Europäische Verteidigung: Das ITAR-Problem ist für jedes NATO-Drohnenprogramm relevant

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Management Summary

  • ITAR wird zum strategischen Risiko europäischer Drohnenprogramme: Viele in Europa montierte Systeme enthalten US-Komponenten und unterliegen dadurch weiterhin amerikanischen Exportkontrollen.
  • Souveräne Beschaffung scheitert an kritischen Subsystemen: Trotz steigender Verteidigungsausgaben und SAFE-Vorgaben fehlen bei zentralen Komponenten wie Laserzielerfassungs-Nutzlasten bislang ausreichend europäische Alternativen im industriellen Maßstab.
  • Operative Abhängigkeit entsteht im Krisenfall: Wenn Chips, Sensoren oder Zielerfassungssysteme ITAR-kontrolliert sind, kann Washington Einfluss darauf nehmen, wo, wie und an wen europäische Systeme eingesetzt oder weitergegeben werden.
  • GPS-Störungen erhöhen die Bedeutung optischer Zielerfassung: Gerade in umkämpften Einsatzräumen gewinnen laserbasierte Systeme an Relevanz, weil sie auch bei gestörter Satellitennavigation präzise Wirkung ermöglichen.
  • ITAR-freie Architekturen werden zum Beschaffungskriterium: ReArm Europe, EDIP und Industrieinitiativen zeigen, dass technologische Souveränität künftig nicht nur von Montageort und Budget abhängt, sondern von exportkontrollfreier Systemarchitektur.

 

Europa gibt jährlich 739 Milliarden Euro aus, um seine strategische Autonomie aufzubauen. Dennoch unterliegen die meisten kritischen Komponenten seiner Drohnenflotte weiterhin den US-Exportgesetzen. Im Konfliktfall schafft das einen operativen Engpass: Europa kann seine eigenen Waffensysteme nicht frei einsetzen, verändern oder weitergeben, ohne eine formelle Genehmigung aus Washington einzuholen.

 

Als das Flugzeug des britischen Verteidigungsministers am 21. Mai über der Ostflanke der NATO durch GPS-Störsignale beeinträchtigt wurde, mussten die Piloten vollständig auf Backup-Inertialsysteme navigieren. Mutmaßliche russische Störmaßnahmen unterbrachen das Satellitensignal kurz nach dem Start aus Estland, wodurch die Navigationsstörungen auf das 20-Fache des Ausgangswerts anstiegen. Es war ein anschauliches Beispiel für eine Verwundbarkeit, vor der europäische Militärs seit Jahren warnen. Europäische Streitkräfte setzen nun verstärkt auf optische Laserzielerfassung, gerade weil sie funktioniert, wenn GPS ausfällt. Doch in nahezu jedem europäischen Drohnenprogramm unterliegen genau diese Lasersysteme rechtlich den US-Exportkontrollen.

 

Europa erhöht seine Verteidigungsausgaben in einem Tempo, wie es seit den 1950er-Jahren nicht mehr zu beobachten war: 739 Milliarden Euro im Jahr 2025, ein Plus von 14 Prozent gegenüber dem Vorjahr [1]. Das Kapital fließt insbesondere in autonome Systeme, angetrieben durch neu geschaffene Rahmenwerke wie die European Drone Defence Initiative und die Eastern Flank Watch. Um sicherzustellen, dass diese Investitionen tatsächlich heimische Kapazitäten aufbauen, hat die EU das SAFE-Mandat eingeführt [2]. Es verlangt, dass jedes EU-finanzierte Verteidigungsbeschaffungsprogramm mindestens 65 Prozent Komponenten europäischen Ursprungs enthält.

 

Europäische Beschaffungsteams glauben, ausländische Abhängigkeiten zu vermeiden, indem sie bei europäischen Rüstungsunternehmen einkaufen. Was ihnen häufig nicht bewusst ist: Ein US-Regelwerk namens ITAR, die International Traffic in Arms Regulations, kontrolliert diese Plattformen dennoch von innen heraus, weil sie mit amerikanischen Komponenten bestückt sind. Nach diesen Regeln unterliegt ein in Europa hergestellter Drohnentyp bereits dann vollständig der US-Exportzuständigkeit, wenn er auch nur einen einzigen Chip oder Sensor aus den USA enthält. Das Ergebnis ist ein tiefgreifender operativer Widerspruch: Europa bezahlt die Hardware, doch das US-Außenministerium behält im Krisenfall das letzte Wort darüber, wo und wie sie eingesetzt werden darf.

 

Das ist relevant, weil nach Daten des Europäischen Parlaments bis zu 60 Prozent der Subsysteme in europäisch montierten Drohnen derzeit von außerhalb der EU stammen, vor allem aus den USA und China [3]. Setzt man dies in Beziehung zur SAFE-Vorgabe von 65 Prozent europäischem Ursprung, entsteht ein rechnerischer Stillstand: Beschaffungsteams formulieren regulatorische Anforderungen, die sie derzeit noch nicht erfüllen können, weil für die wichtigsten Komponenten keine souveräne industrielle Basis im kommerziellen Maßstab existiert.

 

Dabei handelt es sich nicht um ein theoretisches Risiko, das irgendwo im Kleingedruckten von Verteidigungsverträgen verborgen liegt; wir haben bereits gesehen, wie es in der Praxis aussieht. Im Jahr 2023 schränkte SpaceX die Nutzung von Starlink durch ukrainische Streitkräfte zur Drohnenführung über der Krim ein [4]. Dies geschah nicht aufgrund einer vertraglichen Verpflichtung oder einer Entscheidung einer gewählten Regierung, sondern wegen des Risikos einer Neueinstufung unter US-Exportkontrollen.

 

Genau dieselbe rechtliche Logik ist heute in der Mehrheit der europäischen NATO-Drohnenprogramme verankert. Die Vereinigten Staaten sind ein verlässlicher Verbündeter, doch Verlässlichkeit ist nicht dasselbe wie Vorhersehbarkeit. Europa sollte keine Erlaubnis aus Washington benötigen, um zu entscheiden, wo und wofür seine eigenen Verteidigungssysteme eingesetzt werden. Diese rechtliche Abhängigkeit im Kern der europäischen Verteidigungsinfrastruktur ist ein strukturelles Problem, dem sich die europäische Beschaffung bislang nicht direkt gestellt hat.

 

Europäische Beschaffungsrahmen beginnen, dieses Signal aufzugreifen. ReArm Europe und das European Defence Industry Program haben den ITAR-freien Status formell als Förderkriterium verankert – nicht als politische Aussage oder ideologische Abkehr von transatlantischen Verbündeten, sondern als nüchterne Anerkennung eines operativen Risikos [5]. Eine Analyse des Kiel Instituts schätzt, dass echte europäische militärische Unabhängigkeit in den kommenden zehn Jahren für rund 500 Milliarden Euro erreichbar ist, allerdings nur, wenn die grundlegenden Systeme frei von externen Exportkontrollen aufgebaut werden [6].

 

Als Ingenieur, der seit Jahren Hardware in diesem Ökosystem entwickelt, weiß ich: ITAR-frei zu bauen ist keine Marketingposition. Es erfordert, die technische Architektur von Grund auf neu zu denken und jede Linse, jeden Sensor und jede Leiterplatte bewusst innerhalb europäischer Grenzen zu beschaffen oder zu fertigen. Bis vor Kurzem war das für bestimmte hochkritische Komponenten schlicht nicht möglich – einschließlich der leichten Laserzielerfassungs-Nutzlasten, die taktischen Drohnen die Präzision verleihen, auch dann effektiv zu operieren, wenn GPS nicht verfügbar ist und die Sicht nahezu null beträgt.

 

Bis Juni 2026 gab es keinen europäischen souveränen Anbieter von Laserzielerfassungs-Nutzlasten im kommerziellen Maßstab. Damit war die Komponente, die darüber entscheidet, ob eine Drohne ihr Ziel treffen kann, per Definition ITAR-kontrolliert – unabhängig davon, wie europäisch der Rest der Plattform auf dem Papier erschien.

 

Die richtige Frage lautet nicht, ob ein System in Europa montiert wurde. Entscheidend ist, ob jede operativ kritische Komponente in diesem System frei von US-Exportzuständigkeit ist, bevor die Verträge unterzeichnet werden. Wir haben unsere Systeme bewusst ITAR-frei entwickelt, weil die Einsatzkommandeure, die uns mit der Entwicklung beauftragten, erklärten, sie könnten es sich im Krisenfall nicht leisten, auf eine Genehmigung des US-Außenministeriums zu warten. Diese Anforderung sagte uns alles, was wir über die Lücke zwischen europäischem Verteidigungsanspruch und europäischer Beschaffungspraxis wissen mussten. Wenn Europa Hunderte Milliarden investiert, um seine Grenzen zu sichern, müssen die Werkzeuge, die es kauft, vollständig den Nationen gehören, die sich im Einsatz auf sie verlassen.

Laurynas Šatas

Quelle: (c) Aktyvus Photonics

Laurynas Šatas ist CEO der Aktyvus Photonics Group. Tactical Photonics, Teil der Aktyvus Photonics Group, ist Anbieter von Laserzielerfassungslösungen, darunter ein Laser Target Designator für taktische Drohnen, der auf der Eurosatory 2026 als Europas erstes souveränes System dieser Art vorgestellt wurde. Der Designator wiegt weniger als 2 kg und unterliegt keinen ITAR-Beschränkungen. Er ist ein Produkt innerhalb eines breiteren Portfolios von Laserzielerfassungslösungen, einschließlich handgehaltener und tragbarer Systeme, die alle darauf ausgelegt sind, die Exportkontrollrisiken schwererer, aus den USA stammender Alternativen zu vermeiden.
Aktyvus Photonics Group ist ein litauisches Verteidigungstechnologieunternehmens, das laserbasierte Präzisionszielerfassungssysteme für taktische NATO-Drohnenplattformen entwickelt. Die Tochtergesellschaft Tactical Photonics produziert Europas erste souveräne Laserzielerfassungs-Nutzlast für taktische Drohnen: ITAR-frei, STANAG-3733-konform und in Litauen gefertigt. Aktyvus Photonics hat elektrooptische und photonische Subsysteme an führende NATO-Auftragnehmer und EU-finanzierte Verteidigungskonsortien geliefert.

 

[1] https://www.sipri.org/media/press-release/2026/global-military-spending-rise-continues-european-and-asian-expenditures-surge
[2] https://defence-industry-space.ec.europa.eu/eu-defence-industry/readiness-roadmap-2030_en
[3] https://defence-industry-space.ec.europa.eu/eu-defence-industry/readiness-roadmap-2030_en
[4] https://www.reuters.com/investigations/musk-ordered-shutdown-starlink-satellite-service-ukraine-retook-territory-russia-2025-07-25/
[5] https://www.consilium.europa.eu/en/policies/defence-industry-programme/
[6] https://www.euinsider.eu/news/eu-defense-itar-free-europe-rearm

 

 

FAQ

Was ist ITAR?
ITAR steht für International Traffic in Arms Regulations. Das US-Regelwerk kontrolliert den Export, die Weitergabe und teilweise auch den operativen Einsatz von Rüstungsgütern und sicherheitsrelevanten Komponenten mit US-Ursprung.

Warum betrifft ITAR auch europäische Drohnen?
Sobald eine europäische Drohne kritische US-Komponenten wie Chips, Sensoren oder Laserzielerfassungssysteme enthält, kann das Gesamtsystem unter US-Exportzuständigkeit fallen – selbst wenn es in Europa montiert wurde.

Worin liegt das operative Risiko?
Im Konfliktfall könnten Nutzung, Weitergabe oder Modifikation eines Systems von Genehmigungen aus Washington abhängen. Das kann Beschaffung, Einsatzplanung und Unterstützung von Partnerstaaten verlangsamen oder einschränken.

Warum sind Laserzielerfassungssysteme besonders relevant?
Sie ermöglichen präzise Zielerfassung auch dann, wenn GPS gestört oder nicht verfügbar ist. Damit werden sie für taktische Drohnen in umkämpften elektromagnetischen Umgebungen zu einer Schlüsselkomponente.

Was bedeutet ITAR-frei in der Beschaffungspraxis?
ITAR-frei bedeutet, dass operativ kritische Komponenten nicht der US-Exportkontrolle unterliegen. Für Beschaffer heißt das: Nicht nur der Herstellerstandort zählt, sondern die Herkunft und rechtliche Einstufung jedes sicherheitsrelevanten Bauteils.

Welche Rolle spielt SAFE für europäische Drohnenprogramme?
Das SAFE-Mandat soll sicherstellen, dass EU-finanzierte Verteidigungsprojekte einen hohen Anteil europäischer Komponenten enthalten. In der Praxis zeigt es jedoch auch, wo noch industrielle Lücken bestehen – insbesondere bei kritischen Subsystemen, die bislang häufig aus den USA oder China stammen.

Warum reicht europäische Endmontage allein nicht aus?
Entscheidend ist nicht nur, wo ein System zusammengesetzt wird, sondern woher seine sicherheitskritischen Komponenten stammen und welchen Exportkontrollen sie unterliegen. Wirkliche technologische Souveränität entsteht erst, wenn die gesamte operative Architektur frei von externen Genehmigungsvorbehalten ist.

 

Management Summary, FAQ und Bild wurden durch KI erstellt

 

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