Folgenschwerer Einfluss auf die Gesellschaft – Das schleichende Gift

 


Management Summary

  1. Zunehmende Systemverwundbarkeit durch globale Krisen: Naturkatastrophen, Pandemien, geopolitische Konflikte und wirtschaftliche Instabilität wirken heute stärker denn je zusammen und legen die strukturelle Fragilität moderner, digitalisierter Gesellschaften offen.

  2. Klimakrise als übergeordnete Bedrohung: Beschleunigte Erdrotation, schwächer werdender Golfstrom, Algenblüten auf Gletschern und extreme Wetterereignisse verstärken sich gegenseitig und bedrohen kritische Infrastrukturen sowie gesellschaftliche Stabilität.

  3. Politik und Wirtschaft reagieren zu langsam: Trotz früher Warnsignale – etwa Eyjafjallajökull 2010 oder der Corona‑Pandemie – bleiben strukturelle Konsequenzen aus. Kurzfristiges Denken, Symbolpolitik und fehlende Systemperspektiven verschärfen die Lage.

  4. Unternehmen müssen radikal umdenken: Klimaneutrale Arbeitsplätze, reduzierte Prozesse, mutige Innovationen und Investitionen in nachhaltige Wertschöpfung sind zwingend notwendig, um zukünftige Krisen zu überstehen und gesellschaftliche Verantwortung wahrzunehmen.

  5. Zukunftsfähigkeit hängt vom Menschen ab: Technologischer Fortschritt allein reicht nicht aus. Unternehmen müssen ethisch führen, gesellschaftliche Veränderungen antizipieren und den Menschen als wertvollstes Gut in den Mittelpunkt der Transformation stellen.

 


 

Ich erinnere mich noch an einen meiner Vorträge über das evolutionäre Zukunftsgeschehen auf unserem Planeten. Ich sprach über Veränderungen und den »Menschen nach der Industrie«. Wurde ich seinerzeit belächelt, stehen wir heute vor der Frage, wieviel Mensch braucht die Welt oder das Unternehmen der Zukunft; wenn wir sprichwörtlich alles auf eine Karte setzten. Auf die anfälligste Infrastruktur, die die Menschheit jemals entwickelt hat: Digitalisierung.

Naturkatastrophen, Pandemien, auch künftige die durch den Klimawandel ausgelöst werden, Klimakrise, Wirtschaftskrisen, aufkeimende Diktaturen, Insolvenzwellen, von Lobbyisten gesteuerte Symbolpolitik, volkswirtschaftspolitische Umverteilungen, verschuldete Staaten, bröckelnde, nicht zeitgemäße Rechtssysteme, drohende Massenarbeitslosigkeit, schließlich hat niemand vor, menschliche Arbeitsplätze durch KI zu ersetzen, etc. pp.

Bedrohungen gibt es viele; die größte Bedrohungslage aber bleibt das Klima; in dessen Folge weitere Unruhen resultieren werden. Aus heutiger Sicht wird die Herbeiführung einer Wende recht eng werden. Die Erde dreht sich messbar schneller um ihre Achse, was zusätzliche Wetterkapriolen zur Folge haben wird. Der Golfstrom lässt nach, das bedeutet, dass sich das Magnetfeld weiter abschwächen wird und nach heutigem wissenschaftlichem Kenntnisstand eine Polumkehrung nach sich ziehen kann. Gleichwohl werden unsere Generationen dieses Phänomen nicht mehr erleben.

Umweltkatastrophen sorgen heute schon für Unterbrechungen wichtiger Infrastrukturen

Der Ausbruch des isländischen Vulkans Eyjafjallajökull 2010 legte den Flugverkehr in ganz Europa lahm. Eigentlich zeigte sich hier schon die Verletzlichkeit überregionaler Lieferketten. Konsequenzen wurden aber keine gezogen. Diese Fahrlässigkeit in der Ablehnung potenzieller Gefahren hat diese Welt während der Corona-Pandemie mit ihren Folgen eingeholt. Auch hier wurden keine Konsequenzen gezogen.

Auf den Gletschern wachsen vermehrt Blutalgen, die nach heutigem Kenntnisstand um bis zu 13 Prozent Einfluss auf das Rückstrahlvermögen des Sonnenlichts nehmen. Die Absorption also verringert. Diese Schneealgenblüte ist nicht ungewöhnlich aber noch wenig erforscht. Ihr Einfluss auf das Klima nicht eindeutig geklärt. Der Großteil der für die Schmelze verantwortlichen Algen wächst in den Sommermonaten und ist grau. Es handelt sich dabei um mikroskopisch kleine Eisalgen, die auf der Eisoberfläche wachsen und lange übersehen wurden, weil sie mit bloßem Auge nicht zu erkennen sind. Das Phänomen Blutalgen ist aus der Bibel überliefert; z.B.: 2. Mose 7:17-21 »… und es soll in Blut verwandelt werden, …« oder Psalm 78-44 »… da er ihr Wasser in Blut wandelte, dass sie ihre Bäche nicht trinken konnten; …« und Psalm 105-29 »… verwandelte ihre Wasser in Blut und tötete ihre Fische. …«

Das Problem

Besonders in herausfordernden Zeiten beginnt der Mensch zu moralisieren, indem er andere demoralisiert und mit Blick auf alternative Perspektiven von der Politik Szenarien einfordert, die die Probleme lösen sollen, solange sie den eigenen Lebenswandel nicht betreffen. Ein vernünftige Rekalibrierung findet nicht statt.

Vielen Menschen, auch Entscheidungsträgern aus Politik und Wirtschaft, sind die komplexen Zusammenhänge zwischen Naturkatastrophen, Pandemien, Klima, Umwelt, Wirtschaft, Gesundheit, Sicherheit und Gesellschaft nach wie vor nicht bis in die Tiefe bewusst oder es wird schlichtweg verdrängt, weil so das Konzept des bequemeren kurzfristigen Denkens, zumindest symbolisch aufgeht. Die Folgen für weiter fehlgeleite Politik, werden neben den oben angebenen Punkten auch Unruhen bis hin zu sich zwangsläufig über den Globus ausweitenden Kriegen sein.

Unternehmen aller Branchen, vom Solopreneur bis zum Konzern, müssen heute bereit sein, klimaneutrale Arbeitsplätze zu schaffen, ihre einzelnen Abläufe dahingehend zu »reduzieren«, mutig Innovationen voranzutreiben und aktiv in neue Produkte und Prozesse zu investieren.

Gelingt das nicht, vergrößert der künstlich erzeugte Schneeballeffekt die Komplexität des gesamten Problems, wenn es um die Entwicklung von Zukunftsszenarien geht. Deutlich zu beobachten war dieser Effekt während der Coronakrise; aktuell beobachten wir diesen Effekt in den zahlreichen kriegerischen Auseinandersetzungen. Die Kollateralschäden gehen heute schon ins unermessliche mit dramatischen wirtschaftlichen und soziogesellschaftlichen Folgen, die sich gegenwärtig in einer aggressiver werdenden Gesellschaft spiegeln. Überschüssige CO₂-Ausstöße müssen neben allen anderen Treibhausgasen, wie Methangas und Lachgase reduziert werden und zur Energiegewinnung wiederverwendet werden.

Industrienationen müssen sich weltweit auch in Drittländern, umstrukturieren. Der Ausbau von KI und Digitalisierung sind nicht ausreichend. Sie basieren auf enzyklopädischen Algorithmen der Vergangenheit, haben keine Moral, keine Ethik, zahlen weder Steuern noch Einkommen, und helfen nicht in Krisenzeiten. Zudem sind sie Teil einer klimatisch anfälligen Infrastruktur. Ähnlich wie für den Menschen gefährliche Viren oder verschiedene schädliche Treibgase aus Detonationen in den Krisengebieten, kennt auch ein Gas wie CO₂ keine Grenzen.

Bei aller Symbolik aus Politik und Wirtschaft, sollten wir uns ein paar Fragen stellen, auf die es bis heute keine verwertbaren Antworten gibt:

  • Welches Land zahlt für die Klima- und Kriegsschäden?
  • Gibt es einen Lastenausgleich oder kommt jedes Land selbst für Schäden im eigenen Territorium auf?
  • Wie könnte ein Ausgleich zwischen Ländern gestaltet und umgesetzt werden?
  • Wie wird sich die globale Erwärmung auf alle gesellschaftlichen Verhältnisse auswirken?
  • Welche Auswirkung nimmt die globale Erderwärmung auf die Nahrungsmittelsicherheit?
  • Wie wird sich das Konsumverhalten ändern?
  • Wie wirkt sich das wiederum auf den CO₂-Ausstoß aus? 
  • Welche Rolle wird der technologische Fortschritt spielen und führt er zu mehr oder weniger Ausstoß?
  • Wie werden sich Arbeitsplätze verändern? 
  • Was macht der Mensch nach der Industrie? 
  • Von welchen Einnahmen werden Menschen künftig leben?

Antworten und die Schaffung von Langfristperspektiven sind für das Klima, für das Wohlergehen der Menschheit und für ein friedvolles Miteinander von Gesellschaften von fundamentaler Bedeutung. 

Es geht heute schon um das Überleben auf dem Planeten Erde und zunehmend um die Würde, um Respekt, um Akzeptanz und um den Platz in der Gesellschaft jedes Einzelnen. Die Leistungs- und Veränderungsbereitschaft der Menschheit ist abhängig von finanzieller Freiheit und der Anerkennung seines Wertes ohne stetig neue, für viele unerreichbare Hürden. 

Unternehmen und Führungskräfte sind gut beraten, ihr Business ethisch und moralisch verantwortungsvoll in eine neue Ära des Seins, die von Unsicherheiten und Turbulenzen geprägt sein wird, zu führen, und dabei das wertvollste »Gut« auf dieser Reise ins nächste Jahrhundert mitzunehmen: den Menschen.

 


Gabi Claudia Stratmann ist Business‑Philosophin, Gesellschaftstheoretikerin und Autorin und verbindet analytisches Denken mit einem tiefen Verständnis für wirtschaftliche und gesellschaftliche Transformationsprozesse. Sie beschäftigt sich mit den Wechselwirkungen zwischen Technologie, Organisation und Kultur und entwickelt Denkmodelle, die Unternehmen helfen, Wandel strategisch und menschlich zugleich zu gestalten. Als Autorin und Impulsgeberin steht sie für klare Perspektiven, kritische Reflexion und eine moderne, werteorientierte Sicht auf Führung und Zukunftsgestaltung.

 

Illustrationen: © Nurul Anwar | Dreamstime.com

 

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