KI-Betrug setzt Banken unter Druck – Verbraucher akzeptieren strengere Kontrollen

Illustration Absmeier foto ki designer

Management Summary

  • Sicherheit schlägt Geschwindigkeit: 78 Prozent der Befragten akzeptieren langsamere Identitätsprüfungen, wenn diese das Betrugsrisiko deutlich reduzieren.
  • Transparenz wird zum Erfolgsfaktor: 62 Prozent erwarten eine Erklärung für zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen; in Deutschland sind es 71 Prozent.
  • Junge Erwachsene stehen besonders im Fokus: 30 Prozent der 18- bis 24-Jährigen berichten von mutmaßlich KI-generierten Betrugsversuchen.
  • Vertrauen und Geduld sind nicht dasselbe: Die Länderdaten zeigen, dass hohes Bankenvertrauen nicht automatisch mit höherer Akzeptanz zusätzlicher Prüfungen einhergeht.
  • Management-Aufgabe: Finanzdienstleister sollten risikobasierte Kontrollen mit klarer Nutzerkommunikation, messbarer Qualität und laufender Anpassung an neue Betrugsmuster verbinden.

 

Mehr Sicherheit darf Zeit kosten – aber sie muss nachvollziehbar sein. Der »Fraud and Authentication Report 2026« von Fourthline zeigt, dass europäische Verbraucher gründlichere Identitätsprüfungen mehrheitlich akzeptieren. Für Banken und Fintechs entsteht daraus ein klarer Auftrag: Sicherheitsmaßnahmen nicht nur technisch zu verbessern, sondern ihren Zweck verständlich zu erklären und besonders gefährdete Zielgruppen gezielt anzusprechen.

 

Fourthline, europäischer Anbieter für Identitätsverifizierung, veröffentlicht die Ergebnisse seines »Fraud and Authentication Report 2026«. Die jährlich erscheinende Studie untersucht, wie Verbraucher in Europa Betrug erleben, wie groß ihr Vertrauen in Banken ist und welche Erwartungen sie an Identitätsprüfungen stellen.

Betrugsschäden steigen, Kriminelle setzen zunehmend KI ein und in der EU wird weiter über Authentifizierungsstandards debattiert. Vor diesem Hintergrund zeigt der Report, wie Verbraucher angesichts technologischer Entwicklungen und wachsender Sicherheitsanforderungen im Finanzsektor Identitätsprüfungen wahrnehmen und welche Erwartungen sie damit verbinden.

Die wichtigsten Ergebnisse:

  • Die Mehrheit bevorzugt Gründlichkeit gegenüber Schnelligkeit: 78 Prozent der Befragten würden einen langsameren, dafür gründlicheren Verifizierungsprozess akzeptieren, wenn sich dadurch das Betrugsrisiko deutlich reduzieren ließe. Diese Präferenz zeigt sich in allen untersuchten Märkten (72 bis 80 Prozent) und Altersgruppen (74 bis 79 Prozent).
  • Akzeptanz setzt Erklärung voraus – nicht blindes Vertrauen: 62 Prozent erwarten von ihrer Bank eine Erklärung, warum zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen notwendig sind, bevor sie diese akzeptieren – in Deutschland liegt der Anteil sogar bei 71 Prozent.
  • KI-generierte Betrugsversuche treffen vor allem Junge: 30 Prozent der jungen Erwachsenen zwischen 18 und 24 Jahren waren bereits Ziel eines mutmaßlich KI-generierten Betrugsversuchs. Damit liegt der Anteil fast viermal so hoch wie bei Personen über 55 Jahren (8 Prozent). Rund die Hälfte dieser Fälle ereignete sich allein innerhalb der vergangenen zwölf Monate. Trotzdem akzeptieren die Jüngsten langsamere Prüfungen am seltensten (74 Prozent), die Älteren am häufigsten (79 Prozent).
  • Hohes Vertrauen in Banken bedeutet nicht automatisch mehr Geduld bei Sicherheitsprüfungen: Großbritannien weist mit 83 Prozent das höchste Vertrauen in Banken hinsichtlich der sicheren Verwaltung von Geld auf, gleichzeitig aber mit 72 Prozent die geringste Bereitschaft, langsamere Prüfprozesse zu akzeptieren. In den Niederlanden zeigt sich das umgekehrte Bild: Dort ist das Vertrauen in Banken mit 64 Prozent am niedrigsten, während die Akzeptanz langsamerer Prüfungen mit 80 Prozent am höchsten ist.

 

Deutsche Kunden erwarten Erklärungen für neue Sicherheitsmaßnahmen

Deutsche Verbraucher wollen verstehen, bevor sie zustimmen. 71 Prozent erwarten von ihrer Bank eine Erklärung für zusätzliche Sicherheitsschritte – neun Prozentpunkte mehr als im europäischen Durchschnitt. Beim Vertrauen sind die Deutschen gespalten. Ein Drittel gibt der eigenen Bank die Höchstnote, vertraut ihr also vollständig. Insgesamt liegt das Vertrauen mit 68 Prozent aber auf dem zweitniedrigsten Wert in Europa, nur die Niederlande liegen darunter.

 

Tipps für Banken und Fintechs

  • Reibung risikobasiert steuern: Zusätzliche Prüfungen dort einsetzen, wo Transaktion, Gerät, Verhalten oder Identitätsmerkmale ein erhöhtes Risiko anzeigen.
  • Den Zweck erklären: Direkt am Prüfschritt kurz und verständlich erläutern, warum eine Kontrolle erforderlich ist, welche Daten verarbeitet werden und wie lange der Vorgang voraussichtlich dauert.
  • Manipulation von Zahlenden adressieren: Neben Kontoübernahmen auch Betrugsszenarien berücksichtigen, in denen Kunden selbst zur Freigabe einer betrügerischen Zahlung bewegt werden.
  • Junge Zielgruppen gezielt sensibilisieren: Warnhinweise und Lernformate an mobile Nutzung, soziale Netzwerke, Voice-Cloning und Deepfakes anpassen.
  • Wirksamkeit messen: Erfolgsquoten, Abbruchraten, Fehlalarme, Bearbeitungszeiten und nachgelagerte Betrugsfälle gemeinsam auswerten.
  • Ausnahmen regelmäßig prüfen: Komfortregeln und SCA-Ausnahmen auf veränderte Angriffsmuster untersuchen und bei Bedarf nachschärfen.

 

FAQ: Identitätsprüfung, Authentifizierung und KI-Betrug

  1. Was ist die zentrale Aussage des Fourthline-Reports 2026?
    Die Mehrheit der Befragten priorisiert Sicherheit gegenüber maximaler Geschwindigkeit: 78 Prozent würden einen langsameren, gründlicheren Verifizierungsprozess akzeptieren, wenn er das Betrugsrisiko deutlich senkt. Die Aussage beschreibt eine Verbraucherpräferenz, nicht den Nachweis der Wirksamkeit eines bestimmten Verfahrens. [1]
  2. Wie belastbar sind die Ergebnisse?
    Opinium befragte 6.000 Erwachsene in sechs europäischen Ländern, jeweils 1.000 pro Markt. Die Stichproben wurden nach Alter und Geschlecht gewichtet. Aussagekräftig sind damit vor allem Einstellungen der Befragten; tatsächliche Betrugsquoten oder die technische Qualität einzelner Prüfverfahren wurden nicht gemessen. [1]
  3. Warum ist die Erklärung zusätzlicher Sicherheitsmaßnahmen so wichtig?
    62 Prozent der Befragten erwarten eine Begründung, bevor sie zusätzliche Schritte akzeptieren; in Deutschland sind es 71 Prozent. Klare Hinweise können den Zweck des Prüfschritts, die verarbeiteten Daten und den erwarteten Zeitaufwand transparent machen. [1]
  4. Sind jüngere Nutzer stärker von KI-Betrug betroffen?
    Im Fourthline-Survey gaben 30 Prozent der 18- bis 24-Jährigen an, bereits Ziel eines mutmaßlich KI-generierten Betrugsversuchs gewesen zu sein; bei den über 55-Jährigen waren es 8 Prozent. Es handelt sich um Selbstauskünfte und Verdachtsfälle, nicht um forensisch bestätigte Vorfälle. [1]
  5. Was bedeutet starke Kundenauthentifizierung (SCA)?
    SCA verlangt grundsätzlich mindestens zwei voneinander unabhängige Faktoren aus den Kategorien Wissen, Besitz und Inhärenz. Sie wurde im europäischen Zahlungsverkehr durch PSD2 und zugehörige technische Standards verankert. [2]
  6. Hilft SCA gegen Zahlungsbetrug?
    Der gemeinsame Bericht von EBA und EZB stellt für 2024 fest, dass SCA besonders bei Kartenzahlungen weiterhin wirksam ist. Zugleich verlagern sich Angriffe auf Ausnahmen und auf die Manipulation legitimer Nutzer, die betrügerische Zahlungen selbst autorisieren. [2]
  7. Wie groß ist der Zahlungsbetrug im Europäischen Wirtschaftsraum?
    Laut EBA und EZB stieg der Gesamtwert gemeldeter Betrugsfälle von 3,5 Milliarden Euro im Jahr 2023 auf 4,2 Milliarden Euro im Jahr 2024. Die Betrugsquote blieb wertmäßig bei rund 0,002 Prozent aller Transaktionen. [2]
  8. Warum reichen möglichst reibungslose Prozesse allein nicht aus?
    Weniger Schritte können die Nutzung erleichtern, doch das Risiko unterscheidet sich je nach Vorgang. Ein risikobasierter Ansatz kombiniert einfache Abläufe bei niedrigem Risiko mit zusätzlichen Kontrollen bei auffälligen Signalen. Die Fourthline-Daten zeigen zugleich, dass erklärte Reibung eher akzeptiert wird als unbegründete. [1]
  9. Welche Rolle spielen Deepfakes bei Identitätsbetrug?
    Deepfakes können Bild, Video oder Stimme glaubwürdig imitieren und damit Identitätsprüfungen, Support-Prozesse oder Freigaben angreifen. Europol nennt unter anderem CEO-Betrug und manipulierte Beweise als mögliche kriminelle Einsatzfelder und empfiehlt Investitionen in Erkennung und Prävention. [3]
  10. Welche Kennzahlen sollte das Management verfolgen?
    Neben Betrugsverlusten sind Erkennungsquote, Fehlalarmrate, Abbruchquote, manuelle Prüfzeit, Beschwerdevolumen und die Erfolgsquote einzelner Authentifizierungswege relevant. Erst die gemeinsame Betrachtung von Risiko, Aufwand und Kundenerlebnis zeigt, ob ein Kontrollsystem ausgewogen arbeitet.
Quellen
[1] Opinium Research befragte im Auftrag von Fourthline und Cognito insgesamt 6.000 Erwachsene ab 18 Jahren. Die Untersuchung umfasst jeweils 1.000 national repräsentativ ausgewählte Befragte aus Großbritannien, Frankreich, Deutschland, Spanien, Italien und den Niederlanden. Die Befragung fand vom 24. bis 31. August 2026 statt. Die Ergebnisse wurden nach Alter und Geschlecht gewichtet, um eine nationale Repräsentativität sicherzustellen.
Fourthline: European consumers choose safety over speed, new Fourthline research reveals, 1. Oktober 2026: https://www.fourthline.com/news/european-consumers-choose-safety-over-speed-new-fourthline-research-reveals
[2] European Banking Authority: Joint EBA-ECB report on payment fraud: strong authentication remains effective but fraudsters are adapting, 15. Dezember 2025: https://www.eba.europa.eu/publications-and-media/press-releases/joint-eba-ecb-report-payment-fraud-strong-authentication-remains-effective-fraudsters-are-adapting
[3] Europol: Facing reality? Law enforcement and the challenge of deepfakes, aktualisierte Fassung vom 12. März 2024: https://www.europol.europa.eu/publications-events/publications/facing-reality-law-enforcement-and-challenge-of-deepfakes
Management Summary, FAQ und Bild wurden mit Hilfe von KI erstellt

 

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