Manufacturing 4.0: Warum MSPs IT und OT gemeinsam denken müssen

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Die Konvergenz von IT und OT schreitet mit hoher Geschwindigkeit voran und sorgt für grundlegende Veränderungen in industriellen Infrastrukturen. Immer öfter sind Produktionsanlagen, Sensorik, Edge-Geräte, IoT-Sensoren und industrielle Steuerungssysteme (ICS) eng mit klassischen IT-Infrastrukturen vernetzt. Auch für Managed Service Provider (MSPs) bedeutet das einen tiefgreifenden Wandel ihrer Rolle. Denn anstelle von getrennten Silos erwarten Kunden von MSPs eine ganzheitliche Sicht auf ihre digitale Infrastruktur, sowohl IT als auch OT. Für Dienstleister ist das Herausforderung und große Marktchance zugleich. Denn wer IT- und OT-Umgebungen erfolgreich zusammenführt, positioniert sich als strategischer Infrastrukturpartner für moderne Industrieunternehmen. Paessler, Hersteller der Monitoring-Plattform PRTG, begleitet MSPs seit Jahren bei genau diesem Wandel.

 

Kommentar von Edward Knight, Director Global MSP Sales bei Paessler

 

Viele MSPs unterschätzen noch, wie grundlegend sich ihre Rolle gerade verändert. Wer heute nur IT-Monitoring anbietet, verliert morgen den Kunden an jemanden, der das große Bild sieht. Lange waren IT und OT klar voneinander getrennt. Die IT war für Server, Netzwerke und Anwendungen zuständig, die OT konzentrierte sich auf Produktionsanlagen und industrielle Steuerungssysteme. Diese Trennung löst sich jedoch zunehmend auf. Mittlerweile setzen moderne Industrieunternehmen verstärkt auf vernetzte Produktionsumgebungen, Echtzeitdaten, IoT-Sensorik und automatisierte Prozesse. Produktionssysteme kommunizieren mit ERP-Plattformen, Cloud-Anwendungen und Analysewerkzeugen. Daten aus der Fertigung werden in Echtzeit ausgewertet, um Produktionsabläufe effizienter zu gestalten oder Wartungsbedarf frühzeitig zu erkennen.

Dadurch verschwimmen die Grenzen zwischen IT und OT immer stärker. Für Unternehmen ist entscheidend, dass alle Komponenten zuverlässig zusammenarbeiten und zentral überwacht werden können. Immer mehr Unternehmen suchen daher keinen separaten Anbieter für IT- und OT-Monitoring mehr. Gefragt sind vielmehr Dienstleister, die eine ganzheitliche Sicht auf die IT- und OT-Umgebung über eine einzige Plattform hinweg bieten. Viele MSPs haben ihr Serviceportfolio rund um klassische Enterprise-IT aufgebaut. Tools und Protokolle, die in IT-Umgebungen hervorragend funktionieren, stoßen jedoch in OT-Umgebungen schnell an ihre Grenzen. Denn Operational Technology nutzt Protokolle wie Modbus, OPC UA, MQTT oder BACnet, die traditionelle IT-Monitoring-Plattformen oft nicht nativ unterstützen.

 

Einheitliches Monitoring wird zum Erfolgsfaktor

Ein entscheidender Faktor bei der IT/OT-Konvergenz ist daher die Fähigkeit, unterschiedliche Systeme in einer gemeinsamen Plattform sichtbar zu machen. Kunden erwarten keine separaten Lösungen für IT und OT, sondern eine konsolidierte Sicht auf ihre gesamte Infrastruktur. Dafür benötigen MSPs Monitoring-Plattformen, die sowohl klassische IT-Protokolle als auch industrielle Standards unterstützen. Gleichzeitig müssen diese Lösungen verteilte Architekturen abbilden können, um Produktionsstandorte, Edge-Systeme und Umgebungen mit eingeschränkter Konnektivität zuverlässig zu überwachen. Zusätzlicher Mehrwert entsteht durch die zentrale Zusammenführung der Daten. Wenn Netzwerkstatus, Produktionsdaten, Energieverbrauch und Maschinenzustand gemeinsam analysiert werden können, lassen sich Fehler schneller identifizieren und Prozesse effizienter steuern.

Anstatt bestehende Infrastrukturen zu ersetzen, sollten MSPs ihre bestehenden Monitoring-Plattformen gezielt um die Anforderungen von OT-Umgebungen erweitern. Wichtig ist dabei insbesondere eine native Unterstützung von industriellen Protokollen wie Modbus, OPC UA, MQTT und BACnet zusätzlich zu klassischen IT-Standards. Individuelle Skripte oder Drittanbieter-Gateways dagegen erhöhen die Komplexität und schaffen zusätzliche Fehlerquellen, die in Produktionsumgebungen empfindliche Folgen haben können.

 

Verteilte Architekturen und hybride Umgebungen im Blick

OT-Umgebungen unterscheiden sich strukturell deutlich von klassischen IT-Infrastrukturen und erstrecken sich häufig über Produktionshallen, entfernte Standorte und Edge-Lokationen mit eingeschränkter Konnektivität. Darum ist eine verteilte Architektur erforderlich. Das Monitoring muss lokal funktionieren, während aggregierte Daten gleichzeitig an zentrale Dashboards übertragen werden – auch ohne permanente Cloud-Verbindung. Hinzu kommt die hohe Heterogenität industrieller Umgebungen. In vielen Unternehmen arbeiten etwa Siemens-SPSen, Cisco-Netzwerke, Schneider-Electric-Automatisierungssysteme und Microsoft-Server parallel. Eine moderne Monitoring-Lösung muss all diese Systeme unterstützen, ohne Unternehmen in einen Vendor Lock-in zu zwingen.

Speziell auf IT/OT-Konvergenz ausgelegte Plattformen bieten diese Fähigkeiten bereits inklusive vorkonfigurierter Sensoren für gängige Industriekomponenten. MSPs müssen also nicht für jeden Kunden individuelle Integrationen entwickeln. Sie müssen lediglich eine Plattform wählen, die von Anfang an für konvergente Umgebungen konzipiert wurde.

 

Neue Geschäftspotenziale

Kunden mit Anforderungen an IT/OT-Konvergenz gehören zu den wertvollsten und langfristig stabilsten Accounts, die MSPs gewinnen können. Wer das Monitoring der IT-Infrastruktur und der Produktionsumgebung übernimmt, ist Teil des täglichen Betriebs und kein optionaler Dienstleister mehr. Ein MSP, der für einen Automobilzulieferer sowohl das Netzwerk als auch die Produktionslinie überwacht, erkennt als Erster, wenn ein Netzwerkproblem die Fertigungsanlage bremst und kann handeln, bevor der Kunde es überhaupt bemerkt. Innerhalb bestehender Kundenbeziehungen schafft das außerdem natürliche Erweiterungsmöglichkeiten, etwa in den Bereichen Predictive Maintenance, Energiemanagement, industrielle Cybersecurity oder Edge-Management. Erfolgreiche MSPs im Industrieumfeld positionieren sich als Infrastrukturberater, die verstehen, dass moderne Fertigung eine einheitliche Transparenz benötigt. Dabei sind die Einstiegshürden niedriger, als viele glauben.

 

Fazit

Manufacturing 4.0 verändert nicht nur Produktionsprozesse, sondern auch die Erwartungen an Dienstleister. Unternehmen suchen zunehmend Partner, die ihre gesamte Infrastruktur verstehen und zentral betreuen können, von der klassischen IT bis zur Produktionsanlage. Für MSPs bedeutet das eine strategische Weiterentwicklung ihres Portfolios. Erfolgreich werden vor allem Anbieter, die IT- und OT-Umgebungen zusammenführen und ihren Kunden eine einheitliche Sicht auf komplexe Infrastrukturen ermöglichen. MSPs, die IT und OT heute noch getrennt denken, werden in fünf Jahren erklären müssen, warum sie es nicht früher zusammengeführt haben.

 

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