KI menschenzentriert einsetzen – auch für Frontline-Beschäftigte

Illustration Absmeier foto freepik ki

Frontline-Beschäftigte tragen den Betrieb – und sind oft unbeachtet. Unternehmen müssen reagieren, sagt Benedikt Lell, VP Solutions Consulting EMEA bei UKG.

 

Ob im Handel, in der Pflege, in der Logistik oder in der Produktion: Frontline-Beschäftigte halten vielerorts den Betrieb am Laufen. Sie stehen im direkten Kontakt mit Kunden, Patienten oder Maschinen, sichern Wertschöpfung und Servicequalität. Und sie sind mit 80 % der globalen Belegschaft die Mehrheit der Beschäftigten. Zugleich fühlen sich viele von ihnen übersehen, organisatorisch, kulturell und technologisch. Ein strukturelles Risiko für Arbeitgeber.

Eine aktuelle Studie von UKG zeigt deutlich, wo die Bruchlinien verlaufen: finanzielle Unsicherheit, mangelnde Flexibilität bei Arbeitszeiten, begrenzte Entwicklungsperspektiven und wachsender Druck durch Personalmangel. Besonders problematisch ist dabei, dass Frontline-Arbeit oft unter Bedingungen stattfindet, die kaum Spielräume lassen, geprägt von festen Schichten, kurzfristigen Dienstplanänderungen, wenig Transparenz und kaum Einfluss auf die eigene Work-Life-Balance.

 

Ein Unternehmen, zwei Arbeitswelten

In den Augen fast der Hälfte der Frontline-Beschäftigten (47 %) existieren in Organisationen oft zwei Kulturen: eine für sie und eine für andere Mitarbeitende mit flexiblen Arbeitsmodellen, Remote-Optionen und digitaler Unterstützung. Dort wird über New Work, Employee Experience und moderne Führung gesprochen, während die Arbeitsrealität der Frontline davon oft unberührt bleibt.

Das wirkt sich direkt auf Motivation und Bindung aus. Wer dauerhaft das Gefühl hat, weniger Gestaltungsspielraum zu haben und gleichzeitig höhere operative Last zu tragen, orientiert sich früher oder später neu. Der Arbeitsmarkt bietet inzwischen genug Alternativen, auch für klassische Frontline-Rollen.

 

Flexibilität ist keine Komfortfrage

Ein zentrales Missverständnis besteht darin, Flexibilität als »Nice-to-have« zu betrachten. Für Frontline-Beschäftigte ist sie existenziell. Wenn Schichten kaum tauschbar sind, private Verpflichtungen schwer planbar bleiben und kurzfristige Änderungen zum Normalzustand werden, entsteht chronischer Stress – einer der stärksten Treiber von Burnout und Fluktuation.

Flexibilität bedeutet in diesem Kontext: transparente Dienstpläne, faire Verteilung von Arbeitszeiten, realistische Berücksichtigung von Verfügbarkeiten und die Möglichkeit, bei Bedarf schnell zu reagieren, ohne organisatorische Hürden oder informelle Abhängigkeiten.

 

KI ermöglicht Entlastung und Selbstbestimmung

Künstliche Intelligenz kann, richtig eingesetzt, genau an diesen Engpässen wertvolle Unterstützung leisten. KI-gestützte Einsatzplanung kann komplexe Faktoren wie Qualifikationen, Verfügbarkeiten, gesetzliche Vorgaben und individuelle Präferenzen berücksichtigen und so Dienstpläne erstellen, die sowohl betrieblich sinnvoll als auch menschlich tragfähig sind.

Für Beschäftigte bedeutet das mehr Transparenz, bessere Planbarkeit und mehr Autonomie. Und für Arbeitgeber entsteht Stabilität im Betrieb, weniger kurzfristige Ausfälle und eine spürbare Entlastung von Führungskräften, die heute viel Zeit mit manueller Schichtkoordination verbringen.

Wichtig ist dabei der Perspektivwechsel: KI sollte nicht nur Effizienz maximieren, sondern auch Handlungsspielräume erweitern. Genau dort entscheidet sich, ob Technologie Akzeptanz findet oder auf Widerstand stößt.

 

Entwicklungsperspektiven sichtbar machen

Ein weiterer kritischer Punkt ist die berufliche Weiterentwicklung. Viele Frontline-Beschäftigte sehen kaum Perspektiven jenseits ihrer aktuellen Rolle. Gleichzeitig wächst die Sorge, durch Automatisierung oder KI langfristig ersetzbar zu sein. Das erzeugt Unsicherheit und blockiert Engagement.

Unternehmen können hier gegensteuern, indem sie Qualifizierung für Frontline-Beschäftigte systematisch in den Arbeitsalltag integrieren. KI kann dabei unterstützen, Lernbedarf zu erkennen, passende Inhalte bereitzustellen und potenzielle Entwicklungspfade sichtbar zu machen.

 

Frontline ernst nehmen – strategisch und kulturell

Wer Frontline-Beschäftigte halten will, muss ihre Realität zum Ausgangspunkt von HR- und Organisationsentscheidungen machen. Das bedeutet, Technologie konsequent menschenzentriert einzusetzen und Führungskräfte dafür zu sensibilisieren, dass Mitarbeiterbindung an der Basis beginnt.

Die gute Nachricht: Die Werkzeuge dafür sind vorhanden. Die eigentliche Herausforderung liegt darin, sie nicht nur für Wissensarbeit und Bürofunktionen zu nutzen, sondern dort einzusetzen, wo sie den größten Unterschied machen können – im Alltag der Frontline.

 

49 Artikel zu „Frontline“

So sieht der Arbeitsalltag eines Frontline Workers im Jahr 2030 aus!

Die Nachfrage nach Technikern im Außendienst steigt. Unisys verdoppelt seinen Einsatz und verrät in diesem Interview, wie das Unternehmen vermehrt in Digitalisierung investiert, warum Mitarbeitende so eine wichtige Rolle spielen und welche Technologien neben künstlicher Intelligenz und Automatisierung präferiert werden. Patrycja Sobera, Senior Vice President and General Manager of Digital Workplace Solutions bei Unisys, gibt…

Dauerkrisen kosten Deutschland fast eine Billion Euro

Corona, Krieg und Trump haben die deutsche Wirtschaft seit 2020 stark belastet. Wie eine Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) zeigt, liegt die Wirtschaftsleistung bis heute in etwa auf dem Niveau von 2019. In unsicheren Zeiten kann Deutschland mit seiner Zuverlässigkeit punkten.   Die deutsche Wirtschaft hat infolge der vielfältigen Krisen ab dem Jahr…

»Die Weiterentwicklung und der Einsatz künstlicher Intelligenz wird 2026 die Agenda des UCC-Markts bestimmen«

Florian Buzin gibt einen Ausblick auf 2026 / Künstliche Intelligenz und Cloud als Treiber künftiger Entwicklungen.   Für die zur Gamma-Gruppe gehörenden Unternehmen STARFACE, estos und Gamma Deutschland markiert das Jahr 2026 einen wichtigen Meilenstein. Im Fokus stehen neben voranschreitender Integration der Firmen vor allem technologische Weiterentwicklungen. Hier sind vor allem die Cloud-Adaption und die…

Technologie-Trends 2026 – Wie Unternehmen mit intelligenter Automatisierung und KI die digitale Transformation meistern

Die Geschäftswelt steht vor einem Paradigmenwechsel: Während Unternehmen mit steigenden Erwartungen der Konsumenten, volatilen Märkten und wachsenden Geräteflotten kämpfen, werden manuelle Prozesse verstärkt zu einem Hemmschuh in der Lieferkette. Gleichzeitig eröffnen KI und Automatisierung neue Wege zur Steigerung von Effizienz und Rentabilität. SOTI hat fünf wegweisende Technologie-Trends für 2026 identifiziert, die zeigen, wie Unternehmen diese…

Drei Jahre ChatGPT: Unternehmen nutzen GenAI, aber nur selten im Kerngeschäft

Umfrage zeigt Fortschritt beim produktiven Einsatz von GenAI: Neun von zehn Unternehmen setzen auf GenAI, aber nur selten im Kerngeschäft. KI-Schwerpunktbericht des »Index Digitale Souveränität« mahnt souveräne Leitplanken und europäische Alternativen an.   Drei Jahre nach dem Start von ChatGPT ist generative KI (GenAI) in den Unternehmen angekommen. Doch im Kerngeschäft spielt GenAI bislang eine…

Von der künstlichen zur kollektiven Intelligenz: Das volle Transformationspotenzial von GenAI erschließen

Rund 90 Prozent aller Berufe werden sich laut Cognizant Research durch generative KI verändern – nicht als Bedrohung, sondern als Katalysator für neue Rollen, neue Wertschöpfung und neue Formen der Zusammenarbeit [1]. Doch wie gelingt Unternehmen der verantwortungsvolle Sprung von Einzelanwendungen zu einer systemischen KI-Transformation? Ein Blick auf Strategien, Plattformen und Erfahrungen von Cognizant zeigt,…

4-Tage-Woche: Chance für Einstieg in flexible Arbeitszeitmodelle

Die Debatte über eine 4-Tage-Woche schlägt seit Jahren hohe Wellen. Im Spannungsfeld zwischen Fachkräftemangel und steigenden Erwartungen an eine bessere Work-Life-Balance bieten Arbeitgeber das Modell jedoch kaum an: Nur 0,12 Prozent der Stellenanzeigen werben mit dem Angebot einer 4-Tage-Woche – das sind lediglich 8.653 Jobangebote im Jahr 2024, kaum mehr als in den Vorjahren. Höher…

Mikrosegmentierung in Zero-Trust-Umgebungen – die Integration von richtliniengesteuerten Zugriffen

Die kürzlich veröffentlichte Leitlinie der CISA (Cybersecurity and Infrastructure Security Agency), »Mikrosegmentierung in Zero Trust Teil 1: Einführung und Planung«, bestätigt, dass Mikrosegmentierung eine grundlegende Voraussetzung für Zero Trust ist [1]. Anstatt die Mikrosegmentierung für eine fortgeschrittene Phase von Zero-Trust-Initiativen aufzuheben, können und sollten Unternehmen die granulare Segmentierung als Kernbaustein der Zero-Trust-Architektur priorisieren.   Der…

Menschliche Expertise bleibt trotz KI-Wachstum entscheidend

Eine weltweite Umfrage unter Instandhaltungsfachleuten zeigt: Das Interesse an kontextbezogener Intelligenz ist in zwei Jahren um 750  % gestiegen. Alternde Belegschaften und Fachkräftemangel bleiben laut dem Trendbericht für die industrielle Instandhaltung die drängendsten Herausforderungen. Fast jedes zweite Industrieunternehmen (49  %) verfügt nicht über das nötige interne Know-how, um fortschrittliche Technologien wie künstliche Intelligenz (KI) effektiv…

Effizient kommunizieren statt Tools jonglieren

Warum moderne UCC-Lösungen der Schlüssel zu einer effizienten Zusammenarbeit sind. In der modernen Arbeitswelt ist Kommunikation vielfältiger denn je. Ob Microsoft Teams, Zoom, Slack, Telefonie, E-Mail oder Messenger-Dienste – die Möglichkeiten, miteinander in Kontakt zu treten, scheinen unbegrenzt. Was auf den ersten Blick nach Flexibilität aussieht, entwickelt sich in der Praxis jedoch häufig zu einem…

Die Wissenschaft hinter Thermiks Temperaturschutzsystemen

Thermik Gerätebau hat die Wärmeschutztechnologie durch seinen innovativen Ansatz für temperaturempfindliche Komponenten revolutioniert. Ein Verständnis der Wissenschaft hinter diesen lebensrettenden Geräten zeigt, warum Thermik seine Position als Weltmarktführer für Thermoschutzschalter und Thermistoren seit Jahrzehnten behauptet. Im Kern des Produktportfolios von Thermik stehen zwei primäre Technologien: Thermoschutzschalter und PTC-Thermistoren. Beide erfüllen kritische Funktionen in der Temperaturregulierung…

Digitalstandort Frankfurt im weltweiten Vergleich auf Platz 1

Globales Infrastruktur-Benchmarking kürt Frankfurt zur »Digitalen Hauptstadt der Welt« Studie untersucht erstmals den ökonomischen Wertbeitrag von Internetknoten Kristina Sinemus: »DE-CIX Frankfurt ist eindrucksvoller Beleg des digitalen Ökosystems« Eine Studie der Dstream Group im Auftrag des Internetknoten-Betreibers DE-CIX belegt, dass der Digitalstandort Frankfurt weltweit in Sachen Infrastruktur führend ist [1]. An keinem anderen Ort auf der…

Die Evolution des CFO: Vom Finanzverwalter zum strategischen Visionär

Die Zeiten, in denen CFOs lediglich Bilanzen verwalteten und für die Einhaltung von Budgets sorgten, sind vorbei. Der CFO von heute ist ein dynamischer Stratege im Zentrum der Unternehmensausrichtung und des Wachstums. Über die reine Budgetkontrolle hinaus sind sie Architekten finanzieller Resilienz: Sie sichern Ressourcen für die Gewinnung von Talenten, technologische Fortschritte, Stabilität in der…

Benefit-Programme: Richtig implementieren statt planlos verteilen

So gelingt die Einführung eines effektiven Benefit-Programms. Deutsche Beschäftigte stehen unter Druck: 86 Prozent machen sich Sorgen um ihre berufliche Zukunft – allen voran wegen ausbleibender Gehaltserhöhungen (27 Prozent) und dem unsicheren Arbeitsmarkt (24 Prozent). Das zeigt eine aktuelle Befragung von BHN, durchgeführt unter mehr als 1.000 Arbeitnehmern in Deutschland. Gleichzeitig hat sich das Verständnis von Wertschätzung…

Überstunden sind oft Teamwork

Überstunden gehören im Unternehmen und im Homeoffice zum Arbeitsalltag – drei Viertel der Befragten arbeiten auch zuhause länger.   Überstunden gehören nach wie vor zum Arbeitsalltag in Deutschland. Das ist das Ergebnis einer repräsentativen Umfrage des HR-Software-Unternehmens HR WORKS, in dessen Auftrag 1.040 Beschäftigte in Deutschland zu ihrem Arbeitspensum befragt wurden [1]. Demnach sagt mehr…

Weltfernmeldetag: Smarte Städte brauchen smarte Lösungen für die öffentliche Sicherheit      

Die kritische Kommunikation im Bereich der öffentlichen Sicherheit durchläuft derzeit einen tiefgreifenden Wandel. Viele Organisationen ersetzen ihre älteren digitalen Schmalbandfunkdienste wie TETRA durch leistungsfähigere Breitbandlösungen.   TETRA wird zwar seit den 1990er Jahren für sicherheitskritische Kommunikation genutzt, stößt aber zunehmend an seine Grenzen. Zu den Herausforderungen zählen niedrige Datenübertragungsraten, begrenzte Frequenzverfügbarkeit, eingeschränkte Netzabdeckung, eine geringe…

Ricoh Deutschland ehrt die erfolgreichsten Channel-Partner mit den Partner of the Year Awards 2025

Ricoh Deutschland hat im Rahmen seines virtuellen Partner-Kickoffs 2025 die erfolgreichsten deutschen Channel-Partner ausgezeichnet. Michael Raberger, CEO Ricoh Deutschland, Tobias van Wickeren, Commercial Director Partner Sales und Ingo Wittrock, Regional Marketing Director Central & Eastern Europe, ehrten die erfolgreichsten Channel-Partner in folgenden Kategorien: Ricoh Graphic Communications, Application Services und Office Print – wobei im Bereich…

Neuer IFS Accelerator beschleunigt Migration von SAP auf IFS Cloud

IFS, ein Anbieter von Cloud-Enterprise-Software und industriellen KI-Anwendungen, hat auf der IFS Connect DACH in Düsseldorf einen neuen Migrations-Accelerator-Service vorgestellt. Er ermöglicht es SAP-Anwenderunternehmen, nahtlos und schnell auf IFS Cloud umzusteigen und von fortschrittlichen Lösungen für Szenario-Modellierung, Risikomanagement und industrielle KI zu profitieren. Mit der Einführung des Accelerators reagiert IFS auf die Nachfrage aus dem…

Wie Unternehmen mit moderner CRM-Technologie nachhaltiges Wachstum erzielen

In einer zunehmend vernetzten Welt, in der Kundenbeziehungen das Rückgrat unternehmerischen Erfolgs bilden, gewinnen moderne CRM-Lösungen eine zentrale strategische Bedeutung. Unternehmen, die auf effiziente, skalierbare und datenbasierte Prozesse setzen, investieren längst nicht mehr nur in Software, sondern in ein Ökosystem, das sämtliche Kundeninteraktionen kanalübergreifend abbildet. Die Entscheidung für eine passende CRM-Technologie ist daher kein reiner…