Corona infiziert Weltwirtschaft – Digitalisierung als Impfstoff: Digitaler Notfallplan

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In Krisenzeiten ist die Einrichtung eines Notfallplans die Strategie der Stunde. Hierbei spielt die IT eine wichtige Rolle. Innovation und Digitalisierung sind es, die Unternehmen handlungsfähig halten.

Eine stark zurückgehende Konjunktur,  zahlreiche Unternehmen in Kurzarbeit, ein ins Bodenlose fallender DAX – die Auswirkungen der Corona-Krise auf die Wirtschaft sind gravierend. Covid-19 hält die gesamte Welt in Atem. Selbst als das Virus Europa noch gar nicht erreicht hatte, waren die ersten Kettenreaktionen schon zu spüren. So führten Lieferengpässe bei Komponenten aus China erst zur Verlangsamung, später sogar zur Komplettunterbrechung von Produktionsketten. Fiat Chrysler Automobiles in Serbien musste seine Produktion bereits aussetzen, weil dringend benötigte Bauteile aus China nicht geliefert werden können. Auch die europäische Pharmaindustrie ist stark betroffen und rechnet mit möglichen Engpässen bei diversen Medikamenten. Zahlreiche Pharmahersteller beziehen wichtige Wirkstoffe aus China. Anstatt angesichts dieser beängstigenden Situation allerdings in Panik zu verfallen, ist die Einrichtung eines Notfallplans die Strategie der Stunde. Hierbei spielt vor allem die IT eine wichtige Rolle.

Budgetkürzungen in der IT verschärfen Krise. Aufgrund der schwachen Auftragslage und Krankheitsausfällen in der Belegschaft beginnen viele CEOs, drastische Sparmaßnahmen einzuleiten. Auch wenn Budgetkürzungen unumgänglich sein werden, darf der Digitalisierungsmotor keinesfalls ins Stottern geraten. Schließlich sind es Innovation und Digitalisierung, die Unternehmen handlungsfähig halten.

Business Continuity fußt auf Technologieeinsatz. Unternehmensbereiche, die bereits weitestgehend oder komplett digitalisiert sind, tragen zum Erhalt der Business Continuity bei. Unternehmen mit weit fortgeschrittener Digitalisierung haben in Krisenzeiten somit einen deutlichen Wettbewerbsvorteil. CIOs und Digitalchefs müssen sich darauf einstellen, dass Krisen wie Corona immer wieder auftreten können. Digitalstrategien müssen Risiken mit einbeziehen.

Ein digitaler Notfallplan federt Auswirkungen ab. Spätestens in einer Ausnahmesituation wie dieser führen bisher getätigte Investitionen in digitale Projekte zu einem schnellen ROI. Folgende Bereiche sollte der digitale Notfallplan mindestens umfassen:

  1. Voraussetzungen für Home Office schaffen.
    Remote Work und Digital Workplace sind ein wichtiger Baustein digitaler Resilienz. Um remote zu arbeiten, müssen möglichst schnell technologische Voraussetzungen, beispielsweise die Einrichtung eines VPN sowie cloudgestützte SaaS und Collaboration-Tools, erfüllt werden. Auch die Einbindung der Telefonie in IP- und IT-basierte Kommunikationslösungen sind essenziell.
  2. Collaboration und Agilität in der Unternehmenskultur verankern.
    In der derzeit angespannten Lage bieten cross-funktionale und dezentrale Teams eine deutlich höhere Problemlösungskompetenz als homogene, lokale. Solche virtuellen Teams sind es bereits gewohnt, remote miteinander zu kommunizieren. Empfehlenswert ist auch die Erstellung von Dashboards, anhand derer Vorstand und Geschäftsführung den Stand der Dinge in Echtzeit einsehen können. Dazu können beispielsweise Fortschritte bei bestimmten Projekten zählen, aber auch Schwankungen im Auftragseingang oder der Cashflow.
  3. Cloud Computing etablieren und Daten dezentral verwalten.
    Unternehmen, die Cloud Computing nutzen, haben in der Krise einen deutlichen Wettbewerbsvorteil. Wenn Umsätze rückläufig sind und weniger IT-Kapazitäten benötigt werden, sinken bei einem On-Demand-Modell die Kosten. On-Premises-Netzwerke bieten diese Skalierungsmöglichkeit nicht. Ein weiterer Vorteil der Cloud ist die Datenspeicherung in dezentralen Rechenzentren. Selbst wenn sich Probleme an einem Standort ergeben, sind die Auswirkungen gering. Darüber hinaus bietet Cloud Computing Flexibilität bei der Nutzung einzelner Services und APIs, sodass Innovationen auch in Zeiten von Budgetkürzungen vorangetrieben werden können und das Tagesgeschäft einfacher am Laufen gehalten werden kann.
  4. Data Analytics ermöglicht Transparenz, Nachvollziehbarkeit und Prognosen.
    Wenn ein Unternehmen in Richtung Data Driven Company entwickelt wurde, zahlt sich das spätestens jetzt aus. KI und Analytics unterstützen durch Simulations- und Prognosefähigkeiten faktenbasierte Entscheidungen. Stresstests liefern Einblicke, wie sich unvorhergesehene Situationen beispielsweise auf Lagerbestände, Liefertermine und Personalverfügbarkeit auswirken können.
  5. Auf digitale Produkte und IoT setzen.
    Unternehmen mit digitalen Angeboten werden von Krisen weniger hart getroffen. Der Onlinehandel beispielsweise hat seit dem Ausbruch von Corona ein deutliches Wachstum zu verzeichnen. Digitale Self Services wie Chatbots oder Livechats unterstützen auch Kunden, die bisher nicht online eingekauft haben. Im industriellen Bereich sind jetzt Dienstleister für Fernwartungsdienste, beispielsweise auf der Basis von Augmented Reality, oder Hersteller vernetzbarer Maschinen besonders gefragt. Innovative Technologien bieten die Möglichkeit, den Betrieb auch bei Krankheitsfällen innerhalb der Belegschaft aufrecht zu erhalten, weil sich durch sie bestimmte Abläufe und Prozesse automatisieren lassen.

Was Unternehmen aus der Corona-Krise lernen sollten. An der Covid-19-Epidemie sieht man, wie die Digitalisierung Krisen abfedern kann. Daraus ergibt sich, dass Unternehmen gut damit beraten sind, in neue Technologien zu investieren. Dann können irgendwann Medikamente per Drohne ausgeliefert, Patienten mit autonomen Fahrzeugen transportiert und Impfstoffe mit Quantenrechnern innerhalb weniger Stunden entwickelt werden. Unsere hyper-vernetzte Welt birgt neue Risiken, denen man nur mit hyper-intelligenten Lösungen begegnen kann. Und die sind digital.


Dr. Carlo Velten,
Digitalisierungsexperte und Mitgründer
von Cloudflight

 

 

Illustration: © anttoniart/shutterstock.com

 

 

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