Kluft zwischen IT und Fachbereichen als Hemmschuh der Zusammenarbeit – Digitalisierungsstau

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Jedes Unternehmen ist heute direkt oder indirekt ein Software-getriebenes Unternehmen. Dadurch verändern sich auch die Anforderungen an die eigene IT. Doch wie wird die IT in Unternehmen wahrgenommen? Gibt es grundsätzliche Unterschiede zwischen der Selbstwahrnehmung der IT und der Außenwahrnehmung durch die Fachbereiche? Und wie fügen sich neue Formen der Zusammenarbeit, beispielsweise bei der kollaborativen Softwareentwicklung, in diesen Kontext ein?

Um diesen und weiteren Fragen auf den Grund zu gehen, hat Dimensional Research im Auftrag von Mendix 1010 Mitarbeiter von IT und Fachbereichen in DACH, Benelux, UK und den USA befragt. Die Ergebnisse bestätigen dabei teilweise gewisse Annahmen, andere spiegeln überraschende Aussagen wider.

Einigkeit zwischen IT und Fachbereichen. Vielleicht nicht ganz zu Unrecht wird Fachabteilungen und IT unterstellt, dass es oft am gegenseitigen Verständnis fehlt und es deshalb zu Reibereien kommt.

Oft herrscht vermeintlich die Meinung vor, dass die IT eines Unternehmens eher als Kostenstelle denn als Wertschöpfer wahrgenommen wird. 70 Prozent der für die Studie Befragten sehen in der IT-Abteilung jedoch stattdessen einen Wertschöpfer, der den Unternehmenserfolg maßgeblich mitprägt. Ein noch höherer Anteil der Befragten aus den Fachbereichen, nämlich 95 Prozent, ist der Meinung, dass die IT einen Mehrwert bei strategischen Initiativen darstellt. Ebenso herrscht Einigkeit darüber, dass die IT-Abteilung oft mit der schieren Anzahl an geforderten Projekten überfordert ist (Fachbereiche 71 Prozent, IT 75 Prozent).

Doch nicht alles eitel Sonnenschein? Geht man jedoch über das Allgemeine hinaus und dringt tiefer in die Materie ein, wird schnell deutlich, dass es teils auch gravierende Unterschiede darin gibt, wie die IT-Abteilung wahrgenommen wird. Hier kommen besonders die Budgetierung, aber auch die Effizienz bei der Umsetzung von Projekten zum Tragen.

So sehen mehr als die Hälfte (51 Prozent) der befragten ITler in der DACH-Region in den verfügbaren Budgets einen Hemmschuh für die Vollendung anstehender Projekte. In den Fachbereichen hingegen ist die überwiegende Mehrheit der Meinung, dass die Budgets der IT-Abteilung völlig ausreichend bemessen sind. Mit 24 Prozent ist hier lediglich ein knappes Viertel der Befragten der Meinung, dass die IT-Budgets zu gering sind und erkennt dies als Problem an.

Auch bei Legacy-Systemen herrscht offenbar Uneinigkeit in Unternehmen. Besonders in den Fachbereichen scheint hier die Meinung »never change a running system« vorzuherrschen. Solange die Systeme wie gewünscht funktionieren, besteht nur ein geringes Bedürfnis, daran etwas zu ändern. Dem gegenüber steht die IT, die oft einen nicht geringen Aufwand betreiben muss, um Legacy-Systeme auch weiterhin instand zu halten. Dieser Fokus auf eigentlich veraltete Systeme wird daher von 58 Prozent der befragten IT-Mitarbeiter auch als Innovationsbremse im Unternehmen wahrgenommen. Auf Seiten der Fachabteilungen sehen hingegen lediglich 23 Prozent ein Problem in der Instandhaltung von Legacy-Systemen.

Shadow-IT – da scheiden sich die Geister. Ein weiteres großes Thema, das die Fachbereiche und die IT spaltet, betrifft die sogenannte Shadow-IT. Dabei handelt es sich um Hard- oder Software, die ohne das Wissen der IT-Abteilung für unternehmensinterne Prozesse verwendet wird, ohne in die offizielle IT-Infrastruktur integriert zu sein. Dass es sich hier um kein vereinzeltes Problem handelt, belegen verschiedenste Analysten- und Anbieterstudien. So schätzt beispielsweise Gartner, dass 30 bis 40 Prozent der Ausgaben für IT-Services auf Shadow-IT entfallen. Und laut Ciscos Shadow IT Report liegt die Anzahl der eingesetzten Cloud-Dienste in Unternehmen um 15 bis 22 Mal höher, als die CIOs der befragten Unternehmen vermuten. Das bedeutet, dass oft hunderte Cloud-Dienste für teils unternehmenskritische Aufgaben verwendet werden, ohne, dass die IT-Abteilung davon weiß.

 

 

Zwar hat die Umfrage ergeben, dass in IT-Abteilungen (91 Prozent) und Fachbereichen (89 Prozent) Einigkeit darüber besteht, dass die unkontrollierte Erstellung beziehungsweise der unkontrollierte Einsatz von Anwendungen gefährlich sein kann. Hier stehen vor allem Bedenken in den Bereichen Datensicherheit, Datenintegrität und Datenschutz im Vordergrund. Doch trotz ihres Bewusstseins für die Gefahren sagen beinahe zwei Drittel (62 Prozent) der befragten Fachbereichsmitarbeiter in DACH, dass in ihren Augen Shadow-IT grundsätzlich als positiv zu bewerten ist, solange sie verwaltet und unterstützt werden kann.

Fachabteilungen fühlen sich missachtet. Doch warum ist die Shadow-IT innerhalb der Fachbereiche derart beliebt und wächst so stark? Laut eigener Aussage erstellen und verwenden 57 Prozent der Verantwortlichen lieber eigene Anwendungen, als sich bezüglich ihrer Ideen und Bedürfnisse mit der IT-Abteilung auszutauschen.

Dies könnte darauf zurückzuführen sein, dass ihnen einerseits die Zeit zur Umsetzung von IT-Projekten zu lang erscheint. Schließlich geben 59 Prozent der befragten Fachbereichsmitarbeiter an, dass die Wartezeit bis zur Fertigstellung von Projekten von sechs Monaten bis hin zu mehreren Jahren in Anspruch nehmen kann.

Zudem fühlen sich viele der befragten Fachbereichsmitarbeiter von der IT-Abteilung missachtet. So berichten 69 Prozent der Befragten, dass ihre Ideen für neue IT-Lösungen in höchstens der Hälfte aller Fälle auch von der IT-Abteilung Beachtung finden. Diese wahrgenommene Missachtung ist vermutlich mit ein Grund, warum mehr als die Hälfte der Mitarbeiter aus den Fachbereichen (57 Prozent) lieber in Eigenregie Tools und Services anschaffen und verwenden, ohne die IT-Abteilung einzubeziehen.

Wo liegt die Lösung? Um diese Kluft zwischen IT und Fachbereichen zu überbrücken, bedarf es an sich nicht viel. Schließlich sind sich beide Seiten grundsätzlich darin einig, dass es positive Auswirkungen haben kann, wenn die Fachbereiche ihre Unternehmensanwendungen selbst erstellen, solange sie sich an die von der IT festgelegten Regeln halten (Fachbereiche 70 Prozent, IT 62 Prozent).

Dass es zu einem solchen Konsens kommen kann, bedarf es aber einer geeigneten technologischen Grundlage. Einerseits muss die IT sicherstellen, dass die Regulierungen zu Themen wie Datenschutz, Governance oder Datensicherheit eingehalten werden. Andererseits sollte die gewählte Basis aber auch zugänglich für nicht-technische Entwickler, sogenannte Citizen Developer sein, damit diese ihre Anforderungen entsprechend umsetzen können.

Hier bietet sich eine umfassende Low-Code-Plattform als Lösung an, die sozusagen beide Fliegen mit einer Klappe schlägt. Sie ist zugänglich und mit ihr lassen sich auch komplexe Unternehmensanwendungen erstellen, die im gleichen Atemzug die von der IT gestellten Anforderungen erfüllen. Mit schlagkräftigen Resultaten: Anwendungen werden bis zu 10x schneller erstellt und die hohe Abbruchrate von Projekten, die bei traditioneller Entwicklung üblich ist, wird deutlich reduziert.



Hans de Visser
ist VP Product Management
bei Mendix

 

Illustration: © PAIartist/shutterstock.com

 

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