Digitalisierung, Managed Services und kultureller Wandel in der Unternehmensstrategie – Holistische Digitalisierung

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Unternehmen sind längst auf dem Weg hin zu einer digitalisierten Welt. Und dies betrifft nicht nur IT-orientierte Firmen, sondern Betriebe quer durch sämtliche Branchen und Sektoren. Neue oder veränderte Geschäftsmodelle entstehen, Arbeitsplätze sind mobil, Daten sind in der Cloud, Roboter bauen selbstständig Komponenten und ganze Fabriken sind intelligent miteinander vernetzt. Aktuell tritt die künstliche Intelligenz in das Geschäftsleben ein und verändert Strukturen, Strategien und natürlich auch die IT. All dies sind Ursachen dafür, weshalb Unternehmen beziehungsweise IT-Verantwortliche nach Hilfe suchen und diese beispielsweise durch Managed Services erhalten. (Der Partner wird es sozusagen schon richten.) Dabei stellt sich die Frage, ob das die echte Digitalisierung ist, von der die ganze Welt andauernd spricht. Vielleicht eher nicht.

Intern sind die Herausforderungen an die IT im Sinne des digitalen Wandels nicht mehr realistisch zu bewältigen. Dies gilt insbesondere für mittelständische Unternehmen. Um über die unterschiedlichen Facetten neuer Technologien wirklich Bescheid zu wissen, müssten IT-Verantwortliche einen Großteil ihrer Zeit in Trainings und Schulungen verbringen. Das ist kein realistisches Szenario für eine Situation, in der IT-Abteilungen schon heute völlig überlastet und unterbesetzt sind. Die greifbare Lösung liegt in Managed Services und in unterschiedlichen Arten von Outsourcing inklusive der Cloud. Externe Spezialisten übernehmen bestimmte Aufgaben und Technologien und tragen dafür die Verantwortung. Done Deal – könnte man meinen.

Der kulturelle Wandel. Doch ganz so einfach ist es nicht. Durch Managed Services wird IT-Abteilungen in Unternehmen stark unter die Arme gegriffen. Doch in vielen Fällen besteht kein klarer Bezug zur Gesamtstrategie im Unternehmen. Die Industrie 4.0 und der damit einhergehende digitale Wandel ist mitnichten eine rein technologische Angelegenheit. Er betrifft vielmehr das gesamte Unternehmen samt seiner Kultur. 

Und genau darin liegt die Krux. Viele Unternehmen behaupten, dass sie bereits heute inmitten der Digitalisierung stecken und auf einem guten Weg sind. Damit ist aber meist eine Digitalisierung von Unternehmensbereichen gemeint, die bisher manuell gearbeitet haben und oft eben nicht die neue strategische Ausrichtung. 

Ein Beispiel aus der Logistik. Früher gab es Lager- und Ladelisten für den Versand. Diese Listen wurden von Lageristen beim Versand und am Ankunftsort manuell abgeglichen und später händisch in ein digitales Lagersystem übertragen. Heute erfolgen solche Prozesse weitgehend digitalisiert. Manuelle Listen sind Schnee von gestern und Scan-Systemen gewichen, die direkt mit der Lagersoftware und der Disposition online verbunden sind. Ein guter Schritt in die richtige Richtung. Doch der volle Nutzen der Digitalisierung kann damit noch nicht erreicht werden. Denn trotz der digitalen Helfer sind vielfach die Prozesse im Unternehmen nach wie vor dieselben – wenn auch digital, damit schneller und mit geringerem Fehlerpotenzial.

Ein weiterer wesentlicher Aspekt, ist das Einbeziehen der Kunden in die Lieferkette. Wenn die Anforderungen der Kunden nicht in diese mit einbezogen werden, wird es kein positives Kauferlebnis geben.

Strategisch und ganzheitlich. Die Digitalisierung ist nicht nur der Einsatz neuer Technologien. Es ist eine Transformation und ein Wandel im gesamten Unternehmen. Bisherige Prozessketten sollten auf den Prüfstand gestellt und den viel weitreichenderen Möglichkeiten der Digitalisierung unterworfen werden. Genau an dieser Stelle trennt sich die Spreu vom Weizen nicht nur in der Industrie, sondern auch bei externen IT-Dienstleistern und Managed Service Providern. Ein Managed Service Provider, der die Digitalisierung strategisch und ganzheitlich versteht, bietet deutlich mehr als nur einen externen Service. Er berät und zeigt auf, was mit neuer Technologie, unter Einbeziehung aller Beteiligten, über alle Prozessketten hinweg möglich ist, sofern sich das Unternehmen ganzheitlich auf die Digitalisierung einlässt. Der kulturelle Wandel macht den Unterschied, sowohl bei den Unternehmen in der Industrie als auch bei den Service Providern.

Die besondere Rolle der Cloud im digitalen Wandel. Cloud ist toll. Cloud ist nicht sicher. Cloud ist das, was alle erfolgreichen Unternehmen machen. Cloud ist teuer. Cloud ist die Zukunft. Cloud hat man nicht wirklich im Griff, was gerade für mitteleuropäisches Denken schwierig ist. Dieser kleine Auszug aus Attributen zeigt, wie die Cloud aus völlig unterschiedlichen Beweggründen gesehen wird und wie sie vielleicht in den Gesamtkontext einer Digitalisierungsstrategie passt. 

Nun sind die Grundzüge der Cloud nicht wirklich neu. Vor vielen Jahren begannen Unternehmen wie beispielsweise die EDS mit Outsourcing, also der Bereitstellung von Computing, Storage und Infrastruktur für ihre Kunden – damals als ein Spin-off eines Rüsselsheimer Automobilkonzerns. Ganz sicher kann die Cloud heute deutlich mehr. Doch das Konzept Cloud, nämlich einen IT-Dienst von Dritten in Anspruch zu nehmen, ist so anders nicht, wie damals das Outsourcing. Nun stellt sich die Frage, wie die Digitalisierung in Unternehmen mit der Cloud verknüpft ist und wie Managed Services in das ganze Szenario passen.

Eine Tatsache gleich vorweg: Die echte und strategische Digitalisierung ist ohne Dienste von Dritten für Unternehmen nicht zu meistern. Sicherlich werden die strategischen Kompetenzen noch lange im hauseigenen Rechenzentrum bleiben. Doch ein rascher Wandel und eine strategische Neuausrichtung des Unternehmens sind ohne Managed Services – und das trifft in bestimmten Bereichen auch auf die Cloud zu – nicht realisierbar, geschweige denn bezahlbar. Die technische Kompetenz, die bereits heute in den Diensten und Services externer Dienstleister, inklusive der Cloud, verankert sind, kann nur von Spezialisten aufgebaut und weiterentwickelt werden. Diese Anstrengungen lassen sich wirtschaftlich nur begründen, indem sie als Services auf dem Markt angeboten werden. 

Wo geht es hin? Nun bieten klassische Managed Service Provider und (Public-)Cloud-Anbieter schon heute eine breite Palette an wertvollen Diensten an. Diese helfen Unternehmen in bestimmten Bereichen, sich weiterzuentwickeln und die Digitalisierung im Kleinen voranzutreiben. Doch das reicht noch nicht, um langfristig erfolgreich und konkurrenzfähig zu sein. Erst wenn der externe Dienstleister, ebenso wie die Verantwortlichen im Unternehmen verstanden haben, dass es langfristig um eine Gesamtstrategie und eine umfassende Transformation geht, kann die Digitalisierung vollumfänglich zum Vorteil des Unternehmens ausgeschöpft werden. Dabei nimmt der Service Provider schon heute eine der wichtigsten Rollen ein. Er muss weit über seine bisherigen Services hinausdenken und seinen Kunden als Innovator, Ideengeber und teils auch als Sparringspartner zur Seite stehen. Nur so kann die echte Digitalisierung, in der sich Managed Services als Teil einer Gesamtstrategie verstehen, etabliert werden. Daher: Augen auf bei der Wahl der externen Dienstleister, wenn diese als wertvolle Wegbegleiter auf der spannenden Reise hin zur echten Digitalisierung eine wichtige Rolle spielen sollen.


Michael Babylon,
Geschäftsführer bei MTI Technology

 

 

 

Illustration: © Tithi Luadthong /shutterstock.com

 

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