
Illustration Absmeier magnific ki
Globale Chipabhängigkeit von Taiwan wird zum geopolitischen Risikofaktor
Die weltweite Halbleiterproduktion ist hochgradig konzentriert – und Taiwan bildet mit rund 60 % der globalen Chipfertigung sowie über 90 % der High‑End‑Chips das strategische Zentrum dieser Industrie. Der Artikel zeigt, wie geopolitische Spannungen, militärische Drohkulissen und wirtschaftliche Rivalitäten die Abhängigkeit westlicher Volkswirtschaften in ein systemisches Risiko verwandeln. Die USA versuchen seit Jahren, ihre Lieferketten zu diversifizieren, stoßen jedoch auf wirtschaftliche, technologische und politische Hürden. Selbst milliardenschwere Subventionen und neue Werke in Arizona können die Dominanz Taiwans kurzfristig nicht brechen. Gleichzeitig wächst der Druck auf Technologieunternehmen, ihre Beschaffungsstrategien neu auszurichten – doch Profitabilität, technologische Rückstände und fehlende Anreize bremsen den Wandel. Für Europa und Deutschland bedeutet dies: Die Resilienz kritischer IT‑Infrastrukturen hängt unmittelbar an einem geopolitisch sensiblen Standort, dessen Ausfall globale Wirtschaftssysteme erschüttern würde.
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Taiwan ist globaler Halbleiter‑Single‑Point‑of‑Failure – 60 % aller Chips und über 90 % der High‑End‑Chips stammen von der Insel.
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Geopolitische Spannungen erhöhen das Ausfallrisiko – US‑Behörden warnen seit Jahren vor einer möglichen Blockade oder Invasion durch China.
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US‑Diversifizierungsprogramme greifen nur langsam – trotz Milliardeninvestitionen bleiben US‑Chips teurer und technologisch hinter TSMC zurück.
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Technologieunternehmen zögern bei der Abkehr von Taiwan – höhere Kosten, geringere Margen und technologische Rückstände bremsen die Verlagerung.
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Ein Lieferstopp hätte globale Schockwirkung – Studien prognostizieren Wirtschaftseinbrüche von bis zu 11 % in den USA und 16 % in China.
Internationale Krisen haben Hochkonjunktur: Nach dem schon seit vier Jahren andauernden Krieg zwischen Russland und der Ukraine, nach dem (andauernden) Krieg zwischen Israel und Teilen von Palästina im Nahen Osten und dem (erneuten) Angriff der USA und Israels auf den Iran könnte sich sogar um das chinesische Taiwan ein weiterer militärischer Konflikt entfalten. Das national-chinesische Taiwan ist mit etwa 60 Prozent einer der wichtigsten Produzenten weltweit von Computer-Chips. Und die Regierung von Peking hat nie den Anspruch auf Taiwan aufgegeben, aber bisher keinen militärischen Angriff unternommen.
(Teil 1) Die internationale Konkurrenz um Computer-Chips
Sollte China doch eines Tages in Taiwan einmarschieren, die Chip-Exporte an amerikanische Unternehmen kontrollieren und eventuell sogar einschränken, wären die Technologiebranche und die U.S.-Wirtschaft insgesamt in einem großen Ausmaß beeinträchtigt.
Anders sähe es aus, wenn sich die internationale Chip-Produktion schon vor so einem Krisenfall verändert und auch regional verlagert hätte.
Und in der Tat versuchen Bundesbehörden in den USA schon seit Jahren, das Silicon Valley und andere Produktionsstätten von ihrer Abhängigkeit von Taiwan zu befreien, einem sehr kleinen Land im internationalen Vergleich. Wie amerikanische Fachmedien berichteten, warnten nationale Sicherheitsbeamte in nicht-öffentlichen Besprechungen in der Hauptstadt Washington und im fernen Silicon Valley IT-Manager von Unternehmen wie zum Beispiel Apple, AMD oder Qualcomm vor Chinas Plänen zur Rückeroberung Taiwans. Eine chinesische Blockade der Insel, so die Beamten, könnte die Versorgung mit Computer-Chips deutlich unterbrechen und die Technologiebranche der USA in die Knie zwingen.
Schon in der Vergangenheit hatten amerikanische Präsidenten versucht, die IT-Branche zu einem mehr national-politischen Kurs zu bewegen. Präsident Joseph Biden Jr. bot Finanzhilfen in Milliardenhöhe an, um die landeseigene Chip-Produktion deutlich zu steigern. Nachdem dies erfolglos blieb, drohte Präsident Donald Trump dann mit Milliardenzöllen, um auf diese Weise das gleiche zu erreichen.
Wohin gehen die Chips und andere IT-Werkzeuge der USA?
Warnungen, Geschenke und Drohungen hatten in der Vergangenheit kaum Wirkungen gezeigt. Man interessierte sich nicht besonders dafür, wohin all die schönen Dinge gingen wie zum Beispiel Smartphones, Laptops, Computer sowie die riesigen Rechenzentren mit all ihrer Artificial Intelligence (AI).
Nun ist jedoch in den USA die Sorge etwas angewachsen, dass die Untätigkeit einiger der wichtigsten Unternehmen des Silicon Valley die Weltwirtschaft und das internationale Staatensystem etwas destabilisieren könnte. Diese Befürchtungen, die durch die jüngsten Manöver des chinesischen Militärs in den Gewässern um Taiwan herum verstärkt wurden, haben auch zu eindringlichen Warnungen von Mitarbeitern des White House geführt. Der amerikanische Finanzminister Scott Bessent hatte schon auf dem diesjährigen Weltwirtschaftsforum im Schweizer Davos eine Warnung ausgesprochen: »Die größte Bedrohung für die Weltwirtschaft ist die Tatsache, dass 97 Prozent der weltweiten High-End-Chips in Taiwan hergestellt werden. Wenn diese Insel blockiert und ihre Produktionskapazitäten zerstört werden, würde das unmittelbar zu einer wirtschaftlichen Katastrophe führen.«
Sollte Taiwan verloren gehen, könnte die Technologiebranche kaum behaupten, nicht gewarnt worden zu sein. Recherchen der »New York Times« haben zum Beispiel ergeben, dass moderne Führungskräfte bisher so sehr darauf fokussiert waren, in ihren besonders umkämpften Märkten erfolgreich zu sein und hohe Gewinnmargen zu erzielen, dass sie die Taiwan-Problematik fast ganz aus den Augen verloren hatten. Und nun würde es wohl Jahre dauern, bis Gegenmaßnahmen von einigen Unternehmen schließlich Wirkung zeigen könnten.
In einem Report der »Semiconductor Industry Association« (SIA) wird zum Beispiel prognostiziert, dass ein Lieferstopp für Chips aus Taiwan zu einer der größten Wirtschaftskrisen seit den 30er Jahren des letzten Jahrhunderts führen würde (www.semiconductors.org/wp-content/uploads/2022/05/SIA-2022-Factbook_May-2022.pdf ). Die Wirtschaftsleistung der USA würde um 11 Prozent einbrechen, doppelt so stark wie in der Rezession vom Jahr 2008, in China sogar um 16 Prozent.
Die Trump-Administration hat dieses Risiko offenbar erkannt. Während einige von Trumps Zöllen impulsiv oder aus Vergeltungsgründen gegen andere Länder verhängt wurden, kommt der Drohung mit Zöllen auf Produkte konkurrierender Chip-Hersteller offenbar eine mehr handelspolitische Bedeutung zu: Technologieunternehmen aus anderen Ländern sollen unter Druck gesetzt werden, größere Mengen an Chips direkt in den USA zu kaufen.
(Teil 2) Neue Produkte und neue Hersteller – der Countdown läuft
TSMC aus Taiwan erweiterte daraufhin seine Produktionsanlagen in Phoenix, was in diesen Jahren auch ein Schritt zur Lösung eines schon länger bestehenden Problems bedeutete: Neue Werke auf diesem Sektor werden in den USA nur dann genehmigt und gebaut, wenn andere Unternehmen sich dazu verpflichten, die dort produzierten Chips auch für sich zu kaufen. Diese kōnnten letztlich sogar teurer als Angebote aus dem Ausland sein und würden zu Lasten der eigenen Profite gehen.
Kush Desai, ein Sprecher des White House in Washington erklärte damals: »Die Rückverlagerung von Herstellungsprozessen für unsere nationale und wirtschaftliche Sicherheit in die USA besitzt für Präsident Trump eine besonders hohe Priorität. Und seine Regierung verfolgt dazu einen differenzierten und vielschichtigen Ansatz, um das in die Praxis umzusetzen.« In dieses Umfeld gehören auch weitere neue Zugeständnisse an die amerikanische Chip-Industrie. So plant die amerikanische Regierung laut SEMI, einem globalen Verband der Chip-Produzenten, dass die USA bis zum Jahr 2030 voraussichtlich 200 Milliarden US-Dollar in neue Halbleiterwerke investieren werden, um die Chip-Produktion zu verdoppeln.
Doch da Taiwan, China und andere Länder ebenfalls Milliarden an Dollars in neue Halbleiterfabriken investieren werden, würden die USA selbst im Jahr 2030 noch immer nur 10 Prozent der weltweiten Chip-Produktion ausmachen. Also kaum mehr als im Jahr 2020, als sich die damalige amerikanische Regierung lautstark für Veränderungen ausgesprochen hatte.
»Die gesamte Branche muss heute sagen: ›Wir ziehen alle an einem Strang‹«, meint Bill Wiseman, globaler Co-Leiter des Halbleiterbereichs bei der Unternehmensberatung McKinsey. Stattdessen, so Wiseman, denken Führungskräfte rund um den Globus noch immer: »Wenn wir nicht zum Zug kommen, haben auch alle unsere Konkurrenten verloren.« Und verzichten deshalb auf neue Ideen und alternative Lösungen.
Bereits im März 2021 hatte Admiral Philip S. Davidson den Streitkräfteausschuss des U.S.-Senats vor einem künftigen geopolitischen Konflikt um die chinesische Insel Taiwan gewarnt. Er sagte damals: »Die Gefahrenlage wird in diesem Jahrzehnt deutlich spürbar werden.« Es war das erste Mal, dass ein hochrangiger Militärvertreter dem Kongress mitteilte, dass die Streitkräfte in den USA bereits davon ausgingen, dass der chinesische Präsident Xi Jinping seine Armee bis zum Jahr 2027 für eine mögliche Einnahme Taiwans vorbereiten wolle. Aber noch bezweifeln viele Verteidigungsexperten jedoch, dass ein solcher Schritt so schnell erfolgen könne.
Jake Sullivan, ehemaliger nationaler Sicherheitsberater von Präsident Biden, bezeichnete die Abhängigkeit der USA von Taiwan im Halbleitersektor vor kurzem als eine der größten Schwachstellen, die Amerika bis zum heutigen Tag aufweise. Er forderte die Industrie seines Landes auf, das Risiko zu erkennen und den Bau von Produktionsstätten in diesem Bereich in den USA zu unterstützen. Ex-President Biden hatte schon an die 50 Milliarden Dollar an staatlichen Subventionen für den Bau von Halbleiterwerken im Inland bereitstellen wollen.
Taiwan hatte sich 50 Jahre lang zur Halbleiterfabrik der Welt entwickelt und war führend in der Halbleiterforschung und -entwicklung geworden. Es wurde zum Produktionszentrum für die Chips in jedem iPhone und für ein Drittel der Basis-Chips, die Autos, Traktoren, Mobilfunktürme und Herzschrittmacher antreiben. Es gab klare wirtschaftliche Gründe für das Zögern der Branche in verschiedenen Ländern, sich nach Alternativen für diesen bewährten Standort umzusehen.
Dazu gehörte in erster Linie, dass in den USA hergestellte Chips laut Branchenvertretern aufgrund höherer Material-, Lohn- und Verwaltungskosten mehr als 25 Prozent teurer waren. TSMC galt darüber hinaus als besser qualifizierter Hersteller von leistungsfähigen Chips als amerikanische Unternehmen wie Intel und andere. Und US-Unternehmen konzentrierten sich lange Zeit mehr auf Quartalsgewinne als auf geopolitische Bedrohungen am Horizont. Im Herbst 2021 berief das Weiße Haus zum Beispiel hochrangige Manager der Halbleiterbranche zu einer vertraulichen Unterrichtung über die Produktion in Taiwan nach Washington ein. Angesehene IT-Manager wie Pat Gelsinger von Intel und andere hörten zu, als US-Beamte davor warnten, dass eine Blockade oder Invasion von Taiwan die Chip-Produktion zum Erliegen bringen könnte. Doch mit der neuen Regierung unter Donald Trump drehte sich dann der Wind erneut.
(Teil 3) Neue Probleme der Halbleiter-Branche
Etwas später beauftragte der Verband der Halbleiterindustrie dann die IT-Berater von McKinsey mit einer Untersuchung. Ausgangspunkt war eine grundlegende Frage: Was würde geschehen, wenn Unternehmen keine Chips mehr von der chinesischen Insel beziehen könnten?
Der Bericht von McKinsey begann mit einer Karte Taiwans, die die zentrale Bedeutung der Insel für die Weltwirtschaft verdeutlichte. Zum Beispiel trug Taiwan zu rund 10 Billionen US-Dollar des weltweiten Bruttoinlandsprodukts bei. Die Insel produzierte Chips für iPhones und mehr als die Hälfte der Speicherchips für Autos und war führend in der Montage von AI-Chips. Die Halbleiterproduktion der Insel konzentriert sich hauptsächlich in der Gegend von Hsinchu, einem Gebiet, in dem die Regierung von Taiwan nach dem Zweiten Weltkrieg die Produktion bewusst eingeschränkt hatte. Die Gegend grenzt an steil abfallende Strände, die sich eigentlich ideal für eine amphibische Landung in einem militärischen Konflikt mit der Insel eignen. Laut dem rund 20-seitigen Bericht von McKinsey wären die Auswirkungen eines Produktionsstopps in Taiwan unmittelbar spürbar für die globale Wirtschaft. Ganze ökonomische Systeme würden ins Wanken geraten. Selbst in China würde das Bruttoinlandsprodukt um 2,8 Billionen US-Dollar sinken. In den Vereinigten Staaten würde der Rückgang 2,5 Billionen Dollar betragen. (www.mckinsey.com/industries/semiconductors/our-insights/strategies-to-lead-in-the-semiconductor-world ). Andere Berichte, darunter einer von Bloomberg Economics, schätzen die Kosten eines Konflikts für die Weltwirtschaft auf über 10 Billionen Dollar.
Im August 2022 unterzeichnete dann die damalige US-Handelsministerin Gina Raimondo auf dem Südrasen des Weißen Hauses neben Präsident Biden das sogenannte »CHIPS-Gesetz«. Es stellte an die 50 Milliarden Dollar für Subventionen bei Halbleiterfabriken zur Verfügung. Doch nicht alle Chip-Hersteller waren sofort zum Bau von Werken und eigenen Investitionen zur Produktion ihrer Chips in diesen Werken zu bewegen.
TSMC investierte dann über 50 Milliarden Dollar in den Bau eines zweiten und dritten Werks in Arizona, zwei Jahre nach der versprochenen ersten neuen Produktionsstätte, die noch während Trumps erster Amtszeit zustande kam. Intel versprach dann, in Arizona zu expandieren und bis zu 100 Milliarden Dollar in einen Campus in Ohio zu investieren. Samsung sagte 45 Milliarden Dollar für zwei Werke in Taylor, Texas, zu.
Die Ministerin Raimondo erklärte damals, die neuen Werke würden den USA bis zum Jahr 2030 die Produktionskapazität für ein Fünftel der weltweiten Halbleiterfertigung ermöglichen. Allerdings war dann in der Praxis die tatsächliche Unterstützung von Technologieunternehmen weltweit notwendig, die produzierten US-Chips auch abzunehmen und bei sich einzusetzen.
TSMC hatte damals zwar schon Zusagen von Apple, Nvidia und anderen erhalten, genügend Chips zu kaufen, um den Bau von drei Fabriken in Arizona zu rechtfertigen. Laut mehreren mit der Planung vertrauten Personen hatte das Unternehmen jedoch nicht genügend Aufträge für den geplanten Komplex mit drei zusätzlichen Werken erhalten. Kunden zögerten, Chips zu kaufen, die mehr als 25 Prozent teurer und eine technische Generation hinter den in Taiwan hergestellten Produkten zurücklagen.
Intel und Samsung hatten sich trotz anfänglicher Zusagen zum Produktionsausbau dann in der Praxis doch unverbindlich verhalten. Ihre Technologie war hinter die von TSMC zurückgefallen, und in der Branche bezweifelten viele, dass sie den Rückstand aufholen könnten. Raimondo und ihre Mitarbeiter bemühten sich daher, Unternehmen zum Kauf von Chips von Intel oder Samsung zu bewegen.
Ohne diese Werke würde der US-Anteil an der globalen Chip-Produktion das Ziel der Regierung von bis zu 20 Prozent Anteil an der globalen Kapazität bis zum Jahr 2030 verfehlen. Frustriert bat Raimondo dann William J. Burns, den Chef der CIA, und Avril Haines, die Direktorin des Nationalen Nachrichtendienstes, um ein vertrauliches Gespräch über die neuesten Erkenntnisse zu dem angespannten Verhältnis zwischen China und Taiwan.
Im Juli 2023 betraten dann drei prominente CEOs – Tim Cook von Apple, Jensen Huang von Nvidia und Lisa Su von AMD – einen besonders abgesicherten Besprechungsraum im Silicon Valley. Cristiano Amon, der CEO von Qualcomm, war per Video zugeschaltet. Sie hörten zu, wie Burns und Haines versuchten zu erklären, dass Chinas drastische Militärausgaben und Planungen schon im Jahr 2027 einen tatsächlichen militärischen Angriff auf Taiwan bedeuten könnten. Die teilnehmenden CEOs zeigten sich beeindruckt.
Doch praktische Schritte von ihrer Seite unterblieben. Ihre Unternehmen erteilten weiterhin keine nennenswerten neuen Aufträge für US-Chips. Aufgrund dieses mangelnden Interesses konnten Intel und Samsung ihre Verträge auf Basis des CHIPS Act, die den Aufbau eines Kundenstamms vorschrieben, nicht erfüllen. Die Regierung in Washington kürzte daraufhin die staatlichen Zuschüsse für Intel und Samsung um insgesamt 2,3 Milliarden US-Dollar.
Doch ab dem Jahr 2022 gelang es TSMC, sich langsam in den USA anzusiedeln und durchzusetzen. Man hatte von Apple, Nvidia und anderen Herstellern Zusagen für den Kauf von so vielen Chips erhalten, dass sich nun der Bau zweier Werke in Arizona lohnte. Intel dagegen, der letzte größere US-Hersteller von Spitzentechnologie-Chips, der mit sinkenden Umsätzen und Gewinnen zu kämpfen hatte, geriet in eine Dauerkrise. Im Dezember 2024 musste der Vorstandsvorsitzende Michael Gelsinger (einst ein Liebling der Computer- und Wirtschaftspresse) zurücktreten.
Besorgt um Intels Zukunft, schrieb Raimondo vor ihrem Ausscheiden aus dem Amt einen Brief an Intel und TSMC, in dem sie die Unterstützung der U.S.-Regierung für eine Kooperation zusicherte, die Intels Überleben sichern könnte. Dann warnte sie ihren Nachfolger Howard Lutnick: Intel brauche Hilfe.
(Teil 4) Neue Politiker, neuer Politik-Stil?
Der ehemalige Wall-Street-Händler Lutnick begrüßte die Entscheidung von Trump, ihn im November 2024 zum Handelsminister zu ernennen, ausdrücklich mit dem Kauf eines repräsentativen Anwesens in den Staaten im französischen Stil für 25 Millionen Dollar – »Thank you, Mr. President.« Und schon zwei Monate später empfing er dort das Führungsteam von Intel.
Die Gruppe bat um eindrückliche Unterstützung für ihr angeschlagenes Unternehmen. Die Zurückhaltung der Technologiebranche, mehr in den USA hergestellte Chips einzukaufen, hatte sich als eine der größten Herausforderungen für den neuen Minister Lutnick erwiesen. Sein Ziel war es, Chip-Hersteller und Kunden davon zu überzeugen, mehr Geld auszugeben. Das Intel-Team erklärte, es wolle die Fertigung des Unternehmens vom Design und Vertrieb der Chips trennen. Und dafür benötige man 50 bis 70 Milliarden Dollar, die die Bundesregierung zunächst mit etwa 25 Milliarden Dollar in Form eines Darlehens bereitstellen solle. Der Rest sollte dann von Technologie- und Finanzunternehmen kommen.
Lutnick benutzte diese Idee schon bald als Druckmittel gegenüber anderen Unternehmen. Und er traf sich, wie U.S.-Magazine berichteten, mit dem TSMC-Chef C.C. Wei in New York. Lutnick stellte Wei vor die Wahl: TSMC könne in Intel investieren und Intels Chip-Fabriken betreiben oder selbst weitere TSMC-Werke in den USA bauen. TSMCs Produktionsausweitung in den USA war von entscheidender Bedeutung, denn obwohl Nvidia dank seiner AI-Chips zum wertvollsten Unternehmen der Welt geworden war, stellt es diese Chips nicht selbst her. Die Produktion übernimmt TSMC, hauptsächlich in seinen taiwanesischen Werken.
Lutnicks Vorschlag fiel zeitgleich mit dem ersten Besuch von Huang von Nvidia im Weißen Haus bei Präsident Trump zusammen. In einem Treffen im Oval Office teilte der Präsident dann Huang mit, dass die USA Zölle auf Halbleiter planten, da deren Produktion in Taiwan riskant sei. TSMC stimmte schließlich zu und war auch bereit, mehr eigene Chip-Fabriken in den USA zu errichten. Mit der Zusage von TSMC in der Hand erhöhte Trump den Druck auf die eigene Halbleiter-Industrie. In einer Rede zur Lage der Nation im vergangenen Jahr bezeichnete Trump dann den CHIPS Act als »eine schreckliche Sache« und forderte den Kongress auf, ihn abzuschaffen. Er wolle Subventionen durch Zölle ersetzen, die ausländische IT-Hersteller bestrafen sollten – de facto eine klare Kehrtwende gegenüber Bidens Ansatz und der Beginn massive Markteingriffe.
Hartmut Wiehr, freier Journalist
Anteil Taiwans an der globalen Chipproduktion – präzise Einordnung
- Gesamtanteil an der weltweiten Chipfertigung
- Etwa 60 % aller weltweit produzierten Chips stammen aus Taiwan. Dies umfasst alle Prozessknoten – von älteren Nodes bis hin zu modernen Fertigungen.
- Anteil an der globalen Foundry‑Produktion
- Taiwan (vor allem TSMC) kontrolliert 72 % des weltweiten Foundry‑Marktes. Das bedeutet: Fast drei Viertel aller Auftragsfertigungen für andere Chipdesigner laufen über Taiwan.
- Anteil an High‑End‑Chips (unter 7 nm)
- Taiwan produziert über 90 % der modernsten, hochintegrierten Chips (z. B. 5 nm, 3 nm, 2 nm). Diese werden für KI‑Beschleuniger, High‑Performance‑CPUs, Smartphones und Rechenzentren benötigt.
Warum ist Taiwan so dominant?
- TSMC ist der weltweit führende Hersteller für hochmoderne Fertigungstechnologien.
- Extreme Spezialisierung, jahrzehntelange Investitionen und ein enges Ökosystem machen Taiwan zum globalen Zentrum.
- EUV‑Lithografie‑Anlagen, Know‑how und Lieferketten sind schwer zu replizieren – selbst für Länder wie die USA, Japan oder Deutschland.
Strategische Bedeutung (für Europa & Deutschland)
Für Unternehmen in DACH – insbesondere im Kontext von B2B‑IT‑Themen – bedeutet das:
- Hohe Abhängigkeit von einem geopolitisch sensiblen Standort.
- Risiken für Lieferketten, besonders bei KI‑Hardware, Server‑CPUs, GPUs und Netzwerkchips.
- Diversifizierungsprogramme (USA, Japan, EU Chips Act) laufen, aber Taiwan bleibt bis mindestens 2030 dominierend.
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Cybersicherheit und digitale Souveränität: Kann Europa die Kontrolle zurückgewinnen?
In europäischen Organisationen wächst das Bewusstsein für die Bedeutung digitaler Souveränität rasant. Die Wahl einer souveränen Lösung bedeutet im Cybersicherheitsumfeld eine höhere Widerstandsfähigkeit gegen Cyberangriffe sowie eine gesicherte Datenintegrität, Vertrauen und Entscheidungsautonomie. Laut dem Barometer Digitale Souveränität 2025 von Ey betrachten bereits heute vier von fünf Unternehmen Souveränität als zentrales Kriterium, das künftig noch…
News | Geschäftsprozesse | IT-Security | Ausgabe 11-12-2025 | Security Spezial 11-12-2025
Digitale Souveränität – Selbstbestimmt entscheiden, souverän handeln
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So können sich KMUs aus der Zwickmühle Datensouveränität befreien
Unternehmen stecken in Sachen Datensouveränität in der Zwickmühle. Mit hyperkonvergenter Infrastruktur können KMU einfacher und kostengünstiger Hybrid-Clouds aufbauen, und garantieren, dass Ihre kritischen Daten jederzeit am richtigen Ort zugänglich sind. Datensouveränität, Datenschutz und die Abhängigkeit der Branche von US-amerikanischen Hyperscalern sind miteinander verwandte und in der Branche seit Jahren heiß diskutierte Themen. Viele Unternehmen…
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Datensouveränität: die richtige Balance finden
Die Debatte um digitale Souveränität hat in Europa und den USA an Schärfe gewonnen: Mitte November suchte der Europäische Gipfel zur digitalen Souveränität 2025 in Berlin nach Lösungen. Warnungen vor übermäßiger Abhängigkeit von Hyperscalern, Forderungen nach Datenlokalisierung und verschärfte Compliance-Vorgaben prägen aktuell die Agenda. Für IT-Entscheider bedeutet das: Jede Architektur- und Speicherentscheidung hat unmittelbare rechtliche,…
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Digitale Souveränität umsetzen
Der Mobility Data Space (MDS) hat mit der Nutzung von Ende-zu-Ende-verschlüsselte Kommunikation begonnen und setzt damit neben seinem dezentralen Datenraum auf ein starkes Fundament für digitale Souveränität in Deutschland und Europa. Mit der Initiative zur Integration von Wire in die Kommunikationsprozesse des Mobility Data Space zeigt der MDS konkret, wie europäische Technologie, Sicherheit und Werte…
Trends 2026 | News | Trends Security | IT-Security | Künstliche Intelligenz
IT-Trends 2026: KI, Cyberrisiken und digitale Souveränität verändern die IT-Landschaft
Die digitale Welt befindet sich im Umbruch – sie wird komplexer, schneller und zugleich deutlich angreifbarer. Vor allem künstliche Intelligenz und moderne IT-Sicherheitskonzepte gehören zu den zentralen Trends, die bestimmen, wie Unternehmen ihre Netzwerke, Schutzmechanismen und Datenstrukturen künftig gestalten müssen. »Wir stehen an einem Punkt, an dem Unternehmen ihre technologische Zukunft konsequenter denn je…
News | Trends 2025 | Trends Wirtschaft | Künstliche Intelligenz | Strategien
Deutsche Unternehmen streben nach digitaler Souveränität und erhöhen Investitionen in KI
Für 80 % der Befragten in Deutschland nimmt die digitale Souveränität eine Top-Priorität in ihrer IT-Strategie ein. Für 96 % der Befragten ist eine Open-Source-Strategie von entscheidender Bedeutung, insbesondere im Hinblick auf digitale Souveränität, Hybrid- und Multi-Cloud, Virtualisierung sowie Sicherheit. 98 % der Befragten stimmen zu, dass Deutschland bereits weltweit führend im Bereich KI ist…
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Souveränität 2025 – Von Debatte zu Delivery
Der Gipfel in Berlin hat einen richtigen und längst überfälligen Schwerpunkt gesetzt: europäische digitale Souveränität. Die Ankündigung, von der Debatte zur konkreten Umsetzung zu kommen, ist wichtig. Entscheidend wird sein, ob wir den Mut finden, Abhängigkeiten tatsächlich zu reduzieren und eigene Lösungen in Europa zu bauen und zu skalieren. Dabei stehen drei Punkte im Vordergrund:…
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Digitalgipfel: Richtiger Weckruf – jetzt Souveränität zur Chefsache machen
Europa hat in Berlin das überfällige Signal gesetzt. Deutschland und Frankreich holen die digitale Souveränität aus der Sonntagsrede in die erste Reihe und unterlegen sie mit konkreten Kooperationsankündigungen. SAP und Mistral AI, Delos und Bleu, Investitionen in Rechenkapazitäten und KI-Anwendungen, flankiert von der EU-AI-Champions-Initiative – die politische Botschaft ist eindeutig: Wir wollen einen eigenen europäischen…
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SAP und französische KI-Unternehmen stärken gemeinsam Europas digitale Souveränität
Die SAP SE hat eine engere Zusammenarbeit mit französischen KI-Unternehmen bekannt gegeben, die sowohl neue als auch vertiefte Partnerschaften mit Bleu, Capgemini und Mistral AI einschließt. Ziel dieser Zusammenarbeit ist es, die SAP-Expertise bei Unternehmensanwendungen mit dem dynamischen KI-Ökosystem Frankreichs zu vereinen. Damit sollen sichere, skalierbare und KI-gestützte Cloud-Lösungen entwickelt werden, die den Schutz von…
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Cloudwashing – Warum digitale Souveränität mit US-amerikanischen Partnern ein Märchen ist
In den USA ansässige Cloudprovider werben im europäischen Markt mit »Sovereign Clouds« und EU-konformer Datensouveränität. Unter Vorschriften wie dem CLOUD Act und FISA 702 bleiben europäische Daten jedoch niemals vor den USA geschützt. Wie funktioniert systematisches Cloudwashing, welche Risiken entstehen daraus für deutsche Unternehmen und welche Alternativen bieten echte Datensouveränität? Roland Stritt, CRO beim…
Trends 2026 | News | Business | Trends Security | Favoriten der Redaktion | IT-Security
Digitale Souveränität: 2026 – das Ende der Ausreden
Kommendes Jahr ändert sich vieles für Unternehmen, denn die EU macht ernst mit digitaler Souveränität. Die folgenden sechs Trends zeigen die Tücken und Herausforderungen, wenn Anforderungen wie NIS2 und DORA verpflichtend werden. Ab 2026 gibt es kein »Weiter so« mehr: Mit der verpflichtenden Umsetzung von NIS2 und DORA wird digitale Souveränität zur rechtlichen Realität…
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In welchen konkreten Schritten kann ein Unternehmen digitale Souveränität erlangen?
In einer zunehmend digitalisierten Welt wird die digitale Souveränität für Unternehmen immer wichtiger. Sie ermöglicht es, Kontrolle über Daten, Systeme und Prozesse zu behalten und sich von externen Abhängigkeiten zu lösen. Doch wie kann ein Unternehmen diesen Zustand erreichen? Ein klarer Fahrplan mit konkreten Schritten und Prioritäten zeigt den Weg zu mehr Unabhängigkeit und Sicherheit…
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KI-Souveränität: Deutsche Telekom startet eine der größten KI-Fabriken Europas
Die Deutsche Telekom und NVIDIA bauen gemeinsam eine der größten KI-Fabriken Europas in München, die im ersten Quartal 2026 in Betrieb gehen soll. Diese »Industrial AI Cloud« wird deutschen Unternehmen ermöglichen, ihre KI-Modelle und -Anwendungen mit proprietären Daten weiterzuentwickeln und bietet eine um 50 Prozent erhöhte KI-Rechenleistung. Die Partnerschaft umfasst eine Investition von über einer…
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Souveräne, skalierbare und zukunftssichere IT-Lösungen – »Digitale Souveränität ist eine Notwendigkeit, kein Trend«
Wo Sicherheit, Resilienz und digitale Souveränität zentrale Anforderungen sind, brauchen Organisationen einen vertrauenswürdigen Partner mit fundierter Erfahrung und Technologiekompetenz für skalierbare, hochverfügbare, interoperable IT-Systeme. Im Interview erklärt Matthias Moeller, CEO von Arvato Systems und Bertelsmann CIO warum der Grad an Souveränität immer zum konkreten Anwendungsfall passen muss.

