Digitalisierung – Es ist mehr als die Umstellung von analog auf digital

Digitalisierung und digitale Transformation sind die Basis, auf der alles besser werden soll. Vor allem für mittelständische Unternehmen ist es jedoch nicht immer einfach, diesen Weg zu finden und zu gehen. Aber es gibt Helfer. Saskia Burns, Direktorin der Business Unit »Digital Business Consulting« verantwortet in der Cosmo Consult Gruppe weltweit die strategische Digitalisierungsberatung.

Frau Burns, Sie leiten die Abteilung Digital Business Consulting. Worin besteht die Aufgabe dieser Business Unit?

Wir wollen unsere Kunden nicht nur technologisch beraten, sondern ganzheitlich. Im Mittelstand gibt es nur selten den typischen Chief Digital Officer für die strategischen IT-Themen, so dass kleinere Unternehmen bei den vielen Angeboten oft gar nicht wissen, wo sie anfangen sollen, wo sie hinwollen. Da wollen wir helfen, etwa Leitbilder zu entwickeln oder eine Road Map. Der Mittelstand kann sich zudem oft nicht so teure Systeme leisten, auch da wollen wir beraten.

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Ganzheitliche Beratung bedeutet für uns, dass wir von Ende zu Ende beraten, also nicht nur bezüglich ERP-Systemen, sondern über die gesamte Wertschöpfungskette hinweg, beginnend bei den Lieferanten über die Produktion bis zur Auslieferung an die Endkunden und mit weiteren Services auch darüber hinaus, etwa Collaboration, Cloud, CRM. Für diese Beratung haben wir Kompetenzen aufgebaut wie Vertriebswege und Prozesse zu optimieren und das Know-how in den Unternehmen zu entfalten. Es fehlt häufig an Prozessen, Durchstrukturierungen und Tool-Unterstützung, um etwa einen effizienten Vertrieb zu realisieren. Oft müssen Vertriebskanäle neu konzipiert werden, beispielsweise durch einen Online-Vertrieb. Hier können wir unsere Kompetenzen im E-Commerce-Bereich einsetzen. 

Wie sieht diese Unterstützung konkret aus?

Es gibt Kunden, die sehen Digitalisierung nur als Optimierung bestehender Prozesse, es gibt aber auch welche, die ihr Produktportfolio mit digitalen Services anreichern wollen oder nach neuen Geschäftsmodellen oder Geschäftsmodellen für ein zweites Standbein suchen. Zum einen sagen wir, es reicht nicht, sich nur IT-Systeme anzuschauen, sondern man muss auch überlegen, wie ist die Organisation aufgestellt, welche Kompetenzen hab´ ich an Bord, wie ist mein Strategie-Entwicklungsprozess, wie setze ich Innovationen um, wer ist verantwortlich für Digitalisierung, Innovationen, Partnerschaften, wie sind die generellen Partnerschaftsstrukturen. Dazu durchleuchten wir die Unternehmenskultur, um dann durch gezielte Fragen zu ermitteln, wo die Firma in verschiedenen Dimensionen steht. Wir unterscheiden da zwischen den Reifegraden eins bis fünf in einem System, das mit der Uni Bamberg entwickelt wurde.

Woran fehlt es denn im Mittelstand?

Oft hat die Geschäftsführung eine Vision, aber die Belegschaft ist davon ganz weit weg. Meist fehlt dann eine mittlere Führungsebene, die die Mitarbeiter motiviert und ins Boot holt. Der Trend geht ja eher dahin, Hierarchien abzubauen. Ich finde sie aber wichtig, nur müssen sie durchlässig sein. Informationen und Ideen müssen über alle Stufen fließen, nach oben wie nach unten. Es ist wichtig, dass man im Team denkt, in Kooperationen und im Wissenverteilen. Schlecht sind auch die Wissenssilos, also Wissen für sich zu behalten, um wichtig zu bleiben. Diese Dinge werden in den großen Unternehmen immer mehr umgesetzt, aber in den kleineren noch nicht. Um die Digitalisierung erfolgreich zu bewältigen ist das aber unabdinglich.

 

Saskia Burns, Direktorin der Business Unit »Digital Business Consulting« verantwortet in der Cosmo Consult Gruppe weltweit die strategische Digitalisierungsberatung.

Saskia Burns, Direktorin der Business Unit »Digital Business Consulting« verantwortet in der Cosmo Consult Gruppe weltweit die strategische Digitalisierungsberatung.

 

Das machen wir auch bei uns so, indem wir Know-how über viele verschiedene Standorte aufbauen. Da ist es ganz wichtig, dass die Kollegen miteinander kommunizieren, Erfahrungen austauschen, Referenzen weitergeben. In meiner Business Unit baue ich das Methoden-Know-how auf, dabei bin ich aber immer angewiesen auf die Kollegen in den Niederlassungen. Die kennen ihre Kunden, die kennen ihre Branchen. Darum machen wir unsere Workshops und Beratungsvorhaben immer zusammen. So möchte ich unser Digital Business Consulting auch zu einer Marke machen, die Qualität über alle Standorte hinweg gewährleistet, ob man die Reifegrad-Prüfung nun in Hamburg, München oder Paris macht. 

Eine Firma will digitalisieren. Wie gehen Sie vor?

Erst einmal sollten die ihren Standort bestimmen: Was ist schon etabliert, was fehlt noch. Dabei helfen wir ihnen, indem wir neun Dimensionen im Unternehmen untersuchen, etwa IT-Systeme, Innovationsstrategien, Kompetenzen, Organisation. Dann gibt es durch uns diese Standortbestimmung auf einem Reifegrad von eins bis fünf. Für jeden untersuchten Bereich liefern wir Impulse, die ihn der Digitalisierung näherbringen könnten. Anschließend sollte man ein Leitbild entwickeln. Viele Unternehmen haben eine Vision, überlegen aber nicht, was die Digitalisierung mit dieser Vision macht. Das nicht zu berücksichtigen, hat schon das Ende für viele Unternehmen bedeutet, denken Sie an Videotheken. Die hätten nach kompetenter Beratung schon früh in Online-Plattformen und digitale Angebote investieren können, statt zu versuchen, mit physischen Läden die Kunden vom Bildschirm wegzulocken. Oder denken Sie an Uber, Netflix und Ali Baba. Das sind reine datengetriebene Unternehmen.

Und wenn man nun sein Leitbild gefunden hat?

Dann muss man sich überlegen, was noch zwischen dem Heute und dem Leitbild fehlt. Dafür entwickeln wir eine digitale Roadmap mit den wichtigsten Impulsen, was der Kunde tun könnte, um sich weiter in Richtung Digitalisierung zu bewegen, und erarbeiten mit ihm einen regelrechten Projektplan. Das kann Änderungen am Geschäftsmodell betreffen, also Kosten, Betrieb und Vertrieb. Das kann eine Umstellung auf die Cloud betreffen, die total wichtig ist, um mit Partnern zusammen zu arbeiten. In dieser Beziehung ist Deutschland allerdings sehr weit hinten dran. 

Letztendlich wird wohl alles auf die Cloud hinauslaufen. Sind aber zurzeit vor allem hybride Lösungen angesagt?

Möglich sind die natürlich, aber ich kann nur allen Firmen raten, sofort auf die Cloud umzustellen. Allein Skalierungsgründe sprechen dafür. Auch bei Cosmo Consult haben wir inzwischen alle unsere Systeme auf die Cloud umgestellt. Oft lässt sich das Datenwachstum im Vorfeld gar nicht so richtig einschätzen, das bricht plötzlich über einen herein, sei es durch neue Kunden oder Partner, sei es durch neue Technologien oder andere Umstände. Es wäre schade, wenn man diese Daten nicht nutzen könnte. Außerdem ist es ja auch ein Effizienzgewinn, denn in der Cloud sind Sie extrem flexibel.

Was ist noch wichtig auf dem Weg zum Leitbild?

Innovationen. Deswegen bieten wir ein digitales Innovationslabor an. Wir fragen: Wer könnte überhaupt potenzieller Nutzer eines Produkts sein? Wie ist der Bedarf? Dann werden Endkunden befragt, was ihnen aktuell am Produkt fehlt, welche Änderungen sie begrüßen würden. Schließlich sollte man nicht immer gleich in Lösungen denken, sondern in Bedarfen. Unser Kunde hat nämlich nicht unbedingt den Bedarf, ein ERP-System einzuführen, sondern er möchte, dass seine Produktion reibungslos funktioniert. 

In diesem Rahmen bieten wir auch das Change-Management an. Wir bieten an, die Menschen, die die Systeme hinterher nutzen, in einem Projekt zu begleiten, in dem erläutert wird, was gemacht wird und warum es gemacht wird. Mit einem Workshop, in dem die Mitarbeiter Ideen einbringen können, und schließlich einen Abschluss-Workshop. Dazu gehört es, auf die verschiedenen Generationen einzugehen, eventuell vorhandene Berührungsängste zu beseitigen. Das ist glaube ich auch ein Alleinstellungsmerkmal von Cosmo Consult, dass wir nicht nur Systeme einführen, sondern gleichzeitig ein Change-Management mit anbieten. Wir wollen zeigen, dass man gemeinsam entwickeln kann. Dass das aber nicht geht, wenn Wissen lokal bei jedem einzelnen gespeichert ist, sondern dass es für alle zugänglich auf Plattformen abgelegt werden sollte, um Entwicklungsprozesse zu vereinfachen und effizienter zu gestalten.

Für Cosmo Consult steht der Mensch im Mittelpunkt. Was bedeutet das?

Digitale Technologien sollen den Menschen nicht ersetzen, sondern ihn inspirieren, unterstützen, sein Leben leichter und trotzdem effizienter machen. Ein Roboter wird etwa in Altenheimen nie einen Menschen ersetzen können. Er wird technische Unterstützung leisten, aber die menschliche Zuwendung nie ersetzen. Wir können uns heute mit Menschen auf der ganzen Welt direkt austauschen, etwas, das uns allen nützt, aber ohne Digitalisierung nicht möglich ist.

Die digitale Transformation ermöglicht völlig neue Geschäftsmodelle. Gehen Sie darauf auch bei der Beratung ein?

Auch wir haben uns ja vom Systemhaus und ERP-Spezialisten zum Beratungshaus und End-to-End-Solution-Provider gewandelt. Das bedeutet, dass wir unsere Kunden entlang ihrer gesamten Wertschöpfungskette betreuen, einschließlich des Services am Endkunden bis zur Begleitung des gesamten Geschäftsmodells. Und neben den erforderlichen Experten verfügen wir eben auch über die notwendigen Technologien und Softwarelösungen. Zusammen mit unserem Change-Management ist das wohl einzigartig. Und durch unsere internationale Präsenz können wir den deutschen Mittelständler auch kompetent auf die Anforderungen der modernen globalen Märkte vorbereiten. So haben wir uns durch unsere eigenen Erfahrungen gut auf die Kundenberatung vorbereitet, denn die Schuhe, die man verkaufen will, sollte man auch selbst tragen. 

Worin sehen Sie Ihr persönliches Ziel bei der Beratung?

Ich möchte, dass man uns als Partner des Mittelstands wahrnimmt, der nicht nur Technologie liefert, sondern auch den intellektuellen Hintergrund. Digitalisierung ist nicht nur die Umstellung von Prozessen von analog auf digital, sondern sie hat die Zielrichtung, über Unternehmensgrenzen hinweg zusammenzuarbeiten und den Nutzen für die Menschen zu erhöhen. Dazu reicht es nicht, nur IT-Systeme zu betrachten, sondern wer Digitalisierung ernsthaft leben möchte, muss auch die Themen Kultur, Mensch, Organisation, Innovation und Strategie mit einbeziehen. 

Frau Burns, vielen Dank für das Gespräch.


Das Gespräch führte Volker Vorburg.

 

 

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