Netflix Cloud und die Abhängigkeit von Amazon

Die IT-Strategie eines Unternehmens ist für dessen Zukunft ein entscheidender Maßstab, so natürlich erst recht bei dem Konzern Netflix, ein direkter Konkurrent von Amazon. Beide wildern im gleichen Markt, dennoch ist Netflix von seine IT-Infrastruktur von Amazon maßgeblich abhängig.

Das Unternehmen wurde bereits 1997 gegründet, zunächst waren die Filme auf DVD im Postversand zum Ausleihen erhältlich. 2007 wurde bereits die 1.000.000.000-te DVD verliehen, kurz darauf folgten die ersten Schritte zum Video-Streaming. Dafür brauchte es natürlich die richtige Infrastruktur, die zu damaligen Zeiten kaum vorhanden war.

Netflix und Amazon S3

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So kam es ausgerechnet dazu, dass Netflix eine Geschäftspartnerschaft mit der E-Commerce-Firma Amazon einging und dort die Server-Infrastruktur anmietete. Durch den Amazon-Simple-Storage-Service (S3) konnte Netflix seine Daten im Cloud-Server hochladen. Der Konzern, der immer mal wieder kurz vor der Pleite stand, fand damals, das Amazon der beste Partner sei und vermied eigene Investitionen. Finanziell wäre ohnehin keine eigene Infrastruktur möglich gewesen.

Mittlerweile ist Netflix mit Amazon Marktführer bei Video-on-Demand. Mit über 195 Millionen Abonnenten weltweit (60 Prozent davon in den USA), ist es in 190 Ländern vertreten.

Die Netflix Cloud

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Nach wie vor verwendet der Konzern den Amazon Web Service (AWS), wo die meisten Ressourcen implementiert sind. Dabei hat Netflix im Laufe der Jahre ein komplexes API-System entwickelt und sich für eine Öffnung der Technologie entschieden, damit auch andere davon profitieren können. Dennoch ist der Streaming-Dienst nach wie vor in hohem Maß von Amazon abhängig, von einem direkten Konkurrenten. Nur wenige Anbieter vermögen, eine solche Infrastruktur zu stellen: Amazon, Google, Microsoft.

2017 zeigte sich, wir problematisch das sein kann. Anfang des Jahrs 2017 gab es einen Ausfall, der mehrere Dienste, auch Netflix für Stunden lähmte. Es zeigte, wie anfällig Cloud-Systeme sind. Nicht nur bei Amazon. Bei Google gab es 2015 einen enormen Datenverlust, nachdem ein Blitz mehrmals in das belgische Datenzentrum einschlug. Bei Netflix kommt hinzu, dass die Infrastruktur direkt auf einen ihrer Konkurrenten ausgelagert wurde. Ein Faux-Pas, der sich durchaus irgendwann rächen könnte.

Netflix im Boom – Aber mit großen Abhängigkeiten

Seit 2017 nutzt Netflix mehr als 1000 Amazon Kinesis Shards parallel um Milliarden von Traffic zu leiten. 190 Millionen Abonnenten und viele Serien, die zum Erfolg wurden. Breaking Bad, Pretty Little Liars oder zum Beispiel Tiger King. Letzterer ist so erfolgreich, dass es bereits Wetten auf den Tigerkönig bei Buchmachern gibt.

Allerdings ist die Verschuldung enorm und steigt seit Jahren an. Es gibt nur ein Geschäftsmodell, im Gegensatz zu Amazon, ein Konzern, der seinen Erfolg auf mehrere Modelle stemmt und dadurch sehr unterschiedliche Einnahmequellen aufweist. Bei Netflix ist das nicht gegeben. Zwei oder drei Misserfolge bei neuen Serien, könnten den Konzern aus Los Gatos, Kalifornien, schnell in Bedrängnis bringen. Hinzu kommt die Abhängigkeit in der Infrastruktur. Netflix bleibt damit auch in Zukunft ein möglicher Übernahmekandidat.

 

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