Hybrid-Cloud – Über den Wolken

Digitalisierung und Cloud werden in einem Atemzug genannt und sind aus dem Alltag nicht wegzudenken. Software-as-a-Service (SaaS) und Pay-per-Use sind etabliert und die Diskussionen rund um die Sorgen und Probleme ebben immer mehr ab. Wie steht es in der Praxis tatsächlich um deren Nutzung und Akzeptanz? Ein Gespräch mit André Vogt, Senior Vice President EIM bei der CENIT AG.


Welche Position vertreten Sie im Cloud-Kontext und wie ist Ihre Wahrnehmung der Kundenakzeptanz? Was verändert sich?

Für die Cloud-Lösungen existieren aktuell hauptsächlich drei Akteursdimensionen, die Einfluss auf die Ausrichtung und Etablierung der Cloud-Idee im Markt nehmen.

  • Reine Softwareanbieter, die aus dem SaaS-Ansatz kommend, standardisierte Lösungen anbieten. Diese weisen wenig bis keine Anpassbarkeit an besondere Kundenanforderungen auf, generieren aber dafür große Nutzerzahlen.
  • Echte Cloud- und Technologieanbieter, die einen Full-Service von Hardware- und Softwareleistungen und Betreibermodellen mitbringen.
  • Berater und Dienstleister: also Anbieter von Applikationen und Micro-Services, die durch Beratung und Dienstleistung – und gemeinsam mit den Kunden – die Automatisierung von Prozessen bei Berücksichtigung der Kosteneffizienz im Fokus haben.

Die Gemeinsamkeiten dieser drei Ausrichtungen sind schon recht groß, sie lassen aber nur die Ableitung zu, dass nicht ein Anbieter, eine Lösung oder ein Stück Software zum Ziel führen werden. Die Zusammenführung der »Bausteine« im Cloud-Kontext, deren Integration sowie die Sicherheit über den Prozess und die Systeme stehen im Fokus. Somit gibt es nicht die eine Cloud. Der Ansatz kann nur eine Hybrid-Cloud sein, die alle drei Ansätze, beziehungsweise deren Vorteile entsprechend vereinigt und den Kundennutzen aus prozessualer Sicht heben kann.

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Hybrid-Cloud – Was genau verstehen Sie unter dem Begriff?

Die Hybrid-Cloud ist eine Plattform für Anwendungen und Infrastruktur, die auf zwei oder mehr Komponenten aus Public-Cloud, Private-Cloud und On-Premises-IT basiert. In allen ihren Formen vereinfacht Hybrid-Cloud die Flexibilität und Portierbarkeit für Anwendungen und Daten. »Container-Technologien«, wie Kubernetes und weitere offene Standards, sind der technologische Schlüssel, um die wirkliche Integration von Lösungen und damit von Prozessen zu ermöglichen.

Dies wird nötig, da Daten-Governance und das Zusammenspiel mit internen, etablierten IT-Systemen nur so gelöst werden können. Der Begriff »Hybrid« ist aus meiner Sicht sehr gut gewählt und verdeutlicht, dass die frühere Sorge von Anwendern, sich abhängig von einem einzigen Cloud-Anbieter zu machen, obsolet ist. Für Dienstleister ergibt sich in diesem Kontext die große Chance, bei der Orchestrierung der einzelnen Komponenten mit zu spielen. Das ist im Übrigen auch der Weg der CENIT. Hierbei geht es nicht nur um die IT-technische Orchestrierung, sondern auch um die Ausgestaltung und kosteneffiziente Automatisierung aus der prozessualen Sicht.


Welchen thematischen Fokus setzen Sie derzeit im Markt? Und welche Rolle spielt für Sie im Cloud-Kontext die künstliche Intelligenz im weiteren Sinne?

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Wir fokussieren uns derzeit auf den Ansatz der »360-Grad-Kundenkommunikation«. Dieser Ansatz hat Lösungen automatisierter Dialogsysteme im Blick, welche beliebig in verschiedene Kommunikationskanäle integriert werden können. Dazu zählen auch Chatbots, Sprachassistenten oder Messenger.

Es ist klar, dass der Kundendialog, der zugehörige Prozess und die Integration in die Bestandslandschaft hier im Vordergrund stehen und die IT nur als Vehikel benutzt wird.

KI-basierte, automatisierte Bilderkennung – gerne auch als Micro-Service aus der Cloud – wird in diesen Prozessen ebenfalls als funktionale Erweiterung genutzt und dient zum einen der Klassifizierung von beispielsweise Kfz-Schäden. Zum anderen werden explizit und implizit Nutzen im Umfeld der Fraud Detection und Prevention erzielt, etwa durch Prüfung des Erstellungsdatums eines Unfallfotos oder seiner GPS-Koordinaten im Vergleich mit dem Unfalldatum beziehungsweise Ort.

Kontextabgleiche zu Wetter- und anderen Rahmenparametern werden auswertbar und geben wertvolle Hinweise für die Klassifizierung und Priorisierung des Vorgangs.

Alle diese Elemente werden mit Lösungen zur Akten- und Vorgangsverarbeitung integriert und erlauben die ganzheitliche Abbildung von Input- und Output-Prozessen – darum auch 360 Grad.


Wie erfolgt denn die Beschaffung auf der Kundenseite für solche Lösungen? Registrieren Sie Veränderungen im Einkaufsverhalten?

Die Digitalisierung verändert nicht nur unseren Umgang mit Technologie und das dazugehörige Handeln, sondern ebenso das Einkaufsverhalten der Kunden im B2B-Bereich.

SaaS-Leistungen, die Cloud-Lösungen beinhalten, auf den fachlichen Prozess abgestimmt sind und eine Betriebsverantwortung inkludieren, werden deutlich mehr nachgefragt. Denn dies bringt mit sich, dass ohne Upfront-Investment beschafft werden kann. Damit haben wir übrigens den Beleg, dass echte X-as-a-Services, mit einer Abrechnung über Pauschalen bereits in der Realität angekommen sind.

Die Gründe hierfür sind klar: Die Sicherheitsanforderungen, KI-basierte Cloud-Funktionalitäten und die generelle Geschwindigkeit der technologischen Weiterentwicklung erlauben vielen Organisationen gar nicht mehr, alles selber zu durchdringen und zu verantworten. Zukünftig werden Aufgaben noch mehr in Richtung Management der Schnittstellen zu den jeweiligen Systemen, Clouds und Dienstleistern übergehen. Und damit wird sich die Beschaffung ebenfalls weiter entwickeln. Alles ist etwas agiler geworden – auch die Anforderungen an die Abrechnung und die Aufteilung von wirtschaftlichen Risiken. Es werden wiederkehrend Partnerschaften gesucht, die auch wirtschaftlich, gemeinsame Ziele anstreben und hierbei auch investieren: In Know-how, in Technologie und in das gemeinsame Businessmodell. Diese Flexibilität bei der Abrechnung, die Expertise über die Branchenprozesse und übergreifende Technologie-Expertise haben uns in 2020 übrigens nicht zuletzt den IBM AWARD 2020 Cloud Excellence Digital Business Automation gewinnen lassen. Dies bestärkt uns bei der weiteren Verfolgung dieser Strategie.

Ob nun Cloud, Hybrid oder On-Premises: Wir erleben aktuell eine technologisch spannende Zeit. Gerade in der Vielfalt der Lösungen liegt das Potenzial. Ihr Einsatz setzt einen Veränderungsprozess in Gang: man fängt an Abläufe zu überdenken, Kommunikationswege, Entscheidungen zu hinterfragen. Es geht also um mehr als die Entscheidung für eine Technologie – es geht um eine digitale Transformation von Prozessen oder ganzen Unternehmensbereichen. Um Unternehmen den Einstieg in diesen dynamischen Kontext zu erleichtern und den für sie entstehenden Nutzen aufzuzeigen und, sind Lösungen gefragt, die genau die Besonderheiten ihrer Situation abbilden können. Und genau diesen Weg gehen wir mit unseren Kunden.

Illustration: © MJgraphics /shutterstock.com

 

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