Rund 366 Arbeitsunfähigkeitstage je 100 Versicherte aufgrund psychischer Erkrankungen zählt der DAK-Psychreport 2026 – bei Frauen sind es 456, bei Männern 288 Fehltage [1]. Damit hat sich die Anzahl der AU-Tage seit der Jahrtausendwende mehr als verdreifacht, wie der Blick auf die Statista-Grafik zeigt.
In den Top 10 der Erkrankungen mit den meisten Fehltagen liegen psychische Leiden – hinter Krankheiten des Atmungssystems (378 Fehltage je 100 Versicherte) und vor Krankheiten des Muskel-Skelett-Systems (342) – auf dem zweiten Rang. Am weitesten verbreitet sind Depressionen, die für 55 Prozent des gesamten psychisch bedingten Arbeitsausfalls verantwortlich sind.
Der Report untersucht auch die Entwicklung der Fehlzeiten aufgrund psychischer Erkrankungen nach Branchen. Im vergangenen Jahr waren Versicherte im »Gesundheitswesen« (474 Fehltage) besonders stark betroffen. Dahinter folgen die »Öffentliche Verwaltung« mit 430 Tagen und »Bildung, Kultur, Medien« mit 368 Tagen. Mathias Brandt
DAK-Psychreport 2026: Psychische Erkrankungen werden zum zentralen Treiber von Fehlzeiten
Psychische Erkrankungen gewinnen im Arbeitsalltag deutscher Beschäftigter weiter an Bedeutung. Der aktuelle DAK-Psychreport 2026 zeigt, dass psychisch bedingte Fehlzeiten im Jahr 2025 erneut gestiegen sind und inzwischen die zweithäufigste Ursache für krankheitsbedingte Ausfälle am Arbeitsplatz darstellen [1].
Besonders auffällig ist der Anstieg der Fehltage: Auf 100 DAK-versicherte Beschäftigte entfielen 2025 insgesamt 366 Fehltage aufgrund psychischer Erkrankungen. Im Vorjahr waren es noch 342 Tage. Gleichzeitig nahm auch die Zahl der Krankschreibungen leicht zu. Psychische Erkrankungen verursachten damit 18,7 Prozent aller krankheitsbedingten Fehltage und rückten im Ranking der Erkrankungsgruppen auf Platz zwei vor.
Abbildung: Erkrankungsgruppen, die die meisten Fehltage bei der Arbeit verursachen; Quelle: Daten der DAK-Gesundheit 2025.
Ein wesentlicher Grund für die hohe Belastung sind Depressionen. Sie verursachten 2025 mehr als die Hälfte aller psychisch bedingten Ausfalltage. Mit rund 202 Fehltagen je 100 Versicherte lagen depressive Episoden und wiederkehrende depressive Störungen deutlich vor anderen Diagnosen. Auf Platz zwei folgten Belastungsreaktionen und Anpassungsstörungen.
Abbildung: Fehltage nach psychischen Einzeldiagnosen 2024 vs. 2025; Quelle: Daten der DAK-Gesundheit 2024, 2025.
Die Studie verdeutlicht zudem, dass psychische Erkrankungen häufig mit langen Ausfallzeiten verbunden sind. Die durchschnittliche Dauer einer Krankschreibung stieg auf 34,2 Tage und liegt damit deutlich über vielen anderen Krankheitsbildern. Sieben Prozent der Beschäftigten waren im Jahr 2025 mindestens einmal wegen einer psychischen Erkrankung arbeitsunfähig.
Deutliche Unterschiede zeigen sich zwischen den Geschlechtern. Bei Frauen waren psychische Erkrankungen 2025 die wichtigste Ursache für krankheitsbedingte Fehltage und verursachten 456 Ausfalltage je 100 Versicherte. Bei Männern lagen sie mit 288 Fehltagen auf Rang drei hinter Muskel-Skelett-Erkrankungen.
Auch zwischen den Branchen bestehen erhebliche Unterschiede. Das Gesundheitswesen verzeichnete mit 474 Fehltagen je 100 Versicherte den höchsten Wert und lag deutlich über dem Durchschnitt. Es folgen die öffentliche Verwaltung sowie die Bereiche Bildung, Kultur und Medien. Deutlich niedrigere Werte meldeten dagegen das Baugewerbe sowie die Nahrungs- und Genussmittelindustrie.
Abbildung: Fehltage wegen psychischer Erkrankungen nach Branchen; Quelle: Daten der DAK-Gesundheit 2025.
Für die Untersuchung wertete das IGES Institut im Auftrag der DAK-Gesundheit die Arbeitsunfähigkeitsdaten von rund 2,4 Millionen erwerbstätigen Versicherten aus. Die Autoren sehen in den Ergebnissen einen deutlichen Hinweis darauf, dass Unternehmen die psychische Gesundheit ihrer Beschäftigten stärker in den Fokus rücken sollten. Betriebliche Gesundheitsprogramme, eine bessere Arbeitsorganisation und die frühzeitige Einbindung von Mitarbeitenden gelten dabei als zentrale Ansatzpunkte.
Kernaussage: Der Psychreport zeigt, dass psychische Belastungen in der Arbeitswelt weiter zunehmen. Insbesondere Depressionen treiben die Fehlzeiten nach oben und entwickeln sich zunehmend zu einer der größten Herausforderungen für Unternehmen, Personalverantwortliche und das betriebliche Gesundheitsmanagement.
[1] https://www.dak.de/dak/unternehmen/reporte-forschung/psychreport-2026_163000#rtf-anchor-kernergebnisse-des-psychreports-auf-einen-blick
Für den Psychreport 2026 wurden die Arbeitsunfähigkeitsdaten der 2,4 Millionen Erwerbstätigen ausgewertet, die im Kalenderjahr 2025 bei der DAK-Gesundheit versichert waren.
Zur Sicherung der Vergleichbarkeit sind alle dargestellten Werte nach einem auf Ebene der Ersatzkassen einheitlich abgestimmten Verfahren direkt standardisiert nach Alter und Geschlecht. Vergleiche im Zeitverlauf oder beispielsweise zwischen verschiedenen Branchen sind daher rechnerisch bereinigt um etwaige Unterschiede in der Alters- und Geschlechtsstruktur.
Diagnosen
Grundsätzlich können auf einer Krankschreibung unterschiedliche Diagnosen notiert werden. Um dennoch Doppelzählungen zu vermeiden, erfolgt die diagnosebezogene Zuordnung seit dem Berichtsjahr 2024 auf Basis einer sogenannten Leitdiagnose. Diese Zuordnung ist an die Klassifikationslogik des Risikostrukturausgleichs (RSA) angelehnt. Vor dem Hintergrund dieser methodischen Umstellung sind Vergleiche zu den Psychreporten aus den Berichtsjahren vor 2024 nicht angeraten.
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