
Die Umbrüche im Virtualisierungsmarkt zwingen Service Provider zu mehr als einem Hypervisor-Wechsel. Entscheidend ist ein Betriebsmodell, das technologische Wahlfreiheit, wirtschaftliche Elastizität und eine tragfähige Partnerschaft verbindet – und so das Plattformrisiko neu verteilt.
Mit der Broadcom-Übernahme von VMware kam ein als gegeben abgehaktes Thema, die richtige Virtualisierungsstrategie, wieder auf den Tisch und wird nun schon seit drei Jahren heiß diskutiert. Diskutiert wird über Preise, Bundles und Migrationspfade. Die eigentliche Frage steht selten auf dem Tisch. Sie lautet, auf welchem Betriebsmodell ein Service Provider sein Geschäft in den nächsten zehn Jahren aufbauen will, und wer mit ihm gemeinsam das Plattformrisiko trägt. Wer diese Frage jetzt strategisch statt taktisch beantwortet, verlässt die Defensive und bleibt -souverän.
Der Bruch, den viele noch als Preisproblem missverstehen.
Perpetual-Lizenzen sind verschwunden, Portfolios wurden auf wenige Bundles reduziert und für viele Kunden wurden die Kosten erheblich größer. Für Endkunden ist das unangenehm. Für Service Provider ist es geschäftsgefährdend. Verschärft wird die Lage durch zwei Entwicklungen, die für Endkunden kaum sichtbar sind, für Service Provider aber alles verändern. Erstens die Beendigung des klassischen Service Provider Programms in seiner alten Form zu Anfang 2026, mit nur noch einer kleinen Gruppe strategischer Pinnacle-Partner. Zweitens das faktische Ende des etablierten Multi-Tenant-Portals vCloud Director, auf dem die kommerzielle Servicebereitstellung vieler Provider bislang beruhte. Damit ist nicht nur eine Preisdiskussion offen, sondern das operative Rückgrat des klassischen Service Providers.
Die falsche Antwort auf die richtige Frage.
Der erste Reflex im Markt ist verständlich. Hypervisor tauschen, Alternativen prüfen, Migrationsplan schreiben. Nutanix, Red Hat, HPE Morpheus VM Essentials, dazu Open-Source-Ansätze wie Apache CloudStack oder OpenNebula. Jede dieser Optionen hat ihre Berechtigung, keine löst das eigentliche Problem. Denn wer nur die Runtime tauscht, hat in drei Jahren dieselbe Diskussion mit einem anderen Anbieter. Wichtiger noch, keiner dieser Hypervisor bringt von sich heraus die Betriebsschicht mit, die bislang aus Portalen, Mandantenlogik und mühsam gepflegten Automationen bestand. Der Provider trägt das Plattformrisiko damit nicht weniger, sondern mehr, weil er die Integration und den Betrieb künftig selbst verantwortet.
Die eigentliche Frage lautet deshalb nicht, welchen Hypervisor der Service Provider als nächstes wählt. Sie lautet, welches Betriebsmodell er wählt, und wer ihm dabei die operative und wirtschaftliche Souveränität zurückgibt, die er in den letzten Jahren Stück für Stück verloren hat.
Das neue Betriebsmodell steht auf drei Säulen.
- Souveränität über den eigenen Stack. Die Freiheit, Hypervisor, Hardware und Cloud-Ziele unabhängig voneinander zu wählen und zu wechseln, ohne das eigene Serviceportfolio jedes Mal neu zu bauen. Souveränität bedeutet dabei für einen Service Provider vom Verhandlungstisch aufstehen zu können.
- Wirtschaftliche Elastizität. Ein kommerzielles Modell, das mit dem eigenen Geschäft atmet. Nutzungsbasiert statt starr, mehrjährig planbar statt jährlich neu verhandelt, mit klarer Trennung zwischen Grund-Commit und flexiblem Verbrauch.
- Strategische Partnerschaft. Ein Anbieter, der Service Provider nicht als Sonderfall eines Enterprise-Vertrags behandelt, sondern als eigene Kategorie mit eigenem Programm und einer Roadmap, an der der Partner mitgestaltet.
Wo HPE in diese Antwort passt.
Genau an dieser Stelle hat HPE mit der CloudOps Software Suite eine Antwort gebaut, die bewusst nicht als weiterer Hypervisor, sondern als Betriebsschicht angelegt ist. Der operative Ankerpunkt ist Morpheus Enterprise, ergänzt um OpsRamp für tenant-fähige Observability und AIOps sowie Zerto für Continuous Data Protection und Disaster Recovery als monetarisierbaren Managed Service. Die Einbettung erfolgt über das HPE Partner Programm für Service Provider mit Co-Sell, Co-Branding und einem margenoptimierten Lizenzmodell.
Warum Morpheus im Service Provider Alltag anders ansetzt als ein Hypervisor.
Morpheus bringt drei Eigenschaften mit, die der klassische Service Provider bislang selbst zusammenbauen musste. Eine dreistufige Multi-Tenancy, inklusive Policy-Vererbung und hierarchischer Kostenverteilung. Eine Runtime-Neutralität, die weit über den eigenen Hypervisor (HVM) hinausreicht. Und einen Service Provider spezifischen Feature-Satz aus Katalog, Metering, Billing, Showback sowie White-Labeling.
Der in Morpheus enthaltene Hypervisor HVM bringt außerdem alle Funktionen mit, die ein Service Provider und Enterprise-Betrieb heute erwartet. Native Backup-Integrationen, Stretched Cluster und ein vollwertiges Software-defined Networking inklusive Mikrosegmentierung sind Teil der Plattform, nicht kostenpflichtige Zusatzwelten.
Genauso wichtig ist, dass Morpheus grundsätzlich herstellerunabhängig arbeitet. Die Plattform verwaltet den eigenen HVM ebenso wie VMware, Nutanix, die Hyperscaler und Kubernetes über eine gemeinsame Kontrollebene. Damit fügt sie sich in die typischerweise heterogene Infrastrukturlandschaft eines Providers ein, statt sie zu ersetzen. Der Provider kann bestehende Hardware und bestehende Umgebungen weiter nutzen und vermeidet so hohe Investitionen in neue Infrastruktur.
Von Big-Bang Risiko zu kontrollierbarer Transformation.
Morpheus ist die pragmatische Mitte zwischen Eigenbau und Bindung, auf welche viele Service Provider seit über 10 Jahren vertrauen. Der Provider behält jederzeit Exit-Strategien, weil die darunterliegenden Runtimes offen und austauschbar bleiben, gewinnt aber sofort die Geschwindigkeit einer fertigen Betriebsschicht, die er sonst über Jahre selbst entwickeln müsste. Auch für die Migration ergibt sich daraus ein pragmatischer Pfad. Morpheus verwaltet die alte und die neue Ziel-Runtime parallel und übernimmt in derselben Kontrollebene die Migration workloadweise. Zerto fügt sich in diesen Pfad als technische Migrationsstrecke ein, weil dieselben Mechanismen, die im laufenden Betrieb Disaster Recovery leisten, auch die eigentliche Umzugsbewegung tragen. Damit wird aus einem Big-Bang-Risiko ein kontrollierter, umkehrbarer Prozess.
Ausblick.
HPE bietet heute eine breite Grundlage gemeinsam mit Service Providern ihre Zukunft zu gestalten und das weit über Software und Infrastruktur hinaus. Mit der Integration von Juniper wird HPE für Service Provider auch zum vollständigen Netzwerkanbieter und kann damit eine weitere Ebene abdecken, die ein Service Provider bisher separat einkaufen und zusammenführen musste. Auch für die AI-Ära, in die der Service Provider Markt gerade eintritt, liefert HPE die passenden Plattformen, damit Provider die AI-Workloads ihrer Kunden nicht an die Hyperscaler verlieren, sondern selbst betreiben und veredeln können. Der Service Provider erhält damit einen Partner, für Software, Netzwerk, Infrastruktur und AI, ohne ihm seine Unabhängigkeit zu nehmen. Wer diese Diskussion jetzt führt, macht das aus einer Position der Gestaltung, nicht der Reaktion. Am besten am Whiteboard, nicht im Datenblatt.
Jan-David Brustik,
Channel Chief Technology Officer
Central Europe,
HPE
Illustration: © Siiptok, GenAI | Dreamstime.com
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