KI und Social Commerce: Was Technologie beim Schenken wirklich leistet

Illustration Absmeier foto ki designer

KI-Tools, Messaging-Apps und digitale Geschenkkarten verändern das Schenken schneller, als viele Händler vorbereitet sind. Entscheidend ist jedoch nicht der Hype um Agentic AI, sondern die Frage, welche Technologien heute schon Reibung reduzieren, Kaufentscheidungen erleichtern und in bestehende Kundengewohnheiten passen.

Management Summary
  • KI ist im Geschenkekauf angekommen: 34 Prozent der deutschen Konsumenten nutzen Anwendungen wie ChatGPT, Gemini oder Apple Intelligence bereits für Recherche, Preisvergleich und Produktauswahl.
  • Social Commerce wird zum relevanten Vertriebskanal: Deutschland liegt beim Kauf von Geschenkkarten über Messaging-Apps über dem EMEA-Durchschnitt und zeigt eine höhere Offenheit als vielfach angenommen.
  • Micro-Gifting verändert Nutzungsszenarien: Kleine digitale Aufmerksamkeiten über Chat- und Gaming-Umgebungen zeigen, wie nahtloses Schenken ohne Medienbruch funktionieren kann.
  • Personalisierung bleibt begrenzt: Datenschutz, fehlende Kundendaten und fragmentierte Händlerprozesse bremsen KI-gestützte Echtzeitangebote im klassischen Handel.
  • Die Priorität verschiebt sich: Erfolgreich sind Anbieter, die Produktdaten strukturieren, bestehende Kanäle besetzen und flexible Formate anbieten – nach dem Prinzip Customer First, AI Second.

 

ChatGPT als Geschenkberater, Geschenkkarten direkt über WhatsApp, Agentic AI als nächste Evolutionsstufe: Der Markt ist längst ein digitales Spielfeld geworden. Eine aktuelle Studie von Blackhawk Network (BHN) zeigt, wie weit deutsche Konsumenten beim Einsatz neuer Technologien bereits sind und wo die Realität hinter den Versprechen der Konferenzbühnen zurückbleibt [1].

 

Die Nutzung von künstlicher Intelligenz (KI) beim Geschenkekauf ist in Deutschland keine Nische mehr. 34 Prozent der Verbraucher haben bereits KI-Anwendungen wie ChatGPT, Gemini oder Apple Intelligence für solche Einkäufe eingesetzt – ein Wert, der leicht über dem EMEA-Durchschnitt liegt. Wer den Chatbot fragt: »Welche Geschenkkarte passt zu meiner sportbegeisterten Schwester unter 50 Euro?«, bekommt oft klarere Antworten als über eine klassische Suchmaschine. Die Nutzung ist dabei bemerkenswert pragmatisch. Preisvergleiche stehen mit 25 Prozent an erster Stelle, gefolgt von der Produktrecherche mit 23 Prozent.

Konsumenten begreifen KI zunehmend als nützliches Recherchewerkzeug statt nur als Spielerei. Für Anbieter hat das eine direkte technische Konsequenz: Wer in KI-gestützten Empfehlungen sichtbar sein will, braucht sauber strukturierte Produktdaten und ein klar kategorisiertes Angebot. Geschenkkarten profitieren dabei als flexible, risikoarme Option. Das gilt besonders dann, wenn KI die Auswahl eingrenzt, aber keine abschließende Empfehlung liefern kann. Sie wirken als eine Art Fail-Safe in einer zunehmend technologiegetriebenen Kaufentscheidung.

 

Messaging-Apps als Commerce-Kanal: Deutschland überrascht

Auch die Vorstellung, dass Deutsche bei digitalen Kanälen wie Messaging Commerce grundsätzlich hinterherhinken, widerlegen weitere Studiendaten von BHN eindrücklich. 22 Prozent der Konsumenten haben bereits eine Geschenkkarte über eine Messaging-App wie WhatsApp, iMessage oder Android Messages gekauft. Damit liegt Deutschland rund 4 Prozentpunkte über dem EMEA-Schnitt. Nur 19 Prozent schließen diesen Kanal grundsätzlich aus, verglichen mit 29 Prozent im EMEA-Schnitt und 31 Prozent in Großbritannien.

Das Prinzip ist technologisch denkbar einfach: Nutzer wählen eine Marke, legen einen Betrag fest und bezahlen per Mobile Payment. Danach kann die Geschenkkarte direkt im Chat zugestellt und weitergeleitet werden. Globale Anbieter testen bereits entsprechende Kauferlebnisse innerhalb der führenden Messaging-Apps. Eng damit verknüpft ist der Trend zum Micro-Gifting, dem Wandel weg vom großen Anlassgeschenk hin zur kleinen, spontanen digitalen Aufmerksamkeit. Statt 25 Euro zum Geburtstag verschickt man fünf Euro als Dankeschön oder einen Kaffee-Gutschein als kleine Geste zwischendurch. Laut Statista soll der globale Social-Commerce-Markt bis 2028 die Marke von einer Billion US-Dollar überschreiten. In europäischen Märkten ist die Commerce-Infrastruktur auf Messaging-Plattformen allerdings noch nicht voll ausgereift. Micro-Gifting dürfte seinen stärksten Wachstumsimpuls deshalb über digitale Kanäle erfahren.

Dass diese neuen Arten des Schenkens erprobte Verhaltensmuster sind, zeigt eine Branche, die dem Mainstream-Commerce hier weit voraus ist: Gaming. In Spielen wie Fortnite, League of Legends oder Roblox gehört es längst zum Alltag, Freunden für wenige Euro einen Skin oder eine Ingame-Währung zu schenken. Was von außen wie eine Nischenpraxis wirkt, ist in Wahrheit ein ausgereiftes Modell, in dem der gesamte Prozess in derselben Umgebung stattfindet. Entdecken, Kaufen, Verschenken, Empfangen – kein Medienbruch, kein zusätzlicher Schritt, keine Reibung. Genau das ist die Bedingung, unter der digitales Schenken nahtlos gelingt. Und genau diese Voraussetzung erfüllt der klassische Handel bislang nicht ausreichend.

 

Agentic AI und Personalisierung: Wie weit ist die Branche wirklich?

Konsumenten nutzen KI also bereits aktiv als Recherchewerkzeug und sind Social Commerce gegenüber aufgeschlossen. Doch auf der Anbieterseite ist die nächste Stufe, KI-gestützte Personalisierung in Echtzeit, noch Zukunftsmusik. Auf Branchenevents wird sie als Gamechanger gehandelt. Im physischen Handel hingegen zeigt sich: Wer für ein personalisiertes Erlebnis die Plattform wechseln, eine App herunterladen oder ein Konto anlegen muss, verliert die meisten Kunden noch vor dem ersten Klick. Erste Testprojekte haben das klar bestätigt. Und ein genauer Blick auf die Produktentwicklung zeigt ein überraschendes Bild – der Trend geht keineswegs zu immer spezifischeren Produkten, sondern zurück zu breiteren Formaten wie Punktekarten oder thematisch gebündelten Multi-Voucher-Karten.

Von echter Personalisierung durch KI-gestützte Datenanalyse ist die Branche noch weit entfernt. Anbieter zwischen Marke und Handel erheben in der Regel keine individuellen Kundendaten. Sie aktivieren Codes und wickeln Transaktionen ab, wissen aber aus Datenschutzgründen nicht, wer die Karte kauft oder verschenkt. Auch Agentic AI, also KI-Systeme, die eigenständig Empfehlungen aussprechen und Handlungen ausführen, steht noch am Anfang. Das Leitprinzip, das sich in der Branche durchsetzt, lässt sich in einer Formel zusammenfassen: Customer First, AI Second. KI soll dem Kunden dienen, nicht umgekehrt.

 

Fazit: Technologie folgt dem Kunden

Die BHN-Studie zeichnet ein nüchternes Bild: Deutsche Konsumenten adoptieren Technologien schneller als ihr Ruf vermuten lässt, aber nur dort, wo sie echte Probleme lösen, ohne neue zu schaffen. KI beim Geschenkekauf und Messaging-Commerce funktioniert, weil sie in bestehende Verhaltensweisen eingebettet ist. Für Anbieter folgt daraus eine klare Priorität: nicht auf KI-Personalisierung warten, die strukturell kaum umsetzbar ist, sondern die Kanäle bedienen, die Konsumenten bereits nutzen. Sauber strukturierte Produktdaten für KI-Suchen, präsente Angebote in Messaging-Apps, flexible Formate für Micro-Gifting – das sind die Hebel, die heute wirken.

Leif Erik Marx, Managing Director DACH & CEE bei BHN

 

 

 

 

[1] Methodik: Im Januar 2026 führte BHN eine weltweite Umfrage in 24 Ländern unter 15.815 Verbrauchern im EMEA-Raum im Alter von mindestens 18 Jahren durch, um mehr über die Vorlieben der Verbraucher in Bezug auf Geschenkkarten und ihre Einkaufsgewohnheiten zu erfahren. In Deutschland wurden insgesamt 2.258 Konsumenten befragt.
https://blackhawknetwork.com/de-de

 

FAQ

  1. Warum ist KI beim Geschenkekauf relevant?
    Weil viele Konsumenten KI bereits als praktisches Recherchewerkzeug nutzen. Sie vergleichen Preise, suchen passende Produkte und lassen sich Optionen eingrenzen.
  2. Was bedeutet das für Händler und Marken?
    Sie müssen ihre Produktdaten so strukturieren, dass KI-Systeme Angebote verstehen, einordnen und in Empfehlungen berücksichtigen können.
  3. Welche Rolle spielen Geschenkkarten in diesem Umfeld?
    Geschenkkarten funktionieren als flexible, risikoarme Option, wenn Käufer zwar eine Richtung kennen, sich aber nicht auf ein konkretes Produkt festlegen wollen.
  4. Warum sind Messaging-Apps für Commerce interessant?
    Sie sind bereits Teil des Alltags. Wenn Auswahl, Bezahlung und Zustellung direkt im Chat erfolgen, sinkt die Reibung im Kaufprozess deutlich.
  5. Was versteht man unter Micro-Gifting?
    Micro-Gifting beschreibt kleine digitale Aufmerksamkeiten, etwa einen Kaffee-Gutschein oder einen kleinen Betrag als Dankeschön, die spontan und niedrigschwellig verschickt werden.
  6. Warum ist Gaming ein Vorbild für digitales Schenken?
    Gaming-Plattformen zeigen, wie Geschenkprozesse ohne Medienbruch funktionieren: Entdecken, Kaufen, Verschenken und Empfangen finden in derselben Umgebung statt.
  7. Ist KI-gestützte Personalisierung im Handel schon Realität?
    Noch nicht im großen Stil. Viele Anbieter verfügen nicht über die nötigen Kundendaten oder dürfen sie aus Datenschutzgründen nicht individuell auswerten.
  8. Was bedeutet Agentic AI in diesem Kontext?
    Agentic AI meint KI-Systeme, die nicht nur beraten, sondern eigenständig Empfehlungen aussprechen oder Aktionen ausführen. Im Geschenkekartenmarkt steht dieser Ansatz noch am Anfang.
  9. Welche konkreten Maßnahmen sind heute sinnvoll?
    Anbieter sollten Produktdaten verbessern, Angebote für Messaging-Kanäle vorbereiten und flexible Gutscheinformate schaffen, statt ausschließlich auf künftige KI-Personalisierung zu setzen.
  10. Was ist die wichtigste Lehre aus der Studie?
    Technologie setzt sich dann durch, wenn sie bestehende Gewohnheiten unterstützt. Für Handel und Plattformanbieter gilt daher: erst Kundennutzen, dann KI-Einsatz.
Management Summary, FAQ und Bild wurden mit Hilfe von KI erstellt

 

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