Covid-19: Bringt die neue Arbeitskultur mehr Frauen in die IT?

Der Mangel an Frauen in der IT ist nach wie vor eine große Herausforderung für die gesamte Branche. Können die jüngsten Veränderungen in der Arbeitskultur Unternehmen helfen, den Fachkräftemangel zu überwinden – und mehr Frauen in die IT-Branche bringen?

Illustration: Absmeier, Googlerankfaster

 

Der Mangel an Fachkräften im IT-Bereich ist seit Jahren ein ernstes Problem. Insbesondere kleinere Unternehmen in eher ländlichen Regionen haben oft Schwierigkeiten qualifizierte Mitarbeiter für die Besetzung offener Stellen zu finden. Dies beeinträchtigt nicht nur das Tagesgeschäft, sondern hindert Unternehmen auch daran, wichtige Projekte für die digitale Transformation umzusetzen. Mehr Frauen in der IT-Branche könnten die Lösung des Problems für eine Branche sein, die nach neuen Talenten lechzt. Die aktuelle Pandemie könnte eine Gelegenheit bieten, einen Wandel einzuleiten.

 

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Pandemie bietet Chancen für einen Wandel

Nationale Lockdowns und Social Distancing haben viele Arbeitskräfte in das Home Office getrieben und berufstätige Eltern zu Teilzeitlehrern gemacht. Was einst im professionellen Umfeld als undenkbar galt, wird heute als menschlich akzeptiert: Der Postbote klingelt während des Zoom-Meetings an der Tür, Kinder tauchen am Schreibtisch auf und fordern Aufmerksamkeit, und Katzen finden den Weg vor die Web-Kamera.

Es ist sehr wahrscheinlich, dass das Home Office auch nach der Coronakrise deutlich häufiger genutzt werden wird als vorher. Dies könnte nicht nur die Work-Life-Balance der Mitarbeiter verbessern, sondern auch dazu beitragen, zwei wichtige Probleme in der IT zu beseitigen: den Mangel an Fachkräften und die Erhöhung des Frauenanteils in der Branche.

Ein spezifischer Blick auf die Cybersicherheit – eine der wichtigsten Wachstumsbranchen der IT – unterstreicht die Tiefe des Problems, aber auch die potenziellen Chancen für alle Beteiligten. Zwar liegt nach neuen Untersuchungen von ISC2 (The International Information System Security Certification Consortium) der weltweite Arbeitskräftemangel im Bereich der Cybersicherheit im Jahr 2020 bei 3,12 Millionen Beschäftigten – ein Rückgang von über vier Millionen Beschäftigten gegenüber dem Vorjahr. Trotzdem ist das noch eine riesige Anzahl und eine anhaltende Quelle von Schwierigkeiten für Organisationen, die händeringend nach Mitarbeitenden suchen.

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Der Wert unterschiedlicher Talente

Wie viele andere Industriezweige, müsste auch die Cybersicherheit mehr Frauen auf allen Ebenen einstellen. Angefangen bei den Frauen, die ganz am Anfang ihrer Karriere stehen, bis hin zu etablierteren, erfahrenen Fachkräften. Ein Haupthindernis für viele Frauen, Karriere zu machen ist es jedoch, nach einer längeren Pause in den Beruf zurückzukehren. Grund dafür ist meist die fehlende Flexibilität der Arbeitgeber: Nach dem Mutterschaftsurlaub haben Mütter faktisch zwei Vollzeitarbeitsplätze – einen im Job und einen zu Hause. Teilzeitarbeit ist jedoch in der IT- und Sicherheitsbranche eher eine Seltenheit, und bisher war es in vielen Betrieben verpönt, von zu Hause aus zu arbeiten. Und während der Mutterschaftsurlaub nicht der einzige Grund für eine berufliche Auszeit ist, hat die Industrie heute sehr wohl die Möglichkeit, Technologie und gezielte Programme zu nutzen, um Fachkräften zu helfen, wieder ins Berufsleben zurückzukehren oder sich neu zu integrieren.

 

Programme zur Rückkehr an den Arbeitsplatz sind selten

Diese Programme zur Rückkehr an den Arbeitsplatz sind zwar nicht neu, aber immer noch selten. Ursprünglich wurden sie von größeren Organisationen ins Leben gerufen, um Frauen nach der Geburt eines Babys den Weg zur Rückkehr an den Arbeitsplatz zu ebnen. Heute werden sie jedoch oft nach einer längeren Pause für ein breiteres Spektrum von Situationen auf alle Frauen ausgeweitet. Um qualifizierte Frauen anzuwerben, haben einige größere Unternehmen damit begonnen, umfassendere Programme zur Unterstützung anzubieten, in denen sie feste Stellen mit Teilzeit oder flexiblen Arbeitszeiten ausschreiben.

Diese Initiativen kombinieren in der Regel flexible Arbeitszeiten mit Schulungen, Mentorschaften, Gemeinschaften innerhalb einer Organisation und anderer Unterstützung. Auch kleinere Unternehmen können sich stärker bewusst machen, dass die Integration von Frauen in das Unternehmen von Vorteil sein und die Qualifikationslücke bei erfahrenen Mitarbeitern schließen kann. Dies kann für Arbeitgeber enorme Vorteile bringen. Denn viele Fachkräfte verfügen bereits über Fähigkeiten, die sie für neue Aufgaben interessant machen. Es gibt zum Beispiel einen wachsenden Trend, dass Fachkräfte aus der allgemeinen IT in die Cybersecurity wechseln. Personen mit Erfahrung in Helpdesk-Rollen sind ein gutes Beispiel: Die kreative und hilfsbereite Denkweise, die in diesen Fällen gut funktioniert, sowie das IT-Wissen, das sie mitbringen, bietet eine ideale Grundlage für eine Karriere in der IT-Security. Es obliegt der Branche, dafür zu sorgen, dass diese Möglichkeiten allen gleichermaßen geboten werden, unabhängig vom Geschlecht und der Station ihres Karrierewegs.

 

Automatisierung ist ein wichtiger Wachstumsbereich

In ähnlicher Weise entwickelt sich die Automatisierung der IT-Security zu einem wichtigen Wachstumsbereich in der Branche. Sie hilft Fachleuten, sich leichter mit den alltäglichen Aspekten ihrer Arbeit auseinanderzusetzen und unterstützt sie dabei, priorisierte Aufgaben zu erledigen. Dies wird spezifische Jobs für die »Sicherheitsautomatisierung« eröffnen, die sich nicht so sehr auf das technische Know-how konzentrieren, sondern stattdessen logische Denkprozesse erfordern, um zu verstehen, was auf einer höheren Ebene geschieht. Diese Rollen könnten ideal für Frauen geeignet sein, die funktionsübergreifende Fähigkeiten aus früheren Rollen nutzen können.

 

Die Welt wird zum Talentpool

Da Fernarbeit in den meisten Organisationen wahrscheinlich eine Option bleiben wird und vielerorts langfristig die »neue Normalität« ist, haben leitende Manager und Personalabteilungen jetzt eine sehr gute Gelegenheit, ihre Belegschaft zu diversifizieren, indem sie Talente aus der ganzen Welt rekrutieren. Dies kann Vorteile bieten, da vielfältige Teams Kreativität und neue Perspektiven in Branchen wie der Cybersicherheit einbringen können. Außerdem verfügen Frauen in der Regel über einen hohen emotionalen IQ und ein hohes Maß an Einfühlungsvermögen, was die Zusammenarbeit im Team fördern kann. Studien haben bereits gezeigt, dass vielfältige Teams in 87 Prozent der Fälle bessere Entscheidungen treffen.

Trotz der enormen Herausforderungen, die Covid-19 mit sich bringt, könnte der Impuls, den es hinter Arbeitskulturen mit einer besseren Ausgewogenheit, größerer Flexibilität und mehr Einfühlungsvermögen ausgelöst hat, durchaus einen willkommenen zusätzlichen Impuls für Frauen im IT-Bereich bieten. Und das sowohl im Allgemeinen als auch in der Cybersicherheit im Besonderen. Diejenigen Organisationen, die jetzt handeln, um die Gleichstellung in der Cybersicherheit und in der IT-Branche aufzubauen und aufrechtzuerhalten, werden zukünftig viel besser in der Lage sein, dem Fachkräftemangel zu trotzen.

 

Samantha Humphries, Senior Security Strategist bei Exabeam

 

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