Die Hälfte kennt den digitalen Euro – Die wenigsten wissen aber, was es ist

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Bei elektronischen Zahlungen souveräner werden und den Zugang zu europäischem Zentralbankgeld sichern – diese Ziele verfolgt die EU-Kommission mit dem digitalen Euro. Er soll künftig als digitales Zentralbankgeld das Bargeld im Euroraum ergänzen. Anders als heutige digitale Zahlungen per Karte, Überweisung oder Zahlungs-App wäre der digitale Euro kein rein privatwirtschaftliches Bezahlverfahren, sondern eine von der Europäischen Zentralbank ausgegebene digitale Version des Euro. Am 13.7.2026 begannen in Brüssel die Trilogverhandlungen, um den Rechtsrahmen zur Einführung dieses digitalen Zentralbankgeldes zu schaffen. In der Bevölkerung ist der digitale Euro bereits vielen bekannt: 52 Prozent der Deutschen ab 16 Jahren haben schon von ihm gelesen oder gehört. Das ist das Ergebnis einer repräsentativen Befragung unter 1.004 Personen im Auftrag des Digitalverbands Bitkom.

»Der digitale Euro ist ein wichtiger Baustein für ein modernes, souveränes und wettbewerbsfähiges Zahlungssystem in Europa. Entscheidend ist, dass er für Verbraucherinnen und Verbraucher ebenso wie für Unternehmen sicher und praxistauglich ausgestaltet wird«, sagt Bitkom-Hauptgeschäftsführer Dr. Bernhard Rohleder.

»Politik, Notenbanken und Wirtschaft müssen frühzeitig verständlich erklären, wie der digitale Euro funktioniert, welche Rolle er neben Bargeld und bestehenden digitalen Zahlungsmitteln spielt und vor allem, welchen Nutzen er hat.«

Auch wenn viele Menschen schon vom digitalen Euro gehört haben – bisher weiß kaum jemand, worum es dabei wirklich geht. Lediglich 8 Prozent der Bevölkerung können nach eigenem Dafürhalten erklären, was man unter dem digitalen Euro versteht. Weitere 23 Prozent wissen in etwa, worum es sich dabei handelt. 21 Prozent haben den Begriff zwar schon einmal gehört, wissen aber nicht genau, was damit gemeint ist. 41 Prozent haben noch nie vom digitalen Euro gelesen oder gehört.

[1] Hinweis zur Methodik: Grundlage der Angaben ist eine Umfrage, die Bitkom Research im Auftrag des Digitalverbands Bitkom durchgeführt hat. Dabei wurden 1.004 Personen ab 16 Jahren in Deutschland telefonisch befragt. Die Befragung fand im Zeitraum von KW 11 bis KW 14 2026 statt. Die Umfrage ist repräsentativ. Die Fragestellung lautete: »Haben Sie schon einmal vom digitalen Euro gelesen oder gehört?«

 

 

Mehr Informationen zum digitalen Euro finden Sie unter anderem hier: https://www.bitkom.org/Informationen-Digitaler-Euro#ht_digitaler_euro_was

 

 

Was ist der digitale Euro?

Der digitale Euro soll als ergänzende, sichere und staatlich garantierte digitale Form des Euros eingeführt werden und Bürgerinnen, Bürgern sowie Unternehmen direkten Zugang zu digitalem Zentralbankgeld ermöglichen. Die Europäische Zentralbank (EZB) entwickelt ihn als elektronische Variante des bestehenden Euros, die über beaufsichtigte Zahlungsdienstleister bereitgestellt wird und sowohl online als auch offline funktionieren soll. Besonders der Offline‑Modus ist zentral, da er eine bargeldähnliche Privatsphäre und hohe Verfügbarkeit sicherstellen soll. Der digitale Euro ersetzt Bargeld nicht, sondern erweitert die Wahlfreiheit im Zahlungsverkehr.

Die EZB unterscheidet zwei komplementäre Entwicklungsstränge: den Wholesale‑Digitalen Euro, der sich auf Interbank‑ und Finanzmarktprozesse konzentriert, sowie den Retail‑Digitalen Euro, der für die breite Bevölkerung gedacht ist. Die Einführung wird als strategischer Schritt gesehen, um Europas Souveränität im Zahlungsverkehr zu stärken, Innovation zu fördern und Vertrauen durch klare Regulierung zu sichern.

Aus Sicht der Wirtschaft ist der digitale Euro ein wichtiger Baustein für ein modernes Finanzökosystem. Laut Bitkom‑Studie befürworten 82% der Unternehmen seine Einführung, 56% sehen Vorteile für Bürgerinnen und Bürger durch den direkten Zugang zu Zentralbankgeld. Gleichzeitig wächst die Sorge, dass Europa ohne eigene digitale Währung an globaler Relevanz verliert: 84% der Unternehmen befürchten einen Bedeutungsverlust des Euro, 65% erwarten eine Dominanz privater Digitalwährungen, falls die EU nicht rechtzeitig handelt. Besonders im Bereich blockchainbasierter Kapitalmarktprozesse sehen Unternehmen große Effizienzpotenziale – 74% halten diese für notwendig, um Automatisierung und Transparenz zu steigern.

Der internationale Kontext erhöht den Handlungsdruck: Laut Bank für Internationalen Zahlungsausgleich arbeiten 91% der Zentralbanken weltweit an digitalen Währungen. Parallel entstehen privatwirtschaftliche Allianzen, die Stablecoins als globalen Zahlungsstandard etablieren wollen. Europa befindet sich daher an einem kritischen Wendepunkt, an dem Geschwindigkeit und Koordination über die zukünftige Wettbewerbsfähigkeit entscheiden.

 

Bitkom formuliert drei zentrale Gestaltungsprinzipien:

  1. Innovation ermöglichen: Programmierbare Zahlungen und IoT‑Prozesse eröffnen neue Effizienzpotenziale. Der digitale Euro sollte nicht nur das bestehende System digital kopieren, sondern neue automatisierte Zahlungsmodelle ermöglichen. Die EZB sollte die Basisinfrastruktur bereitstellen, während Standards und Dienste gemeinsam mit der Wirtschaft entwickelt werden.
  2. Rechtssicherheit schaffen: Klare Regeln und transparente Ausnahmen sind notwendig, um Vertrauen zu schaffen und Wettbewerb zu fördern. Eine holistische Strategie sollte alle Geldformen – Zentralbankgeld, Giralgeld, E‑Geld – gleichwertig berücksichtigen.
  3. Rollen klar verteilen: Der aktuelle Gesetzesentwurf gibt der EZB weitreichende Befugnisse. Bitkom warnt, dass zu starke Zentralisierung bestehende europäische Zahlungsinitiativen schwächen könnte. Interoperabilität und Wettbewerb seien entscheidend, um Innovation zu fördern und langfristige Souveränität zu sichern.

Insgesamt zeigt sich: Der digitale Euro ist nicht nur ein technisches Projekt, sondern ein geopolitisches, wirtschaftliches und regulatorisches Zukunftsthema. Seine erfolgreiche Einführung erfordert Tempo, klare Regeln und enge Zusammenarbeit zwischen Politik, Wirtschaft und Technologieanbietern.

 

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