ErP: Was sich jetzt für OEMs, Anlagenbauer und Betreiber ändert

Illustration Absmeier foto magnific

Verschärfte Effizienzanforderungen, klare Systemgrenzen und neue Herstellerpflichten.

 

Mit der ErP 2026 verschärft die Europäische Union ab Juli die Anforderungen an Ventilatoren deutlich. Neue Effizienzgrenzen, veränderte Bewertungsmethoden und erweiterte Dokumentationspflichten betreffen nicht nur Ventilatorhersteller, sondern auch OEMs, Anlagenbauer und Betreiber. ebm‑papst informiert über die wichtigsten Änderungen und zeigt, worauf sich Anwender jetzt einstellen sollten.

 

Höhere Effizienzanforderungen – vor allem unter Teillast

Die neue Ventilatorenverordnung hebt die Mindestwirkungsgrade spürbar an und bewertet die Effizienz weiterhin über den Fan Efficiency Grade (FEG), jedoch auf Basis aktualisierter Messbedingungen. Neu ist der stärkere Fokus auf das Teillastverhalten. Damit rückt nicht mehr allein der Bestpunkt in den Mittelpunkt, sondern das gesamte Wirkungsgradniveau über den realen Betriebsbereich.

 

Der vollständige Ventilator rückt in den Fokus

Erstmals definiert die Verordnung eindeutig, wann ein Ventilator als vollständig gilt. Entscheidend ist das Zusammenspiel von Laufrad, Motor und Stator. Wer unvollständige Ventilatoren vervollständigt oder in eigene Systeme integriert und unter eigenem Namen in Verkehr bringt, gilt regulatorisch als Hersteller – mit allen Pflichten zur Konformitätsbewertung und CE‑Kennzeichnung.

 

Neue Pflichten bei Information, Dokumentation und Reparatur

Mit ErP 2026 steigen die Anforderungen auch an die Transparenz deutlich. Hersteller müssen künftig umfangreiche Informationen zum Effizienzverhalten, zur Reparierbarkeit und zur Demontage bereitstellen. Zudem sind definierte Ersatzteile bis zu zehn Jahre nach Produktabkündigung verfügbar zu halten, während Produktinformationen bis zu 20 Jahre digital vorzuhalten sind.

 

Übergangsfristen rechtzeitig berücksichtigen

Die Verordnung gilt ab dem 24. Juli 2026 für sogenannte Stand‑alone‑Ventilatoren und Neuprodukte. Für Ventilatoren, die in anderen Produkten oder Anwendungen – wie Lüftungsgeräten, Wärmepumpen oder Kälteanlagen – integriert werden und vor diesem Datum bereits vermarktet werden, greifen die Anforderungen ab dem 24. Juli 2027. Ersatzventilatoren unterliegen ab 2027 klaren Einschränkungen und dürfen nur noch unter definierten Bedingungen eingesetzt werden.

 

Unterstützung aus einer Hand

ebm‑papst bereitet sein Portfolio schon seit Jahren gezielt auf die Anforderungen der ErP 2026 vor. Vollständig ausgelegte Ventilatoren, systembezogene Effizienzbewertungen und transparente Dokumentation erleichtern Kunden die sichere Umstellung. Zusätzlich unterstützt ebm‑papst mit Beratung, Messungen und digitalen Auslegungstools dabei, frühzeitig konforme Lösungen umzusetzen.

 

 

Bild 1: Die Mindestwirkungsgrade für Axialventilatoren wurden seit 2013 schrittweise angehoben. Ab 2026 gilt ein Minimum Fan Efficiency Grade von 50 Prozent – maßgeblich ist der statische Gesamtwirkungsgrad am Bestpunkt. (Pe = elektrische Eingangsleistung; ηmin = Mindestventilatoreffizienz; ηse = statischer Gesamtwirkungsgrad; BEP = Bestpunkt)

 

Bild 2: Auch für Radialventilatoren mit rückwärtsgekrümmten Schaufeln steigen die Anforderungen weiter. Ab 2026 liegt der geforderte Minimum Fan Efficiency Grade bei 64 Prozent und setzt damit einen neuen Effizienzmaßstab. (Pe = elektrische Eingangsleistung; ηmin = Mindestventilatoreffizienz; ηse = statischer Gesamtwirkungsgrad; BEP = Bestpunkt)

 

Bild 3: Die zentralen Funktionsbereiche des Ventilators in Axial- (links) und Radialventilatoren (rechts): das Laufrad als aerodynamisches Herzstück (grün), der Motor mit integrierter Elektronik als Antriebseinheit (orange) sowie der Stator, das heißt die luftführenden und tragenden Strukturen (blau).

 

 

Was ist die ErP 2026?

Kurz gesagt: »ErP 2026« bezeichnet die neuen, ab 2026 wirksam werdenden Pflichten aus der EU‑Ökodesign‑Verordnung (EU) 2024/1781*, insbesondere das Vernichtungsverbot für unverkaufte Produkte, neue Mindestanforderungen an Nachhaltigkeit sowie die Einführung des digitalen Produktpasses.

Was bedeutet »ErP 2026« konkret?

Der Begriff taucht häufig in Industrie‑, IT‑ und Handelskontexten auf und bezieht sich auf die Ecodesign for Sustainable Products Regulation (ESPR), die seit 18. Juli 2024 gilt und ab 2026 mehrere neue Pflichten scharf stellt.

  1. Neuer Rechtsrahmen für Produkte in der EU

Die Verordnung ersetzt die alte ErP‑Richtlinie 2009/125/EG und erweitert den Geltungsbereich massiv:

  • Gilt für fast alle physischen Produkte, nicht mehr nur energieverbrauchsrelevante Geräte.
  • Erfasst auch Bauteile und Zwischenprodukte.
  1. Neue Ökodesign‑Anforderungen

Künftig müssen Produkte u. a. folgende Kriterien erfüllen:

  • Energieeffizienz (weiterhin Pflicht)
  • Ressourcen- und Materialeffizienz
  • Haltbarkeit, Reparierbarkeit, Recyclingfähigkeit
  • Schadstoffreduktion
  1. Digitaler Produktpass (DPP)

Ab 2026 beginnt die verpflichtende Einführung des Digital Product Passport, der u. a. enthalten muss:

  • Materialzusammensetzung
  • Energieeffizienz
  • Reparaturinformationen
  • Recyclinganteile
  1. Vernichtungsverbot ab 19. Juli 2026

Ein zentrales Element der »ErP 2026« ist das Verbot der Vernichtung unverkaufter Verbraucherprodukte, zunächst für:

  • Kleidung
  • Kopfbedeckungen
  • Schuhe Weitere Produktgruppen können folgen.
  1. Delegierte Rechtsakte ab 2025/2026

Die konkreten technischen Anforderungen für einzelne Produktgruppen werden über delegierte Rechtsakte festgelegt.

  • Erste Rechtsakte: Ende 2025
  • Anwendung in der Praxis: ab 2026

Was bedeutet das für Unternehmen (ab 2026)?

Pflicht wird u. a.:

  • Nachweis nachhaltiger Produktgestaltung
  • Bereitstellung eines digitalen Produktpasses
  • Verbot der Vernichtung bestimmter unverkaufter Waren
  • Vorbereitung auf strengere Reparierbarkeits‑ und Recyclingvorgaben
  • Anpassung der Lieferketten‑ und Produktdatenprozesse

Fazit

»ErP 2026« ist kein offizieller Rechtsbegriff, sondern eine Kurzform für die ab 2026 wirksamen Teile der neuen EU‑Ökodesign‑Verordnung. Sie markiert einen Paradigmenwechsel: weg von reiner Energieeffizienz, hin zu vollständiger Nachhaltigkeit über den gesamten Produktlebenszyklus.

Albert Absmeier & KI

 

 

3297 Artikel zu „Nachhaltigkeit „

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