Sebastian Spicker, Managing Director DACH bei IFS, erklärt, warum der Erfolg von Industrial AI nicht allein von Technologie abhängt. Entscheidend seien integrierte Prozesse, Akzeptanz im Unternehmen und ein klares Verständnis dafür, wie künstliche Intelligenz Mitarbeitende im industriellen Alltag unterstützt.
Industrieunternehmen stehen unter Druck: steigende Kosten, volatile Lieferketten, Fachkräftemangel und wachsende regulatorische Anforderungen treffen auf immer komplexere operative Abläufe. Für Sebastian Spicker liegt die Antwort nicht in isolierten digitalen Lösungen, sondern in einer praxisnahen Verbindung von Mensch, Prozess und Technologie. Im Gespräch erläutert er, wie IFS Unternehmen widerstandsfähiger machen will und weshalb AI gerade dort den größten Mehrwert schafft, wo Entscheidungen unmittelbar Wirkung zeigen.
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Wie definieren Sie den langfristigen Erfolg für das Unternehmen in den nächsten 3 bis 5 Jahren?
Langfristig definiert sich für mich der Erfolg nicht allein über Wachstum, sondern auch über die Relevanz. Erfolgreich sind wir dann, wenn unsere Kunden uns als verlässlichen Partner wahrnehmen. Dafür müssen wir sie auch in hochkomplexen Situationen unterstützen, genau dann, wenn es zählt, handlungsfähig zu bleiben. Wir sprechen bei IFS konkret von einem Moment of Service, also dem Augenblick, in dem es auf operative Exzellenz ankommt und Vertrauen entweder entsteht oder verloren geht. Unser Ziel ist es, unseren Kunden mittels einer integrierten Plattform und Industrial AI in den kommenden Jahren noch mehr Sicherheit und Vorhersehbarkeit zu verschaffen. Unser langfristiger Erfolg ist daher auch der dauerhafte Erfolg unserer Kunden.
Sebastian Spicker,
Managing Director DACH
bei IFS
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Wie passen Sie die Unternehmensstrategie an aktuelle Marktveränderungen an, etwa durch Digitalisierung oder Krisen?
Wir verfolgen ein klares Grundprinzip aus Stabilität im Kern und Flexibilität in der Umsetzung. Wir sehen aktuell, wie schnell sich Märkte verändern können, sei es durch geopolitische Unsicherheiten, Lieferkettenprobleme oder neue Technologien. Für Unternehmen werden damit Systeme immer wichtiger, die nicht nur effizient sind, sondern ihnen auch erlauben, schnell auf neue Anforderungen zu reagieren. Dafür ist in erster Linie die Transparenz über viele verschiedene Prozesse hinweg wichtig, die wir mit einer einheitlichen Datenbasis und zugeschnittener Industrial AI adressieren. Über all dem schwebt die Absicht, bessere, datengestützte Entscheidungen zu treffen und eine strategische Anpassungsfähigkeit zu entwickeln.
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Was sind aktuell die größten Herausforderungen, denen sich Industrieunternehmen stellen müssen?
Es ist vor allem die Gleichzeitigkeit von mehreren Problemstellungen. Wir sehen etwa steigende Kosten, die direkten Auswirkungen des Fachkräftemangels, steigende regulatorische Anforderungen und den zunehmenden Druck, nachhaltiger zu wirtschaften. Diese Baustellen sind für sich bereits eine Herausforderung. Die große Schwierigkeit entsteht zusätzlich darin, sie alle parallel zu lösen, ohne dabei an operativer Leistungsfähigkeit einzubüßen. Unsere Rolle bei IFS ist es dabei, die Komplexitäten deutlich zu reduzieren und aus den großen Massen an Daten belastbare Entscheidungen abzuleiten. Das funktioniert nicht durch weitere Silos, sondern nur mit integrierter, praxisnaher Technologie.
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Welche neuen Märkte oder Produkte stehen im Fokus Ihrer Wachstumsstrategie?
Unser Fokus liegt weniger auf einzelnen Produkten oder kurzfristigen Trends, sondern auf Branchen, in denen Asset- und Service-Exzellenz geschäftskritisch sind. Entscheidend ist dabei unser Ansatz einer einheitlichen Plattform, die entlang der gesamten Wertschöpfung wirkt. Innovation entsteht bei IFS nicht isoliert, sondern aus realen Anforderungen heraus und gemeinsam mit unseren Kunden. Dieses kundennahe Innovationsmodell ist für uns der zentrale Wachstumstreiber.
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Wie würden Sie die Kultur beschreiben, die Sie bei IFS prägen wollen?
Ich würde sagen, meine Vorstellung einer positiven und gesunden Unternehmenskultur deckt sich mit der Exzellenz, die wir auch als Maßstab für unsere gesamte Arbeit voraussetzen. Dafür sind Grundpfeiler wie Offenheit, gegenseitiger Respekt und Verantwortung wichtig. Sie schaffen die Voraussetzungen dafür, dass Mitarbeitende den Mut haben, ihre eigenen Perspektiven einzubringen und Dinge zu hinterfragen. Eine starke Kultur entsteht überall dort, wo Klarheit über Ziele herrscht und gleichzeitig Raum für unterschiedliche Wege dorthin bleibt.
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Wie fördern Sie Innovation und ein Growth Mindset im Team?
In erster Linie, indem ich nicht einfach Dinge als gegeben vorschreibe. Für mich beginnen sowohl Innovationen als auch ein Growth Mindset nicht bei Technologie, sondern bei der Haltung. Wenn Menschen verstehen, warum Veränderungen notwendig sind und sich als einen aktiven Teil dieses Prozesses wahrnehmen, entsteht das richtige Klima. Deshalb setzen wir auf Transparenz, frühe Einbindung und Vertrauen. Ich bin auch davon überzeugt, dass Menschen automatisch neue Ideen entwickeln, wenn sie mehr Verantwortung übernehmen. Das funktioniert allerdings nur, wenn sie auch Fehler machen dürfen, solange sie offen reflektiert und als Lernchance wahrgenommen werden.
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Wie beschreiben Sie Ihren persönlichen Führungsstil?
Mein Anspruch ist es, Orientierung zu geben, Hindernisse aus dem Weg zu räumen und meinem Team den Raum zu schaffen, in dem es erfolgreich sein kann. Führung heißt für mich nicht, jede Antwort zu kennen, sondern die richtigen Fragen zu stellen und zuzuhören. Es liegt auf der Hand, dass eine offene Kommunikation dafür das A und O ist. Kurz und knapp würde ich sagen, meine Rolle ist die eines Enablers.
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Welche Werte sind Ihnen in der Zusammenarbeit besonders wichtig?
Klarheit, Ehrlichkeit und gegenseitiges Vertrauen. Wir sprechen offen über Herausforderungen und vermeiden bewusst leere Versprechen. Gerade in einem komplexen industriellen Umfeld ist Verlässlichkeit der wichtigste Wert – intern wie extern.
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Was macht für Sie eine Top Führungskraft bei IFS aus?
Das sind sicherlich viele Aspekte. Ich würde aber sagen, dass insbesondere ein weitreichendes Denken in Wirkung und nicht in Hierarchien ganz oben auf der Prioritätenliste stehen sollte. Dabei geht es konkret darum, einerseits strategische Ziele greifbar zu machen und andererseits nah an den Menschen zu bleiben. Das klingt in der Theorie oftmals einfach, ist im Alltag aber eine Königsdisziplin.
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Wie unterstützen Sie die Weiterentwicklung Ihrer Mitarbeitenden?
Wir fördern durch Vertrauen, regelmäßiges Feedback und die Möglichkeit, Verantwortung zu übernehmen. Gleichzeitig legen wir großen Wert darauf, individuelle Stärken sichtbar zu machen und gezielt einzusetzen.
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Wie stellen Sie ethische Standards und nachhaltige Unternehmensführung sicher?
Für mich beginnt Ethik bei Transparenz und Verantwortungsbewusstsein. Technologie muss erklärbar, verlässlich und verantwortungsvoll eingesetzt werden. Nachhaltigkeit bedeutet dabei nicht nur ökologische Aspekte, sondern auch langfristig tragfähige Entscheidungen für Kunden, Mitarbeitende und Partner.
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Auf welche Erfolge des Unternehmens sind Sie persönlich besonders stolz?
Wenn ich unsere Arbeit im Gesamten betrachte, ist es die Verantwortung, die wir alle und jeder einzelne für sich übernimmt, um unsere Kunden bestmöglich auch in komplexen Situationen zu unterstützen. Ich sehe, dass wir die Kompetenz und das Potenzial haben, um die Handlungsfähigkeit von Unternehmen zu sichern. Das ist keine Lappalie, sondern der Maßstab für unseren Erfolg.
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Vor welchen zentralen Herausforderungen stehen Industrieunternehmen – und wo kann AI den größten Mehrwert schaffen?
In erster Linie ist operative Komplexität eine echte Herausforderung. Viele Probleme wollen gleichzeitig angegangen werden, weswegen wir belastbare Erkenntnisse und fundierte Entscheidungen benötigen. AI ist dafür Gold wert, weil sie, richtig eingesetzt, auch aus riesigen Datenmengen die notwendigen Informationen filtern kann und die Automatisierung vorantreibt. Aus meiner Sicht ist es aber entscheidend, dass AI dafür in bestehende Prozesse eingebettet sein muss und nicht einfach irgendwo angedockt wird.
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Was zeichnet Digital Workers aus, und wie verändern sie industrielle Arbeitsweisen?
Digital Workers, also leistungsfähige und auf die jeweilige Industrie angepasste AI Agents, übernehmen repetitive, datenintensive Aufgaben. Sie unterstützen Mitarbeitende bei Entscheidungen, ersetzen aber nicht deren Erfahrung und Expertise. Sie verstärken sie. Dadurch verändert sich die Arbeitsweise hin zu mehr Fokus auf Analyse, Planung und Qualität.
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Welche Anforderungen muss AI erfüllen, um in der Industrie echten Mehrwert zu liefern?
Sie muss zwingend zuverlässig, erklärbar und praxisnah sein. Sie darf kein Selbstzweck darstellen, sondern im täglichen Betrieb funktionieren und Vertrauen schaffen.
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Worauf kommt es bei der erfolgreichen Umsetzung von Industrial AI besonders an?
Im Grunde auf drei Dinge: Integration, Akzeptanz und Verständnis. Ich denke, der entscheidende Punkt dabei ist, dass Industrial AI nur dann ihren Mehrwert ausspielen kann, wenn sie zum einen fest in die Prozesse eingebettet ist und zum anderen von den Anwendern verstanden wird. Alle Beteiligten sollten verstehen, welchen ganz konkreten Beitrag AI zu ihrer individuellen täglichen Arbeit und zur Wertschöpfung beiträgt. Deswegen appelliere ich ganz deutlich daran, das Change Management groß zu schreiben – Schulungen, Workshops und Transparenz sind entscheidende Faktoren. Wir müssen uns die Implementierung von AI als Zusammenspiel von Mensch, Prozess und Technologie vorstellen.
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Wie verändert sich die Zusammenarbeit zwischen Mensch, Maschine und AI?
Sie wird auf eine effiziente Art partnerschaftlicher. AI unterstützt, der Mensch entscheidet. Unser Ziel ist es, Menschen zu befähigen, bessere Entscheidungen zu treffen – und zwar genau im Moment of Service, wenn es darauf ankommt.
Vielen Dank für das Interview.
Illustration: © Timurd, Dharshani Gk Arts | Dreamstime.com
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