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Unternehmen, die Homeoffice wieder pauschal zurückdrehen, setzen auf ein überholtes Verständnis von Produktivität. Der entscheidende Hebel liegt nicht in Anwesenheit, sondern in Ergebnissen, Vertrauen und einer Arbeitsorganisation, die Fachkräfte bindet statt abschreckt.
Management Summary
- Präsenz ist kein Produktivitätsnachweis: Wissensarbeit lässt sich nicht sinnvoll an Anwesenheit messen, sondern an Ergebnissen, Verlässlichkeit und Qualität.
- Homeoffice stärkt Eigenverantwortung: Flexible Arbeitsmodelle fördern fokussiertes Arbeiten, pünktlichere Abstimmungen und weniger Unterbrechungen im Tagesgeschäft.
- Kultur braucht Anlass statt Zwang: Persönlicher Austausch bleibt wichtig, entfaltet seinen Mehrwert aber vor allem in Workshops, Teamtagen und gezielten Begegnungen.
- Flexibilität entscheidet im Recruiting: Wer Homeoffice einschränkt, verkleinert seinen Bewerbermarkt und riskiert Nachteile im Wettbewerb um IT-Fachkräfte.
- Hybride Modelle zahlen auf Effizienz und ESG ein: Weniger Bürofläche, geringerer Pendelverkehr und bessere Serviceabdeckung machen flexible Arbeit auch betriebswirtschaftlich attraktiv.
Die Rückkehr zur Präsenzpflicht gilt vielen Unternehmen als Rezept für mehr Produktivität und Zusammenhalt. Das ist ein Irrtum. Und einer der Unternehmen ausgerechnet in Zeiten des Fachkräftemangels einen handfesten Nachteil auf dem Bewerbermarkt beschert.
Immer mehr Unternehmen vollziehen eine Rolle rückwärts und holen ihre Mitarbeitenden zurück ins Büro, teilweise mit festen Präsenztagen, teilweise sogar vollständig. Auffällig ist, dass ausgerechnet jene Unternehmen, die während der Corona-Pandemie als Vorreiter des Homeoffice galten, ihre Vorgaben nun wieder verschärfen. Die Begründungen ähneln sich: bessere Zusammenarbeit, eine stärkere Unternehmenskultur und höhere Produktivität. Aber stimmt das auch? Unsere Erfahrungen als IT-Dienstleister sprechen eine andere Sprache.
Anwesenheit ist nicht gleich Produktivität. Im Büro lässt sich zwar kontrollieren, ob jemand da ist, aber nicht automatisch, wie effektiv gearbeitet wird. Ganz davon abgesehen, dass sich Wissensarbeit ohnehin nur begrenzt über reine Präsenz bewerten lässt. Wir erleben es genau andersherum: Mitarbeitende im Homeoffice zeigen oft eine höhere Eigenverantwortung und sind bereit, auch außerhalb der klassischen Arbeitszeiten noch einmal den Rechner einzuschalten. Außerdem beginnen Meetings pünktlicher, es gibt weniger Unterbrechungen durch spontane Bürogespräche und die Mitarbeitenden können ihre Konzentrationsphasen besser planen.
Das Argument der besseren Zusammenarbeit und der stärkeren Unternehmenskultur hat grundsätzlich natürlich etwas für sich: Persönlicher Austausch kann Kreativität fördern und eine Unternehmenskultur entsteht nicht ausschließlich digital. Aber dafür braucht es keine tageweise oder komplette Präsenzpflicht. Gezielte Workshops und Teamtage schaffen genau die persönlichen Begegnungen, die für Austausch und Zusammenhalt wichtig sind. Präsenz entfaltet ihren Mehrwert dort, wenn sie einen konkreten Anlass hat und nicht, wenn sie pauschal vorgeschrieben wird.
Unternehmen täuschen sich aber nicht nur, wenn sie glauben, durch eine Zwangsrückkehr ins Büro mehr Produktivität und Zusammenhalt zu schaffen. Sie verkleinern damit auch freiwillig ihren Bewerbermarkt – und das ausgerechnet in Zeiten des Fachkräftemangels. Homeoffice ermöglicht ihnen ein bundesweites Recruiting ohne Umzüge, wodurch sich der Bewerbermarkt erheblich vergrößert. Gleichzeitig ist Arbeitsplatzflexibilität längst zu einem wichtigen Wettbewerbsfaktor im Recruiting geworden und wird gerade von jüngeren Fachkräften erwartet. Außerdem haben viele Mitarbeitende inzwischen ihre Lebensplanung auf dauerhaftes Homeoffice ausgerichtet und sind teilweise aus Ballungsräumen weggezogen. Für sie können verpflichtende Bürotage ein Kündigungsgrund sein.
Neben der höheren Attraktivität als Arbeitgeber profitieren Unternehmen noch an vielen anderen Stellen: Sie haben einen geringeren Flächenbedarf und dadurch geringere Miet- und Nebenkosten. Sie verursachen weniger Pendelverkehr und einen geringeren CO2-Ausstoß und können damit das Erreichen ihrer ESG-Ziele unterstützen. Und sie können ihren Kunden einen besseren Service und eine bessere Erreichbarkeit bieten. Längere Servicezeiten lassen sich einfacher organisieren und wenn Mitarbeitende deutschlandweit tätig sind, können auch regionale Feiertage besser abgefangen werden.
Es spricht – zumindest in unserer Branche – eigentlich nichts für eine Abkehr vom Homeoffice. Natürlich müssen Unternehmen ihren Mitarbeitenden einen Vertrauensvorschuss geben. Unsere Erfahrungen der vergangenen Jahre zeigen jedoch, dass sich dieses Vertrauen auszahlt: für die Mitarbeitenden ebenso wie für das Unternehmen. Entscheidend ist nicht, wo gearbeitet wird, sondern welche Ergebnisse erzielt werden.
Nadine Riederer ist CEO beim IT-Dienstleister Avision
FAQ
Warum reicht Präsenz allein nicht aus, um Produktivität zu steigern?
Weil Anwesenheit lediglich sichtbar macht, wo Mitarbeitende arbeiten, nicht aber, wie wirksam sie Aufgaben lösen. Entscheidend sind messbare Ergebnisse, klare Ziele und eine verlässliche Zusammenarbeit.
Schadet Homeoffice der Unternehmenskultur?
Nicht zwangsläufig. Kultur entsteht durch Führung, Kommunikation und gemeinsame Erlebnisse. Gezielte Präsenzformate können dafür wirksamer sein als starre Büropflichten.
Welche Rolle spielt Homeoffice beim Fachkräftemangel?
Flexible Arbeitsmodelle erweitern den Recruiting-Radius und erhöhen die Arbeitgeberattraktivität. Unternehmen, die auf Anwesenheitspflicht setzen, schließen potenzielle Bewerberinnen und Bewerber unnötig aus.
Wann ist Präsenz dennoch sinnvoll?
Präsenz ist besonders wertvoll bei Workshops, Onboarding, kreativen Konzeptphasen oder Teamformaten mit hohem Abstimmungsbedarf. Entscheidend ist ein konkreter Zweck, nicht die pauschale Pflicht.
Was sollten Unternehmen stattdessen tun?
Sie sollten hybride Regeln an Aufgaben, Rollen und Ergebnissen ausrichten. Vertrauen, klare Verantwortlichkeiten und gut geplante Präsenzanlässe sind wirksamer als ein pauschales Zurück ins Büro.
Management Summary, FAQ und Bild wurden mit Hilfe von KI erstellt
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