Erfolgreicher digitaler Kulturwandel in Unternehmen – Wenn die Technologie das kleinste Problem ist

An der Digitalisierung führt kein Weg mehr vorbei – das ist vielen Unternehmen heute bewusst. Weil Kunden, Märkte und Stakeholder es fordern, weil nur die Firmen, die sich verändern und Schritt halten, auch zukünftig erfolgreich am Markt bestehen werden – soweit die Theorie. Aber wie schafft man es, den eigenen Digitalisierungsplan erfolgreich umzusetzen?

Die Einführung neuer Technologien und Tools, die Anpassung interner Abläufe und digitaler Prozesse bilden nur den Anfang der Veränderung, an deren Ziel eine digitale Firmenkultur steht. Die Unternehmen, die erkennen, dass die Technologie nur das Werkzeug der Digitalisierung ist und bereits in der Planungsphase kulturelle Aspekte fokussieren, werden erfolgreicher und mit zufriedeneren Mitarbeitern aus dem Wandel hervorgehen [1]. Mit dem Wissen, welchen großen Hürden sie auf dem Weg des Cultural Change begegnen und wie sie diese überwinden, können sich die Verantwortlichen der größten unternehmerischen Herausforderung unserer Zeit – der digitalen Transformation – erfolgreich stellen. 

Mit Informationen überzeugen. Veränderungen, egal welcher Art, können bei Menschen Skepsis und Ängste auslösen – das ist ganz normal. Jeder Schritt aus der eigenen Komfortzone und jeder Wechsel gewohnter Verhaltens- und Arbeitsweisen ist unbequem und unsicher. Durch frühzeitiges Einbinden der Mitarbeiter und regelmäßige Kommunikation der Digitalisierungsstrategie und ihrer Fortschritte werden Vorbehalte abgebaut und Widerstände entkräftet. Mit den Ängsten der Mitarbeiter richtig umzugehen, Wertschätzung zu vermitteln und individuelle Vorteile der neuen Arbeitsweise aufzuzeigen, sind wichtige Faktoren innerhalb des Change-Prozesses. 

Unsicherheit verhindern – Lernbereitschaft und Collaboration fördern. Die im Zuge der Digitalisierung eingeführten Technologien können ebenfalls Berührungsängste der Nutzer hervorrufen. Ängste vor der Technologie und Wissensmangel führen zu Unsicherheit, Normungsbrüche zu Orientierungsverlust – gestörte Unternehmensabläufe und Ineffizienz sind die Folge.

Um dies zu vermeiden, sollten die unterschiedlichen, im Einsatz befindlichen Applikationen und Tools fokussiert eingesetzt, und gegebenfalls reduziert werden. Mit gezielten Weiterbildungen und entsprechendem Freiraum wird die Lernbereitschaft der Mitarbeiter unterstützt. Durch wiederkehrende Trainings, definierte Prozesse und Workflows entsteht die nötige Sicherheit, die Tools richtig und effizient zu bedienen. Prozesse laufen somit schneller und können transparenter abgewickelt werden. 

Ein wichtiges Merkmal einer digitalen Unternehmenskultur ist das Auflösen von Silodenken und der Austausch der Mitarbeiter untereinander, um individuelles Fachwissen unternehmensweit zu nutzen. Nur in Zusammenarbeit mit den Fachkräften können etwa Unternehmensprozesse und Abläufe erfolgreich optimiert werden. Dafür eignen sich beispielsweise Collaboration-Plattformen, Wissensdatenbanken oder Social Intranets. Vom damit verbundenen Wissenstransfer profitiert das gesamte Unternehmen. 

Führungsstil, der auf Vorbildern und Vertrauen beruht. Führungskräfte müssen die Verantwortung für den Erfolg der Digitalisierung übernehmen. Sie sollten ihre Rolle von der des Vorgesetzten in die eines Unterstützers/Coaches überführen, der die digitale Strategie vorlebt und vermittelt. Das gelingt mit einer offenen Kommunikations- und Feedback-Kultur und einem hohen Vertrauensgrad, der Freiheiten, Gestaltungsmöglichkeiten und Eigenverantwortung jedes Einzelnen befördert. Ein agiler Führungsstil, der Freiheiten impliziert, durch weniger Anweisung und mehr Dialog überzeugt, sowie Möglichkeiten, beispielsweise durch neue Tools aufzeigt, fördert die Kreativität und Ideen der Mitarbeiter. So entstehen aus der agilen Führung heraus flexible, offene Unternehmensstrukturen, die weniger prozessorientiert organisiert sind, sondern auf eigenverantwortlich agierenden, fachlich-orientierten Teams basieren. 

Wie begegnet das Management dem drohenden Kontrollverlust? Mit Vertrauen in die Leistungsbereitschaft der Mitarbeiter und in den Willen zum Erfolg. Gestaltungsraum, Kooperation, der natürliche Drang nach persönlichem Erfolg und ein Klima, das Innovationen inklusive der damit verbundenen Risiken erlaubt, sorgen für eine motivierte Belegschaft. 

Das Management sollte sich insgesamt als Vorreiter und Nutzer neuer Technologien sehen. So liegt die Nutzung beispielsweise eines Social Intranets nicht nur in der Verantwortung der Mitarbeiter. Durch regelmäßige Posts signalisiert das C-Level etwa die Wichtigkeit aktueller Kommunikationskanäle und erhöht gleichzeitig den Informationsgrad und die Transparenz im Unternehmen, was wiederum Vertrauen auf dem Weg in die neuen digitalen Welten schafft. 

Digitalisierung braucht Technologie, Kommunikation und einen Kulturwandel. Unternehmen, die sich auf den Weg der digitalen Transformation begeben, sollten bereits bei der Planung die Ausgewogenheit technologischer und kultureller Veränderungen im Auge behalten. 

Um den Wandel erfolgreich zu vollziehen, ist es ratsam, die Digitalisierungsstrategie zur Chefsache zu machen, Verantwortliche zu benennen, Fortschritte zu kommunizieren, kontinuierlich für Transparenz zu sorgen und eine Führungskultur zu etablieren, die auf den Erfolgsfaktor Mensch vertraut. 


Thomas Kinkhorst,
MBA Economy of Science,
ist Practice Manager Modern Work & Cloud Solutions
bei der DextraData GmbH
www.dextradata.com

 

[1] Culture First! Von den Vorreitern des digitalen Wandels lernen. Change-Management-Studie 2017, CapGemini Consulting

 

Illustration: © intueri/shutterstock.com

 

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