ERP-Systeme – Open Source vs. Closed Source

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Der Entscheidungskampf zwischen Open-Source- und Closed-Source-Softwarelösungen wird weiterhin mit vollem Eifer gefochten. Auch im ERP-Bereich kann man keinen generellen Sieger ernennen. Beim Entschluss zu einem Für oder Wider sollten einige wichtige Kriterien, wie Innovationsfähigkeit, Support, Sicherheit, Leistung, Preis oder Unternehmensgröße, bei der Entscheidungsfindung berücksichtigt werden.

Bevor jedoch auf diese Entscheidungskriterien näher eingegangen wird, sollen zunächst die Begrifflichkeiten Open Source und Closed Source näher definiert werden. Bei einer Open-Source-Software (OSS) handelt es sich um eine offene Software, da ihr Quellcode frei zugänglich ist. Jeder Entwickler darf den Code ändern und diese Individualisierung auch weiterverbreiten. Für die Nutzung von Open-Source-Software fallen in aller Regel keine Lizenzgebühren an. Einige Anbieter erheben allerdings Bereitstellungsgebühren. Die Nutzung ist stets unbegrenzt möglich sowie unabhängig von der Nutzeranzahl und dem Einsatzzweck. Teilweise wird quelloffene Software mit Freeware verwechselt, dies ist jedoch nicht richtig.

Das Gegenteil der Open-Source-Software bildet die Closed-Source-Software (CSS). Diese wird herkömmlich lizenziert und der Quellcode ist nicht zugänglich, sondern geschützt. Nur die Hersteller der Software sind dazu befugt den Quellcode einzusehen, zu kopieren oder zu ändern.

Um die Vor- und Nachteile abzuwiegen, muss zuallererst die eigene Unternehmensstruktur analysiert und diese für die Entscheidungsfindung berücksichtigt werden. Denn wo Open-Source-Lösungen auf der einen Seite enorme Potenziale bieten, können diese unter anderen Umständen auch Risiken mit sich bringen. 

Vor- und Nachteile von Open Source. Neben der meist kostenfreien und unbegrenzten Nutzung bieten ERPs mit Open Source einige Vorteile:


Eine hohe Flexibilität, welche durch die freie Anpassbarkeit des Quellcodes an individuelle Anforderungen und Prozesse entsteht. Wenn die Open-Source-Software weit verbreitet ist, hat sich dadurch meist auch eine größere Community entwickelt, von der die gesamte Nutzergemeinde in Form von neuen Funktionen, der Behebung von Fehlern oder Sicherheitslücken profitiert. 


Die Möglichkeit auf sich ständig ändernde Rahmenbedingungen zu reagieren und gleichzeitig eigens optimierte Unternehmensprozesse im ERP-System abzubilden. 


Entwicklung neuer Kompetenzen, wenn Ressourcen für eine unternehmensinterne Bearbeitung von Programmieraufgaben bereitgestellt werden. Diese können genutzt werden, um neue Prozesse im System zu integrieren und gleichzeitig der Nutzergemeinde bereitzustellen. 


Verringerung der Abhängigkeiten an den ERP-Anbieter, sowie Kosteneinsparungen aufgrund von nicht benötigten Anpassungen oder Supportleistungen. 


Auftretende Probleme können intern schnell bearbeitet und behoben werden.

 

Trotz der vielen positiven Punkte muss allerdings festgehalten werden, dass ein Open-Source-ERP-System in der Basisvariante meist schlanker und unspezifischer ausgeprägt ist, wodurch insbesondere der initiale Anpassungsaufwand hoch ist. 


Eventuell große Lücke zwischen den Unternehmensanforderungen und den Standardfunktionen. 


Entsprechendes Know-how bei der Einführung solcher Projekte. Dieses Know-how kann aus qualifizierten Mitarbeitern bestehen oder als externe Dienstleistung hinzugezogen werden. Beides ist mit hohen Kosten verbunden. 


Hohe Kosten durch Wartung, den Support oder die Schulung der Anwender und Key-User. Fasst man das Ganze zusammen, können die hierfür anfallenden Kosten auch recht schnell den Preis von herkömmlichen Lizenzgebühren übersteigen. 


Entstehen einer starken Abhängigkeit von den jeweiligen IT-Mitarbeitern beziehungsweise -Dienstleistern durch ausgeprägte Systemindividualisierung. Fallen diese Spezialisten aus oder verlassen das Unternehmen, kann dies bedeuten, dass Fehlerbehebung und Weiterentwicklung komplett zum Erliegen kommen.

 

Vor- und Nachteile von Closed Source. Auch aus diesem Grund ist das ERP-Umfeld wohl traditionell eher durch Closed-Source-Software geprägt:


Der Anbieter steht für Risiken, wie Ausfälle und Funktionsfähigkeit, in der Verantwortung. Er ist zudem für die Wartung, die Weiterentwicklung und Updates des Systems verantwortlich. 


Insbesondere bei gesetzlichen Änderungen ist dies ein Punkt, der nicht zu vernachlässigen ist. 


Speziell etablierte ERP-Anbieter verfügen über jahrelange Erfahrung aus Projekten in unterschiedlichen Branchen. 


Oft sind hieraus sogar branchenspezifische Lösungen entstanden, die bereits im Standard zahlreiche Anforderungen von Unternehmen abdecken. 


Schnittstellen und Funktionen sind in der Regel ausgiebig getestet und anwenderfreundlich gestaltet. Bei Bedarf stehen professionelle Schulungen zur Verfügung. 


Wird das ERP online genutzt, liegt sogar die komplette Hardware-Thematik beim Anbieter. Dieser kümmert sich dann um wichtige Aspekte wie Ausfallsicherheit, Performance, Datenschutz und Datensicherheit.


J
edoch auch Closed-Source-Software verursacht einen gewissen Aufwand für das initiale Customizing. Hier unterstützt bei Bedarf jedoch der Anbieter oder ein zertifizierter Dienstleister. 


Sollten Anpassungen des Quellcodes erforderlich sein, so darf dies ausschließlich durch den Software-Hersteller oder einen seiner hierzu berechtigten Partner erfolgen. Dies kann kostenintensiv sein, ist jedoch durch spezielle Branchenlösungen weniger oder nicht weitgehend erforderlich. 

 

Ein großes Plus bringen gewisse Hybrid-Lösungen, welche die Vorteile einer Open-Source- mit denen einer Closed-Source-Lösung verbindet. Die Grundlage bildet hier die Auslieferung von einem offenen Standard-Quellcode, dessen Funktionalitäten auf der einen Seite flexibel an die Unternehmensanforderungen angepasst werden und auf der anderen Seite den Support des Herstellers anhand eines Wartungsvertrags sicherstellen können. Somit verringert sich dadurch auch das Risiko eines Informations- und Know-how-Verlustes und der Garantie einer zukunftssicheren ERP-Lösung, die zudem von der Weiterentwicklung des Standardquellcodes profitiert.

 

Fazit. Abschließend gilt es noch einmal festzuhalten, dass es keinen eindeutigen Gewinner bei der Entscheidung zwischen Open Source und Closed Source gibt. Trotzdem eignen sich gewisse Voraussetzungen mehr für die eine oder andere Variante. Beispielsweise sind kleinere Unternehmen mit sehr einfachen Prozessen oder welche mit größeren IT-Abteilungen prädestiniert, um die Potenziale einer Open-Source-ERP-Lösung voll auszuschöpfen. Was aber zunächst wie ein kostengünstiges Paket an lizenzfreier Software aussieht, kann schnell durch zusätzlich notwendige Programmierungen ein unkalkulierbares Kosten-Risiko darstellen. 

Für diverse Unternehmen bietet ein Closed-Source-ERP eine solide Software, bei der nicht der Kunde selbst für die Problemlösung verantwortlich ist, sondern die Verantwortung beim Hersteller liegt. Aus diesem Grund haben sich erfolgreich Hybridlösungen entwickelt, die diese Problematik aufgenommen und somit die Vorteile beider Lösungen vereint haben, nämlich kundenindividuelle ERP-Lösungen mit kompetenter Betreuung, bei der der Kunde selbst entscheiden kann, welchen Eigenanteil an Entwicklung er in das ERP-Produkt miteinbringen möchte. Somit muss nicht zwischen den beiden Extremen von Open- und Closed-Source-Software entschieden werden, sondern kann sich ein ERP ganz nach den individuellen Anforderungen zusammenstellen und dabei die profitablen Merkmale beider Varianten vereinen.      


  
Oliver Ell, Junior Consultant und
Christine Schuhmacher, PR-Redakteurin,
Industrial Application Software GmbH (IAS)
www.caniaserp.de  

 

Illustration: © magazinemaker.de

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