Countdown zur PQC-Migration: Was Unternehmen bis 2030 umstellen müssen

Deutschland gibt der Migration auf Post-Quanten-Kryptografie einen verbindlichen Takt: Hochriskante Anwendungen sollen bis Ende 2030 umgestellt sein, bis 2035 soll der Übergang weitgehend abgeschlossen sein. Für CIOs und CISOs beginnt die entscheidende Phase jedoch schon jetzt – mit Krypto-Inventarisierung, Risikobewertung, klaren Verantwortlichkeiten und einer Beschaffungsstrategie, die Kryptoagilität zum Standard macht.

Management Summary

  • Fristen stehen: Hochriskante Anwendungen sollen bis Ende 2030 quantensicher sein; bis 2035 soll die Migration für möglichst viele Systeme abgeschlossen sein.
  • Vorarbeit bis Ende 2026: Unternehmen und Behörden sollten ihre Kryptografie inventarisieren, Risiken bewerten und einen belastbaren Migrationsplan aufsetzen.
  • Managementaufgabe statt Nischenthema: Verantwortlichkeiten, Budget, Governance und Fortschrittskontrolle gehören auf die Agenda von CIO, CISO und Geschäftsführung.
  • Lieferketten entscheiden mit: Hersteller, Dienstleister und Partner müssen PQC-Fähigkeit, Abhängigkeiten und Austauschpfade transparent machen.
  • Kryptoagilität wird zum Beschaffungskriterium: Neue Systeme sollten Verfahren und Schlüssellängen kontrolliert austauschen können und aktuelle BSI-Empfehlungen berücksichtigen.

 

Illustration Absmeier foto ki designer

Post-Quanten-Kryptografie wird zur strategischen Migrationsaufgabe: Die nationalen Wegmarken reichen von der Vorbereitung 2026 bis zum weitgehenden Abschluss 2035.

 

Die Bundesregierung konkretisiert den Fahrplan für den Wechsel zu quantensicherer Kryptografie. Hochriskante Anwendungen sollen spätestens Ende 2030 umgestellt sein, bis 2035 soll die Migration für nahezu alle Systeme weitgehend abgeschlossen werden. Doch die eigentliche Botschaft der Roadmap lautet: Unternehmen und Behörden müssen nicht erst auf leistungsfähige Quantencomputer warten. Inventarisierung, Risikoanalyse und Migrationsplanung sollen bereits jetzt beginnen.

 

Kryptografie gehört zu den unsichtbaren Fundamenten der digitalen Wirtschaft. Sie schützt Kommunikation, Geschäftsgeheimnisse und personenbezogene Daten, sichert digitale Verwaltungsdienste und Bankensysteme und ist für den Betrieb kritischer Infrastrukturen von zentraler Bedeutung. Doch ein Teil der heute etablierten kryptografischen Verfahren könnte durch ausreichend leistungsfähige Quantencomputer bedroht werden. Genau auf dieses Szenario bereitet Deutschland nun einen systematischen Übergang zu Post-Quanten-Kryptografie, kurz PQC, vor.

Die gemeinsame Leitlinie von Bundesministerium für Digitales und Staatsmodernisierung, Bundesinnenministerium und BSI überträgt die europäische PQC-Roadmap auf Deutschland. Sie richtet sich an Bundes-, Landes- und Kommunalverwaltungen sowie Organisationen und Unternehmen, insbesondere Betreiber kritischer Infrastrukturen. Ziel ist ein koordinierter und risikobasierter Übergang zu quantensicherer Kryptografie.

 

Die Bedrohung ist noch Zukunft, die Migration nicht

Der Handlungsdruck entsteht aus einem ungewöhnlichen Sicherheitsproblem. Das BSI stellt ausdrücklich fest, dass derzeit keine Belege dafür vorliegen, dass Quantencomputer bereits leistungsfähig genug sind, um die betroffenen kryptografischen Verfahren zu brechen. Eine 2025 aktualisierte Bewertung hält es jedoch für wahrscheinlich, dass ein kryptografisch relevanter Quantencomputer innerhalb von maximal 15 Jahren, also bis 2040 oder früher, realisierbar sein könnte. Fortschritte bei der Quantenfehlerkorrektur könnten diesen Zeitraum nach Einschätzung der Leitlinie zusätzlich verkürzen.

Abwarten wäre dennoch riskant, denn die Umstellung komplexer IT-Landschaften benötigt Zeit. Die Roadmap verweist auf die Erfahrungen früherer kryptografischer Migrationen, die sich über mehrere Jahre erstrecken können. Zudem können langlebige Geräte und Systeme noch lange mit kryptografischen Komponenten arbeiten, die bereits heute implementiert werden.

Hinzu kommt das sogenannte„Store now, decrypt later“-Szenario. Angreifer könnten verschlüsselte Informationen heute speichern und später entschlüsseln, sobald geeignete Quantencomputer verfügbar sind. Relevant ist dies insbesondere für Informationen, deren Vertraulichkeit langfristig gewährleistet werden muss, darunter Verschlusssachen, sensible personenbezogene Daten und Geschäftsgeheimnisse.

 

Drei Etappen: 2026, 2030 und 2035

Die Roadmap setzt dafür drei entscheidende Wegmarken.

  1. Bis Ende 2026 soll die erste Vorbereitungs- und Planungsphase abgeschlossen sein. Organisationen sollen PQC-Readiness herstellen und bereits erste Schritte der Migration beginnen. Dazu gehört insbesondere eine Bestandsaufnahme der eingesetzten Kryptografie.
  2. Bis Ende 2030 sollen sämtliche Anwendungen mit hohem Quantenrisiko auf quantensichere Verfahren umgestellt sein.
  3. Bis Ende 2035 sollen Anwendungen mit mittlerem Risiko quantensicher sein. Zugleich soll die Migration für nahezu alle Systeme abgeschlossen sein.

 

Diese Priorisierung ist bewusst risikobasiert. Die Roadmap warnt damit indirekt auch vor einem unkontrollierten Schnellverfahren: Der empfohlene Zeitplan soll einen angemessenen Schutz ermöglichen und zugleich vermeiden, dass durch einen chaotischen Übergang und unzureichend getestete Lösungen neue Schwachstellen entstehen. Können die Fristen nicht eingehalten werden, verlangt die Leitlinie eine individuelle Risikobewertung.

 

Am Anfang steht das Krypto-Inventar

Das zentrale Prinzip der Umstellung fasst die Roadmap in einem Dreiklang zusammen: Inventarisierung, Priorisierung und Umsetzung.

Jede Organisation sollte zunächst wissen, wo und wie sie Kryptografie einsetzt. Gefordert wird deshalb eine Übersicht der kryptografischen Komponenten, vergleichbar mit dem Krypto-Kataster des BSI-IT-Grundschutzes. Die initiale Erstellung dieses Inventars sollte bis Ende 2026 abgeschlossen sein und anschließend regelmäßig aktualisiert werden.

Dabei genügt es nicht, lediglich Algorithmen aufzuzählen. Auch Abhängigkeiten müssen berücksichtigt werden. Die Roadmap nennt als anschauliches Beispiel Karten und Kartenlesegeräte: Eine Kommunikation ist nur dann quantensicher, wenn beide beteiligten Komponenten entsprechende Verfahren unterstützen. Werkzeuge für kryptografische Inventarisierung, Repository-Scans oder sogenannte Cryptographic Bills of Materials, CBOMs, können diese Bestandsaufnahme unterstützen.

 

Quantenrisiko gehört ins Risikomanagement

Im nächsten Schritt verlangt die Roadmap eine Bewertung des Quantenrisikos und dessen Integration in das reguläre Risikomanagement. Dabei werden Anwendungen und Systeme grundsätzlich den Risikostufen hoch, mittel oder niedrig zugeordnet.

Für die Bewertung nennt die Leitlinie drei Faktoren: die Angreifbarkeit der verwendeten kryptografischen Verfahren, das mögliche Schadensausmaß, beispielsweise beim Verlust der Vertraulichkeit, sowie den geschätzten Zeit- und Arbeitsaufwand für die Migration auf PQC. Aus diesen Faktoren ergibt sich die Priorität der Umstellung.

Damit wird PQC ausdrücklich zu einer Managementfrage. Nicht jedes System muss gleichzeitig migriert werden. Entscheidend ist vielmehr, herauszufinden, wo eine spätere Kompromittierung besonders gravierende Folgen hätte und welche komplexen Systeme einen besonders langen Migrationsvorlauf benötigen.

 

Verantwortung festlegen und Ressourcen bereitstellen

Die technische Bestandsaufnahme allein reicht jedoch nicht. Große Organisationen und bestimmte Bereiche sollten nach der Leitlinie Koordinierungsgremien einrichten oder zumindest eine verantwortliche Stelle benennen. Diese soll unter anderem den Umsetzungsplan und die Prioritäten festlegen, Fortschritte überwachen, technologische Entwicklungen beobachten sowie den Austausch mit Industrie, Forschung und Behörden koordinieren.

Dafür sollen ausdrücklich ausreichende personelle und finanzielle Ressourcen vorgesehen werden. Gleichzeitig sollen zuständige Gremien die bislang als dringende Empfehlungen formulierten Fristen möglichst bis Ende 2026 verbindlich festlegen. Genannt werden unter anderem IT-Planungsrat und UP KRITIS.

 

Hybride Kryptografie als Übergangsstrategie

Bei der technischen Umsetzung empfiehlt das BSI hybride Verfahren. Dabei werden klassische kryptografische Verfahren mit Post-Quanten-Verfahren kombiniert, sodass die Sicherheitsleistung beider Einzelverfahren zusammengeführt wird. Welche Verfahren als quantensicher gelten und wie sie eingesetzt werden sollen, beschreibt das BSI insbesondere in seiner Technischen Richtlinie TR-02102.

Die ersten einschlägigen PQC-Verfahren wurden nach einem mehrjährigen Standardisierungsprozess durch das US-amerikanische National Institute of Standards and Technology 2024 standardisiert und sind laut Leitlinie einsatzbereit. Post-Quanten-Kryptografie benötigt dabei selbst keinen Quantencomputer, sondern kann auf heutigen Systemen und handelsüblicher Hardware eingesetzt werden.

 

Ohne Lieferkette keine erfolgreiche Migration

Eine der wichtigsten Botschaften der Roadmap betrifft die Lieferkette. Organisationen können ihre Kryptografie nicht isoliert modernisieren. Hersteller, IT-Dienstleister und Kommunikationspartner müssen frühzeitig eingebunden werden, damit Kompatibilität und Interoperabilität gewährleistet werden können. CBOMs können dabei helfen, kryptografische Fähigkeiten innerhalb der Lieferkette vergleichbar zu machen; ihre Bereitstellung kann laut Leitlinie auch vertraglich vereinbart werden.

PQC soll zudem Bestandteil des Lifecycle Managements werden. Bei neuen Entwicklungen sollen ausschließlich quantensichere kryptografische Verfahren eingesetzt werden. Auch bei Beschaffung und Vergabe sollen Anforderungen an PQC und Kryptoagilität entsprechend TR-02102 standardmäßig berücksichtigt werden.

 

Fazit: 2030 klingt weit entfernt, die Arbeit beginnt 2026

Die Nationale Umsetzung der EU-Roadmap zur Umstellung auf Post-Quanten-Kryptografie ist damit weniger eine Warnung vor einem unmittelbar bevorstehenden Quantenangriff als ein konkreter Migrationsplan. Deutschland soll nicht darauf warten, bis ein kryptografisch relevanter Quantencomputer Realität geworden ist.

Für Unternehmen und Behörden ergeben sich daraus klare Prioritäten: Kryptografie erfassen, Risiken priorisieren, Verantwortlichkeiten definieren, Lieferanten einbeziehen und die technische Migration schrittweise beginnen. Hochrisiko-Anwendungen sollen bis Ende 2030 quantensicher sein, bis 2035 soll der Übergang für nahezu alle Systeme weitgehend abgeschlossen sein.

Die eigentliche erste Ziellinie liegt damit jedoch schon deutlich früher: Ende 2026. Bis dahin soll die Planungs- und Vorbereitungsphase abgeschlossen sein, das kryptografische Inventar stehen und die Migration begonnen haben.

Für CIOs und CISOs lautet die Konsequenz deshalb: PQC ist kein Zukunftsprojekt für die 2030er-Jahre. Die Vorbereitung ist eine Aufgabe für heute. Diese Schlussfolgerung ist eine redaktionelle Einordnung auf Basis der in der Roadmap festgelegten Meilensteine.

 

Illustration Absmeier infografik (c) ki

Infografik: Acht Handlungsfelder für eine strukturierte Migration auf Post-Quanten-Kryptografie.

Tipps für Unternehmen

1. Krypto-Inventar als belastbare Entscheidungsgrundlage aufbauen

Eine PQC-Migration beginnt nicht mit der Auswahl eines neuen Algorithmus, sondern mit Transparenz. Erfassen Sie deshalb nicht nur offensichtliche Verschlüsselungstechnologien, sondern sämtliche Stellen, an denen kryptografische Funktionen eingesetzt werden: Zertifikate, Schlüssel, Signaturen, TLS-Verbindungen, VPN-Zugänge, Identitätsdienste, Softwarebibliotheken, Hardware-Sicherheitsmodule, eingebettete Systeme und Schnittstellen zu Partnern. Ergänzen Sie zu jedem Eintrag den fachlichen Zweck, den technischen Eigentümer, die Schutzdauer der Daten, die eingesetzten Verfahren, den Hersteller sowie bekannte Austausch- und Updatepfade.

Praxisbeispiel: Ein Industrieunternehmen startet mit einem automatisierten Scan seiner Code-Repositories und ergänzt die Ergebnisse durch Workshops mit Anwendungs-, Infrastruktur- und Einkaufsteams. Dabei zeigt sich, dass nicht nur zentrale Webanwendungen betroffen sind, sondern auch Firmware-Signaturen in Produktionsanlagen und Zertifikate in Wartungszugängen. Das Inventar wird anschließend als kontinuierlich gepflegtes Register in das bestehende Asset-Management integriert.

2. Schutzdauer der Daten systematisch bewerten

Die technische Lebensdauer eines Systems ist nur ein Teil des Risikos. Entscheidend ist auch, wie lange die darin verarbeiteten Informationen vertraulich oder beweiskräftig bleiben müssen. Kennzeichnen Sie deshalb Datenbestände nach Schutzbedarf und Schutzdauer. Besonders dringlich sind Informationen, die noch in vielen Jahren sensibel wären und bereits heute abgegriffen und gespeichert werden könnten. Dazu zählen beispielsweise Forschungsdaten, Konstruktionsunterlagen, personenbezogene Langzeitakten, strategische Planungen oder vertrauliche Vertragsinformationen.

Praxisbeispiel: Ein Pharmaunternehmen stuft klinische Forschungsdaten mit einer Schutzdauer von mehr als zehn Jahren höher ein als kurzfristige operative Meldungen. Für den Datenaustausch mit Forschungspartnern wird deshalb frühzeitig ein PQC-fähiger Pilot geplant, während weniger kritische Anwendungen in eine spätere Migrationswelle eingeordnet werden.

3. Systeme nach einem einheitlichen Risikomodell clustern

Priorisieren Sie Anwendungen anhand nachvollziehbarer Kriterien statt nach Lautstärke einzelner Fachbereiche. Ein praktikables Modell kombiniert mindestens drei Dimensionen: die Angreifbarkeit des verwendeten Verfahrens, das mögliche Schadensausmaß bei einem Bruch und den erwarteten Migrationsaufwand. Ergänzend können regulatorische Pflichten, externe Abhängigkeiten, Restlaufzeit und Verfügbarkeit von Herstellerlösungen berücksichtigt werden. Das Ergebnis sollte eine dokumentierte Einteilung in hohe, mittlere und niedrige Priorität sein.

Praxisbeispiel: Ein Finanzdienstleister bewertet sein Kundenportal, die interne Archivlösung und ein Altsystem für Batch-Verarbeitung. Das Kundenportal erhält wegen externer Erreichbarkeit und sensibler Transaktionen hohe Priorität. Das Archiv wird wegen der langen Schutzdauer ebenfalls hoch eingestuft. Das isolierte Batch-System erhält trotz veralteter Kryptografie zunächst mittlere Priorität, weil es keine externe Schnittstelle besitzt und in zwei Jahren abgelöst wird.

4. Verantwortung, Budget und Termine verbindlich zuordnen

PQC darf nicht zwischen Security, Infrastruktur, Architektur und Einkauf liegen bleiben. Benennen Sie für jede kritische Anwendung einen fachlichen und einen technischen Eigentümer. Legen Sie fest, wer Risiken akzeptieren darf, wer technische Entscheidungen trifft und wer Abhängigkeiten zu Lieferanten klärt. Ergänzen Sie Zieltermine, Budgetbedarf und Eskalationswege. Ein zentrales Steuerungsgremium sollte Standards setzen, Ausnahmen dokumentieren und den Fortschritt regelmäßig an CIO, CISO und Geschäftsführung berichten.

Praxisbeispiel: Ein Energieversorger richtet ein PQC-Programm unter gemeinsamer Leitung von CISO und Enterprise Architecture ein. Für jedes Hochrisiko-System gibt es einen benannten Product Owner, einen Security-Verantwortlichen und einen Meilensteinplan. Verzögerungen bei Herstellern werden quartalsweise im IT-Risikokomitee behandelt, statt nur in technischen Projektgruppen zu verbleiben.

5. PQC und Kryptoagilität in Beschaffung und Verträge aufnehmen

Neue Abhängigkeiten sollten nicht mehr ohne klaren kryptografischen Entwicklungspfad eingekauft werden. Fragen Sie Anbieter nach unterstützten Standards, geplanten PQC-Versionen, hybriden Betriebsmodellen, Updatefähigkeit und Abkündigungsfristen. Fordern Sie, soweit verfügbar, eine Cryptographic Bill of Materials. Vertraglich sollten Sicherheitsupdates, Austauschpfade, Testmöglichkeiten, Interoperabilität und die Bereitstellung technischer Dokumentation geregelt werden. Wichtig ist zudem Kryptoagilität: Verfahren und Parameter müssen sich ohne vollständigen Neuaufbau des Produkts austauschen lassen.

Praxisbeispiel: Bei der Ausschreibung eines neuen Dokumentenarchivs verlangt eine Behörde nicht nur aktuelle Verschlüsselung, sondern auch einen dokumentierten Migrationspfad für PQC, austauschbare Kryptobibliotheken und Testzugänge für hybride Verfahren. Angebote ohne belastbare Roadmap werden als langfristiges Betriebsrisiko bewertet.

6. Hybride Verfahren in kontrollierten Pilotumgebungen erproben

Die Einführung sollte mit klar abgegrenzten Pilotfällen beginnen. Hybride Ansätze kombinieren klassische und post-quantenfähige Verfahren und können dadurch den Übergang absichern. Prüfen Sie jedoch nicht nur die kryptografische Funktion, sondern auch Latenz, Schlüssel- und Zertifikatsgrößen, Speicherbedarf, Protokollkompatibilität, Monitoring, Fehlerszenarien und Betriebsprozesse. Definieren Sie vorab Erfolgskriterien und Rückfalloptionen. Die Auswahl und konkrete Konfiguration sollte sich an den jeweils aktuellen Empfehlungen des BSI und relevanten Standards orientieren.

Praxisbeispiel: Ein internationaler Maschinenbauer pilotiert eine hybride Absicherung zunächst für die Verbindung zwischen zwei Teststandorten. Neben der erfolgreichen Verschlüsselung misst das Team Verbindungsaufbau, Bandbreitenbedarf und Verhalten älterer Gateways. Erst nach einem dokumentierten Last- und Ausfalltest wird die Lösung auf weitere Standorte ausgeweitet.

7. Technische und organisatorische Abhängigkeiten gemeinsam migrieren

Eine Anwendung ist nur so quantensicher wie ihre Gegenstellen und Vertrauenskette. Erfassen Sie deshalb Kartenleser, Gateways, Zertifizierungsstellen, Identitätsprovider, APIs, Partnernetze, mobile Clients, Backup-Systeme und externe Dienste. Prüfen Sie, welche Komponenten gleichzeitig umgestellt werden müssen, wo Übergangsmodi erforderlich sind und welche Partner eigene Zeitpläne verfolgen. Planen Sie Interoperabilitätstests, bevor produktive Zertifikate oder Schlüssel ausgetauscht werden.

Praxisbeispiel: Ein Krankenhaus möchte die Kommunikation zwischen Patientenkarte, Lesegerät und zentralem Identitätsdienst modernisieren. Im Test zeigt sich, dass die Serverkomponente vorbereitet ist, mehrere ältere Lesegeräte aber keine geeigneten Updates erhalten. Das Projekt kombiniert deshalb Softwaremigration, Hardwareaustausch und abgestimmte Rollout-Fenster mit den angeschlossenen Einrichtungen.

8. Fortschritt mit wenigen, belastbaren Kennzahlen steuern

Messen Sie nicht nur abgeschlossene Migrationen, sondern auch die Qualität der Vorbereitung. Geeignete Kennzahlen sind der Anteil inventarisierter kryptografischer Komponenten, die Quote bewerteter Anwendungen, die Zahl identifizierter Hochrisiko-Systeme, der Anteil beschaffter Produkte mit PQC-Roadmap, erfolgreiche Pilotierungen und fristgerecht migrierte Anwendungen. Ergänzen Sie Hindernisse wie fehlende Herstellerunterstützung oder ungeklärte Abhängigkeiten. Berichten Sie Trends und Abweichungen, damit das Management rechtzeitig Entscheidungen treffen kann.

Praxisbeispiel: Ein Konzern nutzt ein monatliches Dashboard mit acht Kennzahlen. Als die Inventarabdeckung zwar steigt, aber viele Systeme ohne benannten Eigentümer bleiben, wird eine verbindliche Zuordnung über die Geschäftsbereiche ausgelöst. So zeigt die Messung nicht nur Aktivität, sondern deckt eine konkrete Governance-Lücke auf.

 

 

FAQ: Post-Quanten-Kryptografie

1. Was ist Post-Quanten-Kryptografie?

Post-Quanten-Kryptografie bezeichnet kryptografische Verfahren, die auf klassischer Hardware laufen und Angriffen mit leistungsfähigen Quantencomputern standhalten sollen. Sie ist nicht mit Quantenkryptografie oder Quantum Key Distribution gleichzusetzen. [1]

2. Warum ist die Migration schon heute notwendig?

Der Austausch kryptografischer Verfahren in komplexen IT-Landschaften dauert oft Jahre. Zusätzlich können Angreifer verschlüsselte Daten heute speichern und später entschlüsseln, sobald geeignete Quantencomputer verfügbar sind – das sogenannte »Store now, decrypt later«-Risiko. [1] [2]

3. Welche Fristen nennt die deutsche Leitlinie?

Die Vorbereitungs- und Planungsphase einschließlich des initialen Krypto-Inventars soll bis Ende 2026 abgeschlossen sein. Hochriskante Anwendungen sollen spätestens Ende 2030 umgestellt sein; bis 2035 soll die Migration für möglichst viele Systeme weitgehend abgeschlossen sein. [1]

4. Für wen gilt die Roadmap?

Die Leitlinie richtet sich an Verwaltungen von Bund, Ländern und Kommunen sowie an Organisationen und Unternehmen, insbesondere Betreiber kritischer Infrastrukturen. [1]

5. Welche Systeme sollten zuerst migriert werden?

Priorität haben Anwendungen mit hohem Quantenrisiko. Die Bewertung soll die Angreifbarkeit der verwendeten Verfahren, das potenzielle Schadensausmaß und den erwarteten Zeit- und Arbeitsaufwand der Migration berücksichtigen. [1]

6. Was gehört in ein Krypto-Inventar?

Erfasst werden sollten eingesetzte kryptografische Verfahren, Schlüssel, Zertifikate, Protokolle, Bibliotheken, Produkte und Abhängigkeiten zu Gegenstellen oder Lieferanten. Werkzeuge für Repository-Scans und Cryptographic Bills of Materials können die Transparenz erhöhen. [1]

7. Was bedeutet Kryptoagilität?

Kryptoagilität ist die Fähigkeit, kryptografische Verfahren, Parameter oder Schlüssellängen bei neuen Erkenntnissen kontrolliert und zügig auszutauschen. Das BSI empfiehlt, diese Fähigkeit bereits bei Architektur, Produktentwicklung und Beschaffung zu berücksichtigen. [2] [3]

8. Warum empfiehlt das BSI hybride Verfahren?

Bei hybriden Ansätzen werden klassische und post-quantenfähige Verfahren kombiniert. Dadurch hängt die Sicherheit in der Übergangsphase nicht ausschließlich von einem neuen Verfahren ab; die konkrete Umsetzung sollte den jeweils aktuellen technischen Empfehlungen folgen. [2] [3]

9. Welche PQC-Standards sind bereits verfügbar?

NIST veröffentlichte im August 2024 drei Standards: FIPS 203 für ML-KEM zur Schlüsseleinigung sowie FIPS 204 und FIPS 205 für digitale Signaturen. NIST bezeichnet diese Standards als einsatzbereit. [4]

10. Welche Rolle spielen Lieferanten und Dienstleister?

Eine Migration gelingt nur, wenn Produkte, Schnittstellen und Gegenstellen kompatible Verfahren unterstützen. Unternehmen sollten deshalb PQC-Roadmaps, Kryptoagilität, Updatewege und kryptografische Komponenten frühzeitig mit Herstellern und Dienstleistern klären und gegebenenfalls vertraglich festhalten. [1]

Quellen
[1] BSI, »Nationale Umsetzung der EU-Roadmap zur Umstellung auf Post-Quanten-Kryptografie«, 2026: https://www.bsi.bund.de/SharedDocs/Downloads/DE/BSI/Krypto/Leitlinie-Umstellung-PQC.pdf
[2] BSI, »Quantentechnologien und quantensichere Kryptografie«: https://www.bsi.bund.de/DE/Themen/Unternehmen-und-Organisationen/Informationen-und-Empfehlungen/Quantentechnologien-und-Post-Quanten-Kryptografie/quantentechnologien-und-quantensichere-kryptografie_node.html
[3] BSI, »TR-02102 Kryptographische Verfahren: Empfehlungen und Schlüssellängen«, Version 2026-01: https://www.bsi.bund.de/DE/Themen/Unternehmen-und-Organisationen/Standards-und-Zertifizierung/Technische-Richtlinien/TR-nach-Thema-sortiert/tr02102/tr02102_node.html
[4] NIST, »Announcing Approval of Three Federal Information Processing Standards for Post-Quantum Cryptography«, 13. August 2024: https://csrc.nist.gov/News/2024/postquantum-cryptography-fips-approved
Management Summary, FAQ und Bild wurden mit Hilfe von KI erstellt

 

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