Zwangsarbeit in der globalen Kaffeeindustrie – Warum die Festlegung von Mindestpreisen allein das Problem nicht lösen wird

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Die weltweite Nachfrage nach Kaffee ist fast auf Rekordhöhe gestiegen (über 158 Millionen 60 kg Säcke im vergangenen Jahr). Das Geschäft an der Verkaufstheke boomt weltweit. Doch während die Händler erfolgreich sind, bangen Landwirte um ihre Existenz. Die Preise, die nahe dem niedrigsten Wert seit mehr als einem Jahrzehnt liegen (derzeit bei oder unter 1 $ pro Pfund), haben die Margen so gedrückt, dass die Ernte für einige nicht mehr rentabel ist. Um diesen Trend umzukehren, haben Erzeuger begonnen, die Festlegung eines globalen Mindestpreises für Kaffee zu prüfen, ähnlich dem, der kürzlich für Kakao festgelegt wurde.

 

Zwei wesentliche Faktoren jedoch machen ein Kaffeebohnenkartell unwahrscheinlich oder zumindest nur von kurzer Dauer. Da die Anzahl der Landwirte und Anbaugebiete so hoch ist, ist die Einhaltung der Vorschriften schwer kontrollierbar. Die andere Schwierigkeit besteht darin, dass die Preisschwellen, selbst bei erfolgreicher Durchsetzung, lediglich die Ursachen für die Lebensumstände – und allzu oft die verheerende Armut – verschleiern, die Millionen von Kaffeebauern plagen. Der Grund: die Löhne machen nur einen Teil des Problems aus. Der Rest umfasst Themen wie Zwangsarbeit, intransparente Lieferketten, nachlässige Unternehmensführung, ausbeuterische Arbeitsbedingungen, staatliche Korruption und die Zurückhaltung von Aufsichtsbehörden.

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Ganzheitliche Betrachtung

Nur wenn man die Notlage der Kaffeebauern ganzheitlich betrachtet, über die Spotmarktpreise von Bohnen oder anderen Kriterien hinaus, kann man sich mit den komplexen Faktoren befassen, welche die Subsistenzlandwirtschaft aufrechterhalten. Aber wie?

 

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Technologie kann ein Wegbereiter sein – für Transparenz, Verantwortlichkeit und faire Rückverfolgbarkeit der Arbeit. Cloud-basierte digitale Netzwerke haben das Potenzial, die Rechenschaftspflicht in der gesamten Kaffeeindustrie zu stärken, vom Bauernhof bis zur Verkaufstheke und überall dazwischen. Dank dieser Netzwerke können Käufer und Landwirte intelligente Einblicke in ihre Gesamtausgaben und den Überblick über die miteinander verbundenen Geschäfte gewinnen. Diese neu geschaffene Transparenz, ergänzt durch Echtzeit-Datenanalysen, beleuchtet nicht nur traditionelle Geschäftskennzahlen wie Zykluszeiten, Lagerumschläge und Nutzungsraten, sondern auch Faktoren zur Erfüllung der Nachhaltigkeitsrichtlinien und -ziele. Jetzt können Händler feststellen, ob ein Handelspartner über die notwendigen Governance-Strukturen verfügt, um Zwangsarbeit aus seiner Lieferkette auszulöschen, ob er eine Erfolgsbilanz bei der Sicherstellung humaner Arbeitsbedingungen aufgebaut hat, ob er Aufträge an bisher unterrepräsentierte Personengruppen vergibt, ob er natürliche Ressourcen bei der Beschaffung von Rohstoffen und dem Recycling gebrauchter Materialien schützt und Dutzende anderer Kriterien, die ethische und nachhaltige Geschäftspraktiken unterstreichen. Verkäufer, Vertriebspartner und Landwirte können sich an Gewinninitiativen beteiligen, die auf einer soliden Grundlage von Ethik, gemeinsamen Werten und Transparenz beruhen, um ihre Partnerschaften zu stärken – von der Stimme der Arbeitnehmer über die Rechte der Arbeitnehmer bis hin zu den Arbeitsbedingungen und mehr.

 

Wie kann die Transparenz dieser Daten das Vermögen der Kaffeebauern steigern und den Lebensstandard ihrer Mitarbeiter verbessern? Zunehmend verlangen die unterschiedlichen Interessengruppen der Käufer – von Verbrauchern und Aktionären über Mitarbeiter bis hin zu Marketingpartnern – Verantwortlichkeit in der gesamten Lieferkette. Sie bestehen darauf, Kaffee nur von Anbauern zu beziehen, deren Markenwerte mit ihren eigenen übereinstimmen. Wenn Käufer, die auf die Prioritäten ihrer Stakeholder achten und Geschäfte an sozial verantwortungsbewusste Landwirte vergeben, bleibt der Preis plötzlich nicht mehr die einzige Determinante bei der Beschaffung von Kaffeebohnen oder anderen Rohstoffen. Die Transparenz, die durch Cloud-basierte digitale Netze ermöglicht wird, gibt Hoffnung auf ein verantwortungsbewussteres, gerechteres und gegenseitig profitableres Ökosystem, in dem alle Marktteilnehmer gedeihen können.

Padmini Ranganathan, Global Vice President for Risk and Sustainability Solutions bei SAP Ariba

 

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