Big Data im Alltag – Wie die Analyse großer Datenmengen unser aller Leben beeinflusst

Internetrecherche, Online-Shopping, Online-Verträge, Navi- und Gesundheits-Apps benötigen immense Mengen an Daten, um valide Ergebnisse zu liefern. Nahezu jeder Bereich des täglichen Lebens kann in Zukunft durch Big Data beeinflusst werden.

Was haben beispielsweise Landwirte, Ärzte, Banken oder Werbetreibende gemeinsam? Alle nutzen Big Data. Ob Internetrecherche, Online-Shopping, der Abschluss eines Kreditvertrags oder die Nutzung einer Navi-App am Smartphone – als stiller Begleiter werten Big-Data-Systeme die von Jedem hinterlassene Datenspur aus und helfen Unternehmen und Organisationen, ihre Dienstleistungen und Produkte auf den Bedarf abzustimmen. Doch auch zur Steuerung komplexer Systeme bedarf es einer soliden Datenbasis. Mehr und mehr wird unser Alltag von dieser Technologie beeinflusst, obgleich sich der Trend von den meisten unbemerkt vollzieht.

Online-Werbung: Der Klassiker. Die mit am meisten diskutierte Anwendung von Big Data ist sicherlich die Auswertung des Online- und Offline-Kundenverhaltens. Mithilfe ihrer Web-Portale und Suchmaschinen erstellen Unternehmen wie Amazon oder Google Profile ihrer Kunden. Diese werden ausgewertet und dienen der besseren Kundenansprache, welche Angebote ihren Bedürfnissen am ehesten entsprechen. Auf der anderen Seite wird diese Anwendung deswegen kritisiert, da sie den gläsernen Konsumenten zur Folge hat. Wie können Unternehmen diesem Dilemma begegnen? Zunächst stehen mit gesetzlichen Bestimmungen wie etwa der Datenschutzgrundverordnung staatliche Regeln zur Verfügung, die zu einem Grundschutz führen. Ein Unternehmen, das Massendaten erhebt, kann aber auch seinen Teil zu einem sauberen Umgang mit Informationen beitragen. So müssen persönliche Daten nur insoweit vorliegen, als dass beispielsweise ein Kunde gezielt angesprochen werden soll. Bei statistischen Analysen sind diese persönlichen Informationen überflüssig und können ersatzlos gelöscht werden. Diese Mechanismen zur Datenhygiene kann man auch gezielt in Big-Data-Systeme implementieren und so einen Beitrag zum Datenschutz leisten.

Wohin des Weges? Doch neben dem offensichtlichsten Anwendungsgebiet von Big Data findet sich die Technologie auch in vielen anderen Bereichen. So ist in jedem Mobiltelefon ein Navigationssystem enthalten, das für die Routenplanung den aktuellen Verkehrsstand berücksichtigt. Nun verfügen natürlich die Leitsysteme der Städte stets über die aktuellen Informationen zum Verkehrsaufkommen auf ihren Straßen. Doch ein Navigationssystem, beispielsweise das von Google, erhält seine Informationen aus einer anderen Quelle. Da viele Smartphone-Nutzer die Ortungsfunktion eingeschaltet haben, sendet diese die Position an den Betreiber des Kartenservice. Derlei Informationen werden in den Rechenzentren der Betreiber zusammengefasst und ausgewertet. So kann ein Kartendienst aufgrund der Bewegungsprofile, also der Richtung und Geschwindigkeit auf die aktuelle Verkehrslage schließen. Hier wird Big Data zu einem echten Gewinn, denn die Daten werden zum Wohl derer genutzt, die ihre Bewegungen übermitteln. Natürlich kann die automatische Übermittlung der Position auch zu Marketingzwecken genutzt werden. So befragen Mobilgeräte ihre Nutzer nach ihrem Eindruck etwa im Anschluss an den Besuch eines Restaurants. An diesem Beispiel ist gut ersichtlich, welchen Unterschied es macht, ob die Daten anonymisiert ausgewertet oder einer Person zugeordnet werden können. In aller Regel lässt sich über das Einstellungsmenü des mobilen Endgerätes die Individualisierung der Datenerhebung glücklicherweise ausschalten. Die Navigation und die damit einhergehende Analyse der Bewegungsdaten ist die typische Big-Data-Anwendung schlechthin.

Alles für die Kuh. Doch auch in Bereichen, die allgemein nicht mit Big Data in Verbindung gebracht wird, hält diese Technologie Einzug – beispielsweise im eingangs erwähnten Fall des Landwirts. Mittels Smart Farming – oder auch E-Farming beziehungsweise Bauernhof 4.0 – dient Big Data dem effizienteren Betrieb eines landwirtschaftlichen Betriebs. Hier hilft Technologie bei der Automatisierung von Arbeitsabläufen und umfasst auch maschinelles Lernen. So können Feldroboter selbstständig erkennen, wo sie Unkraut jäten, düngen oder Saatgut platzieren müssen. Auch in der Viehwirtschaft kann über Big-Data-Systeme die Fütterung und der Gesundheitszustand der Tiere gesteuert beziehungsweise analysiert werden, indem Sensordaten ausgewertet werden oder ein Vergleich mit Systemen in anderen landwirtschaftlichen Betrieben durchgeführt wird. Denn auch Kühe tragen heutzutage einen Fitness-Tracker. Hier liegen die Vorteile auf der Hand. Durch den intelligenten Einsatz der IT können Landwirte Pflanzenschutzmittel durch nachhaltige Bewirtschaftung ihrer Felder einsparen oder ihren Tierbestand gesünder halten, indem Krankheitsrisiken rechtzeitig begegnet wird.

Gesund durch Daten. Doch was der Kuh guttut, soll auch dem Menschen nutzen. Gerade im Gesundheitsbereich kann Big Data einen Umbruch schaffen. In der klassischen Medizin wurde jeder Patient mehr oder weniger individuell behandelt. Es wurde eine Diagnose gestellt anhand dieser ein Behandlungsplan erstellt wurde. Der Nachteil dieser Pläne ist jedoch, dass oft nach einem bestimmten Schema vorgegangen wurde, ohne den Gesundheitszustand des Patienten detailliert genug erfassen zu können. Insbesondere im Verlauf der Behandlung. Außerdem können Erkenntnisse, die bei der Behandlung anderenorts gewonnen wurden, weltweit zusammengefasst und durch Big-Data-Systeme ausgewertet werden. Dies ermöglicht eine individuellere und effizientere Behandlung. Aber auch hier soll ein effizienter Datenschutz die persönliche Sphäre des Patienten schützen. Deswegen ist hier penibel auf die Einhaltung gesetzlicher Vorgaben zu achten. Daten, die für die Analyse von Krankheitsbildern allgemein erhoben werden, müssen zwingend anonymisiert werden.

Hand in Hand mit künstlicher Intelligenz. Erwähnenswert sind nicht zuletzt auch die Klassiker, die in Verbindung mit Big Data genannt werden. Weder Smart Home, noch Smart Cities, noch Smart Cars sind ohne die Erfassung vieler Sensordaten möglich. Um selbstfahrende Autos, sich automatisch regelnde Häuser oder intelligente Städte zu verwirklichen, sind aber nicht nur Massendaten erforderlich, sondern künftig auch künstliche Intelligenz (KI), die diese verwaltet und auswertet und in »smarte« Aktionen umwandelt. Big Data ist dafür eines der Werkzeuge, dass bei vernünftigem Einsatz wertvolle Dienste leistet.


Wolfgang Huber,
Senior Regional Sales Director,
BeNeLux, Central and Eastern Europe
bei Cloudera

 

 

 

Illustration: © Pablo Scapinachis, Mr Aesthetics/shutterstock.com

 

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