Europas Skalierungsdefizit: Regulierung allein ist kein Garant für digitale Weltmarktführerschaft

Nach der kürzlich in Davos gehaltenen Rede von Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen über die Wettbewerbsfähigkeit Europas kommt eine neue Analyse des Vienna Institute for Global Studies (VIGS) zu dem Schluss, dass die größte Herausforderung für Europa nicht in der Gründung von Startups besteht, sondern darin, sie zu globalen Marktführern zu machen.

 

Daten des vom VIGS entwickelten Digital Entrepreneurship Ecosystem (DEE) Index belegen: Europa mangelt es keineswegs an Ideen oder Innovationskraft [1]. Im letzten Jahrzehnt hat Europa enorme Fortschritte bei der Unterstützung von Unternehmen in der Anfangsphase gemacht. Im Vergleich zu den Vereinigten Staaten bleibt Europa jedoch weiterhin hinter den Erwartungen zurück, wenn es darum geht, große digitale Unternehmen hervorzubringen. Selbst digitale Vorreiter innerhalb der EU, wie etwa Dänemark, können beim Thema Skalierung nicht mit dem US-Markt mithalten.

 

Dazu Prof. Dr. Zoltan Acs, Direktor des VIGS: »Selbst die leistungsstärksten EU-Nationen, wie etwa Dänemark, fallen im Bereich der Scaleups deutlich hinter die USA zurück.«

 

Zwar bilden eine solide Regulierung, eine erstklassige digitale Infrastruktur und weitreichende digitale Finanzlösungen ein notwendiges Fundament. Doch der DEE-Index beweist: Diese Basis reicht nicht aus, um global konkurrenzfähige Konzerne zu etablieren. Der größte Engpass in Europa liegt im Übergang vom Startup zum Scaleup.

 

Es mangelt an unternehmerischer Gestaltungskraft mit echter Breitenwirkung. Der Aufbau von Unternehmen mit Milliardenumsatz erfordert erfahrene Gründer – ein konsequent auf Wachstum ausgerichtetes Management und den Zugang zu Risikokapital in der Spätphase. Hinzu kommt der Bedarf an spezialisierten Experten für internationales Marketing und grenzüberschreitende Skalierung. Diese Kompetenzen sind in den meisten europäischen Ökosystemen nach wie vor nur begrenzt vorhanden.

 

Zudem macht der DEE-Index auf eine oft übersehene Chance aufmerksam: die gezielte Rückgewinnung europäischer Gründer, die in den USA bereits bewiesen haben, wie man Unternehmen zur Marktführerschaft führt. Diese Unternehmer verfügen über einschlägige Expertise in Märkten mit extremer Marktdominanz sowie im internationalen Wagniskapital-Sektor. Gezielte Anreize, eine flexible Regulierung und auf Skalierung ausgerichtete Ökosysteme könnten deren Rückkehr begünstigen und die langfristige Wettbewerbsfähigkeit Europas stärken.

Das VIGS zeigt drei konkrete Wege auf, wie der DEE-Index die europäische Wettbewerbsagenda stützen kann. Zunächst ermöglicht er es den politischen Entscheidungsträgern, länderspezifische Engpässe zu identifizieren, anstatt sich auf pauschale Lösungen zu verlassen. Zweitens unterstützt er eine Verlagerung von einer auf Startups ausgerichteten Politik hin zu Scaleup-orientierten Strategien und ist somit eine Ergänzung zu Initiativen wie der EU Inc. Drittens bietet er einen Rahmen zur Überwachung der unternehmerischen Souveränität: Schafft es Europa, eigene digitale Champions zu formen, oder verliert es diese kontinuierlich an andere Märkte?

 

Ein stärker integriertes und berechenbares Europa ist unerlässlich. Doch ohne eine stärkere Fokussierung auf Skalierungsfähigkeiten und unternehmerische Dynamik wird eine rein regulatorische Reform allein nicht ausreichen, um Europas nächste Generation globaler Marktführer hervorzubringen.

 

[1] https://www.vigsinstitute.at/deeindex-global-report/

 

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