
Illustration Absmeier foto ki designer
Künstliche Intelligenz ist in der deutschen Wirtschaft vom Pilotprojekt zum strategischen Faktor geworden. 57 Prozent der Unternehmen setzen KI bereits ein, doch die meisten schöpfen ihr Potenzial kaum aus. Für das Management rücken damit nicht nur Effizienz und neue Geschäftsmodelle in den Mittelpunkt, sondern auch Datenqualität, Integration, Kompetenzen und regulatorische Sicherheit.
Management Summary
- KI erreicht die Breite: 57 Prozent der Unternehmen nutzen KI; weitere 38 Prozent planen oder diskutieren den Einsatz.
- Wirkung ist messbar: 66 Prozent der Anwender verbessern ihre Wettbewerbsposition, 48 Prozent beschleunigen Prozesse und 45 Prozent sehen einen messbaren Erfolgsbeitrag.
- Das Potenzial bleibt weitgehend ungenutzt: 87 Prozent der KI-Anwender schöpfen die Möglichkeiten nach eigener Einschätzung wenig oder überhaupt nicht aus.
- Die eigentlichen Investitionen liegen hinter dem Modell: Infrastruktur, Datenaufbereitung und Systemintegration verursachen häufiger hohe Kosten als Softwarelizenzen.
- Governance wird zur Managementaufgabe: Datenschutz, rechtliche Unsicherheit, fehlendes Know-how und der AI Act verlangen klare Zuständigkeiten, Qualifizierung und belastbare Regeln – besonders mit Blick auf KI-Agenten.
Erstmals nutzt die Mehrheit der Unternehmen KI
- 57 Prozent setzen künstliche Intelligenz ein – fast dreimal so viele wie vor zwei Jahren
- 9 von 10 sehen sich bei KI erst am Anfang
- Wer KI nutzt, wird meist wettbewerbsfähiger
- Jedes dritte Unternehmen sieht durch KI die eigene Existenz bedroht
Künstliche Intelligenz hat in Deutschland erstmals die Mehrheit der Unternehmen erreicht: Erstmals setzt mit 57 Prozent der Großteil der Unternehmen KI ein. Vor einem Jahr waren es erst 36 Prozent, vor zwei Jahren gerade einmal 20 Prozent. Weitere 38 Prozent planen oder diskutieren aktuell den Einsatz. Nur noch 4 Prozent sagen, KI sei für sie kein Thema, nach 17 Prozent im Vorjahr und 41 Prozent vor zwei Jahren. Das sind Ergebnisse einer repräsentativen Befragung von 603 Unternehmen ab 20 Beschäftigten im Auftrag des Digitalverbands Bitkom [1]. Zugleich sehen sich die meisten Unternehmen bei KI noch ganz am Anfang. Kein Unternehmen, das KI im Einsatz hat, gibt an, das Potenzial von KI vollständig zu nutzen, gerade einmal 3 Prozent meinen, dass sie das Potenzial eher stark ausnutzen. 28 Prozent schöpfen hingegen die Möglichkeiten von KI nach eigener Einschätzung wenig aus, 59 Prozent sogar überhaupt nicht.
»Künstliche Intelligenz ist keine Sache einzelner Vorreiter, sie ist in der Breite der Wirtschaft angekommen. Und das in einem Tempo, das wir bei keiner Technologie zuvor gesehen haben. Für die meisten ist damit aber nur der Einstieg geschafft, die eigentliche Arbeit beginnt jetzt«, sagt Bitkom-Präsident Dr. Ralf Wintergerst. »Für die Politik sollten die letzten Zweifel ausgeräumt sein, dass die Anforderungen von KI als Schlüsseltechnologie Priorität haben müssen. Das reicht von der Infrastruktur mit ausreichend Rechenzentren bis zu einer Regulierung, die Unternehmen nicht einbremst, sondern unterstützt.«
Überzeugung und Verunsicherung liegen dicht beieinander
Grundsätzliche Zweifel an der Technologie gibt es in der Wirtschaft kaum noch. 91 Prozent der Unternehmen halten KI für die wichtigste Zukunftstechnologie, nach 81 Prozent im Vorjahr und 73 Prozent im Jahr 2024. Nur noch 8 Prozent sehen darin einen Hype, der massiv überschätzt wird – 2024 war es mit 26 Prozent noch rund jedes vierte Unternehmen. Mit Blick auf das eigene Unternehmen sehen 80 Prozent KI überwiegend als Chance, 18 Prozent eher als Risiko. Kein einziges Unternehmen hält KI für weit überwiegend riskant, und ebenfalls keines glaubt noch, dass KI keinen Einfluss auf das eigene Geschäft hat.
Zugleich zeigt die Befragung eine große Verunsicherung rund um KI. 61 Prozent meinen, dass Unternehmen ohne KI-Nutzung keine Zukunft haben (2025: 51 Prozent). 56 Prozent sind der Ansicht, Deutschland habe bei KI den Anschluss verloren. 34 Prozent sorgen sich, dass KI die Existenz ihres Unternehmens gefährdet – nach 23 Prozent im Vorjahr. 31 Prozent erwarten, dass KI ihr Geschäftsmodell verändern wird (2025: 24 Prozent). Und unter den Unternehmen, die KI bereits einsetzen, sagt ein Drittel (33 Prozent) offen, es tue dies vor allem aus Angst, andernfalls den Anschluss zu verlieren. »Wir sehen rund um KI viel Zuversicht, aber auch Verunsicherung«, sagt Wintergerst. »Dieselben Unternehmen, die in KI die entscheidende Technologie der kommenden Jahre erkennen, fürchten gleichzeitig, durch sie um ihre Existenz gebracht zu werden.«
Vom Kundenkontakt in die Tiefe des Unternehmens
Am häufigsten arbeitet KI weiterhin im Kundenkontakt, etwa bei der Bearbeitung von Anfragen (72 Prozent), sowie in Marketing und Kommunikation (54 Prozent). Deutlich zugelegt haben allerdings Bereiche, die im Vorjahr noch eine geringe Rolle spielten: internes Wissensmanagement 22 Prozent (2025: 11 Prozent), KI in eigenen Produkten und Dienstleistungen 20 Prozent (12 Prozent), KI im Vertrieb 14 Prozent (5 Prozent) oder in der IT-Abteilung 9 Prozent (2 Prozent). Auch in Controlling und Rechnungswesen ist der Einsatz gestiegen, von 17 auf 25 Prozent. In Produktionsabläufen nutzen 22 Prozent KI, in Forschung und Entwicklung 16 Prozent, in der Rechts- bzw. Steuerabteilung 8 Prozent, im Management 7 Prozent.
Aktuell rücken KI-Agenten in den Blick. Anders als ein Chatbot, der auf Fragen antwortet, handelt ein Agent selbstständig, indem er zum Beispiel Preisvergleiche durchführt, Angebote einholt und auch Entscheidungsoptionen ausarbeitet. Nur für 24 Prozent der Unternehmen, die KI nutzen oder deren Einsatz planen beziehungsweise diskutieren, ist das derzeit kein Thema. 11 Prozent setzen solche Agenten schon ein, 29 Prozent planen den Einsatz und 31 Prozent diskutieren ihn. »KI-Agenten stehen heute etwa dort, wo künstliche Intelligenz insgesamt vor drei Jahren stand. Sie werden sich aber ähnlich schnell verbreiten«, sagt Wintergerst. »Unternehmen sollten sich darauf vorbereiten. Ein Agent, der eigenständig handelt, braucht verlässliche Daten, verbundene Systeme und Regeln, was er darf und was er zu lassen hat.«
KI zahlt sich messbar aus
Zwei Drittel der Unternehmen, die KI einsetzen, haben damit ihre Wettbewerbsposition verbessert (66 Prozent). 48 Prozent konnten durch KI ihre internen Prozesse deutlich beschleunigen, 45 Prozent sehen einen messbaren Beitrag zum Unternehmenserfolg. Bei 40 Prozent hat sich die Qualität der Produkte oder Dienstleistungen verbessert, 36 Prozent haben mit KI sogar neue Produkte oder Dienstleistungen entwickelt.
Aus Sicht der Unternehmen wäre aber noch deutlich mehr möglich. Kein Unternehmen schöpft nach eigener Einschätzung das Potenzial von KI vollständig aus, nur 3 Prozent tun es eher stark. Dagegen sagen 28 Prozent, sie nutzten das KI-Potenzial eher wenig, 59 Prozent überhaupt nicht. Dieser Anteil ist über alle Unternehmensgrößen hinweg fast identisch, vom Betrieb mit 20 Beschäftigten bis zum Konzern. »Die positive Nachricht ist: Bei KI muss sich niemand abgeschlagen fühlen. Die entscheidenden Schritte stehen bei fast allen noch aus«, so Wintergerst.
Fast die Hälfte der Unternehmen gibt mehr Geld für KI aus
Schaut man auf das Budget, treiben die Unternehmen den KI-Einsatz weiter voran. 45 Prozent aller Unternehmen wenden 2026 mehr Geld für KI auf als im Vorjahr – 13 Prozent deutlich mehr, 32 Prozent eher mehr. Die Hälfte hält die Ausgaben unverändert, nur 3 Prozent wollen sie eher senken, kein Unternehmen fährt sie deutlich zurück. 2 Prozent haben noch nie in KI investiert und planen das auch nicht.
Wofür die Kosten anfallen, widerspricht dabei einem verbreiteten Bild. Als großen Kostenpunkt nennen 51 Prozent der KI-Anwender die Infrastruktur wie Cloud und Rechenleistung, 50 Prozent die Aufbereitung von Daten und 41 Prozent die Integration in bestehende Systeme. Abos und Lizenzen für KI-Software sind nur für 21 Prozent ein großer Kostenpunkt, sie liegen damit gleichauf mit den Ausgaben für externe Beratung. Die Schulung der Beschäftigten erzeugt bei 19 Prozent hohe Kosten. Am wenigsten fällt der Verbrauch von Token für die KI-Nutzung ins Gewicht: Für 8 Prozent ist er ein großer, für 11 Prozent ein kleiner Kostenpunkt. »Bei KI geht es nicht in erster Linie um das eingesetzte Modell. Daten aufbereiten, Systeme verbinden und Rechenkapazität bereitstellen erfordert den höchsten Aufwand. Wer nur eine Lizenz kauft, hat KI eingekauft, aber noch nichts verändert«, so Wintergerst.
Was den KI-Einsatz bremst
Wer bislang keine KI einsetzt, tut das vor allem, weil ihm technisches Know-how zur Implementierung fehlt – das sagen 85 Prozent der Unternehmen ohne KI. Vom KI-Einsatz fühlen sie sich weiterhin abgehalten durch verunsichernde rechtliche Hürden und Unklarheiten (66 Prozent), schwer zu kalkulierende Kosten (63 Prozent) und fehlende personelle Ressourcen (51 Prozent). 40 Prozent fehlen die notwendigen Daten, 30 Prozent sehen keine Anwendungsfälle.
Auch Unternehmen, die KI bereits im Einsatz haben, sehen sich Hindernissen gegenüber. Vorne stehen hier Anforderungen an den Datenschutz mit 66 Prozent, gefolgt von rechtlicher Verunsicherung (56 Prozent), schwer zu kalkulierenden Kosten (54 Prozent) und der Sorge, dass Unternehmensdaten in falsche Hände gelangen (45 Prozent). Für 42 Prozent ist die fehlende Akzeptanz der Beschäftigten ein Hemmnis. Nur 26 Prozent beklagen eine schlechte Qualität der Ergebnisse, 25 Prozent deren mangelnde Nachvollziehbarkeit, 11 Prozent fehlende Anwendungsfälle. »Vor dem Einstieg ist vor allem die Technologie das Problem, wer KI im Haus hat, ringt mit Datenschutz und der Frage, was erlaubt ist«, sagt Wintergerst.
Know-how fehlt, aber die Zahl der Schulungen steigt deutlich
Die KI-Kompetenzen ihrer Beschäftigten schätzen 66 Prozent der Unternehmen als gering ein, nur 28 Prozent als hoch. Hier trennen sich Anwender und Nichtanwender klar: Unter den Unternehmen mit KI-Einsatz halten 40 Prozent die einschlägigen Kompetenzen ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter für hoch, von den KI-freien Unternehmen tun dies nur 14 Prozent. Die Unternehmen tun etwas für die KI-Kompetenz ihrer Belegschaft und bieten in vielen Fällen Weiterbildungen rund um KI an. 70 Prozent aller Unternehmen schulen ihre Beschäftigten inzwischen im Umgang mit KI – 11 Prozent alle, 22 Prozent einen Großteil, 37 Prozent ausgewählte Beschäftigte. Mit 25 Prozent bietet allerdings jedes vierte Unternehmen keinerlei Schulungen an, im Vorjahr lag der Anteil noch bei 43 Prozent. Unter den Unternehmen, die KI einsetzen, schulen 91 Prozent, nur 4 Prozent tun nichts. »Kompetenz entsteht mit dem KI-Einsatz, aber sie entsteht nicht von allein. Dass inzwischen sieben von zehn Unternehmen Weiterbildungen anbieten, ist ein echter Fortschritt«, sagt Wintergerst.
Erfahrung dämpft die Sorge um Arbeitsplätze
Für die kommenden zwei Jahre erwarten 45 Prozent der Unternehmen einen leichten und 12 Prozent einen deutlichen Rückgang der Gesamtzahl ihrer Beschäftigten durch KI. 14 Prozent rechnen dagegen mit einem leichten Anstieg, kein Unternehmen mit einem deutlichen. Zugleich können oder wollen 29 keine Angabe machen. Unternehmen, die KI bereits einsetzen, rechnen nur zu 9 Prozent mit einem deutlichen Stellenrückgang und damit sehr viel seltener als Unternehmen ohne KI-Einsatz, bei denen 15 Prozent davon ausgehen. Gleichzeitig erwarten Unternehmen, die KI bereits anwenden, mit 18 gegenüber 9 Prozent doppelt so häufig einen Anstieg der Beschäftigtenzahl durch KI. Wintergerst: »KI wird Tätigkeiten verändern, manche Berufsbilder werden verschwinden, andere neu entstehen. Für eine alternde Volkswirtschaft mit hohem Fachkräftemangel und einer seit Jahren stagnierenden Produktivität ist das keine Bedrohung, sondern eine Chance.«
Mehr Unternehmen sehen sich vom AI Act betroffen – und die Kritik wächst
Der AI Act ist in diesem Jahr in der Wirtschaft angekommen. 37 Prozent der Unternehmen gehen davon aus, als Anwender vom AI Act betroffen zu sein, nach 23 Prozent im Vorjahr. 34 Prozent prüfen das derzeit, 18 Prozent sehen sich nicht betroffen, 8 Prozent haben sich mit dem AI Act noch nicht beschäftigt. Von den Unternehmen, die betroffen sind oder das prüfen, rechnen 89 Prozent mit einem hohen Umsetzungsaufwand, 51 Prozent sogar mit einem sehr hohen. Und 66 Prozent aller Unternehmen sind der Meinung, der AI Act schaffe mehr Nachteile als Vorteile für deutsche Unternehmen, im Vorjahr waren das noch 56 Prozent. Betroffene Unternehmen gehen im Durchschnitt davon aus, dass sie 2,1 Hochrisiko-KI-Systeme im Einsatz haben, nach 1,5 im Vorjahr. 25 Prozent von einem Hochrisiko-System aus, 30 Prozent von zwei solchen Systemen aus und 16 Prozent von drei oder mehr. 8 Prozent erwarten kein Hochrisiko-System, 22 Prozent können dazu keine Angabe machen. »Der AI Act sollte Vertrauen schaffen, erzeugt aber weitverbreitete Unsicherheit. Die Unsicherheit wächst, je genauer die Unternehmen hinsehen«, sagt Wintergerst. »Wir brauchen verbindlich und schnell rechtliche Klarheit zur Umsetzung des AI Act und praxistaugliche Standards«, so Wintergerst. »Es braucht außerdem Angebote zur Unterstützung von Unternehmen, damit sie künstliche Intelligenz konform zum AI-Act einsetzen können.«
Bitkom lädt zum AIDAQ nach Berlin
Der Einsatz von KI steht auch im Mittelpunkt des AI, Data & Quantum Summit (AIDAQ) des Bitkom am 22. und 23. September im bcc in Berlin. Erwartet werden mehr als 2.500 Teilnehmerinnen und Teilnehmer sowie mehr als 200 Speaker aus Wirtschaft, Politik und Forschung in 140 Sessions. Die Schirmherrschaft hat das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt übernommen. Mit dabei sind unter anderem Dr. Karsten Wildberger, Bundesminister für Digitalisierung und Staatsmodernisierung, Thomas Jarzombek, Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesministerium für Digitales und Staatsmodernisierung, Dr. Thomas Steffen, Staatssekretär im Bundesministerium für Wirtschaft und Energie, Dr. Daniela Brönstrup, Vizepräsidentin der Bundesnetzagentur, Michael Vetter, CIO im Bundesministerium der Verteidigung, Dr. Tina Klüwer, Executive Director von AI NATION, Tom Becker, VP DACH bei Mistral, Sarah Engel, Head of AI bei Trumpf, Jasper Krauser, Head of Quantum Technologies bei Airbus, sowie Prof. Dr. Volker Gruhn, Aufsichtsratsvorsitzender von adesso. Alle Informationen zum Programm gibt es online hier: aidaq.berlin.
[1] Hinweis zur Methodik: Grundlage der Angaben ist eine Umfrage, die Bitkom Research im Auftrag des Digitalverbands Bitkom durchgeführt hat. Dabei wurden 603 Unternehmen ab 20 Beschäftigten in Deutschland telefonisch befragt. Die Befragung fand im Zeitraum von KW 28 bis KW 33 2026 statt. Die Umfrage ist repräsentativ für die Gesamtwirtschaft.
FAQ: KI-Einsatz in Unternehmen
- Wie viele deutsche Unternehmen nutzen bereits KI?
Künstliche Intelligenz ist in der deutschen Wirtschaft erstmals in der Breite angekommen: 57 Prozent der befragten Unternehmen setzen KI bereits ein. Vor einem Jahr waren es 36 Prozent, vor zwei Jahren lediglich 20 Prozent. Weitere 38 Prozent planen den Einsatz oder diskutieren konkrete Szenarien. Nur noch 4 Prozent erklären, dass KI für sie derzeit kein Thema ist. - Nutzen Unternehmen das Potenzial von KI bereits umfassend?
Nein. Obwohl KI mittlerweile breit eingesetzt wird, stehen die meisten Unternehmen bei der praktischen Nutzung noch am Anfang. 59 Prozent der Anwender schöpfen die Möglichkeiten nach eigener Einschätzung überhaupt nicht aus, weitere 28 Prozent nur in geringem Maß. Lediglich 3 Prozent bewerten ihre Nutzung als eher stark; kein Unternehmen sieht das vorhandene Potenzial bereits vollständig realisiert. - Welchen wirtschaftlichen Nutzen bringt KI?
Der Einsatz zeigt bei vielen Unternehmen bereits messbare Effekte. Zwei Drittel der Anwender haben ihre Wettbewerbsposition verbessert, 48 Prozent konnten interne Prozesse deutlich beschleunigen und 45 Prozent verzeichnen einen konkreten Beitrag zum Unternehmenserfolg. Darüber hinaus berichten 40 Prozent von einer höheren Qualität ihrer Produkte oder Dienstleistungen; 36 Prozent haben mithilfe von KI sogar neue Angebote entwickelt. - In welchen Bereichen wird KI am häufigsten eingesetzt?
Der Schwerpunkt liegt weiterhin in kundennahen Funktionen: 72 Prozent nutzen KI im Kundenkontakt, etwa zur Bearbeitung von Anfragen, 54 Prozent in Marketing und Kommunikation. Gleichzeitig wandert die Technologie tiefer in die Organisation. Zuwächse zeigen sich im Controlling und Rechnungswesen, im internen Wissensmanagement, in Produktion, Forschung und Entwicklung, Vertrieb, IT sowie in KI-gestützten Produkten und Dienstleistungen. - Welche Rolle spielen KI-Agenten?
KI-Agenten gelten als nächste Entwicklungsstufe, weil sie nicht nur Antworten liefern, sondern definierte Aufgaben eigenständig ausführen und Entscheidungsoptionen vorbereiten können. 11 Prozent der relevanten Unternehmen setzen solche Systeme bereits ein, 29 Prozent planen den Einsatz und 31 Prozent diskutieren ihn. Für einen verantwortbaren Betrieb benötigen Agenten verlässliche Daten, miteinander verbundene Systeme, kontrollierte Zugriffsrechte und klare Regeln für zulässige Handlungen. - Wofür entstehen beim KI-Einsatz die höchsten Kosten?
Die größten Aufwände entstehen weniger durch das eigentliche KI-Modell als durch dessen betriebliche Grundlage. 51 Prozent der Anwender nennen Infrastruktur wie Cloud und Rechenleistung als großen Kostenpunkt, 50 Prozent die Aufbereitung von Daten und 41 Prozent die Integration in bestehende Systeme. Softwareabonnements und Lizenzen spielen mit jeweils 21 Prozent eine deutlich kleinere Rolle als vielfach angenommen. - Was bremst Unternehmen ohne KI-Erfahrung?
Das größte Hindernis ist fehlendes technisches Know-how: 85 Prozent der Unternehmen ohne KI-Einsatz sehen Defizite bei der Implementierung. Hinzu kommen rechtliche Hürden und Unklarheiten, schwer kalkulierbare Kosten sowie fehlende personelle Ressourcen. 40 Prozent verfügen nach eigener Einschätzung nicht über die notwendigen Daten; 30 Prozent sehen bislang keine geeigneten Anwendungsfälle. - Welche Hürden sehen Unternehmen mit KI im Einsatz?
Bei erfahrenen Anwendern verschiebt sich der Schwerpunkt von der Technik zur Governance. 66 Prozent nennen Datenschutzanforderungen, 56 Prozent rechtliche Unsicherheit und 54 Prozent schwer kalkulierbare Kosten. 45 Prozent sorgen sich um den Schutz sensibler Unternehmensdaten. Zudem sehen 42 Prozent die fehlende Akzeptanz der Beschäftigten als Hemmnis. Probleme mit Ergebnisqualität oder Nachvollziehbarkeit werden zwar genannt, stehen aber weniger stark im Vordergrund. - Wie steht es um die KI-Kompetenz der Beschäftigten?
Der Qualifizierungsbedarf bleibt hoch: 66 Prozent der Unternehmen bewerten die KI-Kompetenz ihrer Belegschaft als gering, nur 28 Prozent als hoch. Gleichzeitig reagieren viele Organisationen mit Weiterbildung. 70 Prozent bieten inzwischen Schulungen zum Umgang mit KI an; unter den Unternehmen, die KI bereits einsetzen, liegt der Anteil bei 91 Prozent. Die Zahlen zeigen, dass praktische Erfahrung und systematische Qualifizierung eng zusammenhängen. - Was sollten Führungskräfte jetzt priorisieren?
Das Management sollte KI nicht als reines Softwareprojekt behandeln, sondern als Transformationsaufgabe. Priorität haben klar abgegrenzte Anwendungsfälle mit messbarem Nutzen, belastbare Daten, integrierte Systeme und eindeutige Verantwortlichkeiten. Parallel müssen Beschäftigte qualifiziert, Datenschutz und Informationssicherheit abgesichert sowie Vorgaben für die Nutzung und Kontrolle von KI festgelegt werden. Die Anforderungen des AI Act sollten frühzeitig in Governance, Risikomanagement und Beschaffungsprozesse einfließen.
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