Neuer »AI Threat Tracker« zeigt: Angreifer setzen zunehmend auf autonome KI

foto magnific

Die Google Threat Intelligence Group (GTIG) hat ihren neuen Bericht »AI Threat Tracker: From Prompting to Autonomy – The Evolution of Adversarial AI« veröffentlicht. Der Report zeigt, wie sich der Einsatz von KI durch Cyberangreifer weiterentwickelt: von einfachen Prompts hin zu agentenbasierten, automatisierten Workflows, die mehrere Schritte eines Angriffs weitgehend selbstständig durchführen können.

 

Das Wichtigste im Überblick:

 

Von einfachen Prompts zu agentischer KI:

Angreifer setzen KI zunehmend nicht mehr nur für einzelne Aufgaben ein, sondern integrieren sie in automatisierte Angriffsketten. In einem von Mandiant untersuchten Fall kompromittierte ein Angreifer eine Cloud-Umgebung und nutzte anschließend ein autonomes Multi-Agenten-Framework, um innerhalb von weniger als sechs Stunden eine groß angelegte Kampagne zum Abgreifen von Zugangsdaten zu planen, aufzubauen und durchzuführen. Das System konnte Schwachstellen automatisiert scannen, Zugangsdaten ernten, Fehler beheben und IP-Adressen rotieren – ohne kontinuierliches Eingreifen eines Menschen.

Auch staatliche Akteure experimentieren mit agentischer KI: Eine mit der Volksrepublik China verbundene Gruppe versuchte, mit Gemini ein automatisiertes Penetration-Testing-Framework zu entwickeln, das Ziele selbstständig analysieren und Aufgaben wie Port-Scanning und Service-Erkennung durchführen sollte.

GTIG beobachtete zudem ein automatisiertes Reconnaissance- und Credential-Management-Framework, das mehr als 23.800 gestohlene Secrets in Echtzeit verwaltete – darunter API-Schlüssel für Cloud- und KI-Dienste.

 

KI wird über die gesamte Angriffskette eingesetzt:

Bedrohungsakteure nutzen generative KI inzwischen für nahezu alle Phasen eines Angriffs – von Aufklärung und Social Engineering über Malware-Entwicklung bis hin zu Post-Exploitation und Datenexfiltration.

China: Die Gruppe BASIN CASTLE setzt LLMs unter anderem ein, um hochwertige Ziele zu identifizieren, Social-Engineering-Inhalte zu erstellen und zu übersetzen, Malware zu verschleiern und Fehler bei Post-Exploitation-Kommandos zu beheben.

Iran: CALANQUE ION nutzt Gemini für OSINT-Recherchen, die Identifizierung von E-Mail-Adressen, Übersetzungen und die Erstellung lokalisierter Social-Engineering-Köder. Die Gruppe experimentiert zudem mit Reverse Engineering und dem Umgehen von Sicherheitsmechanismen.

Russland: SANDWORM RELIC nutzt Gemini unter anderem für automatisiertes Password Spraying, Endpoint-Fingerprinting und die Verschleierung von Command-and-Control-Infrastruktur.

Nordkorea: DPRK-nahe Akteure setzen KI für Zielprofiling, Phishing und die Erstellung gefälschter Lebensläufe, Jobbeschreibungen und Recruiter-Personas ein.

 

Open-Source- und KI-Lieferketten werden zum Angriffsziel:

Die zunehmende Verbreitung von KI-Coding-Tools und Open-Source-Komponenten erhöht die Angriffsfläche. Besonders im Fokus stehen Entwickler, AI Coding Assistants und LLM-Sicherheitsscanner. Der Cybercrime-Akteur UNC6780 (TeamPCP) kompromittierte unter anderem PyPI-, npm- und Docker-Hub-Ökosysteme und nutzte manipulierte MCP-Server, GitHub-Repositories und CI/CD-Umgebungen, um Zugangsdaten zu stehlen und Schadcode in Entwicklerumgebungen einzuschleusen.

Besonders relevant: Die Malware DUSTMAKER nutzt Prompt Injection, um KI-Coding-Assistenten dazu zu bringen, im Hintergrund Befehle auszuführen. Manipulierte Dateien werden dabei gezielt in versteckten Verzeichnissen wie .claude, .vscode oder .cursor platziert.

 

Proprietäre KI wird selbst zum Spionage- und Erpressungsziel:

GTIG beobachtet zunehmend Angriffe auf proprietäre KI-Modelle, Source Code, Prompts, Skills und Forschungsergebnisse. Betroffen sind nicht nur KI-Unternehmen, sondern unter anderem Organisationen aus Gesundheitswesen, Regierung, Militär sowie Medien und Unterhaltung.

Ein mit China verbundener Akteur kompromittierte Forschungsorganisationen in Nordamerika und versuchte, proprietäre KI-Forschung zu stehlen. In kompromittierten Cloud-Umgebungen wurde zudem lokale Open-Weight-KI-Infrastruktur aufgebaut, um kommerzielle API-Kontrollen zu umgehen und die Rechenressourcen der Opfer zu nutzen.

Bei mehreren Erpressungsfällen wurden proprietäre KI-Modelle, Source Code, Prompts und Forschung gestohlen und mit der Veröffentlichung der Daten gedroht.

 

KI-Accounts und Rechenleistung werden auf dem Schwarzmarkt gehandelt:

Angreifer stehlen zunehmend Zugangsdaten zu KI-Diensten und kompromittieren Unternehmens-Clouds, um deren Rechenleistung für eigene KI-Workloads zu missbrauchen (»LLMJacking«). Die Nachfrage nach gestohlenen Claude- und Gemini-Accounts sowie nach autonomen Coding-Umgebungen wie Cursor Pro und Devin ist 2026 deutlich gestiegen; die durchschnittlichen Preise auf Untergrund-Marktplätzen haben sich laut GTIG mehr als verdoppelt.

 

Noch kein »vollautonomer« Zero-Day-Angriff in freier Wildbahn:

GTIG beobachtet zwar eine deutliche Entwicklung hin zu automatisierten und agentischen Angriffen. Einen vollständig autonomen Angriff, bei dem KI selbstständig einen Zero-Day entdeckt und gegen ein Ziel eingesetzt hat, konnte GTIG im vergangenen Quartal jedoch noch nicht beobachten. Stattdessen setzen Angreifer KI bereits heute ein, um öffentlich bekannte Schwachstellen schneller in funktionierende Exploits umzuwandeln und komplexe Exploit-Ketten zu entwickeln.

 

[1] https://cloud.google.com/blog/topics/threat-intelligence/from-prompting-to-autonomy-the-evolution-of-adversarial-ai?hl=en

 

2853 Artikel zu „KI Angreifer“

Maschinelle Identitäten von KI-Lösungen stehen zunehmend im Fokus der Angreifer

Menschliche und maschinelle Identitäten stellen durch die Zugriffsmöglichkeiten auf kritische Ressourcen für jedes Unternehmen ein großes Sicherheitsrisiko dar. Durch die zunehmende Nutzung von Lösungen der generativen KI steigt gerade die Gefahr von Attacken auf KI-Maschinen-Identitäten. Drei Angriffsszenarien könnten in naher Zukunft Probleme bereiten. Welchen Abwehrmechanismus gibt es?   Maschinelle Identitäten sind heute der wichtigste Treiber…

Threat Hunting Report 2023 – Angreifer werden immer gewiefter und hartnäckiger

Die Bedrohungslandschaft hat weiter an Komplexität und Tiefe gewonnen. Der erhebliche Anstieg der Anzahl der Kerberoasting-Angriffe ist besorgniserregend. In einigen Fällen haben Angreifer die Cloud-Umgebungen ihrer Opfer besser unter Kontrolle als die Unternehmen selbst. Zeki Turedi, CTO Europe von Crowd- Strike im Interview zum Threat Hunting Report 2023.

Angreifer werden immer gewiefter und hartnäckiger

Die Bedrohungslandschaft hat weiter an Komplexität und Tiefe zugenommen. Der erhebliche Anstieg der Anzahl der Kerberoasting-Angriffe ist besorgniserregend. Der Technologiesektor war im sechsten Jahr in Folge der am häufigsten angegriffene Sektor, gefolgt vom Finanzsektor. In einigen Fällen haben Angreifer die Cloud-Umgebungen ihrer Opfer besser unter Kontrolle als die Unternehmen selbst.   Zeki Turedi, CTO Europe…

Chinesische Angreifer attackieren Telkos mit dem Ziel umfassender Cyberspionage

DeadRinger-Untersuchung dokumentiert Angriffstrends, bei denen externe Service-Provider benutzt werden, um vielfältige Ziele zu erreichen.   Cybereason ist es gelungen, verschiedene bislang nicht anderweitig identifizierte Cyberangriffe aufzudecken, die große Telekommunikationsanbieter in ganz Südostasien infiltrieren. Ähnlich wie bei den jüngsten Angriffen auf SolarWinds und Kaseya kompromittierten die Angreifer externe Service-Anbieter – in diesem Fall Telekommunikationsunternehmen – mit…

Data Science für die IT-Sicherheit: KI-Human-Teams können Cyberangreifer stoppen

Trotz der erstaunlichen Fortschritte bei der Leistung der künstlichen Intelligenz in den letzten Jahren ist keine KI perfekt. Tatsächlich wird die Unvollkommenheit einer KI in der Regel durch die Messung der Genauigkeit des Modells an einem Testdatensatz deutlich gemacht. Perfekte Ergebnisse werden weder erwartet noch sind sie üblich.   Christopher Thissen, Data Scientist bei Vectra…

Wettlauf zwischen Angreifern und Verteidigern – KI und IT-Sicherheit

Die vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) initiierte Plattform Lernende Systeme (PLS) hat das Ziel, künstliche Intelligenz und maschinelles Lernen im Sinne der Gesellschaft zu gestalten. Im aktuellen Whitepaper »Künstliche Intelligenz und IT-Sicherheit« analysiert die Arbeitsgruppe »IT-Sicherheit, Privacy, Recht und Ethik« der PLS eines der Spannungsfelder der KI. Beigetragen haben dazu auch Experten des…

»KI darf nicht zum Standortnachteil werden«

eco weist SPD-Vorstoß für KI-Steuer entschieden zurück:  Die SPD-Bundestagsfraktion will auf ihrer Klausur neue Leitlinien für den Einsatz von künstlicher Intelligenz in der Arbeitswelt beschließen und unter anderem Produktivitätsgewinne durch KI sowie große Technologiekonzerne stärker besteuern. Dazu erklärt eco-Vorstandsvorsitzender Oliver Süme:   »Deutschland hat sich bei der Nutzung von KI in der Wirtschaft ambitionierte Ziele…

Kundendaten, Kassen, KI: Warum Händler ihre Cyberabwehr neu ausrichten müssen

Der europäische Einzelhandel steht vor einer Zuspitzung der Cyberbedrohungslage: Fast alle befragten Unternehmen meldeten innerhalb eines Jahres Sicherheitsvorfälle. Für das Management wird Cybersicherheit damit nicht länger zur rein technischen Disziplin, sondern zu einem geschäftskritischen Steuerungsthema rund um Kundendaten, Prozesse, Resilienz und digitale Wertschöpfung.   Die wichtigsten Punkte für Entscheider Cyberrisiken sind im Handel Normalzustand: 97…

KI verantwortungsvoll einsetzen – Sicherheit, Souveränität und Kontrolle für autonome Systeme

Künstliche Intelligenz ist den Kinderschuhen entwachsen. KI-Agenten – autonome Systeme, die planen, entscheiden und handeln – greifen in operative Geschäftsprozesse ein. Sie steuern Lieferketten, bewerten Kreditrisiken, priorisieren Service­anfragen und optimieren Produktionsabläufe. Die Effizienzgewinne: kürzere Reaktionszeiten, präziserer Ressourceneinsatz oder automatisierte Entscheidungsketten. Doch mit der Autonomie wachsen Verantwortung und Angriffsfläche.

Messaging-Scams: Wie industrialisierte Betrugsmodelle Vertrauen, Geschwindigkeit und KI ausnutzen

Messaging-Scams entwickeln sich zu einem industriell organisierten Risiko für Verbraucher, Unternehmen und Markenvertrauen. Entscheidend ist nicht nur die technische Abwehr, sondern ein Managementansatz, der Geschwindigkeit herausnimmt, Identität überprüfbar macht und Melde- sowie Reaktionsprozesse fest im Alltag verankert. Management Summary Messaging-Scams sind kein Randphänomen mehr, sondern ein skalierbares Geschäftsmodell. Kriminelle industrialisieren bekannte Betrugsmuster über SMS, Messenger,…

KI im Unternehmen: Warum der Zugang zu den Tools allein nicht reicht

Management Summary KI ist in vielen Unternehmen angekommen – doch der geschäftliche Nutzen entsteht nicht durch Tools allein, sondern durch Kompetenz, klare Leitplanken und praktische Anwendung. Das Beispiel Remote zeigt, wie gezieltes Training aus punktuellen Experimenten skalierbare KI-Workflows machen kann. KI-Kompetenz wird zur Management-Aufgabe: Der Zugang zu ChatGPT, Copilot oder eigenen KI-Anwendungen reicht nicht aus;…

KI-gesteuerte Bot-Angriffe stiegen um das 12,5-fache an

KI-gesteuerte Automatisierung beschleunigt die maschinelle Online-Aktivität, da Bots die Menschen überholen und die Funktionsweise des Internets neu definieren. Bots dominieren nun das Internet und machen mehr als die Hälfte des gesamten Datenverkehrs aus, wobei 40 % als böswillig eingestuft werden. KI löscht die Grenze zwischen legitimen und böswilligen Aktivitäten und macht die Absicht – nicht…

Schwachstellen in KI-Diensten verzehnfacht

Mit der zunehmenden Verbreitung von künstlicher Intelligenz (KI) in Unternehmen wächst auch die Zahl der entdeckten Schwachstellen in entsprechenden Diensten. Laut aktuellen Zahlen von Kaspersky aus dem zweiten Quartal 2026 hat sich die Zahl der erfassten Schwachstellen in KI- und LLM-Diensten im Vergleich zum vierten Quartal 2025 verzehnfacht und ist auf 935 gestiegen [1]. Auch…

KI-Governance auf mobilen Endgeräten: Die alten Regeln gelten nicht mehr

KI-Funktionen wandern zunehmend vom Chatfenster in Apps, Agenten und mobile Endgeräte. Für Unternehmen bedeutet das: Klassische KI-Governance greift zu kurz, wenn sie mobile Nutzung, App-Updates, Netzwerkwechsel und rollenbasierte Risiken nicht gezielt berücksichtigt. Management Summary Klassische KI-Governance reicht für mobile Endgeräte nicht mehr aus: KI steckt heute zunehmend in nativen Apps, Updates und Agenten statt nur…

Wenn KI-Agenten einkaufen, wird Unternehmenswissen zur neuen Verkaufsfläche

KI-Agenten verändern den digitalen Handel grundlegend: Sie suchen, vergleichen und empfehlen Produkte nicht mehr nur entlang klassischer Shop-Strukturen, sondern auf Basis maschinenlesbarer Daten und verfügbarem Unternehmenswissen. Für Händler und Marken entsteht damit eine neue strategische Aufgabe: Produktinformationen, Markenargumente und Kontextwissen müssen so aufbereitet werden, dass sie nicht nur für Menschen, sondern auch für KI-Systeme verständlich,…

Agentische KI in Unternehmen: Wie Governance und EU AI Act kontrollierte Autonomie ermöglichen

Agentische KI verspricht deutschen Unternehmen den nächsten Produktivitätsschub – stellt aber klassische Governance-Modelle vor neue Belastungsproben. Wer autonome Systeme in Geschäftsprozesse integriert, muss Kontrolle, Nachvollziehbarkeit und regulatorische Anforderungen technisch verankern, statt sie nur organisatorisch zu beschreiben. Management Summary KI ist in deutschen Unternehmen angekommen; agentische KI steht jedoch erst am Anfang der breiten Skalierung. Der…

KI-Agenten absichern: Warum Identity zum Erfolgsfaktor wird – KI braucht Identity Governance

KI-Agenten versprechen Unternehmen mehr Tempo und Automatisierung, schaffen aber zugleich neue Sicherheitsrisiken. Entscheidend ist deshalb, nicht nur ihre Funktionen, sondern vor allem ihre Identitäten, Berechtigungen und Zugriffe konsequent zu steuern. Wer Identity Governance früh verankert, kann Innovation ermöglichen, ohne Kontrolle und Compliance aus der Hand zu geben.

Vertrauenswürdige KI beginnt mit Wissen – drei Schritte für Agentic AI im Unternehmen

Agentic AI verspricht Unternehmen den nächsten Produktivitätssprung – vorausgesetzt, KI-Agenten arbeiten auf einer belastbaren, kontextualisierten und kontrollierten Wissensbasis. Enterprise AI Search wird damit zur strategischen Grundlage für vertrauenswürdige KI, die nicht nur informiert, sondern Entscheidungen vorbereitet und Prozesse in definierten Grenzen anstößt. Management Summary Agentic AI verlagert KI vom reinen Antwortsystem hin zu Anwendungen, die…

Cybersicherheit im KI-Zeitalter: SASE am Wendepunkt – Wie KI und Quantencomputer die Sicherheitsarchitektur aushebeln

SASE galt als Antwort auf Cloud, hybrides Arbeiten und Zero Trust. Doch KI-Agenten vervielfachen den Datenverkehr, moderne Verschlüsselung schafft blinde Flecken – und Quantencomputer stellen heutige Schutzversprechen infrage. Die Sicherheitsarchitektur muss näher an Nutzer, Gerät und Anwendung rücken.

Das eigentliche KI-Limit: die Betriebsrealität

 Management Summary Die eigentliche Grenze von Enterprise-KI liegt nicht allein bei Modellen, GPUs oder Inferenzleistung, sondern in der betrieblichen Realität der zugrunde liegenden Dateninfrastruktur. Je produktiver KI eingesetzt wird, desto stärker steigen Anforderungen an Datenlebenszyklen, Resilienz, Governance und autonome Betriebsmodelle. KI verschiebt den Infrastrukturengpass: Nicht nur Rechenleistung, sondern Datenmanagement, Betrieb und Governance entscheiden über Skalierbarkeit.…