Die Sicherheitslage im Cyberspace bleibt angespannt. Durch die zunehmende Cloud- und KI-Nutzung wird es für Unternehmen sogar noch brisanter. Eine starke Cyberresilienz ist daher Pflicht, doch die ist nur durch kontinuierliches Monitoring und Nachjustieren der Sicherheitsinfrastruktur zu erreichen.
Hacker lancieren zunehmend komplexere und vielfältigere Angriffe. Und damit nicht genug: Immer öfter laufen die Attacken automatisiert ab. Die Grundlage dafür bildet generative KI. Durch sie gewinnen auch Phishing, Deepfakes und Social Engineering deutlich an Qualität und sind immer schwerer zu erkennen. Gleichzeitig entwickelt sich Cybercrime-as-a-Service weiter. Spezialisierte Hackerkollektive übernehmen einzelne Schritte in der Angriffskette wie den Diebstahl von Zugangsdaten oder die Ausnutzung von Schwachstellen. Diese globale Arbeitsteilung erhöht die Schlagkraft und Reichweite von Cyberangriffen.
Auch die beliebteste Angriffsmethode, Ransomware-Attacken, erlebt einen Wandel, sodass neben der Verschlüsselung zunehmend der Diebstahl sensibler Daten mit anschließender Erpressung zur Veröffentlichung im Fokus steht. Für Unternehmen können die Folgen finanziell wie reputativ erheblich sein.

Abbildung 1: Die Managed Services von CGI basieren auf drei Erfolgsfaktoren: Transformation, Agilität und Effizienz.
Umso wichtiger ist es, nicht nur auf aktuelle Bedrohungen zu reagieren, sondern auch künftige Risiken in den Blick zu nehmen. Dazu gehören etwa Krypto-Agilität und Post-Quantum-Kryptografie, um langfristig geschützte Daten vor möglichen »Harvest now, decrypt later«-Angriffen zu bewahren.
Hohe Gefährdungslage erhöht Handlungsdruck.
Die Situation macht den dringenden Handlungsbedarf deutlich. Zwar kann kein Unternehmen einen 100-prozentigen Schutz realisieren, doch das kann keine Ausrede sein. Eine Reevaluierung der Cybersecurity-Maßnahmen und eine entsprechende Anpassung sind obligatorisch. Denn die Frage lautet längst nicht mehr ob, sondern wann ein Angriff stattfindet. Zeit spielt daher eine elementare Rolle, denn nur wer eine Attacke schnell erkennt, kann deren Folgen minimieren. Einfach neue Tools einzuführen, genügt dafür nicht, vielmehr müssen Unternehmen in den folgenden drei Bereichen nachbessern.
- Basisschutzmaßnahmen erhöhen
Von elementarer Bedeutung ist zunächst eine ordentliche Cyberhygiene. Unternehmen müssen ihre Systeme, Assets und Anwendungen kennen und auf dem aktuellen Stand der Technik halten, selbstverständlich auch durch regelmäßiges Patching. Empfehlenswert ist es zudem immer, ein Maturity-Assessment zu durchlaufen, um die vorhandenen Schwachstellen aufzudecken. Viele Consulting-Projekte in diesem Bereich zeigen, dass Unternehmen oft ihre eigenen Sicherheitsvorkehrungen überschätzen, während sie andererseits ihren Schutzbedarf unterschätzen. Die Herausforderung besteht also darin, dass Unternehmen sich oft nicht einmal vor den einfacheren Angriffen schützen können. Für den Aufbau eines Basisschutzes kann das Framework der Critical Security Controls sehr hilfreich sein, das vom Center for Internet Security (CIS) konzipiert wurde [1]. Es besteht aus 18 konkreten Maßnahmenempfehlungen für die IT-Sicherheit, die Unternehmen umsetzen sollten, um Angriffe zu blockieren oder abzuschwächen. - Auf Zero Trust umsteigen
Ein weiterer wichtiger Schritt zu mehr Cybersicherheit ist die Einführung eines Zero-Trust-Modells. Klassischer Perimeterschutz reicht angesichts von Cloud-Nutzung, mobilen Arbeitsmodellen und der Zusammenarbeit mit Drittanbietern nicht mehr aus. Zero Trust folgt dem Prinzip »Vertraue niemandem, überprüfe alles« und berücksichtigt sämtliche digitale Identitäten von Nutzeraccounts über Systeme und Anwendungen bis hin zu einzelnen Prozessen. Ergänzend bietet sich eine Mikrosegmentierung des Netzwerks an, um die Auswirkungen möglicher Angriffe zu begrenzen. Da deren Einführung aufwendig ist, sollten Unternehmen zunächst kritische Anwendungen absichern und das Netzwerk anschließend schrittweise weiter segmentieren.
Bei der Einführung neuer Sicherheitsmaßnahmen spielt der Faktor Mensch eine zentrale Rolle. Sicherheitslösungen müssen nicht nur wirksam, sondern auch benutzerfreundlich sein und dürfen die Produktivität der Mitarbeiter möglichst wenig beeinträchtigen. Nur wenn die Beschäftigten die Maßnahmen akzeptieren und in ihre Arbeitsabläufe integrieren können, ist ein nachhaltiger Schutz gewährleistet. Andernfalls besteht das Risiko, dass Sicherheitsvorkehrungen umgangen oder gar nicht erst eingehalten werden. - Externe Spezialisten hinzuziehen
Zu guter Letzt helfen Managed Security Services Unternehmen, ihre IT-Sicherheit gezielt zu stärken. Das bedeutet nicht, dass die gesamte Security einem Dienstleister übergeben werden soll. Vielmehr geht es darum, jene Aufgabenbereiche auszulagern, die besonders personalintensiv sind oder spezielles Know-how erfordern. Dazu zählen etwa die 24×7-Überwachung durch ein SOC und der Betrieb einer SIEM-Plattform sowie das Pentesting. Auch das Zertifikats- und das Vulnerability-Management sind klassische Aufgaben, die externe Dienstleister übernehmen können. Um einen reibungslosen Ablauf für die Auslagerung zu garantieren, sollten Unternehmen ihre IT-Abteilung frühzeitig einbinden, denn sie kann den konkreten Unterstützungsbedarf am besten einschätzen. Doch bei allem Outsourcing sollte nicht vergessen werden, dass die ultimative Verantwortung für die IT-Sicherheit immer beim Unternehmen bleibt, trotz des Prinzips der Shared Responsibility. Regulatorische und sicherheitsrelevante Pflichten können nicht gänzlich an Service-Provider abgegeben werden.

Abbildung 2: Cybersicherheit stärken: Risiken erkennen, schützen, souverän handeln. Cybersecurity muss Risiken reduzieren, regulatorische Anforderungen erfüllen und den Betrieb sichern. Der CGI-Ansatz verbindet Risikoanalyse und Sicherheitskonzepte, die Entwicklung und Implementierung von Sicherheitsarchitekturen sowie den operativen Betrieb auf Basis von Projekterfahrung.
Fazit.
Den Verantwortlichen in den Unternehmen muss also klar sein, dass es absolute Sicherheit niemals geben wird. Entscheidend ist daher, wie gut sie mit Angriffen umgehen können. Cyberresilienz entsteht durch einen starken Basisschutz, Zero Trust, kontinuierliches Monitoring und gezielte Unterstützung durch Spezialisten. Wer seine Sicherheitsstrategie regelmäßig überprüft und an neue Bedrohungen anpasst, schafft die Grundlage dafür, Angriffe frühzeitig zu erkennen, ihre Folgen zu begrenzen und den Geschäftsbetrieb aufrechtzuerhalten.
Martin Stemplinger
ist Director, Consulting Expert
bei CGI
[1] https://www.cisecurity.org/controls
Illustration: © Ivan Demyanov | dreamstime.com
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