Home Office – Vom Provisorium zur Transformation

Illustration: Geralt Absmeier

Viele Unternehmen haben in den letzten Wochen aus der Not heraus Home-Office-Arbeitsplätze für ihre Mitarbeiter eingerichtet. Der Fokus lag dabei darauf, möglichst schnell die Arbeit von zuhause aus zu ermöglichen. Bisweilen sogar mithilfe von BYOD-Lösungen, die aus sicherheitstechnischer Sicht zu Recht als indiskutabel gelten. Doch wie sieht ein geeigneter Home-Office-Arbeitsplatz aus, und was gilt es bei seiner Anbindung an die Unternehmens-IT zu bedenken? Was muss die zentralseitige IT-Infrastruktur leisten können?

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Diese Frage wird umso dringlicher, als immer mehr Mitarbeiter in diesen Wochen die Vorteile alternativer Arbeitsformen kennenlernen. Sie werden sie nicht mehr aufgeben wollen. Einer aktuellen Umfrage zufolge wünschen sich 60 Prozent der Mitarbeiter, auch nach Corona teilweise von zuhause aus Arbeiten zu können. Darin liegt eine Chance. Unternehmen sollten jetzt die Basis dafür schaffen, das Home Office grundsätzlich zu ermöglichen. So profitieren sie von den Vorteilen, die das flexible Arbeiten mit sich bringt.

 

Licht am Ende des VPN-Tunnels? Anforderungen an die Zentrale

Bei der Standardlösung für das Home Office verbindet sich ein Mitarbeiter mittels eines Firmen-Laptops über einen dort installierten VPN-Client mit dem Firmennetzwerk. Ein solcher Client ist schnell installiert und diese Art von Anbindung hat in den letzten Wochen vielen Unternehmen kostengünstig den Weg ins Home Office geebnet. Die einzige Voraussetzung zuhause: eine ausreichend leistungsfähige Internet-Verbindung.

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Doch jeder VPN-Tunnel braucht eine Gegenstelle im Unternehmen. In der Praxis heißt das, dass die Zentrale technisch in der Lage ist, alle Sessions der Mitarbeiter mit ausreichender Performance zu unterstützen. Dabei ist wiederum einerseits die Zahl der VPN-Lizenzen ein begrenzender Faktor, andererseits die Leistungsfähigkeit der VPN-Router oder – in größeren Unternehmen – VPN-Gateways, in denen die VPN-Verbindungen aus den Home Offices zusammenlaufen.

 

In den meisten Unternehmen war die IT bis dato darauf ausgelegt, an Firmensitz und Niederlassungen die nötige Rechenleistung und Bandbreite zu bieten. Mit der Auslagerung von Arbeitsplätzen in Home Offices muss diese Strategie angepasst werden. Oft bedeutet dies das Upgrade vorhandener Router oder Gateways oder die Anschaffung leistungsfähigerer Hardware: Viele kleine Unternehmen sind mit Geräten gut bedient, die bis zu gleichzeitige 25 VPN-Verbindungen erlauben. Im Enterprise-Bereich kommen dann schnell Gateways mit einer Kapazität von mehreren Tausend Verbindungen zum Einsatz.

 

Unter Umständen muss auch der Internet-Anschluss im Unternehmen neu dimensioniert werden. Zusätzlich zum normalen Datenverkehr kommen nun die VPN-Tunnel der Mitarbeiter im Home Office ins Spiel. Hier müssen die IT-Administratoren die große Vielfalt möglicher Anwendungen im Auge behalten, um den Bedarf zu schätzen. Eine 1-Gbit-Leitung kann an ihre Grenzen geraten, wenn 50 ausgelagerte Mitarbeiter noch zusätzlich an einer Videokonferenz in 4K-Qualität teilnehmen. Auch aus Gründen der Ausfallsicherheit sollten mehrere Leitungen verschiedener Provider kombiniert werden. Es empfiehlt sich zudem, bei der Kapazität »Luft nach oben« zu haben, falls es zu Lastspitzen kommen sollte oder um zukünftiges Wachstum zu gewährleisten.

 

Auch Zweigstellen sind Teil dieser Überlegungen. Für kleinere Niederlassungen bietet es sich an, statt mehrerer VPN-Clients einen zentralen VPN-Router vor Ort zu installieren, der die PCs und Laptops mit der zentralen Unternehmens-IT verbindet. Dieser bietet dann ganz nebenbei auch noch ein deutliches Plus an Möglichkeiten.

 

Home Sweet Home nur bei ausreichend Bandbreite

Ebenso wie die Router und Leitungen in der Zentrale analysiert und gegebenenfalls erweitert werden müssen, so gilt dies auch für die Home Offices: Die Mitarbeiter müssen die Leistungsfähigkeit ihrer Heim-Anbindung testen. Ein DSL-Anschluss am Home-Office-Standort sollte mindestens verfügbar sein. Wo dieser nicht gegeben ist, kann der Mitarbeiter auf eine Mobilfunk-Verbindung ausweichen. Problematisch ist bei der Verwendung von DSL-Anschlüssen, dass sie asymmetrisch sind: ihre Downstream-Leistung liegt meist ein Vielfaches über der Upstream-Leistung. In anderen Worten: eine Datei von einem Server oder einer Website herunter zu laden geht schneller, als sie hochzuladen. Dies kann bei Diensten Probleme erzeugen, die auf synchrone Übertragung angewiesen sind, so wie etwa Video- und Audio-Calls. Da hilft dann nur ein entsprechendes Mehr an Bandbreite.

 

Der firmeneigene Router garantiert die QoS

Wenn in der Familie mehrere Arbeitnehmer von zuhause arbeiten oder die Kinder Tele-Unterricht machen, muss zudem sichergestellt sein, dass für zeitkritische Applikationen die nötige Bandbreite vorhanden ist. Auf dem Endgerät kann der VPN-Client die Priorisierung der Datenströme vornehmen. Doch um die Quality-of-Service (QoS) auch gegenüber anderen Endgeräten im Haushalt zu gewährleisten, muss diese über den Router selbst geregelt werden. Im Idealfall ist ein von der Firma gestellter VPN-Router zuhause über SD-WAN (Software-defined Networking) zentral durch die Firmen-IT konfigurierbar. Dies hat den weiteren Vorteil, dass das Home-Office-Endgerät nicht mit jedem Neustart eine neue VPN-Sitzung aufbauen muss. Auch die Nutzung eines physischen Telefonapparates anstelle des weit verbreiteten Headsets, angeschlossen an den Laptop, ist so möglich.

 

Gestärkt und flexibler aus der Krise

Noch Anfang des Jahres hätte niemand die Einführung von Home Offices in dieser Dimension und Geschwindigkeit für möglich gehalten. Unternehmen, die diesen Startschuss zur Digitalisierung des Büros nutzen, werden nicht nur kommende Ausnahmesituationen besser meistern. Sie sind auch dann im Vorteil, wenn die Normalität zurückkehrt und Mitarbeitermotivation, Team-Arbeit und Produktivität wieder die entscheidenden Kennzahlen unserer Arbeit werden. Wenn Unternehmen jetzt dafür sorgen, dass die neue Arbeitswelt ausreichende IT-Performance bietet und technisch gegen Angriffe gesichert ist, verhindern sie, dass die aktuelle Krise vermeidbare zukünftige Sicherheitsvorfälle nach sich zieht.

Dr. Tarik Erdemir, Vice President Router & VPN-Gateways, LANCOM Systems GmbH

 

 

Wie viel Bandbreite (Downstream) braucht ein Home-Office-Arbeitsplatz?

Bandbreitenbedarf typischer Anwendungen:

  • E-Mail, Websites: minimal
  • Audio-Anruf über Microsoft Teams: 30 Kbit/s
  • Voice-over-IP-Telefonie: 100 Kbit/s
  • Video Conference: zwischen 2,5 und 4 Mbit/s

Aktuell bieten viele Telekommunikationsanbieter keinen Vertrag mit unter 16Mbit/s maximalem Download an. Während in manchen ländlichen Gebieten dieser Wert bisweilen nicht annähernd erreicht wird, bedeutet dies für die restlichen Internet-Nutzer, dass für einen Standard-Home-Office-Arbeitsplatz ausreichend Bandbreite für alle Anwendungen vorhanden ist.

 

 

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