Unternehmen erhöhen Digitalisierungsbudget um 30 Prozent, davon geht ein Drittel in KI-Projekte

foto freepik

  • Zwei von drei Unternehmen haben ihr Gesamtbudget für Digitalisierungsinitiativen erhöht – im Durchschnitt um 30 Prozent.
  • Auf KI-Projekte entfällt bereits fast ein Drittel – doch stufen 66 Prozent die Reife vieler KI‑Angebote als unbefriedigend ein.
  • Effektiver Einsatz des Digitalisierungsbudgets zweifelhaft, da Mehrheit nur über halbgare Strategien verfügt und nötige Rahmenbedingungen fehlen.
  • Erwartete Ergebnisse bleiben vor allem wegen geringer Integration in das Performance Management und fehlender Verankerung von Verantwortlichkeiten und Zielsystemen aus.

 

Unternehmen stellen 2026 mehr Geld für die Digitalisierung bereit – und erwarten viel davon. Laut der »Digital Value Studie« von Horváth wollen 67 Prozent der befragten Firmen ihr Digitalisierungsbudget erhöhen, im Durchschnitt um 30 Prozent [1]. Investitionen in KI-Technologie und -Implementierung machen einen immer größeren Anteil des Digitalisierungsbudgets aus, nämlich bereits 30 Prozent.

Die von Horváth befragten Führungskräfte begründen die gestiegenen KI-Investitionen jedoch nicht allein mit realem Bedarf, sondern unter anderem mit aggressivem Anbieter-Vertrieb. 68 Prozent geben in der Studie an, dass die Investitionsbereitschaft des Topmanagements für KI‑basierte Lösungen aktuell deutlich höher sei als für andere Technologien. Fast ebenso viele sagen jedoch auch, dass viele angebotene KI‑Anwendungen in Reife und Funktionsumfang hinter den Erwartungen zurückbleiben (66 %).

»Die Investitionsbereitschaft ist nach einem Jahr der Verunsicherung und des Zögerns deutlich gestiegen – und KI ist längst kein Add‑on mehr, sondern integraler Bestandteil der Digitalbudgets. Entscheidend ist jetzt, den Wertbeitrag systematisch zu steuern, anstatt nur Projekte zu addieren«, sagt Rainer Zierhofer, Studienleiter und Partner bei der Managementberatung Horváth.

 

Strategie: Halbgare Konzepte überwiegen

Die gesamten Digitalisierungsinitiativen der Unternehmen ergeben längst nicht überall ein stimmiges Gesamtbild, was unter anderem daran liegt, dass lediglich jedes zweite von Horváth befragten Unternehmen über eine ganzheitliche Digitalisierungsstrategie verfügt, die konkrete und übergreifende Ziele abbildet. Der Rest arbeitet mit Teilstrategien (25  %), lediglich bereichsweisen Zielen (19  %) oder ganz ohne Strategie (4  %).

»Dazu kommt, dass häufig Komplexität und Aufwand der Umsetzung unterschätzt werden. Unserer Studie zufolge evaluiert nur ein Drittel der Unternehmen geplante Digitalisierungsmaßnahmen hinsichtlich Umsetzungsrisiken. Damit ist eine Implementierungsschwäche quasi vorprogrammiert – was oft in einer negativen Kosten-/Nutzen-Bilanz resultiert, zu Frust führt und dadurch auch die Akzeptanz für diese Maßnahmen reduziert«, so Zierhofer.

Verantwortung & Anreizsysteme: CIOs vorn, wobei in den USA auch der CEO häufiger zur Verantwortung gezogen wird – Deutschland geht tendenziell zu technisch vor

Die Ergebnisse zeigen zudem deutliche Unterschiede in der Verortung der Digitalisierungsverantwortung zwischen Europa und den USA. Während in den USA mehr als jedes zweite Unternehmen die Verantwortung bei CEOs sieht, liegt sie in Deutschland mit großem Abstand vor allem bei CIOs beziehungsweise der IT-Leitung (70 %). Damit wird Digitalisierung hierzulande weiterhin stark aus einer technischen Perspektive heraus gesteuert. In anderen Ländern ist sie häufiger klar auf der Executive-Ebene angesiedelt und damit enger mit strategischen und unternehmerischen Zielen verknüpft. Die starke IT-Fokussierung in Deutschland birgt das Risiko, dass Business-Mehrwert, Kundennutzen und neue Geschäftsmodelle in den Hintergrund treten.

 

Bewertung & Messung: Regelprozess bei der Mehrheit Fehlanzeige

Die Ermittlung des Wertbeitrags von Digitalisierungsinitiativen erfolgt bei weniger als der Hälfte der befragten Unternehmen regelmäßig im Rahmen eines etablierten Prozesses (44 %). Ein Viertel misst ad hoc bei Bedarf, rund 20 Prozent messen lediglich einmalig, 11 Prozent gar nicht. Deutsche Unternehmen stechen in der Stichprobe allerdings heraus, hier geben 73 Prozent an, regelmäßig den Wertbeitrag zu messen.

 

Umsetzungslücke: Erfolgsfaktoren bekannt – selten nachhaltig verankert

Als Top‑Erfolgsfaktoren für realisierten »Digital Value” nennen die Befragten die Integration der Digitalisierungseffekte in das Business Performance Management, die Aufnahme digitaler Wertbeiträge in persönliche Performance‑Ziele sowie klare Verantwortlichkeiten. Bei der Umsetzung sind diese Faktoren jedoch selten voll etabliert. Als »nachhaltig verankert« oder vollständig umgesetzt« bezeichnen – je nach Faktor – nur 54 bis 59 Prozent der Unternehmen diese Aspekte. Vier von zehn Unternehmen haben in diesen Topfeldern also eklatante Schwächen.

Gefragt, was eine gewinnbringende Digitalisierung generell so herausfordernd macht, nennen die Befragten ein ganzes Bündel an Problemen. Als sehr große oder große Herausforderungen werden unter anderem Silodenken und mangelnde bereichsübergreifende Zusammenarbeit gesehen (67 %), unzulängliches Ende‑zu‑Ende‑Prozessmanagement (66  %), fehlende KPI‑Zielwerte (65  %), schlichte Implementationsschwächen (64 %) sowie unzureichendes Management‑Commitment (63  %).

»Viele Unternehmen wissen, was wirkt. In der Umsetzung mangelt es dann jedoch oft an Disziplin und Konsequenz. Gerade bei Trendthemen besteht somit die Gefahr, am konkreten Nutzen vorbeizudigitalisieren. Dies sollte angesichts der Höhe der Investitionen und des hohen Kostendrucks vieler Unternehmen unbedingt vermieden werden. Ganzheitliche, konkrete Strategien und funktionierende Bewertungssysteme mit regelmäßigen Abgleichen sowie klare Verantwortlichkeiten bringen die Firmen zum Ziel«, so Studienleiter und Horváth-Partner Rainer Zierhofer.

 

[1] Für die Studie »Digital Value 2026« befragte die Managementberatung Horváth mehr als 200 Unternehmen und Organisationen im DACH-Raum, den USA und Skandinavien, davon 100 Unternehmen aus Deutschland.
https://www.horvath-partners.com/de/cxo-news-abonnieren/ausgabe-1/2026/horvath-studie-digital-value

 

2310 Artikel zu „Budget KI“

Trotz steigender Software-Budgets: Mangel an KI-Kompetenzen wird zum Engpass der digitalen Transformation

Eine durchgängige Technologie-Integration und Qualifizierung von Mitarbeitenden sind entscheidend für die Industrie 5.0.   Die Studie »Smart Manufacturing 2026: Agile Führungskräfte stellen sich dem KI-Kompetenzdefizit« zeigt, dass Investitionen in Technologie weltweit trotz anhaltender wirtschaftlicher Unsicherheiten weiter stark ansteigen, insbesondere im Bereich KI und Automatisierung [1]. Gleichzeitig fällt es manchen Unternehmen schwer, Talente mit den passenden…

Es fehlen Grundlagen, um KI sicher in Finanzprozesse zu integrieren

Gleichzeitig mit wachsendem KI‑Einsatz im Finanzbereich fehlen vielen Organisationen weiterhin die operativen Grundlagen für eine sichere Integration. Eine aktuelle Studie zeigt, dass selbst KI‑Vorreiter häufig an Governance, Datenmanagement und Infrastruktur scheitern. Damit bleibt der Schritt vom Experiment zur skalierbaren Anwendung in zentralen Finanzprozessen für viele Unternehmen eine Herausforderung.   Laut einer Studie von Payhawk fehlt…

Die Technologie-Branche steht vor tiefgreifender Transformation und neuen Skill-Bedarfen

Die Technologie-Branche befindet sich in einer Phase erheblicher Umbrüche. KI-gestützte Systeme, Automatisierung und Cloud-Infrastrukturen optimieren Prozesse und verändern Kompetenzprofile in einem rasanten Tempo. Das belegt auch der Skills Economy Report 2026 von Cornerstone, der auf mehr als 28 Terabyte Echtzeit-Arbeitsmarktdaten aus über 200 Ländern basiert [1]. Der Report zeigt deutlich, dass KI, Code-Automation sowie smarte…

KI beschleunigt die unkontrollierte Verbreitung von Zugangsdaten um ein Vielfaches

Im Jahr 2025 weisen Entwickler-Commits mit Claude Code* eine Leak-Rate von 3,2 Prozent bei Zugangsdaten auf, gegenüber einem Basiswert von 1,5 Prozent. Der menschliche Faktor bleibt entscheidend.   GitGuardian, der Sicherheitsanbieter hinter der meistinstallierten Anwendung auf GitHub, veröffentlicht die fünfte Ausgabe seines Berichts »State of Secrets Sprawl« (Lagebericht zur Ausbreitung von Zugangsdaten) [1]. Der Lagebericht…

Warum Roboter ein eigenes Gehirn brauchen: Höchste Anforderungen an IT‑Systeme in der KI‑Robotik

KI macht Roboter so intelligent, dass sie ihre Umgebung wahrnehmen, komplexe Aufgaben eigenständig erledigen und individuell auf neue Situationen reagieren können. Als Gehirn dienen kompakte IT-Systeme direkt am Roboter, die sich deutlich von den klassischen Systemen aus der Rechenzentrumswelt unterscheiden. Dell Technologies erklärt, was sie auszeichnet und welche Anforderungen sie erfüllen müssen.   KI erlaubt…

Souveräne KI – Warum Regulierung, staatliche Beschaffung und geopolitische Interessen den Wettbewerb um KI neu ordnen

Zwei Jahre lang dominierte im KI-Markt vor allem ein Thema: der Wettbewerb der Modelle. Neue Benchmarks, größere Kontextfenster und schnellere multimodale Fortschritte bestimmten die Diskussion. Währenddessen blieb eine zentrale Frage weitgehend im Hintergrund: Was geschieht, wenn diese Systeme für Staaten strategisch so wichtig werden, dass Regierungen Einfluss auf ihre Nutzung und ihr Verhalten nehmen?  …

KI‑Agenten im Unternehmen: Effizienzgewinn durch klare Regeln statt blinder Autonomie

KI‑Agenten entwickeln sich 2026 vom Experiment zum festen Bestandteil des Arbeitsalltags und versprechen, Unternehmen spürbar zu entlasten und effizienter zu machen. Ihr Nutzen entsteht jedoch nicht durch vollständige Autonomie, sondern durch klare Regeln, begrenzte Zugriffsrechte und eine enge Einbindung in bestehende Strukturen, in denen der Mensch die letzte Entscheidung trifft. Voraussetzung für den Erfolg sind…

Lage der Cybersicherheitsexperten bleibt trotz KI angespannt – Hochmotivierte Teams sichern am besten

Cybersecurity gehört zu den abwechslungsreichsten, spannendsten, aber auch anstrengendsten Berufsfeldern. Die Nonprofit-Organisation für Cybersecurity-Experten ISC2 führt jedes Jahr eine Studie durch, die diesen ­Bereich sowohl aus Sicht der Mitarbeitenden als auch aus der Perspektive der Unternehmen weltweit ­beleuchtet. »manage it« hat anlässlich der neuesten Workforce-Studie mit Casey Marks, Chief Operating Officer bei ISC2 über die deutschen Studienergebnisse gesprochen.

Microsoft 365: Jedes zweite Unternehmen stoppt KI-Projekte

Für 82 Prozent stellt Microsoft 365 eine erhebliche operative Herausforderung dar, die mittels Automation noch nicht hinreichend adressiert werden kann. Jedes zweite Unternehmen stoppt KI-Projekte wegen Sicherheits- und Governance-Bedenken.   51 Prozent der Unternehmen weltweit haben KI-basierte Änderungen in Microsoft 365 aufgrund von Sicherheits- oder Governance-Bedenken rückgängig gemacht (Deutschland: 46 %). Gleichzeitig sehen knapp drei…

Mehrwerte in Milliardenhöhe: Wie Unternehmen von Process Intelligence und KI profitieren

Celonis, Anbieter im Bereich Process Intelligence, zeigt anhand konkreter Beispiele, wie internationale Unternehmen Enterprise AI in die industrielle Praxis bringen und dabei messbaren Mehrwert erzielen.   »KI beschleunigt den Trend von monolithischen Anwendungen hin zu modularen Architekturen. Doch eine neue Benutzeroberfläche ersetzt nicht die intelligente Ebene darunter«, sagt Dan Brown, Chief Product Officer bei Celonis.…

KI übernimmt Compliance-Themen, Steuerfunktion wird zum Business-Enabler

Regulatorik als größter Treiber: E-Invoicing (87 %) hat stärksten Einfluss auf Automatisierung. 94 % nutzen weiterhin Excel und erhalten hiermit Lücken innerhalb der Systemlandschaft. Steuerfunktion entwickelt sich zum Business-Enabler: bereits heute arbeiten 58 % in Mischrolle »Compliance und Beratung«.   In der deutschen Steuerlandschaft entwickelt sich die Automatisierung der Steuerfunktion vom Trendthema zum neuen strategischen…

SAP: Unternehmen investieren gezielter – KI etabliert sich, Cloud auf dem Prüfstand

Steigende Budgets, aber differenziertere Investitionsentscheidungen: Der Investitionsreport 2026 der Deutschsprachigen SAP-Anwendergruppe e. V. (DSAG) zeigt, dass SAP für Anwenderunternehmen relevant bleibt – Investitionen jedoch gezielter und kritischer erfolgen [1]. S/4HANA nimmt weiter an Fahrt auf. On-Premises ist hier noch häufiger die Wahl. Cloud-Modelle, neue SAP-Zielbilder und künstliche Intelligenz (KI) stoßen auf Interesse, müssen ihren wirtschaftlichen…

Personalwesen 4.0 – Wie KI den Unternehmens­wert steigert

Das Personalwesen steht vor einem tiefgreifenden Wandel: Weg von der reinen Verwaltungsfunktion, hin zum strategischen Treiber für den Unternehmenserfolg. Fachkräftemangel, hybride Arbeitsmodelle und gestiegene regulatorische Anforderungen werden oft als Belastungen empfunden. Doch die Integration von KI bietet die Chance, diese Herausforderungen in Wettbewerbsvorteile zu verwandeln. Anstatt unter Druck zu geraten, kann die Personalabteilung ihre Rolle neu definieren und einen messbaren Mehrwert für das Unternehmen schaffen.

Das CO₂-Budget als Gamechanger einer aktiven Steuerung der Dekarbonisierung – Erfolgsfaktoren für eine ganzheitliche Klimastrategie

Die Welt steht weiter vor der Herausforderung, die Erderwärmung auf maximal 1,5 Grad Celsius zu begrenzen. Doch wie kommen Unternehmen aus der Automobilindustrie schneller und konsequenter voran? Die ganzheitliche CO₂-Strategie des europäischen Batteriezellenherstellers PowerCo SE zeigt einen Lösungsansatz.

Von der KI-Euphorie zur Wertschöpfung: Warum 2026 nicht Technologie entscheidet – sondern Führung

Key Takeaways aus der Leadership-Umfrage 2026 (für Eilige): KI und Digitalisierung sind Produktivitäts- und Wettbewerbshebel, keine Innovationsspielwiese. Der Engpass liegt selten in der Technologie, sondern in Priorisierung, Governance und Umsetzungskraft. Entscheidend ist nicht die Zahl der Initiativen, sondern deren Wirkung entlang der Wertschöpfungskette. Ohne sauberes Datenfundament, klare Verantwortlichkeiten und Enablement bleibt Digitalisierung Stückwerk. Die nächsten…

Was bedeutet agentenbasierte KI für die Zukunft der Software?

Der Januar war ein harter Monat für Softwareaktien. Die Marktstimmung schwankte stark. Das hatte in vielen Fällen weniger mit den Fundamentaldaten zu tun als vielmehr mit einer einzigen Frage, die den Sektor bewegte: »Was bedeutet agentenbasierte KI für die Zukunft der Software?«.   Eine aktuelle Analyse von William Blair verdeutlicht die Stimmung sehr gut: Der…

KI wächst schneller als IT-Security

Schnelle KI-Adaption hat ihren Preis: 123 Tage längere Recovery-Zeiten, höhere Schadenskosten und eine wachsende Angriffsfläche.   Der aktuelle Global Security Research Report zeigt: Viele Unternehmen modernisieren ihre Sicherheitsarchitektur nicht im gleichen Tempo wie ihre KI-Infrastruktur [1]. Die Edge-Cloud-Plattform Fastly Inc. hat die Ergebnisse ihres vierten jährlichen Global Security Research Reports veröffentlicht. Der Bericht belegt, dass…

Server auf Tauchstation: Immersion Cooling für High-Density-Rechenzentren und KI-Workloads

  Moderne Rechenzentren benötigen effiziente Lösungen, um die Abwärme von KI-Clustern sicher abzuführen. Heiko Ebermann von Vertiv erklärt im Gespräch, wie Immersion Cooling als Plattformansatz zur Skalierbarkeit der digitalen Infrastruktur beiträgt. Dabei wird deutlich, dass die technische Umsetzung weit über das bloße Eintauchen der Hardware hinausgeht.   Heiko Ebermann, Global Offering Manager Liquid Cooling, Vertiv.…

Kommunen sollten KI für Klima und Umwelt nutzen

These: Künstliche Intelligenz und Nachhaltigkeit vertragen sich gut, wenn man es richtig macht. Smart-City-Experte Dr. Daniel Trauth: »Richtig eingesetzt, lässt sich durch KI-Optimierung die Nachhaltigkeitsbilanz etwa im kommunalen Bereich im großen Stil verbessern. Das schont nicht nur die natürlichen Ressourcen vor Ort, sondern auch die Haushalte der Kommunen.«   Künstliche Intelligenz (KI) hat viele Facetten,…