KI-Code wird im Review gelobt – bis zum Go-live

foto freepik

Der »2026 State of AI Coding Report« von New Relic zeigt: KI-generierter Code wird im Moment der Überprüfung als qualitativ hochwertiger eingestuft und liefert messbar schlechtere Ergebnisse, sobald er in die Produktion gelangt.

 

Der »2026 State of AI Coding Report« deckt einen zentralen Widerspruch der Vibe-Coding-Ära auf: Während beim Review 94 Prozent der befragten Führungskräfte KI-generierten Code qualitativ hochwertiger bewerteten als von Menschen geschriebenen Code, zieht dessen Nutzung nach dem Go-live erhebliche Folgekosten nach sich. Demnach berichten 78 Prozent der Befragten von einem Anstieg der Incidents und 86 Prozent berichten, dass Senior Engineers mehr Zeit damit verbringen, Code zu reparieren und Fehler zu beheben. Zudem geben 74 Prozent an, dass mindestens 25 Prozent des KI-generierten Codes im Rückblick auf die vergangenen zwölf Monate erheblich überarbeitet werden musste. 82 Prozent erlebten in den vergangenen sechs Monaten mindestens einen Produktionsausfall, der auf KI-generierten Code zurückzuführen war. Lediglich 19 Prozent der Unternehmen berichten, in diesem Zeitraum keinerlei Probleme mit KI-generiertem Code gehabt zu haben.

 

Der gemeinsam mit Hanover Research durchgeführte Report befragte Führungskräfte im Technologiebereich, die generative und Agentic AI in der Softwareentwicklung einsetzen, zu den Auswirkungen im operativen Tagesgeschäft. Die Daten zeigen: Die Code-Erstellung verlagert sich im großen Umfang auf KI – und das längst nicht mehr nur in Start-ups. Demnach geben zwei Drittel (67 Prozent) der befragten IT-Entscheider an, dass KI zwischen 51 und 75 Prozent der wöchentlichen Code-Produktion ihres Unternehmens generiert oder einem signifikanten Refactoring unterzieht.

 

»AI Coding Agents vervollständigen nicht mehr nur einzelne Codezeilen. Inzwischen sind sie Treiber für den Großteil der Softwareentwicklung in Unternehmen«, sagt Klaus Kurz, Senior Director Solution Consulting, CE/EE/MENA, bei New Relic.

»Unser Report zeigt einen alarmierenden Trend: die rasante Anhäufung dessen, was wir ›Agent Debt‹ nennen. Zwar wird der von Agents erzeugte Code in frühen Reviews häufig als schnell und hochwertig wahrgenommen. Gleichzeitig übernehmen Teams damit unbemerkt Architektur- und Designentscheidungen, die nicht ausreichend geprüft sind und die sich später im Produktivbetrieb in Form von Störungen bemerkbar machen. Wege zu finden, diese Agent Debt zu begrenzen, wird damit zu einer zentralen Aufgabe für Engineering-Organisationen.«

 

Weitere zentrale Erkenntnisse des Reports:

 

  • Vibe Coding ist in der Produktion angekommen:
    Die Phase in der Vibe Coding nur in einer Sandbox stattgefunden hat oder ein rein persönliches produktivitätssteigerndes Werkzeug war, ist inzwischen vorbei. 88 Prozent der Unternehmen haben Vibe Coding in formelle Produktionsrichtlinien aufgenommen. Nur 5 Prozent beschränken die Nutzung auf Nicht-Produktionsumgebungen und niemand verbietet sie gänzlich.
  • Blindes Vertrauen im frühen Entwicklungsprozess:
    Die Daten deuten auf ein tiefgreifend fehlgeleitetes Vertrauen im frühen Lebenszyklus von KI-Code hin. Fast zwei Drittel der Technologie-Führungskräfte (62 Prozent) berichten, dass ihre Teams KI-generiertem Code oft so weit vertrauen, dass sie ihn ohne manuelle zeilenweise Überprüfung ausliefern.
  • KI-generierter Code erhält im initialen Review Bestnoten:
    94 Prozent der Befragten bevorzugen KI-generierten Code – 61 Prozent bewerten ihn als »etwas hochwertiger«, 33 Prozent als »deutlich hochwertiger«. Nur 2 Prozent nehmen ihn als qualitativ schlechter wahr. Diese Kennzahl spiegelt die subjektive Einschätzung zum Zeitpunkt des Code-Reviews wider – nicht die operative Performance im Live-Betrieb.
  • Observability ist längst Pflicht:
    Angesichts der nachgelagerten Komplexität maschinell erstellten Codes stufen 96 Prozent der technischen Führungskräfte Observability im Umgang mit KI-generiertem Code als »sehr wichtig« oder »äußerst wichtig« ein. Kein Befragter hielt sie für »wenig wichtig« oder »gar nicht wichtig«.
  • Telemetrie wandert in den KI-Prompt:
    Engineering-Teams verlagern Observability zunehmend in frühere Lebenszyklusphasen der Code-Generierung. Knapp vier von fünf Teams (78 Prozent) weisen KI-Tools inzwischen per Prompt an, konkrete Telemetriedaten wie Logs, Traces und Metriken direkt in den generierten Code zu integrieren, damit dieser sich von Anfang an tracken lässt.

 

 

[1] Methodik: New Relic führte die Studie 2026 gemeinsam mit Hanover Research online durch. Es wurden 200 in den USA ansässige Technologie-Entscheider aus den Bereichen IT und Engineering befragt, die alle in Vollzeit bei Unternehmen beschäftigt sind und generative KI für die Software-Entwicklung nutzen. Alle Befragten sind auf Managementebene oder höher tätig und verfügen über maßgebliche Entscheidungsbefugnis beim Softwarekauf (einschließlich Directors, VPs und C-Level-Führungskräften).
Der »2026 State of AI Coding Report« steht ab sofort zum Download bereit. https://newrelic.com/de/resources/report/2026-state-of-ai-coding

 

2936 Artikel zu „KI Code“

KI, Low-Code und die Zukunft der Softwareentwicklung: Wie Unternehmen 2026 auf Erfolgskurs bleiben

Raymond Kok, CEO von Mendix, ein Siemens-Unternehmen, ordnet die relevanten KI-Trends in der Softwareentwicklung im Gespräch ein und gibt IT-Entscheiderinnen und IT-Entscheidern in Unternehmen klare Empfehlungen, welche Weichen sie 2026 neu stellen müssen, um auf Erfolgskurs zu bleiben.    Herr Kok, wie sieht die Zukunft der Anwendungsentwicklung aus und wie sollten sich Unternehmen darauf vorbereiten?…

Enterprise Content Management – High Performance dank Low-Code und KI

Intelligenten Systemen und automatisierten Prozessen gehört die Zukunft. Auf dieser Grundlage können sich Unternehmen fit für das Wettbewerbsumfeld für morgen machen und mit mehr Effizienz im Arbeitsalltag glänzen. Künstliche Intelligenz (KI) und Low-Code-Plattformen liegen hier eindeutig im Trend.

Low-Code meets KI: Wie der Mittelstand die Kontrolle über seine Digitalisierung zurückgewinnt

Mittelständische Unternehmen stehen vor einer Zwickmühle: Geschäftssysteme werden komplexer, die Anforderungen an digitale Integration steigen – doch Entwickler für maßgeschneiderte Anpassungen fehlen. IT-Abteilungen sind überlastet, Änderungen dauern Monate, spezifische Anforderungen werden zu teuren Sonderprojekten. Künstliche Intelligenz und Low-Code-Plattformen versprechen nun einen Ausweg: Fachabteilungen können selbst Software entwickeln, ohne Programmierkenntnisse. Die Marketing-Managerin baut ihr Dashboard, der…

In fünf Jahren könnte 90 Prozent des Codes von KI geschrieben werden

KI verändert die Art, wie Menschen programmieren. Und die Anforderungen an die Fähigkeiten, auf die es für Entwicklerinnen und Entwickler in Zukunft ankommt.   Der Tag der Programmierer fällt jedes Jahr auf den 256. Tag des Jahres, was für Programmierer eine besondere Zahl ist – sie entspricht 28, also der Anzahl möglicher Werte in einem…

KI-Coding wird zur riskanten Norm – 81 % stellen unsicheren Code bereit

Report »Future of Application Security in the Era of AI« belegt: Unternehmen generieren bis zu 60 % ihres Codes mittels KI-Coding-Assistenten. Allerdings untersagen mittlerweile 20 % deren Nutzung offiziell.   Die Studie »Future of Application Security in the Era of AI« von Checkmarx zeichnet ein umfassendes Bild davon, wie KI-gestützte Softwareentwicklung die Risikolandschaft nachhaltig verändert…

Low-Code als Innovationskatalysator und Elixier für Agilität im KI-Zeitalter

Kommentar von Raymond Kok, CEO bei Mendix, ein Siemens-Unternehmen Organisationen weltweit streben danach, das Potenzial von KI und kontinuierlich neu entstehenden Technologien auszuschöpfen. Doch nur wenige sind agil genug, um einen umfassenden, schnellen und sicheren Zugang zu diesen innovativen Technologien zu bieten. Genau hier setzt Enterprise Low-Code an und eröffnet neue Wege, dieses Ziel zu…

KI schreibt Code: Schnell, effektiv und manchmal fehlerhaft

Manchmal könnte man den Eindruck gewinnen, als wären wir ganz plötzlich im Zeitalter der künstlichen Intelligenz (KI) gelandet. Mit dem rasanten Aufstieg kommerzieller Large Language Models (LLMs) und generativer KI-Tools wie OpenAI ChatGPT, Microsoft Copilot und Google Gemini ist künstliche Intelligenz jetzt in aller Munde – Bedenken eingeschlossen. Aber KI-Konzepte und -Systeme existieren schon seit…

DevSecOps-Teams zweifeln an der Sicherheit von KI-generiertem Code

Die Umfrage analysiert das »Tauziehen«, das KI-gestützte Codierungstools im Software-Entwicklungsprozess hervorrufen.   Der Bericht »Global State of DevSecOps 2024« von Black Duck Software, Inc. (»Black Duck«) analysiert Trends, Herausforderungen und Chancen, die sich auf die Software-Sicherheit auswirken. Die Daten belegen, dass der umfassende Einsatz von KI die Art und Weise, wie Software entwickelt wird, grundlegend…

75 Prozent der Softwareentwickler in Unternehmen werden bis 2028 KI-gestützte Code-Assistenten nutzen

Laut Gartner werden bis 2028 75 Prozent der Softwareentwickler in Unternehmen KI-gestützte Code-Assistenten verwenden. Anfang 2023 hingegen waren es noch weniger als 10 Prozent. Derzeit testen 63 Prozent der Unternehmen KI-gestützte Code-Assistenten, setzen sie ein oder haben sie bereits eingesetzt, so eine Gartner-Umfrage unter 598 weltweit Befragten im dritten Quartal 2023. KI-gestützte Code-Assistenten ermöglichen mehr…

Mehr als Codegenerierung: wie KI in den gesamten Softwarelebenszyklus integriert werden kann

Interview mit Michel Isnard, VP Enterprise Sales, GitLab.   Jedes Team, das an der Entwicklung und Bereitstellung von Software beteiligt ist, steht vor der doppelten Herausforderung: Auf der einen Seite muss es schneller denn je eine sichere Software bereitstellen, die auch den Compliance-Anforderungen genügend. Auf der anderen Seite ist man gleichzeitig mit Zeit- und Ressourcenbeschränkungen…

Generative KI verbessert die Behebung von Schwachstellen im Code erheblich

Large-Language-Modelle helfen Cloud-Entwicklern im Hinblick auf die Sicherheit. Durch den Einsatz KI-gesteuerter Lösungen zur Behebung von Schwachstellen kann DevSecOps erheblich verbessert werden.   Cyberbedrohungen entwickeln sich schneller als je zuvor. Um dem entgegenzuwirken und ihr Unternehmen besser zu schützen, ist das Ziel von CISOs im Prinzip relativ einfach: Fehlkonfigurationen und Schwachstellen in Anwendungen sollten möglichst…

ABBYY stellt No-Code-Plattform Vantage 2 und neuen KI-Marketplace für schnellen Weg in die digitale Transformation vor 

Vantage 2 bietet sofort einsatzbereite KI-Skills für die intelligente Automatisierung. Über den ABBYY Marketplace können Benutzer ganz einfach kognitive Skills erwerben, um ihre Automatisierungsinitiativen zu beschleunigen.   ABBYY, ein Unternehmen für Digital Intelligence, kündigte im Rahmen seiner virtuellen Konferenz ABBYY Reimagine die Einführung von Vantage 2 an, einer Low-Code/No-Code-Plattform, die kognitive Skills für RPA-Roboter, Automatisierungssysteme,…

KI-Agenten im SOC: Alle haben Amnesie

Warum die nächste Stufe der Sicherheitsautomatisierung am Gedächtnis scheitert.   Adaptiert von einem Artikel von Nash Borges, Vice President of Engineering and Data Science, Sophos.   Die nächste Stufe der Sicherheitsautomatisierung scheitert aktuell an einem überraschend simplen Hindernis: Erinnerung. Wie sich das anfühlt, zeigt ein Film. In Christopher Nolans Memento aus dem Jahr 2000 leidet…

KI-Bots: Jede fünfte Webanfrage erfolgt mittlerweile automatisiert

KI-Bots verändern die Vorstellungen von guter Cybersicherheit.   Bunny.net analysiert 42,5 Milliarden Anfragen und deckt auf, dass KI-Crawler mittlerweile mit Suchmaschinen konkurrieren und rekordverdächtige Angriffe auf Anwendungsebene verzeichnen.   Jede fünfte Anfrage, die bei Websites eingeht, ist mittlerweile automatisiert, da KI-gestützte Bots, KI-Crawler und API-gesteuerter Datenverkehr die Art und Weise, wie Unternehmen mit dem Internet…

Schluss mit Frust bei der Produktsuche: Verbraucher setzen auf KI

Künstliche Intelligenz (KI) könnte das Online-Shopping nachhaltig verändern. Die Deutschen sind zunehmend überzeugt: Die zunehmende Verbreitung von KI führt zu besseren Einkaufserlebnissen. Das zeigt eine repräsentative Studie von Algolia, die unter 1.000 deutschen Verbraucherinnen und Verbrauchern im Juni 2026 durchgeführt wurde. Laut ihr sehen sie in KI vermehrt einen Schlüssel für relevantere und komfortablere Einkaufserlebnisse.…

Konsequente Integration als Erfolgsfaktor für KI-Anwendungen – Raus aus dem Piloten, rein in die Kernprozesse

KI-Investitionen erzielen oft nur begrenzten Nutzen, weil KI-Tools nicht tief in Kernprozesse und Unternehmenssysteme integriert wurden. Eine konsequente Integration erfordert gemeinsames Sicherheits- und Rollenmanagement, einheitliche Datenzugriffe, Aktionsfähigkeit der KI mit eingebetteten Compliance- und Kontrollmechanismen sowie Privacy-by-Design-Architekturen, damit Präzision, Datenschutz und Auditierbarkeit gewährleistet sind. Durch kontextualisierte KI in vertrauten Systemen lassen sich repetitive HR- und Finance-Aufgaben automatisieren, Supportanfragen reduzieren, Entscheidungsprozesse beschleunigen und messbare betriebliche Effekte erzielen, sofern Führung, Governance und Change-Management die verantwortungsvolle Einführung begleiten.

KI schafft nur Mehrwert, wenn Daten »Business-ready« sind

Management Summary KI-Initiativen entfalten ihren geschäftlichen Nutzen nur dann nachhaltig, wenn Unternehmen über konsistente, vertrauenswürdige und direkt nutzbare Business-Ready Data verfügen. Fragmentierte Systeme, doppelte Datensätze und mangelhafte Datenqualität bleiben zentrale Risikofaktoren und können KI-Projekte bereits vor der Skalierung ausbremsen. Die Forrester-TEI-Ergebnisse zeigen, dass strukturierte Datentransformation messbare wirtschaftliche Effekte liefert – darunter 218 Prozent ROI, 4,1…

KI im Finanzbereich: Warum strategische Tiefe den Hype überlebt

Management Summary  Generische KI erzeugt teure Altlasten: Viele Finanzabteilungen haben in den letzten 12–18 Monaten isolierte KI‑Tools eingeführt, die weder integriert noch auditierbar sind. Das Ergebnis: Datenchaos, Compliance‑Risiken und fehlende Skalierbarkeit – ein wachsendes finanzielles Risiko für CFO‑Organisationen. CFOs verlangen messbaren Nutzen statt Hype: Die Stimmung kippt. Finanzverantwortliche fordern ROI, Risikominimierung und Lösungen, die mit…

Klassische Cyberabwehr gegen autonome KI-Systeme stößt an ihre Grenzen – Wenn Maschinen Maschinen kompromittieren

Die nächste große Sicherheitskrise wird nicht mit einem Klick beginnen. Nicht mit einer Phishing-Mail. Nicht mit einem kompromittierten Passwort. Nicht mit einem Mitarbeiter, der einen Fehler macht. Die nächste große Sicherheitskrise beginnt mit Maschinen, die selbstständig handeln. Genau das erleben Unternehmen derzeit. KI-Assistenten schreiben Code. Sie installieren Software. Sie analysieren Daten. Sie treffen Entscheidungen. Immer schneller. Immer autonomer. Und häufig mit weitreichenden Zugriffsrechten. Was als Produktivitätsgewinn begann, entwickelt sich zur neuen Angriffsoberfläche moderner Unternehmen.