Der Ausbau nationaler Sicherheitsbestände ist ein Irrweg

 

Peter Frerichs, Mitglied der Geschäftsleitung des Aachener Optimierungsspezialisten INFORM, sieht in der Forderung nach dem Ausbau nationaler Sicherheitsbestände einen Irrweg. Denn diese Form der Stabilisierung von Lieferketten ist mit vielen negativen Konsequenzen verbunden.

Es ist ein nur allzu bekanntes Szenario: Bereits während der Weltwirtschaftskrise 2008 wurde der bundesweite Aufbau von Lagerbeständen als Universallösung gepriesen, um Lieferketten zu stabilisieren. Doch nach der Krise wurde dieser Weg aus guten Gründen nicht weiter verfolgt. Eine ähnliche Situation erleben wir aktuell in der Corona-Krise. Wieder sind viele Lieferketten und Logistikprozesse schwer beeinträchtigt – mit heftigen Konsequenzen für Unternehmen und Verbraucher. Und erneut wird landauf landab der angebliche Königsweg zu einer robusteren, krisenresistenteren Aufstellung von Supply Chains gehandelt: Mit dem Ausbau von Sicherheitsbeständen sollen prophylaktische Barrieren gegen die Folgen einer Krise errichtet werden.

Doch aus einer ganzen Reihe von Gründen ist das der falsche Ansatz. Unter infrastrukturellen und ökologischen Gesichtspunkten würde es im ohnehin schon stark übersiedelten Deutschland eine massive zusätzliche Belastung für die Umwelt bedeuten. Denn mit dem geforderten Ausbau lokaler Logistikinfrastruktur steigt der Bedarf an Lagerflächen enorm – und somit auch an der knappen Ressource Bauland. Damit stiegen auch noch Mieten und Kaufpreise. Aus unternehmerischer Sicht betrachtet ist der großflächige Ausbau von Sicherheitsbeständen ohnehin fragwürdig: Um für alle vorstellbaren Katastrophenszenarien gewappnet zu sein, müssten gewaltige Ressourcen aller Art gehortet werden. Das ist schlichtweg unmöglich. Es müsste also zwangsläufig eine Auswahl getroffen werden, bei der häufig die falschen Teile auf Bestand gesetzt werden, die dann unweigerlich die Lager verstopfen und Kapital in großen Mengen binden. Und eine hohe Lieferfähigkeit ist damit noch immer nicht gesichert. Das kann sich kein Unternehmen ohne staatliche Subventionierung leisten.

Anzeige

Statt also unnötige, umweltbelastende Lagerkolosse in die Landschaft zu setzen, sollten Unternehmen, deren Risiko-Management derzeit noch auf Daten aus ERP- und Warenwirtschaftssystemen beruht, nun dringend auf eine clevere und zukunftsgerichtete Alternative setzen: die algorithmische Prognose und Disposition von Beständen und Lieferketten. Sie liefert anhand von Lagerhaltigkeitsanalysen und Transparenz über alle Lagerbestände einen Status Quo und errechnet auf dieser Basis Vorschläge für konkrete Bestellungen hinsichtlich Artikel, Menge und Zeitpunkt. Konjunkturschwankungen erfordern in so einem Verfahren kein nebenherlaufendes Risiko-Management mehr, sondern fließen in die Berechnungsgrundlage ein und werden von den richtigen, intelligenten Algorithmen erfasst. Damit sind Sicherheitsbestände auch in Krisenzeiten nur so hoch wie nötig, um eine Lieferfähigkeit zu maximieren, ohne Investitionskosten durch die Decke schießen zu lassen.

Peter Frerichs ist Mitglied der Geschäftsleitung des Aachener Optimierungsspezialisten INFORM. (Quelle: INFORM)

 

177 Artikel zu „Lieferkette Logistik“

Datengetriebene Logistik: Weichenstellung in Richtung Normalität

Anzeige

  Die Entwicklungen der vergangenen Monate haben die Störanfälligkeit von Lieferketten in den Blickpunkt gerückt. Ein Großteil resultiert aus mangelnder Sichtbarkeit von Beständen, seien sie im Lager vorrätig oder auf dem Transportweg. Weitere wesentliche Einflussfaktoren liegen typischerweise außerhalb der Reichweite der eigenen Lieferkette eines Unternehmens und fernab von dessen Einflussbereich. Vor diesem Hintergrund wird die…

Volatile Nachfrageentwicklung als Beschleuniger für die digitale Umgestaltung der Lieferkette

Die lokalen Corona-Lockdowns haben die internationalen Wertschöpfungsketten auf eine harte Probe gestellt. Dabei zeigte sich: Unternehmen, die bereits zuvor auf Digitalisierung, Vernetzung ihrer Lieferketten und systematische Datenauswertung gesetzt hatten, gelang es, sich schneller an Nachfrageveränderungen und neue Sicherheitsvorschriften anzupassen. In Unternehmen, die in diesen Bereichen bis dahin noch Defizite aufwiesen, führte der Druck der Krise…

Robuste und widerstandsfähige Lieferketten: So hält Data Analytics die Supply Chain am Laufen

Die rasche Verbreitung von Covid-19 hat viele Lieferketten unter Stress gesetzt. Hamsterkäufe und Produktionsstopps angesichts fehlender Rohstoffe machten es schwer, die Nachfrage der Märkte zu erfüllen. Da viele Branchen von Lieferungen aus anderen Ländern abhängig sind, müssen Entscheidungsträger in der Lage sein, schnell Anpassungen an der Supply Chain vorzunehmen. Dies funktioniert jedoch nur, wenn verlässliche…

Nachhaltigkeit: Braucht es Ethik in der Lieferkette?

Verbraucher interessieren sich zunehmend dafür, wie Produkte hergestellt und transportiert werden und wie sich ihr Konsum auf Umwelt und Gesellschaft auswirkt. Dies ist jedoch nicht nur ein Thema für Konsumgüter, auch die Industrie zieht hier längst nach. Tatsächlich ergab eine OpenText-Umfrage, dass 92 % der produzierenden Unternehmen ihre Corporate-Social-Responsibility-Reputation (CSR) als wichtig für ihren Gesamtauftritt…

Supply Chain Management der Zukunft: Trends und Technologien für die Lieferkette

Wie können Handels- und Logistikverantwortliche ihre SCM-Strategie und SCM-IT an wachsende Markt- und Kundenanforderungen anpassen. Digitaler Wandel, Brexit, veränderte Kundenanforderungen hinsichtlich Geschwindigkeit und Datentransparenz: Die Optimierung ihrer Lieferkette stellt Unternehmen im Jahr 2020 und darüber hinaus vor zahlreiche Herausforderungen. Mehr als drei Viertel der deutschen Unternehmen verfolgen laut Hermes-Studie in diesem Zusammenhang einen systematischen und…

White Paper: Unzureichendes Management von Logistikdaten wirkt sich negativ auf Kundenzufriedenheit aus

Eine neue Studie mit dem Titel »Big Data for the Big Picture« zeigt, dass weniger als die Hälfte der Unternehmen (45 Prozent) das volle Potenzial aus ihren Logistikdaten schöpfen [1]. Schlechtes Datenmanagement wirkt sich dabei direkt auf das Kundenerlebnis aus: 53 Prozent der Unternehmen räumten ein, dass sich unzureichende Technologien negativ auf die Kundenzufriedenheit und…

Logistik-IT: Mensch und Maschine

Alles einfach und aus einer Hand: Lobster und Supply Chain Factory geben auf dem Forum Automobillogistik in Leipzig Kooperation bekannt. Ob Bestellen, Track & Trace, Dokumentenmanagement, Routing oder Gefahrguthandling – Supply Chain Management hat viele Themen. Wer hier mit transparenten Abläufen und optimierten Prozessen arbeitet, kann Logistikkosten senken und von Wettbewerbsvorteilen profitieren. Dank der Kooperation…

Die Lieferkette: Immer öfter im Visier der Cyberkriminellen

Da bei größeren Unternehmen inzwischen das IT-Risikobewusstsein wächst und man strengere Maßnahmen zur Absicherung kritischer Daten und Infrastrukturen trifft, konzentrieren Hacker ihre Aufmerksamkeit immer häufiger auf deren Zulieferer, um ihre Ziele zu erreichen. Gegen diese auf das »schwächste Glied« der Kette abzielende Angriffsstrategie hilft nur eine engere Zusammenarbeit unter den involvierten Unternehmen der gesamten Lieferkette.…

CO2-Preis treibt Innovation in Transport und Logistik

  BPW Geschäftsführer Michael Pfeiffer: Transportbranche kann massiv CO2 sparen. Moderne Trailer-Technologien tragen zum Erreichen der Klimaziele bei. Nachhaltigkeitsbericht jetzt online: BPW senkt CO2-Ausstoß um 60 Prozent.   Die BPW Bergische Achsen KG hat ihren CO2-Ausstoß zwischen 2017 und 2018 um 60 Prozent auf 7.855 Tonnen reduziert. Möglich wurde die drastische Emissionseinsparung im Stammwerk durch…

Customer Experience wichtiger für erfolgreiche Lieferketten als niedrige Kosten

Was sind die Business Driver für Innovations- und Wettbewerbsstärke in der Supply Chain und welche Prioritäten werden von den Entscheidern gesetzt?   Ein Anbieter von Software und Dienstleistungen für die Lieferkette stellt die Ergebnisse seiner zweiten jährlichen Forschungsstudie im Bericht »Focus on Customer Experience« vor [1]. Die Erhebung informiert über aktuelle Trends, Prioritäten und Investitionen…

Logistik muss Digitalisierung weiter beschleunigen

4 von 5 Unternehmen, die Waren transportieren, sehen Digitalisierung als größte Herausforderung in der Logistik. Große Mehrheit sieht Chancen der Digitalisierung – aber nur eine Minderheit setzt bereits auf Künstliche Intelligenz, Blockchain oder 3D-Druck. Arbeitsplatzangebot für qualifizierte Fachkräfte soll steigen. Ob Routenplanung mit Künstlicher Intelligenz, Warentransport mit autonomen Lkw und Drohnen oder Blockchain für eine…

Autonomie: Intralogistik setzt vermehrt auf vernetzte Lagersysteme

Wie kein zweiter Begriff steht Autonomie für das Fortschreiten technologischer Entwicklungen im Kontext der Industrie 4.0. In der Intralogistik gewinnt die Vernetzung von hochautomatisierten Komponenten und autonomen Subsystemen immer mehr an Bedeutung, da die Digitalisierung Prozesse maßgeblich verändert. Heute lassen sich einzelne kleine Teilvorgänge bereits effektiv autonomisieren – größere, strategisch entscheidende Zusammenhänge stellen jedoch noch…

»One Belt, One Road«: Chinas neue Seidenstraße als Chance für die europäische Logistik?

Wie kann die Logistik-Industrie Europas an Chinas Initiative teilhaben? Wachsende Warenströme eröffnen neue Perspektiven. Mit einem Investitionsvolumen von rund einer Billion Euro hat Chinas Megaprojekt »Neue Seidenstraße« die Logistikwelt aufgerüttelt. Zwar gibt es Unsicherheiten, wie sich europäische Firmen in die »One Belt, One Road«-Initiative (OBOR) einbringen und profitieren können. Doch mit der richtigen Strategie bieten…

Goodbye Geoblocking: Welche Vorteile ergeben sich für die Logistik?

Der europäische Warenverkehr wird noch freier als bisher – eine neue Geschäftschance für Logistiker. Für Verbraucher wird es künftig einfacher, außerhalb der eigenen Landesgrenzen online einzukaufen. Der Grund: Noch vor Ende des Jahres tritt das Geoblocking-Verbot der Europäischen Union in Kraft. BluJay Solutions zeigt, welche Chancen sich damit für neue Geschäftsmodelle im Logistikbereich eröffnen. Laut…

Trends im Supply Chain Management: Nur jedes achte Unternehmen verfügt über eine digitalisierte Lieferkette

Die Logistikbranche gilt als Vorreiter der Digitalisierung in Deutschland. Doch das aktuelle Hermes-Barometer offenbart: Nur acht Prozent der befragten Unternehmen verfügen über eine digitalisierte Supply Chain. Im Rahmen der Studie befragte Hermes Germany 200 Logistikentscheider deutscher Unternehmen zum Thema »Trends im Supply Chain Management«. Laut Barometer ist die Digitalisierung der Lieferkette weit weniger fortgeschritten, als…

Start in die kognitive Ära: Die nächste Entwicklungsstufe der Logistik

Die Digitalisierung und die Vernetzung logistischer Prozesse sind längst keine neuen Themen mehr. Und die Entwicklung geht unaufhörlich weiter: Kognitive Systeme besitzen die Fähigkeit, zu lernen, Muster zu erkennen und daraus Handlungsempfehlungen abzuleiten. Aufgrund dessen sind sie in der Lage, die Mitarbeiter im Lager bei Entscheidungen zu unterstützen oder sie bereits im Vorfeld auf wahrscheinlich…

Mobile Telematik per App – Vernetzte Logistik per Smartphone

Lieferschein in Papierform ade! Ob Auftragsdaten, optimierte Routen oder digitale Unterschrift – alle wichtigen Informationen können heute per App automatisch und sicher ausgetauscht werden. Dadurch findet eine Vernetzung entlang der gesamten Lieferkette statt.

Logistik 4.0 im Lager: Hohe Investitionsbereitschaft bei unklarem wirtschaftlichen Nutzen

Das Potenzial von Logistik 4.0 wurde von vielen Unternehmen noch nicht erkannt: So lässt sich das Ergebnis einer Studie von Ehrhardt + Partner Consulting (EPC) zusammenfassen. Die Befragung unter 200 Logistikern aus allen Branchen deckt das Spannungsfeld auf, in dem sich Unternehmen aktuell befinden. Einerseits besteht eine hohe Bereitschaft in neue Technologien zu investieren, um…

Risikomonitoring: Deutsche Unternehmen erkennen Gefahren für Lieferkette nicht

71 Prozent hatten in den letzten zwölf Monaten mindestens eine Unterbrechung in der Lieferkette. 41 Prozent der Unterbrechungen gingen von Sub-Lieferanten-Strukturen aus. 80 Prozent haben keine oder unzureichende Maßnahmenpläne für wichtigste Gefahren.   Deutsche Unternehmen sind auf plötzliche Unterbrechungen in ihrer Lieferkette nur unzureichend vorbereitet. Das ist das Ergebnis der Studie »Supply Chain Risk Management –…

Lieferketten fit für Industrie 4.0? Auf die richtige Software kommt es an!

Der Konkurrenz einen Schritt voraus sein. Kosten und Zeit sparen durch optimal funktionierende Wertschöpfungs- und Lieferketten. Für dieses Ziel hat die Lobster GmbH ihre Supply-Chain-Software Lobster_scm entwickelt. Die Software kann systemübergreifend und innerhalb kürzester Zeit eingesetzt werden; ohne Programmierkenntnisse beim Anwender. Ein Interview mit Rolf Henrich, Geschäftsführer der Lobster SCM GmbH.