KI im Mittelstand: Es geht auch ohne Großprojekt

Illustration Absmeier foto ki designer

Mittelständische Unternehmen zögern oft mit der Einführung von künstlicher Intelligenz, weil sie langwierige und kostspielige Großprojekte befürchten. Mit dem richtigen Vorgehen sind diese Bedenken jedoch unbegründet. KMU können den Einstieg pragmatisch gestalten und anschließend durch die Wiederverwendung von Ressourcen den KI-Einsatz effizient ausweiten.

 

Management Summary

  • KI-Einstieg ohne Großprojekt: Mittelständische Unternehmen können mit einem klar begrenzten Pilotprojekt starten und erste Resultate innerhalb weniger Wochen erzielen.
  • Plattform statt Insellösung: Der wirtschaftliche Hebel entsteht, wenn Rechenleistung, Daten, Modelle und Schnittstellen von Beginn an wiederverwendbar aufgebaut werden.
  • Skalierung über die KI-Fabrik: Jeder weitere Use Case nutzt vorhandene Komponenten, senkt den Integrationsaufwand und verbessert die Kosten-Nutzen-Bilanz.
  • Hybrid ist der Realitätscheck: Cloud, eigenes Rechenzentrum und Edge lassen sich so kombinieren, dass Performance, Datenschutz, Compliance und Kosten zusammenpassen.
  • Praxisnutzen entscheidet: Geeignete Startpunkte sind Prozesse mit hohem manuellem Aufwand, großen Datenmengen oder klar messbaren Engpässen.

 

Künstliche Intelligenz erreicht den deutschen Mittelstand in der Breite. Laut Bitkom nutzen 41 Prozent der Unternehmen ab 20 Beschäftigten KI aktiv, und fast die Hälfte plant oder diskutiert den Einsatz. Gleichzeitig meldet aber auch ein Drittel höhere Kosten als erwartet. Die Ursache dafür sind oft isolierte Einzelprojekte.

Viele Unternehmen bauen für jeden neuen Anwendungsfall eine eigene Umgebung mit eigenen Servern, eigener Datenhaltung und eigene Schnittstellen. Der Betrieb dieser Silos bindet Personal, vervielfacht Lizenzkosten, erschwert die Wartung und behindert insbesondere die Skalierung: Bei jeder neuen KI-Anwendung müssen Unternehmen wieder ganz von vorn beginnen.

Der Kernfehler liegt dabei im Zuschnitt des ersten Projekts. Als abgeschlossene Insel gebaut, lässt sich die erste KI-Anwendung später nicht ohne weiteres weiterverwenden. Ein weiterer Use Case fordert dann erneut Hardware, Integration und Konfiguration und führt Mittelständler in die gefürchteten Großprojekte.

 

Das erste Projekt ist das Fundament für alles Weitere

Das Konzept der KI-Fabrik bietet den Gegenentwurf. Es zielt auf eine zentrale Plattform für Rechenleistung und Daten ab, die unterschiedliche Anwendungsfälle gemeinsam bedient. Das erste KI-Projekt bildet dabei das Fundament für alle Folgeprojekte. Sie greifen auf bereits vorhandene Komponenten zu und gelangen dadurch schneller, kostengünstiger und mit weniger Aufwand in den erfolgreichen Betrieb. Mit jedem weiteren Use Case sinken die Stückkosten, und die Plattform wird immer effizienter.

Der Start in die KI-Fabrik bleibt dabei überschaubar. Ein eng umrissenes Pilotprojekt kann bereits in wenigen Wochen Resultate liefern und das Risiko gering halten. Für Entwicklung und Test reicht oft schon eine KI-fähige Workstation, und ein kleineres KI-Modell sowie eine begrenzte Datenbasis genügen für den Machbarkeitsnachweis. Bewährt sich der Pilot, lässt sich die Anwendung nahtlos auf eine produktive Serverinfrastruktur überführen, entweder im eigenen Rechenzentrum oder an einem Colocation-Standort.

 

Initiale Infrastruktur auf Wiederverwendbarkeit auslegen

Entscheidend ist, diese erste Infrastruktur so zu bauen, dass ihre Ressourcen wiederverwendet werden können. Das gelingt mit standardisierten und klar getrennten modularen Komponenten sowie definierten Schnittstellen. Die nächste KI-Anwendung benötigt dann keine komplett neu errichtete Umgebung. Vielmehr genügt es, die vorhandene Plattform um zusätzliche Rechen- und Speicherkapazitäten zu erweitern.

Auch bei der Software und den Prozessbausteinen lohnt es sich, vorauszuplanen, weil sie sich ebenfalls oft gut für eine Wiederverwendung eignen. So können etwa KI-Modelle für Sprach-, Bild- und Mustererkennung, Datenpipelines, Trainings-Vorlagen oder Schnittstellen zu Quellsystemen wie ERP und CRM oder Wissensdatenbanken von mehreren Anwendungen genutzt werden. Wenn sie generisch aufgebaut und über einheitliche Schnittstellen verknüpft sind, ist für ihre Wiederverwendung oft nur eine Anpassung erforderlich.

 

Unterschiedliche Betriebsmodelle kombinieren

Für ihre zentrale Infrastruktur können Unternehmen unterschiedliche Betriebsmodelle miteinander kombinieren. Rechenintensives Training beispielsweise erfolgt dann in der Public Cloud, die Rechenleistung elastisch und in großem Umfang bereitstellt. Regulierte oder schützenswerte Daten verbleiben im eigenen Rechenzentrum, so dass Unternehmen die Hoheit über Datenschutz, Compliance und Sicherheit behalten. Zeitkritische Anwendungen laufen am Edge, direkt dort, wo die Daten anfallen, zum Beispiel unmittelbar an den Produktionsmaschinen, wodurch die Latenzen niedrig bleiben. So entsteht eine flexible, leistungsfähige Gesamtarchitektur, die Kosten optimiert, Risiken minimiert und gleichzeitig Innovation beschleunigt.

Der Weg zur KI-Fabrik folgt einer überschaubaren Reihenfolge. Er beginnt mit klaren Geschäftszielen wie schnelleren Prozessen oder besseren Entscheidungsgrundlagen und der Identifikation geeigneter Einsatzfelder. Nach einer Bewertung von Nutzen und Machbarkeit wird ein vielversprechender Pilot-Use-Case umgesetzt, anschließend optimiert und schrittweise auf weitere Prozesse ausgeweitet. So entsteht mit jeder Iteration eine wiederverwendbare KI-Infrastruktur. Für den Einstieg eignen sich dabei vor allem Prozesse mit hohem manuellem Aufwand, Engpässen oder großen Datenmengen und Use Cases. Den Vorzug verdienen Anwendungsfälle, die großen Nutzen bei geringem Aufwand ermöglichen und eine gute Basis für nachfolgende Anwendungen schaffen.

 

Praxisbeispiel: Ein Service-Assistent binnen zwei Monaten

Der Anbieter von Software für Zeitwirtschaft, Personalmanagement sowie Lohn- und Gehaltsabrechnung Eckhardt GmbH zeigt das Vorgehen in der Praxis. Das Unternehmen baute in nur zwei Monaten einen KI-gestützten Service-Assistenten. Dieser Assistent beantwortet den Mitarbeitern und Kunden fachliche und technische Fragen zu den Softwarelösungen des Unternehmens, so dass langwierige Recherchen in Handbüchern und Gesetzestexten hinfällig sind. Dadurch geht die Zahl der Anrufe beim Support zurück, und das Team gewinnt Spielraum für anspruchsvollere Aufgaben.

Für die Erprobung des Assistenten diente dabei eine KI-Workstation mit einem kleineren Modell und begrenzter Datenbasis. Nach dem Machbarkeitsnachweis übertrug die Eckhardt GmbH den Assistenten für den Produktivbetrieb auf zwei Server im eigenen Rechenzentrum. Im nächsten Schritt möchte das Unternehmen das Dokumentenmanagement anbinden, sodass sich Angaben zu Fehlzeiten oder aus Arbeitsverträgen abrufen lassen. Perspektivisch sollen auch Bescheinigungen und Nachweise automatisiert ausgewertet werden. Auch eine Anomalieerkennung für Lohnabrechnungen ist angedacht.

 

KI-Fabrik wird immer effizienter

Das Konzept der KI-Fabrik ermöglicht dem Mittelstand den Einstieg und die Skalierung von KI ohne ausufernde Großprojekte. Ein eng gefasster erster Anwendungsfall bringt rasch ein Ergebnis und legt zugleich die Basis für weitere Use Cases. Mit jeden weiteren Anwendungsfall wächst die KI-Fabrik und wird dabei durch die Wiederverwendung vorhandener Ressourcen immer effizienter. IT-Partner wie Dell Technologies können mittelständische Unternehmen auf diesem Weg umfassend begleiten: von der ersten Workstation für den Pilot über vorkonfigurierte Server und Speichersysteme für den Produktivbetrieb im eigenen Rechenzentrum bis hin zum schrittweisen Ausbau der KI-Fabrik.

Ingo Gehrke ist General Manager Small and Medium Business bei Dell Technologies in Deutschland

 

FAQ

Warum sollten Mittelständler nicht mit einem großen KI-Programm starten?
Großprojekte binden Budget, Personal und Zeit, bevor ein belastbarer Nutzen sichtbar wird. Ein fokussierter Pilot reduziert das Risiko und schafft eine pragmatische Entscheidungsgrundlage.

Was unterscheidet eine KI-Fabrik von einzelnen KI-Projekten?
Eine KI-Fabrik stellt gemeinsame Ressourcen wie Infrastruktur, Datenpipelines, Modelle und Schnittstellen bereit. Neue Anwendungen müssen dadurch nicht jedes Mal von Grund auf neu aufgebaut werden.

Welche Use Cases eignen sich für den Einstieg?
Besonders geeignet sind klar abgegrenzte Prozesse mit hohem manuellem Aufwand, wiederkehrenden Anfragen, großen Datenbeständen oder messbaren Engpässen im Tagesgeschäft.

Muss KI zwingend in der Public Cloud laufen?
Nein. Viele Unternehmen kombinieren Public Cloud, eigenes Rechenzentrum und Edge-Umgebungen. So lassen sich Skalierbarkeit, Datenschutz, Latenz und Kosten passend zum jeweiligen Anwendungsfall austarieren.

Welche Rolle spielt ein IT-Partner beim Aufbau?
Ein erfahrener Partner kann bei der Auswahl des Pilotprojekts, der Architektur, der Infrastruktur und dem späteren Ausbau unterstützen. Entscheidend ist, dass der erste Schritt bereits auf Wiederverwendbarkeit und Skalierung ausgelegt ist.

Management Summary, FAQ und Bild wurden mit Hilfe von KI erstellt

 

 

Tipps für Unternehmen: So gelingt der nächste Schritt

  • Mit einem klaren Business-Ziel starten: Unternehmen sollten nicht mit der Technologie beginnen, sondern mit einer konkreten Frage: Welcher Prozess soll schneller, günstiger, zuverlässiger oder kundenfreundlicher werden?
  • Einen überschaubaren Pilot-Use-Case auswählen: Der erste Anwendungsfall sollte fachlich relevant, technisch beherrschbar und innerhalb weniger Wochen testbar sein. Ideal sind wiederkehrende Aufgaben mit vielen Daten und messbarem Nutzen.
  • Die Infrastruktur von Anfang an modular planen: Auch ein kleines Pilotprojekt sollte so aufgebaut sein, dass Datenpipelines, Modelle, Schnittstellen und Rechenressourcen später wiederverwendet werden können.
  • Cloud, Rechenzentrum und Edge bewusst kombinieren: Unternehmen sollten früh klären, welche Daten in der Cloud verarbeitet werden dürfen, welche im eigenen Rechenzentrum bleiben müssen und wo Edge-Verarbeitung wegen Latenz oder Datennähe sinnvoll ist.
  • Governance und Sicherheit früh mitdenken: Datenschutz, Zugriffsrechte, Compliance, Modellqualität und Kostenkontrolle sollten nicht erst im Produktivbetrieb geregelt werden, sondern bereits im Pilotprojekt.
  • Fachabteilungen eng einbinden: KI-Projekte gelingen schneller, wenn IT und Fachbereiche gemeinsam Use Cases priorisieren, Daten bereitstellen, Ergebnisse bewerten und Akzeptanz im Unternehmen schaffen.
  • Nach dem Pilot konsequent skalieren: Bewährt sich der erste Use Case, sollte das Unternehmen gezielt prüfen, welche Komponenten für weitere Anwendungen nutzbar sind und welche Prozesse als nächste von der KI-Fabrik profitieren.

 

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