellung von einem Monat auf 30 Minuten und reduzierte die Anzahl der Cluster von 14 in vier Jahren auf zehn in sechs Monaten. Michelin migrierte 70 bis 80 Cluster und mehr als 500 Anwendungen in etwa zwei Monaten ohne Ausfallzeiten. Die Saxo Bank automatisierte 1.827 Infrastrukturvorgänge in einem Jahr und verkürzte die Namespace-Bereitstellung von drei Wochen auf unter zehn Minuten. Swisscom betreibt 390 Cluster und 2.100 Worker Nodes, die mehr als zwanzig Mandantenunternehmen bedienen.

 

Jahrelang lautete die Antwort auf jedes dieser Beispiele, dass es sich um einen Sonderfall handelte: ein Telekommunikationsunternehmen mit außergewöhnlicher technischer Kompetenz, ein nationaler Netzbetreiber mit einem Budget, über das sonst niemand verfügt. Das lässt sich bei einem Beispiel noch argumentieren, bei vier ist es schon schwieriger.

 

Zwei Vorbehalte gibt es. Die CNCF veröffentlicht Fallstudien, was bedeutet, dass sie Erfolge veröffentlicht. Nicht sichtbar sind die Unternehmen, die Projekte dieser Art versucht haben und still und leise wieder davon abgekommen sind. Es dürfte einige davon geben, und ihre fehlende Präsenz schränkt die Aussagekraft dieser vier Fallstudien erheblich ein.

 

Swisscom war zudem das einzige Unternehmen, das veröffentlicht hat, was die Sache gekostet hat: Der begrenzte 24/7-Support für Open-Source-Technologien erforderte den Aufbau fortschrittlicher interner Supportkapazitäten. Das ist eine dauerhafte Verpflichtung, und die anderen drei Fallstudien schweigen sich darüber aus. Gute Gründe für die generelle Entscheidung gibt es dennoch. Die Führung der Saxo Bank formulierte es so: Digitale Souveränität bedeutet nicht, wo ein Unternehmen seine Systeme betreibt. Es ist die Freiheit, zu entscheiden, wo es sie betreibt, auf welcher Plattform und wie sie vernetzt sind – ohne eine einzige Anwendung neu schreiben zu müssen.

 

Vier Unternehmen haben diesen Weg unabhängig voneinander eingeschlagen – und das Playbook steht.«

 

[1] https://www.cncf.io/case-studies/sncf/
[2] https://www.cncf.io/?s=Swisscom+
[3] https://www.cncf.io/?s=Michelin+
[4] https://www.cncf.io/?s=Saxo+Bank+

 

2621 Artikel zu „Open Source“

Open Source ist die nachhaltige Alternative zum Windows-11-Update

Am 14. Oktober 2025 endet der offizielle Support von Microsoft für das Betriebssystem Windows 10. Nutzenden wird von Microsoft empfohlen, spätestens zu diesem Stichtag auf das neuere Betriebssystem Windows 11 umzustellen. Im Zuge der Umstellung werden Unmengen an Laptops und Rechnern entsorgt, obwohl sie noch funktionsfähig sind. Ein Umstieg auf Open Source Software ist eine…

Drei von vier Unternehmen nutzen Open Source

Kostenvorteile und Zugang zum Quellcode gelten als größte Vorteile.   Die große Mehrheit der Unternehmen in Deutschland setzt Open-Source-Software ein – und sieht darin auch eine Chance für mehr digitale Souveränität. Aktuell nutzen fast drei Viertel (73 Prozent) Open-Source-Software, vor zwei Jahren waren es 69 Prozent. Ebenfalls 73 Prozent halten Open Source für ein geeignetes…

»Kauf europäisch« ist nicht genug – digitale Souveränität gibt es nur mit Open Source Software

Standpunkt von Peter Ganten, Vorstandsvorsitzender der Open Source Business Alliance – Bundesverband für digitale Souveränität. Nie war deutlicher als in diesen Tagen, wie kritisch es um unsere digitale Souveränität steht. Der von den USA ausgelöste internationale Zollkrieg tobt, geopolitische Krisen bestimmen die Politik, und die USA sind längst kein verlässlicher Partner mehr, sondern verhalten sich…

OSS und SDV: Die Rolle von Open Source Software in der Automobilbranche

Kosteneinsparung, Innovation und Nachhaltigkeit als Schlüsseltreiber von Open Source in Software-Defined Vehicles (SDVs).   Die Eclipse Foundation, eine der weltweit größten Open-Source-Stiftungen, hat ihre zweite Studie zur Automobilbranche veröffentlicht: »Driving Efficiency and Sustainability: The Business Value of Open Source Software in the Automotive Industry« [1]. Sie zeigt, wie Open Source Software (OSS) in der Entwicklung…

Groupware und Open Source sind die Basis für souveräne Innovation

Groupware erhöht die Effizienz der Zusammenarbeit, aber erst Open Source entfesselt das ganze Potenzial der Tools: dann sind sie offen für Anpassungen, gewähren echte Datenhoheit und ermöglichen Innovation. Proprietäre Lösungen haben hingegen fast immer das Nachsehen.   Was soll Groupware können? Klar, die Produktivität von Teams steigern. Wer aber genauer hinschaut, weiß, dass sie hinter…

OSINT: Mehr Netzwerksicherheit durch Open Source Intelligence – aber wie?

Open Source Intelligence ist eine Technik, mit der sich öffentlich zugängliche Informationen aktiv nutzen lassen. Cyberkriminelle bringen damit Daten zu Benutzerverhalten, Aufenthaltsorten und andere sensible oder heikle Informationen aus dem Internet in Erfahrung, um sie für Angriffe zu verwenden. Aber auch IT-Sicherheitsexperten profitieren von OSINT: Mithilfe diverser Tools lassen sich potenzielle Schwachstellen aufdecken und beheben,…

Steigende Nachfrage nach Open Source

  Forrester Consulting hat im Auftrag von Instaclustr die Untersuchung  »The Advantages of Using Free And Open-Source Software vs. Open-Core Software« durchgeführt, die kostenlos zum Download zur Verfügung steht [1]. Ein zentrales Ergebnis der Studie ist, dass 84 % der Befragten erwägen, eine Managed-Services-Plattform mit Open-Source-Technologien zu nutzen.   Freie und quelloffene Software (Free and…

Der Open Source Burnout: Eine Einladung zu (noch) mehr Sicherheitslücken?

Open Source Code ist frei verfügbar und leicht zugänglich. Man kann ihn problemlos herunterladen und in eine Anwendung integrieren. Und zwar ohne zwangsläufig darüber nachzudenken, woher genau er stammt. Dabei spielt es keine Rolle, ob ein Entwickler die Entscheidung bewusst während der Planungsphase einer Anwendung getroffen hat, oder der Code über die Zeit mitgeschleppt wurde,…

Proprietäre Software mit Open Source: Chancen und Risiken kennen

Wieso die Inventarisierung von Softwarekomponenten so wichtig ist In nahezu jeder proprietären Software stecken verschiedene Open-Source-Komponenten. Das hat Vorteile, birgt aber auch Risiken, wie nicht zuletzt die Sicherheitslücke in log4j gezeigt hat. Unternehmen sollten reagieren und unbedingt eine vollständige Liste der Softwarekomponenten pflegen, die in den eingesetzten Anwendungen zum Einsatz kommen.   Wenn Unternehmen und…

Open Source treibt die Infrastruktur-Modernisierung voran

Red Hat, Anbieter von Open-Source-Lösungen, veröffentlicht die Ergebnisse der Studie »The State of Enterprise Open Source 2022«, an der weltweit 1.296 IT-Führungskräfte teilnahmen. Eine zentrale Erkenntnis der zum vierten Mal nach 2019 durchgeführten Untersuchung ist, dass die Nutzung von Open Source auch in der Corona-Pandemie weiter dynamisch gewachsen ist. So erklären 92 % der Befragten,…

Gaia-X und die Cloud-Infrastruktur – Wie Open Source Europa zu mehr Datensouveränität verhilft

Europa braucht dringend eine eigene Cloud-Infrastruktur. Nur auf diesem Weg lassen sich die europäischen Vorstellungen von Datenschutz und Datensouveränität in die Tat umsetzen. Einen entscheidenden Beitrag dazu kann das Open Source Ecosystem leisten. Das zeigt unter anderem das Gaia-X-Projekt.

Schluss mit den Vorurteilen – Open Source ist sicher

Open Source ist aus vielen Unternehmen nicht mehr wegzudenken, dennoch halten sich einige hartnäckige Vorurteile über die vermeintliche Unsicherheit quelloffener Lösungen. VNC, Entwickler von Open-Source-basierten Unternehmensanwendungen, räumt damit auf.    Open Source ist eine Erfolgsgeschichte und kommt in unzähligen kleinen wie großen Unternehmen zum Einsatz. Selbst ein großer Softwarekonzern wie Microsoft, dessen ehemaliger Chef Steve…

Kubernetes und Open Source auf dem Vormarsch – Im Unternehmenseinsatz setzt sich Cloud Native immer mehr durch

Neue empirische Studie zeigt aktuellen Status in Unternehmen, Vision und Möglichkeiten von Cloud-Native-Technologien in DACH. Cloudflight untersucht in einer aktuellen Studie die Rolle von Cloud-Native-Technologien im Enterprise-Segment. Die Studie mit dem Titel »The Rise of Cloud Native – DevOps, Kubernetes und Open Source prägen die Zukunft im digitalen IT-Betrieb« steht auf Deutsch und Englisch zum…

Open Source: Digitalisierung braucht offene Standards

Immer mehr Unternehmen setzen auf offene Standards und steigen in der Folge von proprietärer Software auf Open Source um. Experten erklären, warum das der richtige Weg ist. Standards ermöglichen Interoperabilität und vereinfachen damit den IT-Alltag. Viele sind aber mehr oder weniger proprietär und werden von einzelnen Organisationen oder Herstellern kontrolliert, die die Nutzung beliebig einschränken…

Open Source Software: Vorteile nutzen und Risiken vermeiden

Open Source Software zu nutzen, ist bei deutschen Unternehmen schon lange gang und gäbe, denn sie bringt ihnen viele Vorteile. Warum Unternehmen dabei auf kommerzielle Open-Source-Produkte setzten sollten, lesen Sie im Folgenden. Bei Open Source Software (OSS) denken die meisten Anwender an kostenlose Software. Tatsächlich kann OSS gratis sein – muss sie aber nicht. In…

Open Source im Unternehmen einsetzen, ja oder nein?

  Ein Kommentar von Tim Mackey, Principal Security Strategist bei Synopsys   Open Source spielt in der modernen Software-Entwicklung und -Bereitstellung eine entscheidende Rolle. Das lässt sich schwerlich von der Hand weisen. Dabei wird aber gerne übersehen, wie Open Source sich hinsichtlich der Sicherheit und der Einhaltung von Lizenzbestimmungen auf die Risikosituation innerhalb einer Anwendung…

Open Source für die globale Energiewende

Zugangsfreie, offene Software, Benchmarks und Datensätze: Energy Computing Initiative der Helmholtz-Gemeinschaft unterstützt die klimafreundliche Transformation von Energiesystemen. Auf der im Rahmen der Helmholtz-Gemeinschaft entstandenen Plattform der Helmholtz Energy Computing Initiative (HECI) sind Modellierungswerkzeuge für die Energiesystemoptimierung frei verfügbar (Montage: KIT).   Computermodelle sind für die Energiewende unerlässlich. Sie helfen dabei, Kapazitäten beim Erzeugen, Transportieren und…

Augen auf beim Einsatz von Third-Party-Komponenten – Risikofaktor Open Source

Im Zuge der Digitalisierung entwickelt sich Open-Source-Software auch in Deutschland, Österreich und der Schweiz zu einem wichtigen Baustein agiler Entwicklungsumgebungen. Der quelloffene Code ermöglicht es Unternehmen, wirtschaftlicher zu agieren und ihre Anwendungen schneller zur Marktreife zu führen – doch er birgt auch Risiken. Mittelständler, Konzerne und Regierungseinrichtungen sind daher gut beraten, passgenaue Strategien für eine sichere Open-Source-Nutzung zu entwickeln.